Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Der Irrweg des Begreifens

„Wie heutzutage von Gott reden?“, eine Frage, die nach dem Besuch des Papstes in Deutschland noch einmal mehr in den Fokus der Auseinandersetzung von Theologen, Philosophen und Gläubigen gerückt ist. Wie genau ist der Glaubenskrise der Menschen in der modernen Gesellschaft zu begegnen?

Es ist dazu viel geschrieben worden, es ist philosophiert worden, gestritten und polemisiert worden. Auf der einen Seite streiten Philosophen und Theologen um Begriffe, Theorien und Konzepte. Hier geht es um Freiheitsbegriffe, die Autonomie des Menschen, Vernunftbegriffe und Naturrechtskonzeptionen. In einer völlig anderen Welt aber spielen diese Gedankenkonstrukte überhaupt keine Rolle. Diese Welt dreht sich um Marien- und Heiligenverehrung, um Exorzismus, um Himmel und Hölle und um Engel und Dämonen.

Und zwischen diesen Welten steht der Papst, der sich um die Einheit der Christenheit verpflichtet weiß. Wie anders als in der Art und Weise, wie er zu den Menschen in Deutschland und der Welt gesprochen hat und auch weiter spricht, könnte er es vor diesem Hintergrund tun? Die Kritik an seinen Worten und seiner Intention, gerade von intellektueller Seite, erscheint mir etwas zu übersehen, was mit dem innersten Wesen des Gottesglaubens zu tun hat. Spannender Weise scheinen auch die frommen Christen, die nach Medjugorje und zu anderen Orten von Erscheinungen pilgern, genau das zu suchen, dem auch die Philosophen und Intellektuellen auf der Spur sind. Diese gemeinsame Schnittmenge möchte ich einmal das „Begreifen“ nennen.

Prof. Dr. Rudolf Langthaler formulierte aus einer philosophischen Position heraus eine Kritik an den Reden des Papstes. „Die darin maßgebende Berufung auf eine ‚objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt’, sollte schließlich auch den rettenden metaphysischen Ausblick auf eine ‚schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus’, offen halten.“ Dem hält Langthaler Kant und Habermas entgegen, nach deren Urteil die rationale Begründung und Legitimierung von Recht und Moral keiner ‚Idee eines andern Wesens über dem Menschen’ bedürfen“.

In eine ähnliche Richtung geht auch die Kritik des Philosophiehistorikers Kurt Flasche. Die vom Papst behauptete Vernünftigkeit des Christentums komme ohne das damit verbundene Programm eines umfassenden Nachweises dieser Vernünftigkeit daher.

Ich frage mich, was diese Kritiker vom Papst erwarten. Wenn Benedikt in seinen Reden den Gottesglauben thematisiert, diesen auch als Bindeglied zwischen den Konfessionen und Religionen verankert und bei diesem Glauben auch in Bezug auf die Fragen und Probleme der Gegenwart ansetzt, dann wird er eines auf jeden Fall nicht können. Er wird diesen Gott eben nicht beweisen können, er wird ihn einem intellektuellen Agnostiker oder Atheisten nicht rational verständlich und stringent erklären können. Würde er dies aber versuchen oder würde es ihm auch noch gelingen, dann könnte man mit Augustinus ausschließen, dass es sich in dieser Erklärung um Gott handelt, es wäre also zum Scheitern verurteilt. „Wenn du es begreifst, ist es nicht Gott.“

Auch die oben erwähnten christlichen Pilger scheinen etwas (be-)greifen zu wollen, was nicht greifbar ist. Wenn der römische Chefexorzist Pater Gabriele Amorth in Bezug auf Medjugorje meint: „Sogar Priester und Bischöfe wollen nicht einmal davon hören. Nicht dass sie hingefahren wären und ihre Entscheidung fair getroffen hätten, nachdem sie die Dinge selbst angesehen hätten, nein! Sie wollen es nicht einmal hören, wenn davon gesprochen wird!“, dann deutet sich hier an, dass es eben Orte gibt, an denen man das Wort Gottes wirklich direkt hören kann, die göttliche Sphäre sozusagen mit Händen greifbar ist.

