Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Kirchenpolitik und göttliche Offenbarung

Es ist schon eine wirkliche Farce, was sich da gerade um das Apostolische Schreiben "Amoris laeitia" herum abspielt. Nun hört man heute zum ersten Mal die gewichtige Stimme Kardinal Müllers, dem Präfekten der Glaubenskongragtion, zu dem Thema.

In Bezug auf die Streitfrage um die Zulassung wiederverheiratet Geschiedener meint Müller: "Wir können sicher davon ausgehen, dass der gerechte und barmherzige Gott immer unser Heil will, in welcher Not wir uns auch befinden. Es steht aber nicht in der Macht des Lehramtes, die Offenbarung Gottes zu korrigieren oder die Nachfolge Christi bequem zu machen."

Das finde ich eine ganz sinnvolle und schlüssige Aussage! Ich wundere mich allerdings, dass die Wogen gerade im Zusammenhang mit "Amoris laetitia" so hoch schlagen, denn es ist doch ganz offensichtlich in der Offenbarung Gottes grundgelegt, dass er ein zutiefst barmherziger ist. Er selbst gibt sich in die Welt hinein, um gerade den Sündern, den Armen und Ausgestoßenen nahe zu sein. An dieses Programm hält sich auch Franziskus, der wie Jesus zu diesen Menschen geht und ihnen nicht ihre Verfehlungen vor den Schädel knallt, sondern eine helfende und heilende Hand ausstreckt. "Ich verurteile dich nicht!" Das ist die Stimme Gottes gegenüber der Ehebrecherin. "Ich bin bei dir!"

Den Papst nun in seinem jesuanischen Tun zu kritisieren, ist schon ein starkes Stück. Als Johannes Paul II 1994 die Unmöglichkeit der Kirche, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, definitiv entschied und autoritär jede weitere Diskussion untersagte, hörte man aus den Reihen dieser Kritiker keinen Widerspruch. Und das, obwohl die Päpstliche Bibelkommission schon 1976 feststellte, dass es im Neuen Testament keine klaren Hinweise gibt, die ein solches Verbot rechtfertigten. Ohne eindeutigen konkreten Anschluss an die Offenbarung wurde eine definitive Lehrentscheidung getroffen, mit der deutlichen Forderung, jede weitere Diskussion dieser Frage einzustellen. Aus den Reihen der heutigen Kritiker gab es damals nur Zustimmung, sie spürten keine Sorge um die Lehre, keine Verwirrung der Gläubigen, die es damals wie heute natürlich gibt, weshalb Franziskus zum Glück das frühchristliche Diakonissenamt wieder in den Blick rückt.

1 Kommentar 1.12.16 16:49, kommentieren

Gandalfs Kampf gegen die Verwirrnis

Der weiße Zauberer Gandalf hat sich die Eskapaden des weißen Mannes in Rom nun lange genug angeschaut. Eine Kröte nach der anderen hatte er schlucken müssen, um weiter den Anschein des Papsttreuen zu mimen. Doch seit einigen Tagen scheint Schluss damit zu sein. Die Geschichte um vier alte und weise Kardinäle und eine ausbleibende Antwort brachte das Fass zum Überlaufen. Der Weiße reitet jetzt wieder gegen Rom, viele seiner strammen Kämpfer an seiner Seite.
 
Das Lehramt des Papstes, wie es sich im nachsynodalen Schreiben "Amoris laetitia" darstellt, weicht erheblich vom Gandalfschen Lehramt ab. In einer Flut von Beiträgen wird nun gegen Franziskus geschossen, um ihn wieder zur Vernunft zu bringen, damit er wieder auf Gandalfs Linie einzuschwenkt.

Am 23.11. blies Gandalf in einem persönlichen Kommentar offiziell zum Angriff:

"Die 4 Kardinäle hatten jedes Recht, das öffentlich zu machen..
Wer wenn nicht die Kardinäle... Und zur Erinnerung: Papst Franziskus hatte 2 Monate nicht geantwortet und die Fragen ignoriert. Und ich weiß, dass die 4 nicht die einzigen sind, die hier Anfragen haben. Auch andere Kardinäle aus dem Vatikan haben die selben Fragen und namhafte Kardinäle aus anderen Ländern. Diese Verwirrnis rund um AL kann man nicht mehr unterdrücken, ob einem das nun gefällt oder nicht. Ich war am Anfang optimistisch, dass es nicht so kommen wird, aber inzwischen sind doch viel gute Katholiken, die ich schätze, der Meinung, dass AL leider nicht besonders fruchtbar für unsere Kirche sein wird. Leider."

Und Gandalfs Gefolge hatte verstanden, die Kommentarschlacht war eröffnet:


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30.11.16 15:25, kommentieren

Eine Anekdote des Vatikan-Korrespondenten Angelo Johanni

Am frühen Morgen begab Franziskus sich wieder in den Petersdom. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da trugen vier alte und erfahrene Kardinäle und ihre Unterstützer von kath.net und der Blogözese den Fall einer Frau vor, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie warfen sie in die Mitte und sagten zu ihm: "Heiliger Vater, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Jesus hat uns im Evangelium vorgeschrieben, solche Frauen von den Sakramenten auszuschließen. Nun, was sagst du?"

Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Franziskus aber bückte sich zu der Frau hinunter und wies mit dem Finger auf das Apostolische Schreiben "Amoris laetitia".

Als die Kardinäle hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: "Wer von euch ohne Sünde ist, schließe sie von den Sakramenten aus." Und er bückte sich wieder zu der Frau hinunter und schrieb der Kardinäle Verfehlungen auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst der Älteste.

Franziskus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte hockte. Er richtete sie auf und sagte zu ihr: "Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?" Sie antwortete: "Keiner, Vater". Da sagte Franziskus zu ihr: "Auch ich verurteile dich nicht. Lass uns gemeinsam versuchen, weniger zu sündigen!"

1 Kommentar 19.11.16 10:42, kommentieren

Rechter Populismus

Immer wieder gegen die rechtskatholische Propaganda auf katholischen Nachrichtenportalen und der katholischen Bloggerwelt anzuschreiben ist ermüdend. Man wiederholt sich, hat den Eindruck, das alles schon einmal geschrieben zu haben.

Zudem habe ich das Gefühl, dass es in der Kirche insgesamt besser läuft, seitdem Franziskus am Ruder steht. Die Riege der papsttreuen katholischen Publizistik ist doch entscheidend ruhiger und weniger aggressiv unterwegs und auch kath.net ist etwas friedlicher geworden.

Trotzdem ist es Papst Franziskus wohl nicht entgangen, was im deutschsprachigen Raum so los ist. Bei der Audienz mit Ministerpräsidenten Torsten Albig sprach er das Thema Fremdenfeindlichkeit und Populismus offensichtlich aus eigenem Antrieb an.

Albig vertrat dabei die Linie der Kanzelrin, sah aber deutlich die Gefahr des rechten Populismus:

„Das Besorgniserregende oder das Traurige daran ist: Dass wir in einer Zeit, in der wir einer solch humanitären Aufgabe in Deutschland eigentlich eindrucksvoll gerecht geworden sind und Anlass hätten, uns über diesen Erfolg zu freuen – dass wir gerade dabei sind, uns in dieser Angst zu verfangen. Und diese Angst führt uns auf eine schiefe Bahn, das merken wir auch in Schleswig-Holstein.“

Schade, dass Franziskus dabei nicht besonders den Populismus anprangert, der aus der katholischen Ecke kommt. Eine Paradebeispiel für einen solchen liefert aktuell Padre Ockenfels auf kath.net, ausgerechnet unter dem Titel “Populistische Phrasendrescher”. Der Artikel könnte also glatt als Satire durchgehen, ich befürchte allerdings, dass Ockenfels das so meint, wie er es schreibt.

Fester Bestandteil einer jeden rechtskatholischen Propaganda ist die Kritik an der “deutschen Nationalkirche” mit ihrem geldgeilen Kirchensteuersystem, ob es passt oder nicht, das muss in einen richtigen Ockenfels hinein, auch wenn er eigentlich über Populismus und Flüchtlingspolitik schreibt.

In den ersten Kapiteln gibt es denn auch wenig Konkretes, unbegrüdetes rechtskatholisches Blabla. Doch eine Sache ist interessant, die Art und Weise, wie Ockenfels die Bergpredigt, letztendlich das Evangelium kastriert.

“Die Kirchenleitungen sind in Deutschland gerade dabei, ihre Wahrheitsansprüche dialogisch-dialektisch aufzuheben, in trauter Eintracht die Bergpredigt Jesu als politische Handlungsanweisung umzudeuten und – namentlich in der Flüchtlingsfrage – die strukturelle Soziallehre mit individualmoralischen Pflichten zu verwechseln.”

Hört sich kompliziert an, soll es auch, damit keiner versteht, was hier steht: Christentum und Evangelium haben nach Ockenfels nichts in der Politik zu suchen, Politiker sollten möglichst nicht mit der Bergpredigt hantieren. Dann kann man auch die C-Parteien ignorieren und mit sauberem Gewissen zur AfD wechseln. Aber das meint Ockenfels sicher nicht...

Das Recht auf Asyl hochzuhalten, Flüchtlinge in Not aufzunehmen, also die “Wir-schaffen-das-Linie” der Kanzlerin bezeichnet er als “quasitheologischen Nonsens”. “Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen”, lesen wir aus Jesu Munde im Matthäusevangelium. Und danach richtet er die Menschen. Nach Ockenfels quasitheologischem Populismus ist das hanebüchener Schwachsinn und “pastoraler Populismus”, das gilt vielleicht für den deutschen Bettler, nicht aber für den syrischen Flüchtling. Der gehört hier gar nicht hin, dann kann einem die Bergpredigt auch nicht quer kommen. Flüchtling! Lass dich taufen und verrecke im Mittelmeer oder im Krieg, im Himmel wird es dir dann schon besser gehen.

