Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Wenn Christentum ins Gegenteil verkehrt wird

"Der Teufelspakt der Republikaner", so lautet die Überschrift eines Spiegel-Online-Artikels, der sich mit dem Rassismus und Antisemitismus im Weißen Haus beschäftigt, der die Partei der Republikaner zu spalten droht. Einer der Hauptaktuere in diesem Spiel ist nach Aussage vieler Experten der Katholik Steve Bannon, der kein Problem damit hat, die "Finsternis" als hilfreiche Waffe im Kampf um Macht einzusetzen. Wohlgemerkt, nur als Waffe, grundsätzlich vertritt Bannon ein dualistisches Weltbild und wähnt sich als Christ auf der Seite des Guten, das im Kampf gegen das Böse (wir kennen das schon von George Bushs "Achse des Bösen" ) bestehen muss. Eine apokalyptische Schlacht, die mit allen Mitteln gewonnen werden muss. Und hier ist dann wohl auch die Schnittmenge zu rechtskatholischen und vor allem evangelikalen Kreisen, die ebenfalls diesem Weltbild anhängen.

Als vor ein paar Wochen ein kritischer Beitrag des Jesuiten und Papstvertauten Antonio Spadaro in der Jesuitenzeitung "Civilta Cattolica" genau auf diesen "politisch-religiösen Manichäismus" aufmerksam machte und die Katholiken davor warnte, sich diese häretisch-evangelikalen Vorstellungen anzueignen, hagelte es massive Kritikaus der rechtskatholischen Ecke, die auch auf dem Linzer Portal eine enge Allianz mit evangelikalen Kreisen eingeht. Mitunter gerät die Kritik so massiv, weil man Spadaros Artikel als Angriff auf Trump und seinen Chefstrategen Bannon deutete, die in diesen Kreise sehr vereht werden.
 
Wie recht Spadaro mit seiner Analyse hatte, zeigt sich in diesen Tagen. Donald Trump verteidigt offen Neonazigruppen und Rassisten, weil diese Leute ihn an die Macht gebracht haben. Und das hat er Bannon zu verdanken, der die Rechtsausleger mit Breitbart-News auf Trump eingeschworen hat.

Wie leicht sich rechtskonservative Katholiken an den Teufel verkaufen ist erschreckend. Und leider kann man in Deutschland ähnliche Entwicklungen beobachten. Auf den gängigen katholischen Portalen wird Bannon und Trump verehrt. Auch in der rechtskatholischen Blogözese wird der Terroranschlag von Charlottesville relativiert und Trumps Rhetorik von der linken Provokation und der linken Mitverantwortung nachgeplappert.

Doch wie kommt es dazu, dass derart offen radikale und rassistische Politiker verehrt werden? Die Antwort ist relativ simpel. Gibt man beispielsweise bei kath.net einmal den Namen "Trump" in die Suchmaske ein, wird einem die Antwort auf dem virtuellen Silbertablett serviert: Die Reizthemen der Rechtskatholiken werden allesamt bedient: Gender, Familie/Ehe, Abtreibung, Islam. Aus diesen Themen besteht das rechtskatholisch-evangelikale Glaubensbekenntnis: Die moderne säkulare Gesellschaft ist verkommen und böse, der Islam bedroht das so geschwächte Christentum. Das ist nur zu stoppen, wenn wieder mehr christliche Kinder in christlichen Familien geboren werden. Mehr als das Nachplappern dieses Glaubensbekenntnis braucht es nicht, um Rechtskatholiken dazu zu bringen, ihre Seele an den Teufel zu verkaufen. Und das hat auch die AfD verstanden, denn das sind genau die Themen, mit denen sie in diesen Kreisen so erfolgreich ist.

Und es sind nicht nur katholische Laien, die dieses Weltbild teilen. Auch der in rechtskatholischen Kreisen vergötterte Dubia-Kardinal Burke hegt offenbar enge Kontakte zu Bannon, weil er die Welt ebenfalls so sieht. Und dann spielt es bei diesen Katholiken auch keine Rolle mehr, dass Bannon mehrfach geschieden und wiederverheiratet ist und von der Macht der Finsternis phantasiert, wichtig ist die richtige Ideologie, der Hass auf Islam und die freie säkulare Gesellschaft, das apokalyptische Glaubensbekenntnis muss stimmen, sonst nichts.

