Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Demos gegen alle

Birgit Kelle wundert sich auf kath.net über das Ausbleiben von Demonstrationen  friedlicher Muslime gegen den Terrorismus ihrer islamistischen Mitbrüder und wagt die These, dass Millionen von Christen auf die Straße gehen würden, wenn jemand im Namen Jesu unschuldige Menschen töten würde.

Vielleicht sind meine Recherchekünste nur eingeschränkt, aber bisher habe ich im Internet von Frau Kelle keine Aufrufe zu Demonstartionen gefunden, als der amerikanische Präsident Bush zum Kreuzzug gegen den Terror aufrief, in den Irak einmarschierte und tausende von unschuldigen Menschen starben. Dabei liegt es der Dame durchaus Demos zu organisieren oder an ihnen teilzunehmen. Wenn es gegen Gender oder Schwule geht, dann ist sie in der Regel ganz vorne dabei.

Aber vielleicht tu ich ihr auch Unrecht und sie war 2001 auch auf der Straße gegen Bush...

7.6.17 10:38, kommentieren

Bischof Oster auf Zuckerentzug

Von seiner theologischen Ausrichtung ist Jugendbischof Oster ein Greiser, ein Mann vergangenener Tage, der in Polen, wo die kirchlichen Uhren noch um einige Jahrzehnte nachgehen, besser aufgehoben wäre als in Deutschland. Bei seinem Antrittsbesuch vor dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend wirft er dem Verband vor, ein Evangelium light zu vertreten. Was ist seine Kritik?

Engagement für Flüchtlinge und gegen Rassismus seien zwar löblich, und auch die demokratische Beteiligungskultur sei begrüßenswert, aber man sei zuerst einmal Kirche und nicht Politik. Der Jesus, der in der "Theologie der Verbände" zum Vorschein komme, sei eine Karikatur, viel zu nett.

Und natürlich blieb es nicht nur bei der Kritik des Vorhandenen, Oster zeigt auch auf, wie er sich eine Korrekktur hin zum wahren Evangelium vorstellt: Mehr beten und gegen Abtreibung demonstrieren.

Statt wirklich zu helfen, also demonstrieren, statt hinaus in die Welt zu gehen, also beten. Vielleicht so wie im Gebetshaus zu Augsburg, mit einer spektakulären Show, da fand Oster zumindest keine kritischen Worte. Das also ist Osters Vorstellung von Evangelium?

Aus meiner Sicht könnte Oster vom BDKJ lernen, seine eigene Lightversion zu überdenken und das zu tun, was Jesus und die Apostel taten: Hinausgehen in die Welt und die frohe Botschaft eines "netten" Gottes verkünden, der seinen Himmelsthron verlässt und sich die Mühe macht,  als (mit-) leidender Mensch zu den Ärmsten der Armen zu gehen. Die nennt man heute z.B. Flüchtlinge oder auch Frauen in Konfliktsituationen. Denen kann man übrigens auch tatkräftig helfen, dazu bedarf es auch gar keiner großen Demonstration!

Die Süße des Evangeliums kann Oster sich aber auch auf anderem Wege besorgen: Papst Franziskus verteilt sie gerade auf beeindruckende Weise in Fatima (vgl. hier).

13.5.17 10:01, kommentieren

Der Spott der Benedikttreuen

Der Wiener Dogmatik-Professor Jan-Heiner Tück bemerkte vor ein paar Tagen auf Radio Vatikan, dass man Benedikt XVI vor allem "gegen seine Liebhaber" verteidigen müsse. Wie Recht er damit hat, demonstriert Matthias Matussek auf verschiedenen rechtspopulistischen Seiten (z.B. hier) auf beeindruckende Art und Weise.

Eine kitschige Heiligsprechung Benedikts konterkariert er mit schäbigem Spott gegenüber Franziskus. Das also ist aus der ehemals papsttreuen deutschsprachigen Publizistik geworden, erbärmliche Papstkritiker auf Stammtischniveau (ein anderer aus der Riege hier).

18.4.17 14:39, kommentieren

Alternative für Ockenfels

Noch im Februar regte sich mein Lieblingsdominikaner Padre Ockenfels darüber auf, dass deutsche Bischöfe sich in den politischen Wahlkampf einmischen:

"Hier vermischen sich Glaube und Politik, und die klassische Unterscheidung, die ursprüngliche Gewaltenteilung zwischen imperium und sacerdotium, zwischen Staat und Kirche löst sich auf.

Nach der Devise "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" wird er aktuell zum Youtube-Star für die AfD

22.3.17 17:39, kommentieren

The Hunger Games

Bischof Oster hat die Magie zurück in die katholische Kirche geholt, sein Obermagier ist Showprediger Johannes Hartl. Magie ist die geheime Kunst sich übersinnliche Kräfte dienstbar zu machen, sie für die eigenen Zwecke einzusetzen.

"Die Welt besteht mehr als aus dem Sichtbaren. Es gibt Kräfte zwischen Himmel und Erde, von denen die Naturwissenschaft nichts weiß. Gott erhört Gebet, und Gebet hat real Kraft. In besonderen Zeiten jedoch wird in der Bibel zusätzlich dazu gefastet. Zum Beispiel hier, wo eine nationale Katastrophe droht und ein Plan des Bösen verwandelt werden soll."

Und die nationale Katastrophe scheint auch uns zu drohen, hat man sich im Gebetshaus doch für die vorösterliche Fastenzeit vorgenommen, die Rettung Europas herbeizuhungern. Europa scheint besonders bedroht zu sein, doch "alle Tendenzen und Pläne der Zerstörung über unseren Ländern sind für Gott kein Hindernis". Man fragt sich, weshalb die Flüchtling der Welt zu großen Teilen nach Europa drängen, wo doch hier die große Zerstörung droht?!?

