Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Alternative für Ockenfels

Noch im Februar regte sich mein Lieblingsdominikaner Padre Ockenfels darüber auf, dass deutsche Bischöfe sich in den politischen Wahlkampf einmischen:

"Hier vermischen sich Glaube und Politik, und die klassische Unterscheidung, die ursprüngliche Gewaltenteilung zwischen imperium und sacerdotium, zwischen Staat und Kirche löst sich auf.

Nach der Devise "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" wird er aktuell zum Youtube-Star für die AfD

22.3.17 17:39, kommentieren

The Hunger Games

Bischof Oster hat die Magie zurück in die katholische Kirche geholt, sein Obermagier ist Showprediger Johannes Hartl. Magie ist die geheime Kunst sich übersinnliche Kräfte dienstbar zu machen, sie für die eigenen Zwecke einzusetzen.

"Die Welt besteht mehr als aus dem Sichtbaren. Es gibt Kräfte zwischen Himmel und Erde, von denen die Naturwissenschaft nichts weiß. Gott erhört Gebet, und Gebet hat real Kraft. In besonderen Zeiten jedoch wird in der Bibel zusätzlich dazu gefastet. Zum Beispiel hier, wo eine nationale Katastrophe droht und ein Plan des Bösen verwandelt werden soll."

Und die nationale Katastrophe scheint auch uns zu drohen, hat man sich im Gebetshaus doch für die vorösterliche Fastenzeit vorgenommen, die Rettung Europas herbeizuhungern. Europa scheint besonders bedroht zu sein, doch "alle Tendenzen und Pläne der Zerstörung über unseren Ländern sind für Gott kein Hindernis". Man fragt sich, weshalb die Flüchtling der Welt zu großen Teilen nach Europa drängen, wo doch hier die große Zerstörung droht?!?

Wie auch immer, Hartl weist uns den Weg, das Böse zu besiegen und Europa zu retten: "Lasst uns in diesen 40 Tagen fasten und beten für Leben statt Tod und Heil statt Zerstörung - eine veränderte Geschichte in Europa." Und so wundert es auch nicht, dass er für seine theologische Begründung nicht auf das Neue Testament verweist, sondern eine Geschichte aus dem Buch Ester bemüht, wo die Heldin das Volk um Beistand durch Fasten bittet und so die Vernichtung der Juden verhindert. Mit Jesu Reden und Handeln wäre es nämlich relativ schwierig, ein solch Gott besänftigendes und lenkendes Ritual zu begründen.

"Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet." (Mt 6,5-8)

Scheinbar weiß Gott, was wir uns wünschen und was wir brauchen, leider wissen wir nicht immer, was Gott will, das musste schon Hiob lernen, der sich an alle religiösen Vorschriften und Rituale hielt und dennoch leiden musste. Und auch Jesus bitte Gott den Kelch des Kreuzestodes noch einmal an ihm vorbei ziehen zu lassen. Doch Gottes Pläne waren andere.

Zu oft hatte Jesus sich mit den religiösen Eliten seiner Zeit angelegt, hatte mit seiner Tempel- und Gesetzeskritik die Mächtigen gegen sich aufgebracht. Die Reinheitsgebote und das Sabbatgebot hatte er relativiert und den Männern den Scheidebrief gegen das mosaische Gesetz untersagt. Wer so mit den Machtinstrumenten der Mächtigen der Welt umgeht, lebt gefährlich.

Seine Reich-Gottes-Botschaft, die Reich Gottes schuf, indem die Leidenden geheilt, die Armen gespeist und die Ausgestoßenen integriert wurden, war denjenigen, die Vorteile aus den Unterschieden zogen, ein Dorn im Auge. Seine Tischgemeinschaften, seine Feiern mit diesen Menschen wurden ihm zum Vorurf gemacht: "Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!" (Mat 11,19)

Und so kehrten die Eliten dieses Verhalten Jesu ins Gegenteil um, indem sie ihre Autorität als Verwalter der Gesetze Gottes und der religiösen Rituale gegen ihn verwendeten:

"Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten." (Mat 9,14f)

Aber anders als die Johannesjünger, die sich vor dem apokalyptischen Endgericht wähnten und diesem mit Fasten entgegenfürchteten, verkündet Jesus eine Freudenzeit, denn der Herr ist unter den seinen, und dies gilt es zu feiern. Und in dieser Freudenzeit sollten doch alle Geistgetauften leben.

