Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Überflüssiges II

Tja, jetzt musste kath.net wohl die Gegendarstellung von Kardinal Kasper drucken, der sich gegen den Begriff des "Gegners" wehrt und Gänswein im Grunde der Falschaussage bezichtigt (er formuliert es natürlich netter). Der Kommentarbereich bleibt gesperrt, der kath.net-Mob wäre wohl kaum noch zu bändigen.

Ist es das, was Benedikt sich von seinen "letzten Gesprächen" wünscht, eine Schlammschlacht? ich kann es mir nicht vorstellen. Er hat offensichtlich nach wie vor kein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Vertrauten...

14.9.16 17:22, kommentieren

Überflüssiges

In der Diskussion um die Frage, inwiefern es angemessen ist, dass sich der Papst emeritus trotz seiner Ankündigung, die Öffentlichkeit zu meiden und die Kirche betend zu begleiten, nun in einem Interviewbuch zu Wort meldet, war ich bislang der Meinung, dass Franziskus ihm diesen Weg eröffnet hat und dies auch völlig in Ordnung ist.

Wenn ich nun aber sehe, welch traurige Inszenierung Gänswein und Seeberg bei den Buchvorstellungen veranstalten, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Was soll die völlig überflüssige Kritik an der Kirche in Deutschland? Sind die Aussagen Benedikts schon grenzwertig, ist das Gekeife von Gänswein und Seewald ein unwürdiges Spektakel. Die Formulierung "getroffene Hunde bellen" oder Kardinal Kasper und Hans Küng als "Gegner und Nichtfreunde" Benedikts zu bezeichnen, stiftet doch nur Unfrieden und reißt Gräben wieder auf. Was soll das? Wenn man theologisch unterschiedliche Positionen bekleidet, muss man doch nicht von "Gegnern und Nichtfreunden" sprechen.

Und die deutsche Kirche muss sich vor dem Hintergrund, was sie in der Flüchtlingskrise leistet, sicher nicht schämen. Wo ist die Kritik an den katholischen Vorzeigestaaten nach Benedikts Fasson, die sich gegen Flüchtlinge abschotten? Oder gehört Nächstenliebe nicht mehr zum christlichen Wertekanon?

Und inwiefern der Umgang mit Hans Küng tatsächlich als Schutz durch Benedikt verstanden werden kann, wird wohl auch Gänsweins Geheimnis bleiben.

13.9.16 19:02, kommentieren

Für Vertriebene und gegen Flüchtlinge

Klaus Kelle gibt der CDU nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern auf kath.net ein paar Tipps, wie sie mit "christlicher" Politik die abtrünnigen AfD-Wähler zurückgewinnen könnte: Gegen Zuwanderung, gegen Islam, gegen Schwule, gegen Gender, gegen Multikulti!
 
Stattdessen: Für den Marsch für das Leben (das Leben der obigen Gruppen sicherlich einmal ausgenommen), für Vertrieben (also Deutsche, muslimische Flüchtlinge kann er ja nicht meinen), für Mittelständler, für Landfrauen, für Katholiken.

Ein schönes Beispiel dafür, was Rechtskatholiken als "christlich" begreifen. Man kann sich nur wünschen, dass diese Leute irgendwann aufwachen und ihre Menschenverachtung vor ihrer Rückkehr in die C-Partei bei der AfD lassen.

1 Kommentar 5.9.16 18:38, kommentieren

Falsche Propheten

kath.nets Vatikankorrespondent Armin Schwibach erinnert in einem aktuellen Beitrag an die "Regensburger Rede" Benedikt XVI, die damals für einige Aufregung in der Welt sorgte, weil er ein Zitat benutzte, in dem ein byzantinischer Kaiser dem Islam Inhumanität und Schlechtigkeit vorwarf. Ziel der Rede Benedikts war es aufzuzeigen, dass es Gottes Willen zuwider läuft, unvernünftig zu handeln. Religion und Vernunft, das große Thema des emeritierten Papstes.