Wie auch immer, Hartl weist uns den Weg, das Böse zu besiegen und Europa zu retten: "Lasst uns in diesen 40 Tagen fasten und beten für Leben statt Tod und Heil statt Zerstörung - eine veränderte Geschichte in Europa." Und so wundert es auch nicht, dass er für seine theologische Begründung nicht auf das Neue Testament verweist, sondern eine Geschichte aus dem Buch Ester bemüht, wo die Heldin das Volk um Beistand durch Fasten bittet und so die Vernichtung der Juden verhindert. Mit Jesu Reden und Handeln wäre es nämlich relativ schwierig, ein solch Gott besänftigendes und lenkendes Ritual zu begründen.

"Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet." (Mt 6,5-8)

Scheinbar weiß Gott, was wir uns wünschen und was wir brauchen, leider wissen wir nicht immer, was Gott will, das musste schon Hiob lernen, der sich an alle religiösen Vorschriften und Rituale hielt und dennoch leiden musste. Und auch Jesus bitte Gott den Kelch des Kreuzestodes noch einmal an ihm vorbei ziehen zu lassen. Doch Gottes Pläne waren andere.

Zu oft hatte Jesus sich mit den religiösen Eliten seiner Zeit angelegt, hatte mit seiner Tempel- und Gesetzeskritik die Mächtigen gegen sich aufgebracht. Die Reinheitsgebote und das Sabbatgebot hatte er relativiert und den Männern den Scheidebrief gegen das mosaische Gesetz untersagt. Wer so mit den Machtinstrumenten der Mächtigen der Welt umgeht, lebt gefährlich.

Seine Reich-Gottes-Botschaft, die Reich Gottes schuf, indem die Leidenden geheilt, die Armen gespeist und die Ausgestoßenen integriert wurden, war denjenigen, die Vorteile aus den Unterschieden zogen, ein Dorn im Auge. Seine Tischgemeinschaften, seine Feiern mit diesen Menschen wurden ihm zum Vorurf gemacht: "Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!" (Mat 11,19)

Und so kehrten die Eliten dieses Verhalten Jesu ins Gegenteil um, indem sie ihre Autorität als Verwalter der Gesetze Gottes und der religiösen Rituale gegen ihn verwendeten:

"Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten." (Mat 9,14f)

Aber anders als die Johannesjünger, die sich vor dem apokalyptischen Endgericht wähnten und diesem mit Fasten entgegenfürchteten, verkündet Jesus eine Freudenzeit, denn der Herr ist unter den seinen, und dies gilt es zu feiern. Und in dieser Freudenzeit sollten doch alle Geistgetauften leben.

Vielleicht sollte Hartl seine Anhängerschaft also eher dazu animieren, hinaus an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und dort mit den Einsamen, den Obdachlosen, den Armen und Kranken zu feiern, anstatt für die Rettung Europas eine Medienshow zu veranstalten, dann würde Reich Gottes tatsächlich wachsen, auch in Europa und vielleicht nicht nur da.

2 Kommentare 12.3.17 13:25, kommentieren

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Innerhalb von vier Tagen dringen zwei Nachrichten zum Missbrauch von Kindern aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit. Kardinal Müller bestreitet die systematische Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Das Missbrauchsopfer Marie Collins tritt aus der Päpstlichen Kommission für Kinderschutz aus.

1.3.17 18:47, kommentieren

Brückenbau mit Abrissbirne

Manchmal kann man nur den Kopf schütteln, wenn man die eine oder andere Predigt eines deutschen Bischofs liest. So ging es mir heute Morgen bei der Lektüre der gestrigen Predigt des Regensburger Bischofs Voderholzer, mit der er auf jeder Pegida-Demo tosenden Applaus geerntet hätte. So dürfe man nicht allen, "die sich Sorgen um unsere abendländische-christliche Kultur machten, von vorneherein alle möglichen pathologischen Phobien unterstellen".

Und wer bereitet den christichen Abendländern Sorgen? Na klar, der Islam!

„Der Islam nun freilich, so viel Realismus müssen wir aufbringen, ist eine postchristliche Erscheinung, die mit dem Anspruch auftritt, die Kerngehalte des Christentums zu negieren: Den Glauben an den  dreifaltigen Gott, die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und sein Erlösungswerk am Kreuz. Nur wer seinen eigenen Glauben entweder nicht kennt oder nicht ernst nimmt, kann hier eine weit reichende Integration des Islam als Islam für möglich halten.“

Wie gefährlich derartige Ansprachen von der Bischofskanzel sind, lässt sich leicht veranschaulichen. Dazu bedarf es nur eines winzigen Eingriffs in das Vokabular. Ersetzt man "postchristlich" durch "nichtchristlich" und "Islam" durch "Judentum" erhält man ebenfalls eine inhaltlich korrekte Aussage. Der juristische Unterschied einer solchen Rede wäre vermutlich eine Anklage wegen Volksverhetzung, die dem Bischof so vermutlich erspart bleibt.

"Der Bischof ist Pontifex, Brückenbauer, nicht Murifex, Mauerbauer. Und wir bezeugen vor der ganzen Welt den Glauben an Jesus Christus, bieten die Brücke an, laden ein, die Brücke zu betreten, die der allmächtige Gott selbst in Jesus Christus zur Welt geschlagen hat."

Man zeige mir den Moslem, der sich auf eine derart gebaute Brücke begibt, anstatt sich hinter seine Mauer zu verkriechen! Brückenbau mit Abrissbirne...

30.1.17 14:03, kommentieren