Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Glaubenswissen ersetzt nicht Glaube und Wissen

In ihrem Hirtenwort zum Jahr des Glaubens werfen die österreichischen Bischöfe einen Blick von der Situation ihrer Kirche auf die grundsätzlichen Probleme der Kirche in Europa und in der Welt. Die Bischöfe sprechen die Konflikte, Spannungen und auch Spaltungen an, die es in der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils gegeben hat. Der Streit um die rechte Deutung der Konzilstexte zeigt, dass dieser Konflikt immer noch nicht ausgestanden ist.

Zu Recht wird die Lösung im Glauben gesehen. Der Glaube an das Evangelium von Jesus Christus muss Dreh- und Angelpunkt jedweder Verkündigung sein. Dieses Evangelium muss den Menschen unserer Tage wieder verständlich nahe gebracht werden. Gerade dies war auch der Ansatz des letzten Konzils.

Und auch die konkrete Umsetzung dieses berechtigten Ziels wird sehr präzise benannt, indem auf die Abhängigkeit der Glaubensweitergabe von den gläubigen Menschen unserer direkten Umgebung hingewiesen wird. „Wir sind alle auf Vorbilder des Glaubens angewiesen, auf die großen Gestalten der Heiligen, und auf die gläubigen Menschen, die unser Leben geprägt und den Weg unseres eigenen Glaubens gefördert haben.“ Diese Vorbilder, oft zuerst einmal die Eltern und Verwandten, können durch ihr Vertrauen stiftendes Leben und Handeln den im Menschen angelegten Keim des Glaubens zur Entfaltung bringen.

Doch dann folgt ein Bruch, der mir symptomatisch und systemimmanent erscheint. Auf seltsame Weise wird die Forderung nach glaubwürdigen Zeugen mit der Abrufbarkeit von „Glaubenswissen“ verknüpft. Dieses paradoxe Glaubenswissen solle im Jahr des Glaubens vertieft werden. In einem Dreiklang wird der Prozess dieser Belehrung aufgezeigt. Ausgehend von der „Liebe zur Heiligen Schrift“ soll ein „Interesse an den Texten des Zweiten Vaticanums“ geweckt werden, indem der „Katechismus der katholischen Kirche“, der eine „Frucht des Konzils“ sei, in den Dienst genommen werden soll.

So scheint der Katechismus das eigentlich Ziel der Wissensvermittlung im Jahr des Glaubens zu sein. Auf diese Diagnose machte bereits Prof. Häfner in seinem Blog aufmerksam:

„Die Ausrufung des »Jahres des Glaubens« scheint sich allerdings mit großen Hoffnungen auf solches Studium zu verbinden. Sowohl im Motu proprio »Porta fidei« als auch (und in noch stärkerem Maß ) in der »Note mit pastoralen Hinweisen zum Jahr des Glauben« der Kongregation für die Glaubenslehre fällt jedenfalls auf, wie stark neben den Beschlüssen des II. Vatikanums auf den Katechismus abgehoben wird, während jeder Verweis auf Bibellektüre fehlt.“

Die Menschen, die in mir den Keim des Glaubens zum Reifen und Blühen gebracht haben, die waren sicherlich keine Experten in Sachen Glaubenswissen! Und wenn ich mir die neutestamentlichen Texte so anschaue, die von der Verbreitung des Glaubens durch die Verkündigung der Frohen Botschaft berichten, dann spielt Glaubenswissen auch dort keine Rolle. Dort geht es zunächst einmal um Vertrauen in die Person Jesus Christus, in seine Botschaft, oder in die Apostel, die diese verkünden.

Und dabei wird tradiertes Glaubenswissen eher relativiert, zumindest scheint es für die Verkündigung nicht von besonders hohem Stellenwert zu sein, wenn man dazu übergeht, Heiden auch unabhängig von Gesetz und Beschneidung in den Kreis der Jesusnachfolger aufzunehmen. Der Apostel Paulus bestreitet gar, dass der Glaube aus dem Gesetz kommen könne, vielmehr gründe er in der Botschaft vom Wort Christi (Röm 10,17).

