Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Kisslers katholisches Abenteuer im Focus von Matusseks Scheinwelt hinter dem Spiegel

In diesem Jahr hat es zu Pfingsten endlich mal wieder richtig gebrannt. Es war zwar nur ein Strohfeuer, aber immerhin. Dem deutschen Katholizismus zwischen piusbrüderlicher Betonkirche und rotzetterschen Weltethosoase wird die Wärme gut getan haben.

Am Vorabend des Pfingstsonntages ist auf einschlägigen katholischen Liebesnetzwerken ein Donnern und Brausen zu vernehmen. Endlich hatte der allmächtige Schöpfer, Richter und Lenker ein Einsehen und hat einen himmlischen Boten mit einer offenbarungswahren Botschaft in den Vatikan geschickt. Das, was alle schon lange wussten, wird jetzt endlich in seinem ganzen gnadenlosen Grauen offenbar: Die katholische Kirche in Deutschland steht vor der Spaltung. Gerne hätte man noch bis 2017 gewartet, aber der innere Riss ist schon bis an die Außenmauern gedrungen.

Das Schisma ist da! Die deutsch-nationale Kirche des Sonderweges wird in Zukunft ohne Rom weiter machen. Die Betreiber und Nutzer der Liebesnetzwerke haben es ja schon lange gewusst. Es stellt sich eine Stimmung zwischen Erleichterung und Abgrenzung ein. Die Spalter sind schnell benannt: Jesuiten, die meisten deutschen Generalvikare, Kardinal Lehmann, Heiner Geisler und Annette Schavan, um nur die prominentesten zu nennen. 

Etwas außer Atem klopft man sich nun erleichtert auf die Schulter und beglückwünscht sich gegenseitig auf der richtigen Seite, hinter dem Papst zu stehen. Die wenigen Zweifler sind in der Rauchwolke des noch glimmenden Strohs nicht zu vernehmen.

Doch plötzlich, wie von Geisterhand gesetzt, weht ein erhellender Link direkt aus dem Vatikan in den Block, äh Blog.

Das Dossier nur ein belangloses Papier von einem gelangweilten Schreiber, selbstverständlich auf Deutsch! Egal, Wahrheit bleibt Wahrheit und die ist nicht von der Existenz und Qualität eines Dossiers abhängig. Dann vermutlich doch erst 2017.

Ob es auf Kisslers katholischem Abenteuerspielplatz hinter dem Spiegel in Matusseks Scheinkatholizien auch einen Beichtstuhl gibt? Denn dort, vor Gott, sollte man den Focus auf die Wahrheit legen, die es doch sicher auch noch irgendwo gibt. Oder vielleicht doch nicht?

1 Kommentar 14.6.11 16:52, kommentieren

Gefährliche Online-Spiele

Was ist  nur los in der katholischen Kirche? Kaum hat sich der geheimpapierne Sturm im boulevard-katholischen Wasserglas gelegt, da hört man auf den einschlägigen Webseiten auch schon wieder die nächsten Rufe nach Exkommunikation und schismatischen Sonderwegen.

Anlass sind zwei Pfarrer-Initiativen in Deutschland und Österreich, die geradewegs zum Ungehorsam gegen Rom aufrufen und so die selbsternannten  „traditionellen“ Katholiken (Wer genau ist das eigentlich? Gibt es auch Katholizismus ohne Tradition?) erneut auf den Plan rufen.

Beide Seiten im innerkatholischen Streit rüsten offenbar immer weiter auf. Ungehorsam steht gegen Romtreue, Reform gegen Tradition und „Deutschsprach“ gegen den Rest der katholischen Welt. Zum Schlachtfeld für diesen Krieg ist das Internet geworden. Hier, in den Schützengräben der Anonymität, werden Werte und Umgangsformen bedenkenlos dem Endsieg geopfert, hier kann man endlich das in die Welt feuern, was schon immer auf der Seele brannte.

Nicht von Ungefähr veröffentlichten die deutschen Bischöfe heute ein Kommissionspapier zur „verantwortlichen Produktion und Nutzung der unendlich vielen Medieninhalte“ mit dem Titel „Virtualität und Inszenierung. Unterwegs in der digitalen Mediengesellschaft“. Die Bedeutung und die Gefahren der modernen Medien für die Meinungsbildung und Themensetzung scheint den Bischöfen sehr bewusst zu sein. „Inszenierung“ und „Authentizität“ sind so die beiden Pole, um die herum das Papier angelegt ist. Vor dem Hintergrund der kisslerschen Pfingstbotschaft wird deutlich, was damit gemeint sein könnte.

Was aber hat gerade in den letzten Monaten zum Aufrüsten und zur Streitlust im innerkatholischen Bereich geführt? Warum eskaliert die Diskussion im Internet auf eine nie gekannte Art und Weise?

Könnte es sein, dass der Umgang des Papstes mit den Piusbrüdern ein recht riskantes Unterfangen ist? Sollte es Schule machen, dass sich ein schismatischer Kurs gegen Rom „lohnt“, um die eigene Position durchzusetzen, dann würde sich die Wiedereingliederung der Bruderschaft unter das Dach Roms als Pyrrhussieg erweisen. Wenn einige hundert Priester gewonnen werden um den Preis, dass sich einige hundert von Rom abwenden, dann hat man neben einer Menge Arbeit in den entsprechenden Kongregationen nicht viel gewonnen.

Eines aber bleibt so oder so richtig. Mehr Einheit und Verständigung kann nur über den so oft gescholtenen Weg des DIALOGS beschritten werden. Dieser ist schließlich auch der Schlüssel für die mögliche Wiedereingliederung der Piusbruderschaft.

Ein schönes Beispiel für einen gelungenen Dialog kann man aktuell auf der Homepage Kardinal Meisners beobachten. Dieser stellt sich auf http://direktzu.kardinal-meisner.de den kritischen Fragen von gläubigen und ungläubigen Menschen. In seiner ersten Antwort verurteilt er die rechtspopulistische Seite kreuz.net und verweist auf die Möglichkeiten aber auch auf die Gefahren, die die modernen Medien mit sich bringen.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich ein exkommunikationsfreier Dialog in gegenseitigem Respekt einstellt, so dass sich das päpstliche Bemühen um Einheit auch bezahlt macht! Das Ringen um Einheit sollte nicht zur Zielscheibe wie auch immer gearteter Online-Spielchen werden!

1 Kommentar 30.6.11 18:44, kommentieren