Doch zu Recht machte der Papst darauf aufmerksam, dass zum Christusgeschehen das Unfassbare gehört. „Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“, wusste schon Paulus den Korinthern zu sagen. Gott selbst gibt sich als Mensch in die Welt hinein und stirbt wegen seiner göttlichen Botschaft einen gewaltsamen Tod. Nach drei Tagen demonstriert er seine Macht und lässt diesen Jesus von den Toten auferstehen. Diese Auferstehung verheißt er allen Menschen, die an ihn  glauben. Ähnlich bekundet es schon der berühmte Philipperhymnus und auch der Papst hebt in seiner Rede im Freiburger Konzerthaus auf diesen Glaubenskern ab.

Vielleicht ist es so, dass man von Gott überhaupt nicht überzeugend reden kann?! Vielleicht muss der Versuch des Redens, wie Sepp Hollweck es nennt, in Einklang mit einem Handeln stehen, vielleicht ist gar das Handeln das überhaupt Entscheidende und Überzeugende.

Wenn ich wirklich an die Reich-Gottes-Botschaft Jesu glaube, wenn dort Reich Gottes ist, wo Lahme wieder gehen, Blinde wieder sehen, Taube wieder hören, Aussätzige rein werden und Tote das ewige Leben erhalten, dann muss sich dieser Glaube in meinem Leben, in meinem Handel auswirken. Glauben wir heute wirklich noch an die Göttlichkeit Jesu, an die heilende Kraft des Gottesglaubens, glauben wir wirklich noch an ein Leben nach dem Tod, an die wirkliche Auferstehung des Gott-Menschen Jesus. Glauben wir an seine Wunder und seine Predigt? Nur wenn ich das alles aus ganzem Herzen bejahe, bei allem Zweifel, der bei etwas Unfassbarem bleibt, nur dann kann ich als Christ auch überzeugen. Das ist heute nicht anders als vor 2000 Jahren.

Alle Versuche diesen unfassbaren Kern begreifen zu wollen, ob in einem naiven Aberglauben oder in philosophischen Diskursen, sind zum Scheitern verurteilt. Vor dem Hintergrund dieses Gottesglaubens muss man die Forderung nach Entweltlichung sehen. Sie bedeutet für mich das Abstreifen von all dem, was diesen Gottesglauben verdunkelt, weil man ihn aus Angst, fehlendem Vertrauen oder in etablierten Strukturen greifen, sichern, handhabbar machen möchte.

Damit ist es wirklich so, dass jeder Christ bei sich selbst anfangen muss und gleichzeitig hat sich aber auch die gesamte Kirche immer wieder zu überprüfen und zu hinterfragen. Die strukturellen Defizite hat Benedikt XVI zugestanden. Alles muss sich am Evangelium, der Reich-Gottes-Botschaft und dem Glauben an Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist, ausrichten.

Wenn Rudolf Langthaler kritisiert, dass die Aufklärung das, was wir aus der Gottesebenbildlichkeit ableiten, nämlich die gleiche Würde aller Menschen, um Nuancen grundsätzlicher gesehen hat als die Kirche, dann ist dies ein gutes Beispiel dafür, wie es auch durch die Kirche zu einer Verdunkelung des Evangeliums gekommen ist. Man kann  nur immer wieder auf die frühchristliche Taufformel Gal 3, 28 verweisen, um sich zu fragen, was es für unser Leben und Handeln bedeutet, wenn "alle eins in Christus" sind!?

Es gehört Mut dazu, das abzustreifen, was den Gottesglauben verdunkelt, das gilt für den einzelnen Christen, mehr noch für die Kirche als Institution. Wenn man einmal überlegt, weshalb Jesus mit seiner Botschaft angeeckt ist, dann auch deshalb, weil er genau das gefordert hat, die Rückbesinnung auf das Wesentliche des Gottesglaubens, was eine Tempel- und Gesetzeskritik mit sich brachte. Sein Schicksal zeigt, wie schwer es uns Menschen fällt, bewährte Strukturen aufzubrechen, damit der glühenden Kern des Glaubens  aufleuchten kann.