Ob das, was Schwibach in seinem Beitrag macht, so vernünftig ist, wage ich zu bezweifeln. Ohne jeden Anschluss an die Rede Benedikts disqualifiziert er den Islam als "Religion der Eroberung", die mit dem christlichen Abendland unvereinbar ist. Terrorismus sei "fest verankert in der islamischen Kultur" und "Ausdruck eines religiösen Lebensstils". Der Islam sei "keine Religion des Friedens". 

Wie zuvor die Zitate aus der "Regensburger Rede" werden diese Aussagen teilweise in Anführungszeichen gesetzt. Schwibach missbraucht hier Benedikt XVI für seine eigene Islamphobie, ein wahrhaft unredliches Verfahren. Es wäre spannend zu erfahren, was Benedikt zu diesen Ausführungen sagen würde...

9.8.16 09:47, kommentieren

7000 Meter über dem Zaubertrum

Nachdem Papst Franziskus darauf hingewiesen hat, dass man den Islam nicht pauschal mit Gewalt gleichsetzen dürfe, hat sich in der rechtskatholischen Szene ein Empörungssturm entladen. Selbst der weiße Zauberer Gandalf, der sich nur noch selten im Kommentarbereich seines Zauberturmes aufhält, war nicht mehr zu bremsen.

"Das Gute ist...
.. Interviews von Päpsten über den 7000 Meter sind keine lehramtlichen Mitteilungen ;-) P. S. Unabhängig davon bin ich überzeugt, dass mind. 90 % der Katholiken mit diesen Papst-Aussagen nicht mitgehen werden und diese Aussagen leider Franziskus schaden werden."

Gandalf macht den Fehler, die Katholiken seines Zauberturmes für 90% aller Katholiken zu halten. Ein Hauch von Größenwahn umhaucht den guten Weißen, dem die Popularität Franziskus sicherlich schlaflose Nächte bereiten muss. Vielleicht holt er sich deshalb Linderung in seinem Kommentarbereich, wo eine Eruption der Islamophobie seiner geschundenen Seele Linderung verschaffen wird.

Dann muss man Gandalf noch entgegnen, dass es selbstverständlich auch lehramtliche Äußerungen gibt, auf die sich Franziskus mit seiner Stellungnahme beziehen könnte, etwa die Aussagen des Zwieten Vatikanums zum Islam:

"Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.
Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen."

Allerdings zählt im Zauberturm wohl nur das eigene Lehramt, das dem Papst schon wiederholt Irrtümer nachgewiesen hat. Wann wird Gandalf den Vatikan endlich übernehmen und wieder für Ordnung sorgen?
 
 
PS: Der Beitrag auf kath.net schließt mit einer Twitternachricht von Show-Prediger Johannes Hartl ab:

"Der eine schneidet 84-jährigem Priester Kehle durch. #PereHamel gibt sein Leben. Beide im Namen ihrer Religion. Selten war Unterschied klarer."

Man möchte ihm antworten:

"Der selbstlose Prediger engagiert sich bis zuletzt im interreligiösen Dialog mit den Muslimen in der Gemeinde, der Starprediger spaltet mit Twittennachrichten. Selten war ein Unterschied klarer."

2.8.16 11:05, kommentieren

Gott im Geringsten finden

Auszug aus der Ansprache des Papstes an die Jugend der Welt nach seinem Auschwitzbesuch:

"Schauen wir zunächst auf die sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit: Hungernde speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde beherbergen, Kranke besuchen, Gefangene besuchen, Tote begraben. Umsonst haben wir empfangen, umsonst wollen wir geben. Wir sind aufgefordert, dem gekreuzigten Jesus in jedem ausgegrenzten Menschen zu dienen, seinen heiligen Leib zu berühren im Ausgeschlossenen, im Hungrigen, im Durstigen, im Nackten, im Gefangenen, im Kranken, im Arbeitslosen, im Verfolgten, im Heimatvertriebenen und im Migranten. Dort finden wir unseren Gott, dort berühren wir den Herrn. Jesus selbst hat uns das gesagt, als er erklärte, welches das „Protokoll“ sein wird, nach dem wir einst gerichtet werden: Jedes Mal, wenn wir das dem Geringsten unserer Mitmenschen getan haben, haben wir es ihm getan (vgl.  Mt 25,31-46).

