Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Kath.si, die neue Glaubenspolizei in Denunziantien

Nachdem im Frühjahr bereits die Feuerzungen im deutschen Katholizismus züngelten, konnte man sich auf einen heißen Sommer gefasst machen. Der herbstliche Papstbesuch scheint den sich gegenüber stehenden Gruppierungen zusätzlich einzuheizen. Man mag gespannt sein, wie sich der Heilige Vater in diesem Hexenkessel zurechtfinden wird.

Doch eins nach dem anderen. Wie sieht es aus in der von angeblicher Spaltung bedrohten Kirche? In der Hexenküche erkennt man Veränderungen zuerst an den neuen Zauberformeln. So sind in der Hitze der Verfluchungen neue Vokabeln legiert: Hurra-Katholiken stehen nun gegen Memorandisten, Dunkelkatholiken gegen Berufskatholiken.

Nun könnte man meinen, dass ein bisschen Abwechslung in den Verwünschungsformeln nicht unbedingt auf eine neue Qualität der Verfluchung deutet, doch dem ist nicht so. Denn eine Seite hat zu einem mächtigen wenn auch aufwändigen Hexenspruch gegriffen, der Denunziation. Und was fast noch furchterregender ist, man hat diesen Zauber virtuell institutionalisiert und so handhabbarer gemacht.

Über die wahre und reine Lehre der katholischen Kirche hüten in Deutschland nun die ritterlichen Wächter von kath.net. Angeführt vom weißen Zauberer „Gandalf“, wie sich der Betreiber der Seite, Roland Noé, wenn er in den Foren und Kommentarspalten höchstpersönlich erscheint, nennt. Nun bedarf es keiner Bischöfe mehr, die sowieso zumeist antikatholisch und häretisch handeln. Man übernimmt die brach liegende Aufgabe einfach selbst und rechtfertigt die Denunziation.

Wie diese Aufgabe im Großen und Kleinen dann aussieht, wird auch umgehend demonstriert. Man liegt in "antirömischen" Bistümern auf der Lauer und hält nach häretischen Handlungen Ausschau. Die Definition dessen, was häretisch ist, bestimmt man selbstverständlich selbst. Und so wird man schnell fündig. In der zutiefst verdächtigen Erzdiözese Freiburg wird ein häretisches Credo aufgespürt. Die Behauptung in der Überschrift genügt hierbei schon als Beweis für die Häresie. Und schon kann sich der Hexen- und Zauberermob mit den neuen Zauberformeln auf das antirömische Häretikum stürzen.

Und Wehe dem, der diese Vorgehensweise kritisch beäugt. Die zaubermeisterliche Zucht und Ordnung lässt hier kein Abweichen vom vorgegebenen Schlachtplan zu. Kommentator „DerSuchende“ äußert Zweifel am häretischen Charakter des Credos, was den großen Gandalf persönlich  auf den Plan ruft.

 „Interessant, auch Du meinst ernsthaft, dass der Terminus "Ich glaube an das große göttliche Ganze" nicht häretisch ist. Man sollte sich hier die Namen von denjenigen gut einprägen, wer dies hier ernsthaft behauptet.“

Auch hier bleibt der mächtige Denuziationszauber -  auch wenn ihn der Meister noch nicht fehlerfrei spricht - nicht ohne die erhoffte Wirkung. „Der Suchende“ fällt rückgratlos um und bedankt sich brav für die Zurechtweisung.

„Nun ich bitte euch darum mich nicht zur Schlachtbank zu führen, und meinen Namen sich laut Gandalf nicht so sehr (zu mindestens nicht in negativer Hinsicht) einzuprägen:
1.) Ich hätte das alternative Freiburger Credo genauer lesen sollen, bevor ich mich vorschnell mit einem Beitrag zu Wort melde
2.) Ich hätte mich bevor ich mich zu Wort melde, auch mal genauer mit der Thematik Häresie beschäftigen sollen.
Also ehrlichen Herzens: Ich bitte um Entschuldigung und nach meinem jetzigen Kenntnisstand sehe ich es auch als häretisch an.“

Gandalf lässt Gnade walten und verweist auf die Kraft des Heiligen Geistes, die „DerSuchende“ zuteil geworden ist.

„Dein letzter Eintrag ehrt Dich! Ich hoffe, dass auch so manch anderer hier noch die Erkenntnis im Heiligen Geist bekommt, welch Häresie in diesem Credo liegt.“

Ja, so funktioniert die Welt im Reich des Denunziationszaubers: Kadavergehorsam wird als ehrenhaftes Verhalten gelobt und der Heilige Geist steht immer zur Verfügung, um gemeinsam mit dem weißen und mächtigen Gandalf die Häresie zu bekämpfen. Da bedarf es doch wirklich keiner Bischöfe mehr!

1 Kommentar 5.8.11 20:53, kommentieren

Von Sünden und Böcken im Land der Verschwörungstheorien

Der Sündenbock im alten Israel war wahrlich eine reinigende Institution. Beladen mit den Sünden des Gottesvolkes trieb man ihn in die Wüste und wusste sich von begangener Schuld befreit. Christen glauben, dass Jesus zum Opferlamm für die Schuld der Menschheit geworden ist und uns so Gott als liebenden, gnädigen und unter Sünde leidenden offenbart hat.

