Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Familie, Gott und Vaterland

Wenn amerikanische Präsidenten zum Kampf für "Familie, Freiheit und Gott" aufrufen, wie gestern Donald Trump in Warschau, kann einem nur Angst und Bange werden. Als dies zuletzt George W Bush tat, zorg das einen Krieg mit hunderttausenden von Opfern nach sich.

7.7.17 17:46, kommentieren

Ehe für alle oder Ehe mit Rechtsextremen?

Mittlerweile merken selbst Menschen innerhalb der AfD, dass die Partei ein Sammelbecken für Rechtsextremisten und Neonazis ist und ziehen die Konsequenzen. Das hält so manches rechtskatholische Nachrichtenportal oder auch rechtskatholische Blogs nicht davon ab, diese Partei als für einen Christen einzig wählbare zu relativieren oder zumindest Sympathien zu bekunden. Es reicht eben schon aus, wenn man die braune Ideologie mit etwas Lebensschutzfarbe übertüncht und gegen die "Ehe für alle" wettert, um bei diesen Menschen als gut katholisch zu gelten.

Wenn der Berliner Erzbischof Koch kritisiert, dass die "Ehe für alle" Christen in die Arme der AfD treibe, bei ihm kämen „stapelweise Briefe“ ein, in denen behauptet werde, dass die AfD „die einzige Partei“ sei, die noch christliche Inhalte vertrete, dann ist seine Aufgabe doch offensichtlich. Er sollte diese Briefe beantworten, um diesen Menschen klar zu machen, dass die "Ehe für alle" im Vergleich zu den rechtsextremen Positionen in der AfD wahrlich ein kleines Problem seien, dass diese Partei aufgrund ihrer Ausländerfeindlichkeit und völkischen Ideologie für einen Katholiken nicht wählbar ist.

6.7.17 09:52, kommentieren

Scheiß Zeiten

Spannende Zeiten in der katholischen Kirche. Und in solchen kann man sich manchmal nur schämen, Katholik zu sein. Mit dem Dauerfeuer gegen die "Ehe für alle" war zu rechnen, auch wenn die Argumentation etwas verwundert, erweckt der katholische Tradi doch den Eindruck, dass seine Vorstellung einer sakramentalen Ehe dem des Grundgesetzes oder gar der jesuanischen entsprechen würde.
 
Das ist natürlich absolut nicht der Fall. Wenn Jesus von Ehe sprach, hatte er zunächst einmal die Verbindung eines erwachsenen Mannes mit einem pubertären Mädchen ohne weitere Rechte im Blick, dessen Schicksal und Würde es zu schützen galt. Der Vollzug der Ehe (man meint damit den Geschlechtsverkehr), der der katholischen Kirche so wichtig ist, um sie zu einer unauflöslich-sakramentalen Verbindung zu machen, und das natürlich nur, wenn auch beide Ehepartner katholisch sind, hat wohl mit Jesu Eheverständnis (Katholiken gab es da noch nicht) und auch mit dem des Grundgesetzes nur wenig gemein. Warum lässt man dem Staat nicht einfach seine säkulare Ehe und konzentriert sich innerkirchlich auf die sakramentale? Warum lässt man die Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben, nicht einfach in Ruhe heiraten, ob sie nun homo- oder hetero sind?

Innerkirchlich, Jesus bediente sich gerne der Formulierung "Reich Gottes", sollte es sowieso anders zugehen als draußen in der Welt. Schön wär's. Im Haifischbecken Vatikan hat man gerade einen großen Weißen ersetzt, ganz legal und rechtens. Das passt aber nicht allen kleineren Haifischen, so dass man ordentlich ins Becken macht und für eine trübe Brühe sorgt. Kleine Skandälchen und schmutzige Gülle bewahrt man - wie in der Welt draußen auch - genau für solche Momente auf, um sie dann an geeigneter Stelle ins Becken zu kippen.

Urplötzlich kramt man einen Skandal aus vergangenen Tages aus, um Franziskus und den Nachfolger von Kardinal Müller zu diskreditieren. Weil die Vertuschung eines Missbrauchsfalles allerdings nicht in die Amtszeit Franziskus fällt, muss man das Ganze so drapieren, dass man Franziskus  zwar besudelt, er hat diesen Mann schließlich installiert, den hochverehrten Benedikt aber möglichst außen vor lässt, obwohl der damals am Ruder war.

Und so viel übrigens zum Thema, dass Missbrauch nie systematisch vertuscht wurde, wie Kardinal Müller vor Wochen noch behauptete. Schade, dass im vatikanischen Haifischbecken wie in anderen Haifischbecken auch die Scheiße eben doch nicht immer gleich nach oben schwimmt. Schön ist auch die Begründung für das Unterlassen einer öffentlichen Anzeige des Missbrauchspriesters: Der dumme Laie soll wieder einmal nicht verwirrt und vor solchen Skandalen geschützt werden. Leider oder zum Glück funktioniert der vatikanische Wasserfilter nicht immer, so dass auch die kleinsten Fische irgendwann doch bemerken, dass es einen Unterschied zwischen Gülle und Bergquellwasser gibt.

3.7.17 17:39, kommentieren

Wen trifft die Härte des Herrn?