Vielleicht sollte Hartl seine Anhängerschaft also eher dazu animieren, hinaus an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und dort mit den Einsamen, den Obdachlosen, den Armen und Kranken zu feiern, anstatt für die Rettung Europas eine Medienshow zu veranstalten, dann würde Reich Gottes tatsächlich wachsen, auch in Europa und vielleicht nicht nur da.

2 Kommentare 12.3.17 13:25, kommentieren

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Innerhalb von vier Tagen dringen zwei Nachrichten zum Missbrauch von Kindern aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit. Kardinal Müller bestreitet die systematische Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Das Missbrauchsopfer Marie Collins tritt aus der Päpstlichen Kommission für Kinderschutz aus.

1.3.17 18:47, kommentieren

Brückenbau mit Abrissbirne

Manchmal kann man nur den Kopf schütteln, wenn man die eine oder andere Predigt eines deutschen Bischofs liest. So ging es mir heute Morgen bei der Lektüre der gestrigen Predigt des Regensburger Bischofs Voderholzer, mit der er auf jeder Pegida-Demo tosenden Applaus geerntet hätte. So dürfe man nicht allen, "die sich Sorgen um unsere abendländische-christliche Kultur machten, von vorneherein alle möglichen pathologischen Phobien unterstellen".

Und wer bereitet den christichen Abendländern Sorgen? Na klar, der Islam!

„Der Islam nun freilich, so viel Realismus müssen wir aufbringen, ist eine postchristliche Erscheinung, die mit dem Anspruch auftritt, die Kerngehalte des Christentums zu negieren: Den Glauben an den  dreifaltigen Gott, die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und sein Erlösungswerk am Kreuz. Nur wer seinen eigenen Glauben entweder nicht kennt oder nicht ernst nimmt, kann hier eine weit reichende Integration des Islam als Islam für möglich halten.“

Wie gefährlich derartige Ansprachen von der Bischofskanzel sind, lässt sich leicht veranschaulichen. Dazu bedarf es nur eines winzigen Eingriffs in das Vokabular. Ersetzt man "postchristlich" durch "nichtchristlich" und "Islam" durch "Judentum" erhält man ebenfalls eine inhaltlich korrekte Aussage. Der juristische Unterschied einer solchen Rede wäre vermutlich eine Anklage wegen Volksverhetzung, die dem Bischof so vermutlich erspart bleibt.

"Der Bischof ist Pontifex, Brückenbauer, nicht Murifex, Mauerbauer. Und wir bezeugen vor der ganzen Welt den Glauben an Jesus Christus, bieten die Brücke an, laden ein, die Brücke zu betreten, die der allmächtige Gott selbst in Jesus Christus zur Welt geschlagen hat."

Man zeige mir den Moslem, der sich auf eine derart gebaute Brücke begibt, anstatt sich hinter seine Mauer zu verkriechen! Brückenbau mit Abrissbirne...

30.1.17 14:03, kommentieren

Autoritäre Päpste im Vergleich

Ja, ich wiederhole mich, aber es ist schon erstaunlich, was da im rechtskatholischen Lager gerade abgeht. Der absolutistische Alleinherrscher Franziskus hört einfach nicht auf seine Beratergremien, auch nicht auf die Glaubenskongregation, und trifft eigenmächtige Entscheidungen. Ein Vorwurf, den man vor 2013 vielleicht von "Wir sind Kirche", in Theologenmemoranden oder aus Pfarrerinitiativen hätte vernehmen können, aber doch nicht aus rom- und papsttreuen den Adel und die Monarchie verherrlichenden rechtskatholischen Kreisen?!
 
Man traut seinen Ohren und Augen kaum. Synodalität wird eingefordert, der vor 2013 verteufelte Begriff des "Dialoges" bemüht. Franziskus hat wahre Wunder bewirkt! Jaaaa, ihr habt ja so Recht! Endlich sind die Lager innerhalb des Katholizismus auf einer Linie. Nun muss man rechts der katholischen Mitte nur noch begreifen, dass Franziskus genau das gemacht hat! Er hat eine Synode einberufen und nicht nur die üblichen Hardliner aus dem Vatikan an der Entscheidungsfindung beteiligt, sondern die Weltkirche. Und schwubs, endlich geht mal was. Halleluja!
 
Nun können rechte und linke Katholiken endlich zusammenarbeiten und alle willkürlich-autoritären Entscheidungen von Päpsten, die gegen jede Vernunft und gegen das Zeugnis der Bibel durchgesetzt wurden, kritisieren. Der Ausschluss von Frauen vom Weiheamt fiele mir da natürlich zuallererst ein.
 