Den Werken der leiblichen  Barmherzigkeit folgen die der geistlichen Barmherzigkeit: die Zweifelnden beraten, die Unwissenden lehren, die Sünder zurechtweisen, die Trauernden trösten, Beleidigungen verzeihen, die Lästigen geduldig ertragen, für die Lebenden und die Verstorbenen zu Gott beten. Mit der Aufnahme des Ausgegrenzten, der leiblich verwundet ist, und mit der Aufnahme des Sünders, der seelisch verwundet ist, steht unsere Glaubwürdigkeit als Christen auf dem Spiel. Mit der Aufnahme des Ausgegrenzten, der leiblich verwundet ist, und mit der Aufnahme des Sünders, der seelisch verwundet ist, steht unsere Glaubwürdigkeit als Christen auf dem Spiel! Nicht mit den Ideen: dort!" (Die ganze Ansprache hier, Unterstreichungen von mir)

30.7.16 13:01, kommentieren

Flucht in die Scheinwelt

Theologische Sachfragen empfinde ich in der aktuellen Situation geradezu als Flucht in die wissenschaftliche (Schein-)Welt, nur weg aus der Realität, die zur Zeit kaum zu ertragen ist.
 
Das Deutschlandradio brachte vor Kurzem einen Beitrag, der sich mit der kirchlichen Aufwertung der Maria Magdalena in den Rang eines Apostels beschäftigte. Und obwohl man eine Theologin interviewte, geht in dem Beitrag doch einiges durcheinander.

"Der Namenstag der Heiligen Maria Magdalena wird in der Katholischen Kirche an diesem Freitag zum ersten Mal als Festtag einer Apostelin gefeiert. Papst Franziskus hat die Weggefährtin Jesu Christi schon vor einiger Zeit in diesen Rang erhoben. Seither gibt es also 13 Apostel statt bisher zwölf. Die Vereinigung der österreichischen Frauenorden begrüßte diese Veränderung ausdrücklich in einer Erklärung. "

Das Neue Testament unterscheidet deutlich zwischen dem Zwölferkreis und den Aposteln. Die Zwölf galten Jesus als Symbol für die jüdischen Menschen seiner Zeit. Seine Botschaft galt vor allem den zwölf Stämmen Islraels. Eine Frau hätte diese Symbolik unverständlich gemacht, so dass die Anmerkung, dass Da Vinci nun Maria Magdalena mit in das "Abendmahl" malen müsste, völlig unsinnig ist.

In der nachösterlichen Zeit entsteht das Amt des Apostels, die Zwölf werden wohl durchweg als Apostel gegolten haben, doch es kommen noch viele mehr dazu. Der bekannteste unter ihnen sicherlich der Apostel Paulus, der nachnominierte Matthias, der den Verräter Judas ersetzt, und ja, sicherlich auch Maria Magdalena, die von den frühen Kirchenvätern tatsächlich als Apostelin der Apostel bezeichnet wurde, weil sie vom Auferstandenen vor allen anderen die Verkündigung der frohen Botschaft aufgetragen bekommen hat. Letzteres ist übrigens Paulus Definition des Apostelamtes, weshalb er sich selbst auch als solchen bezeichnet: Verkündigungsauftrag vom Auferstandenen.
 
Paulus kennt viele weitere Apostel, die er scharf vom Zwölferkreis trennt (1 Kor 15, 4-9), so dass man davon ausgehen kann, dass auch die erste Transsexuelle der Kirchengeschichte, Junia (Röm 16,7), die durch eine postmortale Geschlechtsumwandlung zum Mann verändert wurde, eine weibliche Apostelin war.

Leider haben diese Erkenntnisse auch nur in der wissenschaftlichen Scheinwelt Bedeutung. Die reale Kirche wird in näherer Zukunft wohl kaum Konsequenzen daraus ziehen und Frauen zur Weihe zulassen. Zu sehr ist sie Teil der Welt und muss politisch-strategisch denken.

27.7.16 19:04, kommentieren