Jesus nennt zwei Gebote, an denen das gesamte Gesetzt hängt, die Gottes- und Nächstenliebe. Brauchen wir wirklich einen Normenkatalog, der uns unserer christlichen Freiheit beraubt? Paulus verneint die rettende Kraft des Gesetzes! Wie sehr fehlt uns scheinbar das Vertrauen in unseren Glauben. Kann man Glauben in einem Normenkatalog erlernen? Oder bin ich auf charismatische Menschen angewiesen, die ihn mir vorleben? 

Ist es Gottes ausdrücklicher Wille, dass Homosexualität nicht gelebt werden darf? Ist es Gottes ausdrücklicher Wille, dass nur Männer Priester werden dürfen? Ist es gar sein ausdrücklicher Wille, dass diese Männer zölibatär leben? Ich gebe es hier offen zu, mir fällt es schwer, dies vor dem Hintergrund des Evangeliums vom Leben, Tod und der Auferstehung des Herrn zu glauben. Wieso glauben wir, dies alles so präzise greifen zu können?

3.11.11 12:02, kommentieren

Der Sexskandal in der katholischen Kirche

Die Nachbeben des Missbrauchsskandals sind noch in vollem Gange, die Frage nach Strukturen innerhalb der Kirche, die diese Missbräuche begünstigten, noch nicht beantwortet, und schon gönnt sich die katholische Kirche den nächsten Sexskandal. „Bischöfe als Porno-Produzenten?“, titelte das katholische Pur-Magazin und verwies auf erotische Literatur, die vom Weltbildverlag vertrieben wird, der zu 100% im Besitz der katholischen Kirche ist.
 
Die üblichen katholischen Moralapostel stürzten sich geifernd und selbstzufrieden auf das Thema und forderten sogleich Köpfe, die nun rollen müssen. Die Reaktivierung des Index der verbotenen Bücher schimmert als Lösung durch. Der Missbrauchsskandal scheinbar nie geschehen und weiter geht es wie eh und je. Jede Berührung von Kirche mit dem Thema Sexualität wird rigoros verurteilt. Man hat fast den Eindruck, die von Angst besetzte und auf das Sündhafte starrende Einstellung zur Sexualität, die die Kirche in vergangenen Jahrhunderten bestimmte, sei nie überwunden worden. Wollte nicht das Zweite Vatikanum eben damit aufräumen, indem es die Sexualität als einen Wert herausarbeitete, der zur Personalität des Menschen dazugehört?
 
Genüsslich werden die zu verurteilenden Titel zitiert und auch die Buchcover mit den ach so skandalösen, weil doch nackten Frauen, präsentiert. So wird das, was man eigentlich kritisieren möchte, noch schnell zum eigenen Nutzen missbraucht; rechtfertigt durch die moralische Empörung hält man dies wohl für zulässig. Warum aber darf ein katholischer Verlag nicht auch Sexratgeber und erotische Romane im Programm haben? Ist Sexualität böse? Antikirchlich? Verdammungswürdig?
 
So eschofiert sich Alexander Kissler auf kath.net über ein System „in dem die Heuchelei Struktur geworden ist“, in dem „die Entwelt(bild)lichung“ (welch subtiler Wortwitz) dringend anstünde, da sich ansonsten die „neuerliche Glaubwürdigkeitskrise“ der Kirche „zum existenziellen Flächenbrand“ ausweiten werde. Ich frage mich allen Ernstes, ob es nicht viel verlogener ist, nach einem dramatischen Missbrauchsskandal zur sexverklemmten Tagesordnung vergangener Jahrhunderte zurückzukehren, wenn lange noch nicht geklärt ist, inwiefern gerade diese Sexualmoral und bestimmte kirchliche Strukturen der eigentliche Nährboden für diese Verbrechen waren?!
 
