Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Grenzen in der Landschaft, Grenzen im Kopf und Grenzen im Gebet - das Rosengrenzgebet

Auf kath.net und in der Blogözese (etwa hier) meint man der Tagesschau und anderen Medien tendenziöse Berichterstattung nachweisen zu können. Das rosenkranzgestählte Grenzbollwerk gegen den Islam, das katholische Polen gestern an den Außengrenzen ihres Landes erbeteten, bezeichneten die kritisierten Medien als "umstritten", eine wohl noch sehr wohlwollende Formulierung.

Klarer formuliert es das Tradiportal katholisches.info und fällt den Brüdern im Geiste damit in den Rücken: "Mit dem Rosenkranz für Volk und Vaterland gegen George Soros, EU-Lobbyisten und Islamisierung"

Dann kan ja nix mehr schief gehen...

9.10.17 17:04, kommentieren

Es ist schlecht, eine Horrormeldung nicht Horrormeldung zu nennen

Eine schwangere Frau bekommt die Diagnose, dass sie einen tödlichen Hirntumor hat. Die möglicherweise rettende Chemotherapie lehnt sie aufgrund ihrer Schwangerschaft ab. Sie fällt ins Koma und gebiert Monate später ein gesundes Kind bevor sie dann verstirbt. Was für eine traurige Geschichte von Leben uns Tod? Mit Hiob möchte man Gott anschreien:

"Du wandelst dich zum grausamen Feind gegen mich, mit deiner starken Hand befehdest du mich. [...] Ja, ich hoffte auf Gutes, doch Böses kam, ich harrte auf Licht, doch Finsternis kam." (30,21+26)

Man kann an Gott verzweifeln, wenn man von solchen Schicksalen erfährt. Haben die Kinder und der Ehemann dieser Frau nicht auch eine Mutter und Ehefrau verdient? Immer wieder drängt sich uns die Theodizeefrage auf, wie  kann ich einen guten Gott denken, wenn ich diese Schicksale betrachte? Bei Hiob führt erst seine Gottesschau zu Trost und Frieden. Auf diese hoffen auch wir, dass im Angesicht Gottes doch alles zum Guten geführt wird.

Umso erstaunter war ich, als ich diese Geschichte bei kath.net unter der Überschift 'Es ist gut, nicht nur Horrormeldungen zu erhalten' las. Wie geling es Weihbischof Laun, diese Horrorgeschichte als etwas Gutes zu bewerten? Das kann nur dann funktionieren, wenn man in einer schwarzweißen Gedankenwelt beheimatet ist. Abtreibung ist schlecht, Leben schenken ist gut. Nur, wird man den vielfältigen Schicksalsschlagen von Menschen damit gerecht? Kann man eine Frau verurteilen, die leben will?

Man macht es sich zu einfach, wenn man hier mit pauschalen Urteilen arbeitet. Diese Dilemmasituationen dürfen nicht für die eigene Ideologie missbraucht werden, damit wäre man in der Rolle der Freunde Hiobs, die ihn ununterbrochen auffordern doch endlich seine Sünde zuzugeben, die für die Strafen Gottes verantwortlich sind. Diese Freunde verurteilt Gott zuletzt. Und deshalb ist die Linie des Papstes, nicht mehr mit rigorosen Gesetzen und Pauschalurteilen zu arbeiten, sondern den Menschen Hilfe und Stütze zu sein, völlig richtig und zutiefst biblisch!

2 Kommentare 16.9.17 14:22, kommentieren

Linz vs Passau

Wer einmal einen Eindruck davon bekommen möchte, wie es aussieht, wenn das Lehramt österreichischer Nachrichtenportale oder deutscher Forumskatholiken einen Bischof zu disziplinieren sucht, der kann das aktuell auf der Facebookseite von Bischof Oster (im Kommentarbereich) bestaunen. Oster macht dabei wie immer eine gute Figur.

2.9.17 08:13, kommentieren

Das Herz am rechten Fleck

Das papstkritische Nachrichtenportal kath.net erlaubt dem Leser seit einiger Zeit, die Kommentare unter den Beiträgen nur noch innerhalb von sieben Tagen zu lesen, danach werden alle Kommentare gelöscht.
 
Die meistkommentierten Beiträge listet kath.net auf der Startseite auf. Rekordhalter mit 154 Kommentaren ist zur Zeit ein Beitrag über die Forderungen Franziskus die Aufnahme von Flüchtlingen weltweit zu erleichtern und die Integrationsbemühungen zu verstärken.
 
