Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Aufstand der Gesetzeslehrer

In Rom probten die Gestzestreuen der katholischen Kirche jüngst den Aufstand. Zwar noch eher theoretisch, aber in ihren Plänenimmerhin  sehr konkret. Kardinal Burke als ehemals oberster Richter der Apostolischen Signatur ist von seinem Werdegang her schon die ideale Führungsfigur für die Papstkritiker, der nach Aussage von Guido Horst von ekstatisch-hysterischen Rosenkranzbeterinnen frenetisch gefeiert wurde. Auch Deutschlands oberster Konvertit durfte da natürlich als zweiter noch verbleibender Dubia-Kardinal nicht fehlen. Das "Who- is-Who" der Antifranziskusfront war also vollzählig erschienen, um dem Papst vor der Haustüre noch einmal klar und deutlich Häresie vorzuwerfen.
 
Nun könnte man die ganze Aktion als weitere leere Drohung abtun, wirkliche Konsequenezen werden seit Jahren immer nur verkündet, aber nie angegangen. Spannend finde ich aber, dass Burke bei seinen Drohungen gegen Papst Franziskus diesmal auf den Apostel Paulus zurückgreift und dadurch besonders tosenden Applaus bekommt.

"Und wenn wir selbst oder ein Engel vom Himmel etwas anderes als das verkünden würden, was euch verkündet worden ist, 'anathema sit'."

Nun entstammt dieser Vers ausgerechnet dem Galterbrief, in dem der Apostel Paulus sehr hart mit den Gesetzeslehrern unter den Christen ins Gericht geht. Ob Burke den Brief nicht so genau kennt? Paulus geht in seiner fundamentalen Gestzeskritik so weit, dass er behauptet, dass Gestzesglaube und Christentum unvereinbar sind: "Wenn ihr also durch das Gesetz gerecht werden wollt, dann habt ihr mit Christus nichts mehr zu tun; ihr seid aus der Gnade herausgefallen." (5,4)

Lediglich in der Beurteilung der Engel liegen Burke und Paulus auf einer Linie, beide nämlich sind sich einig darin, dass das, was von einem solchen kommt, nicht unbedingt mit dem Wille Gottes übereinstimmen muss. Nach Paulus ist nämlich das ganze Gesetz von einem Engel gesandt worden, nicht von Gott. Der hat seinen Sohn gesandt, der uns das Evangelium gebracht hat, das von dem Gestz befreit: "Warum gibt es dann das Gesetz? Wegen der Übertretungen wurde es hinzugefügt, bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung gilt. Es wurde durch Engel erlassen und durch einen Mittler bekanntgegeben."

Nachdem wir also auf Christus getauft sind, gilt kein Gesetz mehr für uns. Wir haben uns ausschließlich an der Liebe auszurichten, wie Paulus betont: "Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!" (5,14)

Doch Paulus hat es nicht leicht mit seinem gesetzesfreien Evangelium. Aus der eigenen Kirche wird er topediert. Judenchristen, die der Meinung sind, dass Heiden sich erst beschneiden lassen müssen und das Gesetz einhalten müssen, bevor sie zu Christen werden können,, machen ihm zu schaffen. Für diese Gesetzestreuen bringt er wenig Wohlwollen auf, sie sind Feinde Cristi: "Denn was die falschen Brüder betrifft, jene Eindringlinge, die sich eingeschlichen hatten, um die Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, argwöhnisch zu beobachten und uns zu Sklaven zu machen, so haben wir uns keinen Augenblick unterworfen; wir haben ihnen nicht nachgegeben, damit euch die Wahrheit des Evangeliums erhalten bleibe." (2,4-5)

Tja, und auf diesen Paulus berufen sich jetzt unsere modernen Gestzestreuen und glauben damit gegen Franziskus angehen zu können. Der jedoch hat den Galaterbrief ganz gelesen und verstanden, wenn er in seinem neuen Schreiben "Gaudete et exultate" schreibt:

"Wenn wir denken, dass alles von der menschlichen Anstrengung abhängt, die durch Vorschriften und kirchliche Strukturen gelenkt wird, verkomplizieren wir unbewusst das Evangelium und werden wieder zu Sklaven eines Schemas, das wenige Poren für das Wirken der Gnade offenlässt. [...]

Um dies zu vermeiden, ist es heilsam, oft daran zu erinnern, dass es eine Hierarchie der Tugenden gibt, die uns einlädt, das Wesentliche zu suchen. Der Vorrang kommt den göttlichen Tugenden zu, die Gott zum Gegenstand und Beweggrund haben. In ihrem Zentrum steht die Liebe. Das, was wirklich zählt, sagt der der heilige Paulus, ist »der Glaube, der durch die Liebe wirkt« (Gal 5,6). Wir sind aufgerufen, die Liebe aufmerksam zu pflegen: »Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt […] Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes« (Röm 13,8.10). »Denn das ganze Gesetz ist in dem einen (ení ) Wort erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Gal 5,14)."