Wenn man aktuell rumjammert, Franziskus habe die Einwände der Glaubenskongregation bezüglich Amoris laetitia ignoriert, dann muss man auch Ordinatio sacerdotalis kritisieren. Hier geht es nämlich um eine definitive Lehrentscheidung, die ebenfalls fatale Auswirkungen auf ein Sakrament hat. Alle Frauen werden damit automatisch ausgeschlossen, entgegen dem neutestamentlichen Zeugnis! Das hatte die Päpstliche Bibelkommission schon 1976 beanstandet, Johannes Paul II ging jedoch über diese Erkenntnisse der führenden katholischen Theologen hinweg und definierte diese Lehre endgültig. Während Franziskus synodal für eine Öffnung der Sakramente auch für gescheiterte Menschen kämpft, schloss Johannes Paul II autoritär einen Großteil der Katholiken aus dem Weihesakrament aus.

1 Kommentar 11.1.17 17:22, kommentieren

Der Konjunktiv-Zauber

Das papstkritischen Nachrichtenportal kath.net hat die nächste Entwicklungsstufe erreicht. Jetzt wird nicht mehr nur papstkritisch berichtet und kommentiert, nun wird nach der Art von Boulevarblättchen auch die Gerüchteküche bedient. Der Konjunktiv-Zauber Gandalfs neue Waffe gegen den Weißen in Rom?
 
Gestern noch brach sich Pety Winnemöller fast das Rückgrat bei seinem Stunt, die Papsttreue der ehemals Papsttreuen noch irgendwie zu verkaufen, und heute schon fällt Roland "Gandalf" Noe ihm mit seiner "Hofberichterstattung" in den Rücken. Wo soll das nur enden??

3.1.17 18:26, kommentieren

Von windigen Verkündern

Selten ist mir eine abstoßendere Verkehrung des Evangeliums begegnet als in einem Pamphlet von Professor Hubert Windisch, veröffentlicht auf dem papstkritischen Portal kath.net.

"Viele Äußerungen von Bischöfen oder Kirchenfunktionären unterscheiden sich nicht wesentlich von politischen Stellungnahmen. Im Gegenteil, manchmal erscheinen sie wie religiös verbrämte Verlautbarungen von Regierungssprechern, die eine unrealistische Fernstenliebe propagieren und dabei das konkrete Leben ihrer Schäflein vor Ort übersehen. Viele der letzten Weihnachtsansprachen atmen diesen Geist. Immer mehr Menschen wenden sich ungläubig kopfschüttelnd von den Kirchen ab, wenn der politischen Bevormundung draußen im Land im Kirchenraum, bei der Predigt zumal, die klerikal-moralisierende Bevormundung folgt. Die Verkündigung der Kirche ist erschütternd horizontal und flach geworden."

Der Begriff der Fernstenliebe soll wohl der christlichen Nächstenliebe gegenüber gestellt werden. Nächstenliebe richte sich an die "Schäflein vor Ort" nicht an die Wölfe von außerhalb, so kann man den windischen Gedanken wohl zu Ende denken. Was für eine Pervertierung des Evangeliums. Man fragt sich, wer einen solchen Kerl ausgebildet und in hohe Ämter eingesetzt hat?

Gottlob ist die kirchliche Verkündigung seit Franziskus "horizontal und flach" geworden, damit liegt sie nämlich wieder auf der Linie Gottes, der sich selbst klein macht, zum Menschen wird und ihnen auf der horizontalen und flachen Ebene begegnet, zuerst den Fremden und Ausgestoßenen und Kranken. Und da macht er so manche erstaunliche Erfahrungen, die dem Professor in seinem theologischen Elfenbeinturm vielleicht vorenthalten wurden?! Da ist es der Fremde Samariter, der sich als einziger von zehn Geheilten dankbar zeigt, so dass Jesus auch einen Samariter zum Helden eines Gleichnisses macht, in dem der Fremde einem Überfallenen hilft, während die religiöse Elite vorbeizieht.

Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Die beiden Schäfchen oder der Fernste?

Die Nächsten kommen bei Jesus eigentlich gar nicht so gut weg. So kanzelt er seine Familie ab und betont, dass die Menschen, die ihm folgen, seine Familie sind. "Wer ist meine Mutter und wer ist mein Bruder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder."

Jesus fordert nicht nur die Fernstenliebe, er fordert sogar die Feindesliebe, Windischs weichgespültes Wohstandschristentum braucht kein Mensch.

1.1.17 13:04, kommentieren