Der Kriminologe Christian Pfeiffer verweist z.B. auf Befunde einer vom John Jay College durchgeführten Untersuchung in den USA. „Dort hat sich nämlich gezeigt, dass es in den letzten drei Jahrzehnten zu einem starken Rückgang des sexuellen Missbrauchs durch Priester gekommen ist – und dies parallel zu einer wachsenden Liberalisierung im Umgang mit Sexualität. Priester, die dort unter Verletzung des Zölibats sexuelle Kontakte suchen, hatten es so zunehmend leichter, erwachsene Partner zu finden. Dies hat offenbar dazu beigetragen, das Risiko von Kindern und Jugendlichen zu verringern, dass sich Priester ersatzweise an ihnen vergehen.“
 
Sollte die Kirche die Missbrauchsfälle und gegebenenfalls die ihnen zugrunde liegenden Strukturen nicht offen und wahrhaft aufklären und gegebenenfalls Veränderungen herbeiführen, dann wird der Glaubwürdigkeitsverlust für die Kirche ein Ausmaß erreichen, demgegenüber der Weltbild-Skandal das ist, was er ist: Der Rede nicht wert. 

10 Kommentare 15.11.11 19:02, kommentieren

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Da entrüstet sich Christian Spaemann auf kath.net  über das Angebot und die Geschäftspraktiken des Weltbild-Verlags, um die lang und intensiv geführte Kampagne rechtgläubiger und romtreuer Katholiken, so vielfache die Selbstbezeichnung, zu unterstützen. „Kitsch, Banalitäten, Schund und Gewaltangebote“ seien über den Katalog des Verlages zu beziehen. Einzige Legimitation für solches Treiben wohl die Geldgier der meisten Bischöfe, Kardinal Meisner einmal ausgenommen.

Ganz gleich, wie man persönlich zu der Weltbild-Problematik steht, eine solche Kritik neben einem Geldschein, der in einem fließenden Übergang mit der kath.net-Seite verschmilzt, zwei idyllisch-bunten Postkarten mit Krippenmotiv und einem Link zu einem Sachbuch über den Schutzpatron aller Fußballer, Luigi Scrosoppi, zu veröffentlichen, mutet doch irgendwie ein bisschen komisch an. Hier treibt doch nicht etwa der Beelzebub den Teufel aus?

3 Kommentare 21.11.11 15:26, kommentieren

Von roten und braunen Früchtchen

Nachdem nun die katholische Kirche zukünftig nicht mehr befürchten muss, dass sie mit erotischer Literatur in Verbindung gebracht wird, kann sie sich endlich wieder den wichtigen Problemen in unserer Gesellschaft widmen. Schließlich ist es nicht so, dass es nicht genug Themen gäbe, zu denen sich eine Kirche, die positiv in diese Gesellschaft hineinwirken möchte, äußern könnte.

An der nach dem Aufdecken der Zwickauer Neonazi-Terrorzelle aufgeflammten Debatte um rechte Gewalt in Deutschland z.B. sollte sich die Kirche mit einem eindeutigen Standpunkt beteiligen. Doch was ist über eine Stellungnahme  von Erzbischof Zöllitsch hinaus von den deutschen Bischöfen bisher zu hören gewesen? Die Empörung über ein paar unzüchtige Bücher schien einigen von ihnen leichter zu fallen.

Nun könnte man sagen, dass es sich beim Weltbild-Skandal um eine innerkatholische Angelegenheit handelt, die - gerade vor dem Hintergrund des vom Papst aufgetragenen Prozesses der Entweltlichung – Priorität hat. Gut! Die Morde der Neonazis sind sicherlich keine christlich motivierten Taten gewesen, sie liegen damit eben im Bereich der Welt, in die hinein die Kirche – gestärkt durch die Reinigung des Entweltlichungsprozesses  – wirken möchte, um den Menschen Gott wieder näher zu bringen.

Nimmt man beim Thema Rechtsradikalismus die Kirchenführung einmal aus dem Blick und fokussiert auf Stellungnahmen aus dem konservativ-katholischen Milieu, dann hält man sich dort weniger bedeckt. Alexander Kissler war einer der ersten, der bereits am 16. November mit einem beruhigend-relativierendem Artikel  auf Cicero online Stellung bezog. Eine Stunde später wusste man immerhin, dass hier weniger ein „terroristisches Netzwerk“ zugeschlagen habe als ein Grüppchen mit „nur ganz wenigen Unterstützern“.