Burke und Brandmüller sollte man dringend die Lektüre des Galaterbriefes anempfehlen, damit nicht auch sie zu "falschen Brüdern" werden, die uns Christen zu Sklaven des Gesetzes machen wollen! Franziskus wendet sich gegen eine Verkomplizierung des Evangeliums, die ein erster Schritt in die Sklaverei darstellt. Auch da ist er ganz auf der Linie des Paulus, der sein Evangelium in wenigen Worten umschreibt:

"Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der «Mißgeburt». Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe." (1 Kor 15, 3-9)

Und gegen dieses Evangelium soll Franziskus nach Ansicht seiner Kritiker nun verstoßen haben?! Für Verwirrung sogen diese Gesetzestreuen, die den Menschen die Freiheit des Evangeliums wieder nehmen wollen. Vertrauen wir den wahren Aposteln und nicht den modernen Gesetzeslehrern!


16.4.18 15:58, kommentieren

Rhetorische Tricks

Eher ungewollt stellt Kardinal Müller aktuell fest, dass die Formulierung "Einzelfall" oftmals als "rhetorischer Trick" benutzt werde. Vermutlich hat er dabei nämlich nicht seine eigenen Formulierungen in Bezug auf die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen im Blick, die er mit dem entsprechenden rhetorischen Vokabular zu entschärfen suchte. Aber vielleicht lernt er ja dazu?

1.3.18 16:40, kommentieren

Privatschule als missionarischer Ort?

Einer meiner wenigen Helden ist Pater Mertes, der 2010 die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in Deutschland ins Rollen brachte. Oftmals spricht er mir in seinen Standpunkten auf katholisch.de aus dem Herzen. Umso erstaunter bin ich jedes Mal, wenn er sich als Schulleiter einer Ersatzschule in krichlicher Trägerschaft zu Fragen des Bildungssystems äußert. All diese Statements erzeugen in mir eher Widerspruch. Woran liegt das?

Vor wenigen Tagen äußerte sich Klaus Mertes zu der Schließung von acht katholischen Schulen im Bistum Hamburg. Unter der Überschrift "Ohne Schulen kann die Kirche abdanken" führt er aus, dass gerade die Schule "vorrangiger Ort christlichen Glaubens ist".
 
"In aller Stille haben die katholischen Schulen jahrzehntelang Glauben und Kirche in den Herzen von vielen Menschen verankert. Sie haben so missionarisch gewirkt wie keine andere kirchliche Institution. Sie haben den Gemeinden unzählbar viele engagierte Mitglieder beschert. Sie haben Menschen in die Gesellschaft hinein entlassen, die ihrer kirchlich-schulischen Prägung ein Leben lang dankbar sind."
 
Ich frage mich, weshalb gerade eine katholische Schule ein besonders missionarischer Ort sein soll? Wird eine katholische Privatschule besonders von Kindern aus atheistischen oder nichtchristlichen Elternhäusern besucht? Vermutlich nicht. Eher sind es wohl Familien, die der katholischen Kirche sowieso schon mehr oder weniger nehe stehen, ihr zumindest so weit vertrauen, dass sie ihre Kinder in deren Obut geben.

Nein, gerade das Missionarische kann kein Argument für eine katholische Ersatzschule sein. Mission betrieben wird im Religionsunterricht einer staatlichen Schule, der für alle offen steht, die an ihm teilnehmen wollen. Wozu bedarf es da einer spezifisch katholischen Schule?

Nun muss Mertes als Schulleiter einer solchen Institution natürliuch diesen Standpunkt einnehmen. Ich wundere mich dennoch über sein entschiedenes Engagement, gerade vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals. Waren es nicht gerade Schulen mit einem gewissen elitären Denken, an denen vor allem Missbrauch betrieben wurde? Nicht nur katholische Einrichtungen, auch die Odenwaldschule ist hier zu nennen.

Wenn Mertes in einem anderen Beitrag auf katholisch.de fordert, der Staat solle diese Schulen zu 100% refinanzieren, kann ich nur sagen, der Staat sollte alle Schulen selber betreiben, dazu ist er da. Wir brauchen keine Ersatzschulen, schon gar nicht aus finanziellen Gründen. Den Kirchen ist der Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an den öffentlichen Schulen gewährt. Hier können sie für den Glauben werben, hier sind die richtigen Adressaten und hier ist eine gewisse Kontrolle gewährleistet, dass dieser Unterricht nicht übergriffig wird. Es bedarf keiner christlichen Ersatzschulen, in der Katholiken oder Protestanten in ihrem eigenen Saft schwimmen.