Und ich fürchte, es geht noch etwas weiter. Ich glaube, eine wesentliche Schnittmenge ist auch, dass diese Leute die Welt brennen sehen wollen. Und hier kommen wir wieder zum Artikel von Spadaro. Wie in evangelikalen und freikirchlichen Gemeinschaften fühlt man sich innerhalb der Kirche in einem sicheren Raum, alles draußen ist böse und vom Teufel. Benedikts Entweltlichung passt auch ganz gut in diese Gedankenwelt. Und irgendwann muss sich halt zeigen, dass man mit dieser Idee im Recht ist, irgenwann muss das Draußen eben brennen, die Apokalypse wird geradezu herbeigesehnt.

Als Katholik kann man Gott nur dafür danken, dass er einen Mann auf den Stuhl Petri gesetzt hat, der diesen Wahnsinn durchschaut und klar und deutlich die katholische Alternative predigt: Geht hinaus in die Welt und heilt sie. Franziskus setzt dem satanischen das göttliche Konzept gegenüber. Hoffentlich wird seine Stimme gehört...

17.8.17 10:54, kommentieren

Entweltlichung zum Feldlazarett

Ein Bischof bringt Licht ins Dunkel, während sich eine ganze Bischofskonferenz mit dem Dunkel arrangiert. Auf der einen Seite die verbeulte Kirche der Armen, das Feldlazarett, wie Franziskus sich Kirche wünscht, auf der anderen Seite eine Kirche, die sich mit der weltlichen Macht verbrüdert, prunkvoll und reich. "Entweltlichung" forderte Benedikt XVI für die Kirche; zwei Päpste, eine Botschaft.

23.7.17 10:28, kommentieren

Familie, Gott und Vaterland

Wenn amerikanische Präsidenten zum Kampf für "Familie, Freiheit und Gott" aufrufen, wie gestern Donald Trump in Warschau, kann einem nur Angst und Bange werden. Als dies zuletzt George W Bush tat, zorg das einen Krieg mit hunderttausenden von Opfern nach sich.

7.7.17 17:46, kommentieren

Ehe für alle oder Ehe mit Rechtsextremen?

Mittlerweile merken selbst Menschen innerhalb der AfD, dass die Partei ein Sammelbecken für Rechtsextremisten und Neonazis ist und ziehen die Konsequenzen. Das hält so manches rechtskatholische Nachrichtenportal oder auch rechtskatholische Blogs nicht davon ab, diese Partei als für einen Christen einzig wählbare zu relativieren oder zumindest Sympathien zu bekunden. Es reicht eben schon aus, wenn man die braune Ideologie mit etwas Lebensschutzfarbe übertüncht und gegen die "Ehe für alle" wettert, um bei diesen Menschen als gut katholisch zu gelten.

Wenn der Berliner Erzbischof Koch kritisiert, dass die "Ehe für alle" Christen in die Arme der AfD treibe, bei ihm kämen „stapelweise Briefe“ ein, in denen behauptet werde, dass die AfD „die einzige Partei“ sei, die noch christliche Inhalte vertrete, dann ist seine Aufgabe doch offensichtlich. Er sollte diese Briefe beantworten, um diesen Menschen klar zu machen, dass die "Ehe für alle" im Vergleich zu den rechtsextremen Positionen in der AfD wahrlich ein kleines Problem seien, dass diese Partei aufgrund ihrer Ausländerfeindlichkeit und völkischen Ideologie für einen Katholiken nicht wählbar ist.

6.7.17 09:52, kommentieren

Scheiß Zeiten

Spannende Zeiten in der katholischen Kirche. Und in solchen kann man sich manchmal nur schämen, Katholik zu sein. Mit dem Dauerfeuer gegen die "Ehe für alle" war zu rechnen, auch wenn die Argumentation etwas verwundert, erweckt der katholische Tradi doch den Eindruck, dass seine Vorstellung einer sakramentalen Ehe dem des Grundgesetzes oder gar der jesuanischen entsprechen würde.
 
Das ist natürlich absolut nicht der Fall. Wenn Jesus von Ehe sprach, hatte er zunächst einmal die Verbindung eines erwachsenen Mannes mit einem pubertären Mädchen ohne weitere Rechte im Blick, dessen Schicksal und Würde es zu schützen galt. Der Vollzug der Ehe (man meint damit den Geschlechtsverkehr), der der katholischen Kirche so wichtig ist, um sie zu einer unauflöslich-sakramentalen Verbindung zu machen, und das natürlich nur, wenn auch beide Ehepartner katholisch sind, hat wohl mit Jesu Eheverständnis (Katholiken gab es da noch nicht) und auch mit dem des Grundgesetzes nur wenig gemein. Warum lässt man dem Staat nicht einfach seine säkulare Ehe und konzentriert sich innerkirchlich auf die sakramentale? Warum lässt man die Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben, nicht einfach in Ruhe heiraten, ob sie nun homo- oder hetero sind?