Den Vergleich mit der RAF bewertet Kissler mit Elmar Theveßen als völlig deplaziert, handelt es sich doch lediglich „um psychopathische Serienmörder, denen die politischen Visionen“ fehlten. Nebenbei bemerkt – und wenn es nicht so demaskierend wäre, gehörte es auch nicht in diesen Zusammenhang – moniert Kissler, dass die Fernsehsender der populistischen Versuchung erlegen seien, Bilder und Filmsequenzen aus dem Video der Mörder zu zeigen. War es nicht auch Kissler, der neben freizügigen Buchcovern genüsslich die vermeintlich skandalösen Titel der erotischen Werke zitierte?!

Doch zurück zum Wesentlichen: Der beschwichtigende Ton im Zusammenhang mit der rechtsterroristischen Mordserie wird auf kath.net dann noch einmal getoppt. So spricht Helmut Matthies von mutmaßlichen Tätern, von einer Massenbewegung sei aufgrund sinkender Zahlen im rechten Milieu nicht auszugehen. Die Zahlen rechter Gewalttaten werden dann noch schnell mit der von Linksextremisten verglichen und als vergleichsweise gering eingestuft, um dann der EKD anzuraten, nicht nur gegen Rechts- sondern auch gegen Linksextremismus vorzugehen (siehe auch hier). Auffällig: Matthies sieht in der RAF einen Vorläufer der Zwickauer Mörderbande. Scheinbar glaubt er nicht wirklich an die durchgeknallten Einzeltäter. Oder ihm ist die Kritik an der Haltung der EKD viel wichtiger, als hier schlüssig zu argumentieren.

Wie wenig kath.net an einer wirklichen Kritik an rechtem Gedankengut gelegen ist, kann man den Artikeln entnehmen, die seither veröffentlicht wurden. Neben der Geschichte  eines rechten Totschlägers, der im Gefängnis zu Gott gefunden hat (übrigens im Widerspruch zu Matthies ein schönes Beispiel für den Erfolg evangelischer Arbeit mit Rechtsradikalen), kann man sich über pakistanische Muslime informieren, die Mädchen zu Sexsklavinnen abrichten. Dabei ist weniger die eigentliche Nachricht das Verwerfliche, vielmehr die bewusst unterlassene Differenzierung, die man im Fall der angeblich christlichen Motive des Norwegers Breivik vehement einforderte. Der deutliche Zusammenhang, der hier zwischen dem Muslim-Sein und den Verbrechen hergestellt wird, kann aufgrund ebendieser Erfahrungen wohl nur als böswillig bezeichnet werden. Weder kann ein mit Drogen dealender, pakistanischer Vergewaltiger als typischer Muslim noch ein kinderschändender Priester als typischer katholischer Geistlicher bezeichnet werden.

Nur Kissler, der auch gerne für kath.net schreibt, schafft es noch, in einem seiner pseudointellektuellen Ergüsse auf The European, dem ganzen Treiben die Krone aufzusetzen. Scharf verurteilt er hier das Bemühen des Staates, rechtes Gedankengut aus den Köpfen der Menschen heraus zu bekommen.  „An der Schädeldecke endet das staatliche Zugriffsrecht.“ Nein, jeder einzelne von uns, gerade Lehrer, Politiker, Mitarbeiter der Kirche und des Staates, hat dafür zu sorgen und daran zu arbeiten, dass dieses verbrecherische Gedankengut, das schon viele Millionen Opfer gekostet hat, aus den Köpfen der Menschen verschwindet.

Wo bleiben die scharfen Worte der deutschen Bischöfe zu diesem Milieu innerhalb des Katholizismus, das sich da auf diesen Internetseiten tummelt? Die Kommentatoren formulieren übrigens weniger vorsichtig. Wo bleibt ein Kardinal Meisner, der sich in den letzten Wochen so um das Image der Kirche bemühte, der diesem Treiben auf kath.net und anderswo öffentlich entgegentritt? Wo bleibt ein Kardinal Marx? Vor allem aber: Wo bleiben die österreichischen Bischöfe, in deren direktem Verantwortungsbereich kath.net liegt? Ich schäme mich als Katholik für ein solches Portal.

12 Kommentare 25.11.11 18:11, kommentieren