Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Wen trifft die Härte des Herrn?

Kardinal Sarah meint, dass man homosexuell orientierte Menschen erniedrige, wenn man ihnen ein Leben in Keuchheit nicht zutraue. Vielleicht sollte man ihm einmal das Buch seines ehemaligen Kollegen aus der Glaubenskongregation, Krzysztof Charamsa, anempfehlen, dann kann er sich einmal ein Bild davon machen, was genau diese Menschen erniedrigt, nämlich ein kirchliches System, das sie zu enthirnten Klonen macht, die gezwungen werden, ihre eigene Sexualität zu verdrängen.
 
Ich frage mich sowieso, weshalb ein Kardinal nach einem weltweiten Missbrauchsskandal meint, sich zum Thema Homosexualität in dieser Weise äußern zu müssen, wenn klar ist, dass die meisten Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche Jungs waren?! Selbst bei der kirchlichen Elite scheint das Konzept der Enthaltsamkeit also mehr Schaden anzurichten, als dass es hilft.

Weshalb gerade ein Kardinal aus Afrika das Thema aufgreift, ist mir schließlich völlig schleierhaft, sollte er sich doch eher darum kümmern, dass Homosexuelle auf seinem Kontinent nicht mehr verfolgt, bestraft und gefoltert werden. Dann hätte er die harten Worte des Herrn wirklich verstanden, die richten sich nämlich in ihrer Härte selten gegen Opfer, fast immer aber gegen religiöse Gesetzeslehrer und Eliten, Herr Kardinal!

18.6.17 16:27, kommentieren

Die wahren Freunde des Papstes

Zur Zeit kann man im vatikanischen Haifischbecken eine spannende Beobachtung machen. Kritik an Benedikt XVI  nennt Kardinal Sarah diabolisch, Kritik an Franziskus ist nach Kardinal Müller offensichtlich ein Zeichen wahrer Freundschaft, wenn er meint, dass die wahren Freunde des Papstes nicht jene wären, "die ihm schmeicheln".
 
Es wundert mich immer weniger, dass Franziskus nach seiner Papstwahl ein anderes Aquarium bewohnen wollte. Apropos "diabolisch"... Wer den Leibhaftigen nicht als gehörnten Ziegenpeter mit Hinkebein glaubt, der hat umgehend die Inquisition aus Linz an der Backe (hier und hier). Trifft man einen Jesuiten, trifft man alle... ein diabolischer Gedanke?

10.6.17 13:43, kommentieren

Demos gegen alle

Birgit Kelle wundert sich auf kath.net über das Ausbleiben von Demonstrationen  friedlicher Muslime gegen den Terrorismus ihrer islamistischen Mitbrüder und wagt die These, dass Millionen von Christen auf die Straße gehen würden, wenn jemand im Namen Jesu unschuldige Menschen töten würde.

Vielleicht sind meine Recherchekünste nur eingeschränkt, aber bisher habe ich im Internet von Frau Kelle keine Aufrufe zu Demonstartionen gefunden, als der amerikanische Präsident Bush zum Kreuzzug gegen den Terror aufrief, in den Irak einmarschierte und tausende von unschuldigen Menschen starben. Dabei liegt es der Dame durchaus Demos zu organisieren oder an ihnen teilzunehmen. Wenn es gegen Gender oder Schwule geht, dann ist sie in der Regel ganz vorne dabei.

Aber vielleicht tu ich ihr auch Unrecht und sie war 2001 auch auf der Straße gegen Bush...

7.6.17 10:38, kommentieren

Bischof Oster auf Zuckerentzug

Von seiner theologischen Ausrichtung ist Jugendbischof Oster ein Greiser, ein Mann vergangenener Tage, der in Polen, wo die kirchlichen Uhren noch um einige Jahrzehnte nachgehen, besser aufgehoben wäre als in Deutschland. Bei seinem Antrittsbesuch vor dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend wirft er dem Verband vor, ein Evangelium light zu vertreten. Was ist seine Kritik?

Engagement für Flüchtlinge und gegen Rassismus seien zwar löblich, und auch die demokratische Beteiligungskultur sei begrüßenswert, aber man sei zuerst einmal Kirche und nicht Politik. Der Jesus, der in der "Theologie der Verbände" zum Vorschein komme, sei eine Karikatur, viel zu nett.

Und natürlich blieb es nicht nur bei der Kritik des Vorhandenen, Oster zeigt auch auf, wie er sich eine Korrekktur hin zum wahren Evangelium vorstellt: Mehr beten und gegen Abtreibung demonstrieren.

Statt wirklich zu helfen, also demonstrieren, statt hinaus in die Welt zu gehen, also beten. Vielleicht so wie im Gebetshaus zu Augsburg, mit einer spektakulären Show, da fand Oster zumindest keine kritischen Worte. Das also ist Osters Vorstellung von Evangelium?

Aus meiner Sicht könnte Oster vom BDKJ lernen, seine eigene Lightversion zu überdenken und das zu tun, was Jesus und die Apostel taten: Hinausgehen in die Welt und die frohe Botschaft eines "netten" Gottes verkünden, der seinen Himmelsthron verlässt und sich die Mühe macht,  als (mit-) leidender Mensch zu den Ärmsten der Armen zu gehen. Die nennt man heute z.B. Flüchtlinge oder auch Frauen in Konfliktsituationen. Denen kann man übrigens auch tatkräftig helfen, dazu bedarf es auch gar keiner großen Demonstration!

Die Süße des Evangeliums kann Oster sich aber auch auf anderem Wege besorgen: Papst Franziskus verteilt sie gerade auf beeindruckende Weise in Fatima (vgl. hier).