Innerkirchlich, Jesus bediente sich gerne der Formulierung "Reich Gottes", sollte es sowieso anders zugehen als draußen in der Welt. Schön wär's. Im Haifischbecken Vatikan hat man gerade einen großen Weißen ersetzt, ganz legal und rechtens. Das passt aber nicht allen kleineren Haifischen, so dass man ordentlich ins Becken macht und für eine trübe Brühe sorgt. Kleine Skandälchen und schmutzige Gülle bewahrt man - wie in der Welt draußen auch - genau für solche Momente auf, um sie dann an geeigneter Stelle ins Becken zu kippen.

Urplötzlich kramt man einen Skandal aus vergangenen Tages aus, um Franziskus und den Nachfolger von Kardinal Müller zu diskreditieren. Weil die Vertuschung eines Missbrauchsfalles allerdings nicht in die Amtszeit Franziskus fällt, muss man das Ganze so drapieren, dass man Franziskus  zwar besudelt, er hat diesen Mann schließlich installiert, den hochverehrten Benedikt aber möglichst außen vor lässt, obwohl der damals am Ruder war.

Und so viel übrigens zum Thema, dass Missbrauch nie systematisch vertuscht wurde, wie Kardinal Müller vor Wochen noch behauptete. Schade, dass im vatikanischen Haifischbecken wie in anderen Haifischbecken auch die Scheiße eben doch nicht immer gleich nach oben schwimmt. Schön ist auch die Begründung für das Unterlassen einer öffentlichen Anzeige des Missbrauchspriesters: Der dumme Laie soll wieder einmal nicht verwirrt und vor solchen Skandalen geschützt werden. Leider oder zum Glück funktioniert der vatikanische Wasserfilter nicht immer, so dass auch die kleinsten Fische irgendwann doch bemerken, dass es einen Unterschied zwischen Gülle und Bergquellwasser gibt.

3.7.17 17:39, kommentieren

Wen trifft die Härte des Herrn?

Kardinal Sarah meint, dass man homosexuell orientierte Menschen erniedrige, wenn man ihnen ein Leben in Keuchheit nicht zutraue. Vielleicht sollte man ihm einmal das Buch seines ehemaligen Kollegen aus der Glaubenskongregation, Krzysztof Charamsa, anempfehlen, dann kann er sich einmal ein Bild davon machen, was genau diese Menschen erniedrigt, nämlich ein kirchliches System, das sie zu enthirnten Klonen macht, die gezwungen werden, ihre eigene Sexualität zu verdrängen.
 
Ich frage mich sowieso, weshalb ein Kardinal nach einem weltweiten Missbrauchsskandal meint, sich zum Thema Homosexualität in dieser Weise äußern zu müssen, wenn klar ist, dass die meisten Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche Jungs waren?! Selbst bei der kirchlichen Elite scheint das Konzept der Enthaltsamkeit also mehr Schaden anzurichten, als dass es hilft.

Weshalb gerade ein Kardinal aus Afrika das Thema aufgreift, ist mir schließlich völlig schleierhaft, sollte er sich doch eher darum kümmern, dass Homosexuelle auf seinem Kontinent nicht mehr verfolgt, bestraft und gefoltert werden. Dann hätte er die harten Worte des Herrn wirklich verstanden, die richten sich nämlich in ihrer Härte selten gegen Opfer, fast immer aber gegen religiöse Gesetzeslehrer und Eliten, Herr Kardinal!

18.6.17 16:27, kommentieren

Die wahren Freunde des Papstes

Zur Zeit kann man im vatikanischen Haifischbecken eine spannende Beobachtung machen. Kritik an Benedikt XVI  nennt Kardinal Sarah diabolisch, Kritik an Franziskus ist nach Kardinal Müller offensichtlich ein Zeichen wahrer Freundschaft, wenn er meint, dass die wahren Freunde des Papstes nicht jene wären, "die ihm schmeicheln".
 
Es wundert mich immer weniger, dass Franziskus nach seiner Papstwahl ein anderes Aquarium bewohnen wollte. Apropos "diabolisch"... Wer den Leibhaftigen nicht als gehörnten Ziegenpeter mit Hinkebein glaubt, der hat umgehend die Inquisition aus Linz an der Backe (hier und hier). Trifft man einen Jesuiten, trifft man alle... ein diabolischer Gedanke?

10.6.17 13:43, kommentieren