Ohne Merkel gäbe es also in Deutschland gar keine Probleme mit Flüchtlingen. Klar, wenn man alle an den Grenzen verrecken ließe, dann wäre das wohl so, AfD-Populismus lässt grüßen.  Und sicherlich wird Merkel auch für den Krieg in Syrien und im Irak verantwortlich sein!

Und natürlich darf zum Schluss auch die Lügenpresse nicht fehlen, in der arme Katholiken wie Ockenfels zensiert werden. Ich frage mich, weshalb mir sein Gerede auf kath.net oder in der Jungen Freiheit begegnet?

Letztlich versucht er dann noch die Befürworter der merkelschen Flüchtlingspolitik mit Nazivokabular zu verunglimpfen, eine Strategie, die man von den Höckes, Petrys und Gaulands dieser Nation schon zur Genüge kennt. Die “Aufsüdung” des Volkes sei aufgrund der massenhaften Abtreibung nötig, damit wäre Tradis Lieblingsthema auch noch drin und die Verschwörungstheorie perfekt. Brovo Ockenfels.

Zuletzt weist er Merkel noch Slogans aus der Persil-Werbung nach, sein Thema war ja populistische Phrasen, nicht vergessen! Ich frage mich, wann Ockenfels endlich nen Persilschein bekommt. KzH bis DZE heißt das bei der Bundeswehr.

2 Kommentare 11.10.16 12:57, kommentieren

Überflüssiges II

Tja, jetzt musste kath.net wohl die Gegendarstellung von Kardinal Kasper drucken, der sich gegen den Begriff des "Gegners" wehrt und Gänswein im Grunde der Falschaussage bezichtigt (er formuliert es natürlich netter). Der Kommentarbereich bleibt gesperrt, der kath.net-Mob wäre wohl kaum noch zu bändigen.

Ist es das, was Benedikt sich von seinen "letzten Gesprächen" wünscht, eine Schlammschlacht? ich kann es mir nicht vorstellen. Er hat offensichtlich nach wie vor kein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Vertrauten...

14.9.16 17:22, kommentieren

Überflüssiges

In der Diskussion um die Frage, inwiefern es angemessen ist, dass sich der Papst emeritus trotz seiner Ankündigung, die Öffentlichkeit zu meiden und die Kirche betend zu begleiten, nun in einem Interviewbuch zu Wort meldet, war ich bislang der Meinung, dass Franziskus ihm diesen Weg eröffnet hat und dies auch völlig in Ordnung ist.

Wenn ich nun aber sehe, welch traurige Inszenierung Gänswein und Seeberg bei den Buchvorstellungen veranstalten, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Was soll die völlig überflüssige Kritik an der Kirche in Deutschland? Sind die Aussagen Benedikts schon grenzwertig, ist das Gekeife von Gänswein und Seewald ein unwürdiges Spektakel. Die Formulierung "getroffene Hunde bellen" oder Kardinal Kasper und Hans Küng als "Gegner und Nichtfreunde" Benedikts zu bezeichnen, stiftet doch nur Unfrieden und reißt Gräben wieder auf. Was soll das? Wenn man theologisch unterschiedliche Positionen bekleidet, muss man doch nicht von "Gegnern und Nichtfreunden" sprechen.

Und die deutsche Kirche muss sich vor dem Hintergrund, was sie in der Flüchtlingskrise leistet, sicher nicht schämen. Wo ist die Kritik an den katholischen Vorzeigestaaten nach Benedikts Fasson, die sich gegen Flüchtlinge abschotten? Oder gehört Nächstenliebe nicht mehr zum christlichen Wertekanon?

Und inwiefern der Umgang mit Hans Küng tatsächlich als Schutz durch Benedikt verstanden werden kann, wird wohl auch Gänsweins Geheimnis bleiben.

13.9.16 19:02, kommentieren

Für Vertriebene und gegen Flüchtlinge

Klaus Kelle gibt der CDU nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern auf kath.net ein paar Tipps, wie sie mit "christlicher" Politik die abtrünnigen AfD-Wähler zurückgewinnen könnte: Gegen Zuwanderung, gegen Islam, gegen Schwule, gegen Gender, gegen Multikulti!
 
Stattdessen: Für den Marsch für das Leben (das Leben der obigen Gruppen sicherlich einmal ausgenommen), für Vertrieben (also Deutsche, muslimische Flüchtlinge kann er ja nicht meinen), für Mittelständler, für Landfrauen, für Katholiken.

Ein schönes Beispiel dafür, was Rechtskatholiken als "christlich" begreifen. Man kann sich nur wünschen, dass diese Leute irgendwann aufwachen und ihre Menschenverachtung vor ihrer Rückkehr in die C-Partei bei der AfD lassen.

1 Kommentar 5.9.16 18:38, kommentieren