25.2.18 10:24, kommentieren

Über den Wolken

Dass katholische Hassprediger gerne Nazi-Vergleiche heranziehen, um mit ihren Positionen zu provozieren, kennt man. Ex-Weihbischof Laun ist aus diesem Grunde einer der Starprediger auf kath.net. Seine "Klartexte" werden oft  von brauner Gülle getrübt (z.B. hier). Eigentlich gewährt man ihm mit jedem Wort schon zu viel Aufmerksamkeit, ein Unbelehrbarer, den man nicht wird ändern können, der wohl jede Kritik als Bestätigung empfinden wird. Eine Schande, dass das System Kirche einen solchen Mann mit Bischofsweihen segnet.

Andere kommen mit ähnlichen Äußerungen sogar bis in Kardinalsränge und die Top 3 der katholischen Weltkirche. Nur gut, dass Franziskus für solche Raketenkarrieren einen Nachbrenner installiert hat. Nach oben gibt es bei ihm keine Grenzen. Guten Flug!

16.2.18 08:44, kommentieren

Gandalf auf Hexenjagd

Was soll man von einem papstkritischen Portal halten, dessen Chef als der große weiße Zauberer "Gandalf" in den Kommentarspalten herumgeistert, sich aber gleichzeitig über einen Witz des Papstes über dessen Hexenvisitationen echauffiert? Vielleicht sollte der Papst bei einer erneuten Frage nach seinen Medikamenten einfach sagen, dass er im Krankheitsfalle den großen Gandalf kontaktiere, die Lektüre seines Poprtals wirke wahre Wunder, denn Lachen sei schließlich die beste Medizin.

16.1.18 17:10, kommentieren

Das Weihnachtsevangelium nach kath.net

Die Angst im rechtskatholischen Milieu, Jesus könnte tatsächlich mit seiner Familie auf der Flucht gewesen sein, so dass man auch heute Flüchtlingen mit Nächstenliebe begenen müsste, steigert sich so langsam ins Wahnhafte. Nun versucht ein Dr der Wasweißich auf kath.net den unumstößlichen Beweis zu führen, dass Jesus kein Flüchtlingskind war. Der konservative Weihnachtsmuff scheint so wohl gerettet, nach der Mette haut man sich die Wampe voll und stößt auf das weiße Kindelein unter glitzerndem Lametta an. Dann mal Prost!
 
Damit ein solches Weihnachten gelingen kann, wird kurzerhand das fluchtfreie  Lukasevangelium gegen das Flüchtlingsevangelium nach Matthäus als das wahre Weihnachtsevangelium in Stellung gebracht. Anschließend wird die Matthäusversion in einer wahnwitzigen Interpretation entfluchtet, so dass niemand auf die Idee kommen kann, die dargestellte "Reise" wäre mit der Flucht heutiger Menschen zu vergleichen. Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen muss.

"Es ging damals um eine ganz konkrete persönliche Bedrohung und nicht um wirtschaftliche, kulturelle oder religiöse Motive. Die Reise von Jesus, Maria und Josef erfolgte auch bloß über die nächste Grenze. Die heutige Massenmigration erstreckt sich hingegen über Kontinente und es migrieren kaum Familien, sondern vor allem junge Männer - aus wie gesagt gänzlich anderen Motiven."

Und anschließend geht es für die heilige Familie zurück nach Judäa. Und ich dachte immer, die hätten sich in Galiläa aufgehalten. Was man bei rechten Bibelverdrehern nicht so alles lernen kann?!

29.12.17 14:56, kommentieren

Bischof Oster zur AfD

Bischof Oster ist der Meinung, dass sich das Verhältnis zwischen der Kirche und der AfD entkrampfen wird, so wie es sich auch zwischen der Kirche und den Grünen entkrampft hat.

"Das Verhältnis wird sich in jedem Fall entkrampfen. Das hat jetzt natürlich die politische Landschaft sehr stark durcheinandergebracht und man versucht sich jetzt halt, zu profilieren auch durch Abgrenzung. Aber ich muss mit jedem Menschen sprechen können."

Auf die Frage nach den jüngsten antisemitischen Vorfällen gefragt, antwortet er:

"Also, ich kann nur sagen, dass wir als Christinnen und Christen mit aller Konsequenz auf der Seite unserer jüdischen Geschwister stehen müssen. Also, für uns ist jede Form des Antisemitismus gänzlich ausgeschlossen."

Vor dem Hintergrund des Antisemitismus in der AfD (hier oder hier) frage ich mich nun, wie man beides zusammenbringen kann? Einerseits die Entkrampfung im Umgang mit der AfD und andererseits die klare Position gegen Antisemitismus?

1 Kommentar 27.12.17 13:55, kommentieren