Kardinal Sarah meint, dass man homosexuell orientierte Menschen erniedrige, wenn man ihnen ein Leben in Keuchheit nicht zutraue. Vielleicht sollte man ihm einmal das Buch seines ehemaligen Kollegen aus der Glaubenskongregation, Krzysztof Charamsa, anempfehlen, dann kann er sich einmal ein Bild davon machen, was genau diese Menschen erniedrigt, nämlich ein kirchliches System, das sie zu enthirnten Klonen macht, die gezwungen werden, ihre eigene Sexualität zu verdrängen.
 
Ich frage mich sowieso, weshalb ein Kardinal nach einem weltweiten Missbrauchsskandal meint, sich zum Thema Homosexualität in dieser Weise äußern zu müssen, wenn klar ist, dass die meisten Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche Jungs waren?! Selbst bei der kirchlichen Elite scheint das Konzept der Enthaltsamkeit also mehr Schaden anzurichten, als dass es hilft.

Weshalb gerade ein Kardinal aus Afrika das Thema aufgreift, ist mir schließlich völlig schleierhaft, sollte er sich doch eher darum kümmern, dass Homosexuelle auf seinem Kontinent nicht mehr verfolgt, bestraft und gefoltert werden. Dann hätte er die harten Worte des Herrn wirklich verstanden, die richten sich nämlich in ihrer Härte selten gegen Opfer, fast immer aber gegen religiöse Gesetzeslehrer und Eliten, Herr Kardinal!

18.6.17 16:27, kommentieren

Die wahren Freunde des Papstes

Zur Zeit kann man im vatikanischen Haifischbecken eine spannende Beobachtung machen. Kritik an Benedikt XVI  nennt Kardinal Sarah diabolisch, Kritik an Franziskus ist nach Kardinal Müller offensichtlich ein Zeichen wahrer Freundschaft, wenn er meint, dass die wahren Freunde des Papstes nicht jene wären, "die ihm schmeicheln".
 
Es wundert mich immer weniger, dass Franziskus nach seiner Papstwahl ein anderes Aquarium bewohnen wollte. Apropos "diabolisch"... Wer den Leibhaftigen nicht als gehörnten Ziegenpeter mit Hinkebein glaubt, der hat umgehend die Inquisition aus Linz an der Backe (hier und hier). Trifft man einen Jesuiten, trifft man alle... ein diabolischer Gedanke?

10.6.17 13:43, kommentieren

Demos gegen alle

Birgit Kelle wundert sich auf kath.net über das Ausbleiben von Demonstrationen  friedlicher Muslime gegen den Terrorismus ihrer islamistischen Mitbrüder und wagt die These, dass Millionen von Christen auf die Straße gehen würden, wenn jemand im Namen Jesu unschuldige Menschen töten würde.

Vielleicht sind meine Recherchekünste nur eingeschränkt, aber bisher habe ich im Internet von Frau Kelle keine Aufrufe zu Demonstartionen gefunden, als der amerikanische Präsident Bush zum Kreuzzug gegen den Terror aufrief, in den Irak einmarschierte und tausende von unschuldigen Menschen starben. Dabei liegt es der Dame durchaus Demos zu organisieren oder an ihnen teilzunehmen. Wenn es gegen Gender oder Schwule geht, dann ist sie in der Regel ganz vorne dabei.

Aber vielleicht tu ich ihr auch Unrecht und sie war 2001 auch auf der Straße gegen Bush...

7.6.17 10:38, kommentieren

Bischof Oster auf Zuckerentzug

Von seiner theologischen Ausrichtung ist Jugendbischof Oster ein Greiser, ein Mann vergangenener Tage, der in Polen, wo die kirchlichen Uhren noch um einige Jahrzehnte nachgehen, besser aufgehoben wäre als in Deutschland. Bei seinem Antrittsbesuch vor dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend wirft er dem Verband vor, ein Evangelium light zu vertreten. Was ist seine Kritik?

Engagement für Flüchtlinge und gegen Rassismus seien zwar löblich, und auch die demokratische Beteiligungskultur sei begrüßenswert, aber man sei zuerst einmal Kirche und nicht Politik. Der Jesus, der in der "Theologie der Verbände" zum Vorschein komme, sei eine Karikatur, viel zu nett.

Und natürlich blieb es nicht nur bei der Kritik des Vorhandenen, Oster zeigt auch auf, wie er sich eine Korrekktur hin zum wahren Evangelium vorstellt: Mehr beten und gegen Abtreibung demonstrieren.

Statt wirklich zu helfen, also demonstrieren, statt hinaus in die Welt zu gehen, also beten. Vielleicht so wie im Gebetshaus zu Augsburg, mit einer spektakulären Show, da fand Oster zumindest keine kritischen Worte. Das also ist Osters Vorstellung von Evangelium?

Aus meiner Sicht könnte Oster vom BDKJ lernen, seine eigene Lightversion zu überdenken und das zu tun, was Jesus und die Apostel taten: Hinausgehen in die Welt und die frohe Botschaft eines "netten" Gottes verkünden, der seinen Himmelsthron verlässt und sich die Mühe macht,  als (mit-) leidender Mensch zu den Ärmsten der Armen zu gehen. Die nennt man heute z.B. Flüchtlinge oder auch Frauen in Konfliktsituationen. Denen kann man übrigens auch tatkräftig helfen, dazu bedarf es auch gar keiner großen Demonstration!

Die Süße des Evangeliums kann Oster sich aber auch auf anderem Wege besorgen: Papst Franziskus verteilt sie gerade auf beeindruckende Weise in Fatima (vgl. hier).

13.5.17 10:01, kommentieren