Vermutlich wird das Papst-Bashing im Kommentarbereich dermaßen eskaliert sein, dass man die rechte Hetze kurzerhand schon nach 5 Tagen löschte, anders kann ich mir das vorzeitige Löschen der Kommentare trotz der Auflistung in der Bestenliste nicht erklären.
 
Alternativ hätte man die rechten Meinungsbeiträge ja auch gar nicht erst veröffentlichen können?! Schließlich behauptet kath.net, die Kommentare zu moderieren. Aber da schlagen bei kath.net wohl zwei Herzen in der Brust...

27.8.17 11:57, kommentieren

Die Opfer im Kampf der Giganten

Wie wichtig und dringend notwendig Reformen in der katholischen Kirche sind, machten neue Richtlinien der irischen Bischofskonferenz deutlich. Zum ersten Mal traut sich ein solches Gremium an ein innerkirchliches Tabuthema: Der Umgang mit Kindern von ehelos lebenden Priestern.

Ähnlich wie bei den Missbrauchsskandalen wird hier ein morsches und anachronistisches Verdrängungssystem des Klerus aufgedeckt und reformiert, das der Glaubwürdigkeit der Kirche immensen Schaden zugefügt hat und leider auch immer noch zufügt.

Zwei Welten prallen hier aufeinander. Auf der einen Seite das völlig überhöhte priesterliche Selbstbverständis, einer geistlichen Elite anzugehören, die allen weltlichen Dingen entsagt, auf der anderen Seite ein ebenso überhöhter Ehebegriff, der nicht weniger verlangt, als  im Ehebund die Treue Gottes zu den Menschen zu symbolisieren, damit ist die Ehe einzig legitimer Ort, Leben zu schaffen.

Und nun treffen diese beiden Absolute aufeinander, und das Ergebnis ist absolut schlecht: Kinder von Priestern darf es nicht geben, deshalb muss dieses "Problem" diskret gelöst werden. Die Opfer sind die Kinder, die ohne Vater aufwachsen und oftmals vor einer Mauer des Schweigens oder der Lüge stehen bzw selber zu Lüge und Heimlichkeit gezwungen werden.

Aus rein theologischer Logig steht das Ehesakrament über der nur kirchenrechtlichen Verpflichtung zum Zölibat. Man wundert sich, dass bei der Rhetorik von der sakramentalen Ehe, die auf eine Weitergabe des Lebens ausgerichtet ist, mit dem Recht des Kindes auf Vater und Mutter, die man allerorts von Bischöfen und sich selbst glorifizierenden katholischen Muttertieren hört, niemand auf die Idee kommt, den Priestervater auf eine Heirat hin zu verpflichten. Oder steht dann der Zölibat doch über allen Sakramenten und vor allem über dem Wohl des Kindes?

Und wenn es nach mir ginge, könnte der verheiratete Priester selbstverständlich seinen Beruf weiter ausüben, vermutlich sogar in vielen Fällen besser als vorher.

24.8.17 14:12, kommentieren

Wenn Christentum ins Gegenteil verkehrt wird

"Der Teufelspakt der Republikaner", so lautet die Überschrift eines Spiegel-Online-Artikels, der sich mit dem Rassismus und Antisemitismus im Weißen Haus beschäftigt, der die Partei der Republikaner zu spalten droht. Einer der Hauptaktuere in diesem Spiel ist nach Aussage vieler Experten der Katholik Steve Bannon, der kein Problem damit hat, die "Finsternis" als hilfreiche Waffe im Kampf um Macht einzusetzen. Wohlgemerkt, nur als Waffe, grundsätzlich vertritt Bannon ein dualistisches Weltbild und wähnt sich als Christ auf der Seite des Guten, das im Kampf gegen das Böse (wir kennen das schon von George Bushs "Achse des Bösen" ) bestehen muss. Eine apokalyptische Schlacht, die mit allen Mitteln gewonnen werden muss. Und hier ist dann wohl auch die Schnittmenge zu rechtskatholischen und vor allem evangelikalen Kreisen, die ebenfalls diesem Weltbild anhängen.

Als vor ein paar Wochen ein kritischer Beitrag des Jesuiten und Papstvertauten Antonio Spadaro in der Jesuitenzeitung "Civilta Cattolica" genau auf diesen "politisch-religiösen Manichäismus" aufmerksam machte und die Katholiken davor warnte, sich diese häretisch-evangelikalen Vorstellungen anzueignen, hagelte es massive Kritikaus der rechtskatholischen Ecke, die auch auf dem Linzer Portal eine enge Allianz mit evangelikalen Kreisen eingeht. Mitunter gerät die Kritik so massiv, weil man Spadaros Artikel als Angriff auf Trump und seinen Chefstrategen Bannon deutete, die in diesen Kreise sehr vereht werden.
 