Nun waren sowohl der Bock als auch Jesus in Bezug auf die aufgeladene Schuld selber doch schuldlos, was scheinbar zur Konzeption des stellvertretenden Sühneopfers gehört. Vor diesem Hintergrund könnte man Matthias Matusseks Artikel auf spiegelonline verstehen, wenn er dort die katholische „Linke“, die er als liberal, progressiv und reformwillig beschimpft, für das Denunziantentum in der katholischen Kirche verantwortlich macht. Er packt all die Sünden der dunklen Hurra-Katholiken auf den Buckel der katholischen Theologin Saskia Wendel: Denunziation, Schnüffelei, das Fahnden ohne höheren Auftrag, Selbstgerechtigkeit, Ausgrenzung, Einschüchterung etc. und schickt sie in die Wüste der Romuntreue.

Das Ziel der matussekschen Polemik ist allerdings nicht Versöhnung und Frieden, sondern - in ihrer Umkehrung der Tatsachen - Spaltung und Verleumdung. Zusammen mit seinem Kumpanen Alexander Kissler und beider Publikum auf kath.net unterstellt man den so verhassten reformwilligen Katholiken genau das, was man selbst immer weiter perfektioniert: Denunziation.

So richtet sich der Hass vor allem gegen den Jesuiten Klaus Mertes, der sich für eine wirkliche Aufklärung der Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche einsetzt. Oder eben gegen reformorientierte Theologen, die das Memorandum unterschrieben haben, wie Frau Wendel.

Diesen allerdings Schnüffelei, Einschüchterung und Ausgrenzung vorzuwerfen ist an Boshaftigkeit schwer zu überbieten. Sind es doch vor allem die erzkonservativen kath.net-Traditionalisten, die liberale Bistümer und Theologen beobachten, um nach eigener Definition festgestellte Häresien und abweichende Lehren aufzudecken. Das kisslersche Pfingstdossier war der bisherige Höhepunkt im Denunziations- und Spaltungsbestreben dieser Leute. Matussek hat sich auf seiner Homepage an der Verschwörungstheorie dann auch fleißig beteiligt.

All diejenigen, denen zusammen mit dem Papst an der Einheit der Kirche gelegen ist, die sich für Frieden und Versöhnung einsetzen, all diese Menschen sollten sich von den Kisslers und Matusseks fern halten. Diesen Journalisten in katholischen Fragen ein Forum zu bieten, würde bedeuten, den Bock zum Gärtner zu machen. Der Hass und die giftige Polemik, die in ihren vergifteten Artikeln zum Ausdruck kommen, disqualifizieren sie, für die katholische Kirche die Stimme zu erheben.

Kardinal Meisner hat sich deutlich von Internetplattformen wie kreuz.net distanziert. Er begründet seine Entscheidung mit dem gehässigen und beleidigenden Stil der Kommentare. Diese findet man auch auf kath.net zuhauf. Wenn man die jüngsten Entwicklungen beobachtet, dann sollten sich die deutschen Bischöfe endlich dazu durchringen, kath.net zu ächten. Es kann nicht sein, dass man sich von diesen Leuten beschimpfen lässt, ihnen aber weiterhin Interviews und Stellungnahmen anbietet und sie so aufwertet und legitimiert. Das Einmischen in bischöfliche Aufgaben, wie das Wächteramt über die rechte Lehre, darf nicht toleriert werden. Böcke können den Gärtner eben nicht ersetzen.

2 Kommentare 9.8.11 19:25, kommentieren

Vorfreude auf den Brückenbauer

Die Weltjugendtage sind vorbei, Zeit ein kurzes, persönliches Resümee zu ziehen: Ich freue mich auf den Besuch des Papstes in Deutschland.

So bin ich wohl einer von vielen Deutschen, dem es nach den von Johannes Paul II ins Leben gerufenen Weltjugendtagen so ergeht. So zumindest wertet Robert Eberle, Pressesprecher der Erzdiözese Freiburg, nach Madrid die Stimmung in unserem Lande.

Zwar war ein Teil der spanischen Jugend, die mit über 45% Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat, kritisch gegenüber diesem Großereignis eingestellt, das sie teilweise von ihren Demonstrationsplätzen vertrieb. Doch es gelang Benedikt XVI den Finger in die Wunde der Wirtschaftskrise zu legen, indem er eine moralische und humane Wirtschaft zum Wohle aller Menschen einforderte und so einer Fokussierung auf eine radikale Gewinnmaximierung widersprach. Diese Worte sollten auch die kritischen Demonstranten besänftigt haben, die vielleicht etwas vorschnell die Kosten des Weltjugendtages anprangerten und die großen finanziellen wie vor allem geistlichen Gewinne für ihr Land nicht im Blick hatten.