13.5.17 10:01, kommentieren

Der Spott der Benedikttreuen

Der Wiener Dogmatik-Professor Jan-Heiner Tück bemerkte vor ein paar Tagen auf Radio Vatikan, dass man Benedikt XVI vor allem "gegen seine Liebhaber" verteidigen müsse. Wie Recht er damit hat, demonstriert Matthias Matussek auf verschiedenen rechtspopulistischen Seiten (z.B. hier) auf beeindruckende Art und Weise.

Eine kitschige Heiligsprechung Benedikts konterkariert er mit schäbigem Spott gegenüber Franziskus. Das also ist aus der ehemals papsttreuen deutschsprachigen Publizistik geworden, erbärmliche Papstkritiker auf Stammtischniveau (ein anderer aus der Riege hier).

18.4.17 14:39, kommentieren

Alternative für Ockenfels

Noch im Februar regte sich mein Lieblingsdominikaner Padre Ockenfels darüber auf, dass deutsche Bischöfe sich in den politischen Wahlkampf einmischen:

"Hier vermischen sich Glaube und Politik, und die klassische Unterscheidung, die ursprüngliche Gewaltenteilung zwischen imperium und sacerdotium, zwischen Staat und Kirche löst sich auf.

Nach der Devise "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" wird er aktuell zum Youtube-Star für die AfD

22.3.17 17:39, kommentieren

The Hunger Games

Bischof Oster hat die Magie zurück in die katholische Kirche geholt, sein Obermagier ist Showprediger Johannes Hartl. Magie ist die geheime Kunst sich übersinnliche Kräfte dienstbar zu machen, sie für die eigenen Zwecke einzusetzen.

"Die Welt besteht mehr als aus dem Sichtbaren. Es gibt Kräfte zwischen Himmel und Erde, von denen die Naturwissenschaft nichts weiß. Gott erhört Gebet, und Gebet hat real Kraft. In besonderen Zeiten jedoch wird in der Bibel zusätzlich dazu gefastet. Zum Beispiel hier, wo eine nationale Katastrophe droht und ein Plan des Bösen verwandelt werden soll."

Und die nationale Katastrophe scheint auch uns zu drohen, hat man sich im Gebetshaus doch für die vorösterliche Fastenzeit vorgenommen, die Rettung Europas herbeizuhungern. Europa scheint besonders bedroht zu sein, doch "alle Tendenzen und Pläne der Zerstörung über unseren Ländern sind für Gott kein Hindernis". Man fragt sich, weshalb die Flüchtling der Welt zu großen Teilen nach Europa drängen, wo doch hier die große Zerstörung droht?!?

Wie auch immer, Hartl weist uns den Weg, das Böse zu besiegen und Europa zu retten: "Lasst uns in diesen 40 Tagen fasten und beten für Leben statt Tod und Heil statt Zerstörung - eine veränderte Geschichte in Europa." Und so wundert es auch nicht, dass er für seine theologische Begründung nicht auf das Neue Testament verweist, sondern eine Geschichte aus dem Buch Ester bemüht, wo die Heldin das Volk um Beistand durch Fasten bittet und so die Vernichtung der Juden verhindert. Mit Jesu Reden und Handeln wäre es nämlich relativ schwierig, ein solch Gott besänftigendes und lenkendes Ritual zu begründen.

"Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet." (Mt 6,5-8)

Scheinbar weiß Gott, was wir uns wünschen und was wir brauchen, leider wissen wir nicht immer, was Gott will, das musste schon Hiob lernen, der sich an alle religiösen Vorschriften und Rituale hielt und dennoch leiden musste. Und auch Jesus bitte Gott den Kelch des Kreuzestodes noch einmal an ihm vorbei ziehen zu lassen. Doch Gottes Pläne waren andere.

Zu oft hatte Jesus sich mit den religiösen Eliten seiner Zeit angelegt, hatte mit seiner Tempel- und Gesetzeskritik die Mächtigen gegen sich aufgebracht. Die Reinheitsgebote und das Sabbatgebot hatte er relativiert und den Männern den Scheidebrief gegen das mosaische Gesetz untersagt. Wer so mit den Machtinstrumenten der Mächtigen der Welt umgeht, lebt gefährlich.

Seine Reich-Gottes-Botschaft, die Reich Gottes schuf, indem die Leidenden geheilt, die Armen gespeist und die Ausgestoßenen integriert wurden, war denjenigen, die Vorteile aus den Unterschieden zogen, ein Dorn im Auge. Seine Tischgemeinschaften, seine Feiern mit diesen Menschen wurden ihm zum Vorurf gemacht: "Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!" (Mat 11,19)

Und so kehrten die Eliten dieses Verhalten Jesu ins Gegenteil um, indem sie ihre Autorität als Verwalter der Gesetze Gottes und der religiösen Rituale gegen ihn verwendeten:

"Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten." (Mat 9,14f)

Aber anders als die Johannesjünger, die sich vor dem apokalyptischen Endgericht wähnten und diesem mit Fasten entgegenfürchteten, verkündet Jesus eine Freudenzeit, denn der Herr ist unter den seinen, und dies gilt es zu feiern. Und in dieser Freudenzeit sollten doch alle Geistgetauften leben.

Vielleicht sollte Hartl seine Anhängerschaft also eher dazu animieren, hinaus an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und dort mit den Einsamen, den Obdachlosen, den Armen und Kranken zu feiern, anstatt für die Rettung Europas eine Medienshow zu veranstalten, dann würde Reich Gottes tatsächlich wachsen, auch in Europa und vielleicht nicht nur da.

2 Kommentare 12.3.17 13:25, kommentieren