Wie recht Spadaro mit seiner Analyse hatte, zeigt sich in diesen Tagen. Donald Trump verteidigt offen Neonazigruppen und Rassisten, weil diese Leute ihn an die Macht gebracht haben. Und das hat er Bannon zu verdanken, der die Rechtsausleger mit Breitbart-News auf Trump eingeschworen hat.

Wie leicht sich rechtskonservative Katholiken an den Teufel verkaufen ist erschreckend. Und leider kann man in Deutschland ähnliche Entwicklungen beobachten. Auf den gängigen katholischen Portalen wird Bannon und Trump verehrt. Auch in der rechtskatholischen Blogözese wird der Terroranschlag von Charlottesville relativiert und Trumps Rhetorik von der linken Provokation und der linken Mitverantwortung nachgeplappert.

Doch wie kommt es dazu, dass derart offen radikale und rassistische Politiker verehrt werden? Die Antwort ist relativ simpel. Gibt man beispielsweise bei kath.net einmal den Namen "Trump" in die Suchmaske ein, wird einem die Antwort auf dem virtuellen Silbertablett serviert: Die Reizthemen der Rechtskatholiken werden allesamt bedient: Gender, Familie/Ehe, Abtreibung, Islam. Aus diesen Themen besteht das rechtskatholisch-evangelikale Glaubensbekenntnis: Die moderne säkulare Gesellschaft ist verkommen und böse, der Islam bedroht das so geschwächte Christentum. Das ist nur zu stoppen, wenn wieder mehr christliche Kinder in christlichen Familien geboren werden. Mehr als das Nachplappern dieses Glaubensbekenntnis braucht es nicht, um Rechtskatholiken dazu zu bringen, ihre Seele an den Teufel zu verkaufen. Und das hat auch die AfD verstanden, denn das sind genau die Themen, mit denen sie in diesen Kreisen so erfolgreich ist.

Und es sind nicht nur katholische Laien, die dieses Weltbild teilen. Auch der in rechtskatholischen Kreisen vergötterte Dubia-Kardinal Burke hegt offenbar enge Kontakte zu Bannon, weil er die Welt ebenfalls so sieht. Und dann spielt es bei diesen Katholiken auch keine Rolle mehr, dass Bannon mehrfach geschieden und wiederverheiratet ist und von der Macht der Finsternis phantasiert, wichtig ist die richtige Ideologie, der Hass auf Islam und die freie säkulare Gesellschaft, das apokalyptische Glaubensbekenntnis muss stimmen, sonst nichts.

Und ich fürchte, es geht noch etwas weiter. Ich glaube, eine wesentliche Schnittmenge ist auch, dass diese Leute die Welt brennen sehen wollen. Und hier kommen wir wieder zum Artikel von Spadaro. Wie in evangelikalen und freikirchlichen Gemeinschaften fühlt man sich innerhalb der Kirche in einem sicheren Raum, alles draußen ist böse und vom Teufel. Benedikts Entweltlichung passt auch ganz gut in diese Gedankenwelt. Und irgendwann muss sich halt zeigen, dass man mit dieser Idee im Recht ist, irgenwann muss das Draußen eben brennen, die Apokalypse wird geradezu herbeigesehnt.

Als Katholik kann man Gott nur dafür danken, dass er einen Mann auf den Stuhl Petri gesetzt hat, der diesen Wahnsinn durchschaut und klar und deutlich die katholische Alternative predigt: Geht hinaus in die Welt und heilt sie. Franziskus setzt dem satanischen das göttliche Konzept gegenüber. Hoffentlich wird seine Stimme gehört...

17.8.17 10:54, kommentieren

Entweltlichung zum Feldlazarett

Ein Bischof bringt Licht ins Dunkel, während sich eine ganze Bischofskonferenz mit dem Dunkel arrangiert. Auf der einen Seite die verbeulte Kirche der Armen, das Feldlazarett, wie Franziskus sich Kirche wünscht, auf der anderen Seite eine Kirche, die sich mit der weltlichen Macht verbrüdert, prunkvoll und reich. "Entweltlichung" forderte Benedikt XVI für die Kirche; zwei Päpste, eine Botschaft.

23.7.17 10:28, kommentieren