„Die Wahrheit. Sie blüht nur in der Freiheit. In der Vergangenheit hat die Kirche ihre Wahrheiten erzwungen. Das ist falsch. Die Wahrheit des Glaubens braucht keinen Zwang.“ So zitiert Matthias Matussek, der den Papst mit anderen Journalisten auf seinem Flug nach Madrid begleiten durfte, Benedikt XVI in einer Pressekonferenz über den Wolken. Eine Aussage, die ihm sicherlich nicht so recht schmeckte und möglicherweise sein schlechtes Gewissen förderte, das er im Moment eines kurzen Gesprächs verspürte, als er dem Papst sein Buch schenkte.

Auf die päpstliche Frage, wie es ihm denn im Spiegel ergehe, antwortete Matussek rein beruflich. Ob dem Papst die Doppeldeutigkeit der Frage, wie sie mir sofort durch den Kopf schoss, zuzutrauen ist?!? Aber das, was MM jeden Morgen in seinem Spiegel betrachtet, wird ihm wohl mit seinem zunehmenden Ruhm auch immer mehr gefallen.

Auch in Bezug auf Wissenschaft und Bildung sprach sich der Heilige Vater gegen eine utilitaristische Auffassung aus, die die Wahrheit aus den Augen verliert, weil sie die interessenfreie Vernunft zugunsten von Vermarktung und Anwendbarkeit aufgibt.

So rückte Benedikt XVI immer wieder das in den Vordergrund, was schon seine Enzyklika DEUS CARITAS EST dominierte: Die Liebe. Die Liebe, die in der untrennbaren Einheit von Gottes- und Nächstenliebe ihre christliche Ausformung erfährt.

Ich freue mich auf den Besuch des Papstes in Deutschland!

 

1 Kommentar 26.8.11 21:44, kommentieren

Erpresserischer Klerikalismus?

Für den 14. September sind im Vatikan Gespräche mit den führenden Vertretern der Bruderschaft St. Pius X angesetzt, nachdem die vorausgegangenen Lehrgespräche, die sich mit zentralen Fragen zum II Vatikanischen Konzil beschäftigten, für beendet erklärt wurden. Nun bleibt abzuwarten, ob sich der kirchenrechtliche Status der Bruderschaft ändern wird.

Schon die Wiedereinführung des tridentinischen Messritus ist als Zugeständnis und Zugehen auf die traditionellen Kreise, die sich um die Piusbrüder scharen, zu bewerten. Zuletzt machte die päpstliche Kommission Ecclesia Dei, die eigens für die Wiedereingliederung der Piusbrüder ins Leben gerufen war, in der Instruktion über die Anwendung des Motu proprio "Summorum Pontificum" deutlich, wie ernst es dem Vatikan mit dem Angebot der außerordentlichen Form der Messe ist. So wird zwar darauf hingewiesen, dass die Gläubigen „nicht Gruppen unterstützen oder angehören, welche die Gültigkeit oder Erlaubtheit der heiligen Messe oder der Sakramente in der forma ordinaria bestreiten und/oder den Papst als Obersten Hirten der Gesamtkirche ablehnen“, wird dem aber entsprochen, so ist der Bitte um eine Messe in der außerordentlichen Form auch kleinen bzw. pfarrfernen Gruppen nachzukommen.

Nun hört man am anderen Ende des katholischen Spektrums in den letzten Tagen zunehmend Stellungnahmen, dass es vielleicht eine Änderung im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen geben könnte. So äußerten sich jüngst Erzbischof Zöllitsch, der Theologe Paul M. Zulehner und der Wiener Dogmatik-Professor Jan Heiner Tück . Es wird auf die Praxis der Ostkirchen verwiesen, wo eine zweite kirchliche Heirat möglich ist.

Interessant ist in Bezug auf die Aussagen von Zulehner und Tück, dass die Spekulationen rund um die österreichische Pfarrer-Initiative kreisen, die zum Ungehorsam gegenüber dem katholischen Lehramt mitunter in dieser Frage aufgerufen hat.

Alleine schon die realistische Möglichkeit dieses Zusammenhangs wäre kein glückliches Zeichen für alle Laien und es wäre ein fatales Zeichen für den Umgang radikaler klerikaler Gruppierungen mit Rom und umgekehrt. Kein Memorandum von hunderten Theologen und Religionslehrern, keine Kirchenvolksbewegung mit tausenden von Anhängern, nichts hat in dieser Frage in den letzten 50 Jahren etwas bewegen können. Anders möglicherweise der Zusammenschluss von ca. 300-500 Priestern, die mit einem Schisma drohen. So sehr ich diese Reform begrüße, so sehr würde es mich entsetzen, wenn diese Initiative der entscheidende Auslöser wäre! Dies gilt im Übrigen auch für die „alte“ Messe. Die außerordentliche Form der Messe und der Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen sollten nicht das Ergebnis von Erpressungen, sondern von innerkirchlichem Dialog sein. In diesem sollten dann auch die Laien eine Stimme haben und so gemäß den Aussagen des II Vatikanums ernst genommen werden. Und so gilt es Erzbischof Zöllitsch für den Dialogprozess, den er nach den Missbrauchsfällen in Deutschland initiert hat, zu danken!

2 Kommentare 31.8.11 20:03, kommentieren