Kardinal Martini hat es in dem letzten Interview vor seinem Tode auf den Punkt gebracht. Und darin stimmt er mit den Bischöfen Österreichs noch überein. Es braucht glaubwürdige Zeugen, die wirklich frei sind. So frei, wie er sich vielleicht kurz vor seinem Tod selber fühlte und so imstande war, das zu sagen, was ihm in Bezug auf die Probleme der Kirche auf der Seele brannte. Diese freien Glaubenszeugen, wie die von ihm erwähnten südamerikanischen Befreiungstheologen, drohen aber von der „Institution“ eher noch in „Fesseln“ gelegt zu werden. Doch Menschen wie sie sind es, die der Kirche aus der Glaubwürdigkeitskrise helfen könnten.

Kardinal Martinis Argumentation ist bruchlos, weil er anders als die Bischöfe Österreichs nicht auf Katechismus und Glaubenswissen abzielt. Zwar empfiehlt auch er das Studium der Texte des Zweiten Vatikanums, jedoch mit dem Ziel, „den Katholiken wieder die Bibel in die Hand“ zu geben. Nur dort ist die Frohe Botschaft zu finden. Unter Umgehung des Katechismus der umgekehrte Weg also.

„Nur wer dieses Wort in sein Herz aufnimmt, kann beim Neuaufbruch der Kirche mitmachen und in persönlichen Fragen gute Entscheidungen treffen. Das Wort Gottes ist einfach und sucht als Partner das hörende Herz. Dazu braucht es nur Stille, Hören, Lernen, Fragen und Warten, wenn ich es nicht fassen kann. Nicht der Klerus und nicht das Kirchenrecht können die Innerlichkeit des Menschen ersetzen. Alle äußeren Regeln, Gesetze und Dogmen sind dazu da, um die innere Stimme des Menschen zu klären und die Geister zu unterscheiden.“

Vorbilder wie diesen weisen Kardinal braucht es, damit die Kirche in der modernen Gesellschaft wieder ernst genommen werden kann! Der Sumpf, der in der Vatileaks-Affäre zutage tritt, die hasserfüllten Internetauftritte von Sympathisanten oder Mitgliedern der Piusbruderschaft, um die sich die von den wesentlichen Problemen der Kirche ablenkenden katholischen Selbstgespräche viel zu sehr drehen, oder auch weniger radikal daherkommende katholische Portale, die auch von herausragenden Vertretern der österreichischen Bischofskonferenz unterstützt werden, helfen der Kirche nicht weiter. Sie bewirken das Gegenteil. Hier sind brauchbare Vorbilder kaum auszumachen.

1 Kommentar 3.10.12 14:06, kommentieren

Expertenmeinung für ein friedliches Miteinander

Pater Ockenfels, Werbeikone für die „Junge Freiheit“, präsentiert auf kath.net mal wieder eine „lohnenswerte Lektüre“ . Mit „Loyalität zum Gemeinwohl und strengem Gerechtigkeitssinn, also kühler Rationalität“ gelingt es ihm erneut auf beeindruckende Weise, ein das Zusammenleben förderndes und sachlich-gerechtes Urteil über unsere muslimischen Mitbürger zu fällen.

Dass er diese dabei von den „Einwohnern westlicher Staaten“ abgrenzt, die diesen muslimischen Menschen aber dennoch „Religionsfreiheit gewähren“, mag kurzzeitig verstören. Schließlich vereinigt Ockenfels die Muslime dann doch mit den christlichen Gläubigen in der Rolle als Opfer der Religionskritik. Scheinbar gibt es doch Gemeinsames.

Doch haben lediglich die Christen unter diesen Opfern eine „Schwäche für Freiheit und Frieden“, was Religionskritiker veranlasse, eben vor allem auf diese loszugehen, da man bei Muslimen schließlich mit „gewaltsamen Reaktionen“ zu rechnen habe.

Selbst der Staat scheue „zur Besänftigung der Muslime und zur Anerkennung ihrer Scharia“ nicht einmal den Rechtsbruch im Bereich von „Glaubens- und Gewissens- und Meinungsfreiheit“. Schade, dass er hier keine Beispiele nennt, was mag er wohl genau meinen? Vermutlich geht es in die Richtung „Man wird ja wohl noch sagen dürfen…“

Und selbst die Theologie sei nicht mehr bereit, gegenüber einem Zeitgeschmack (warum verschmäht er hier nur das Zauberwörtchen Zeitgeist, das ihm sonst so viel Applaus einbringt??), der sich einem „macht- und gewaltbewussten Islam“ anpasst, „die naturrechtliche Evidenz des Grundgesetzes aufzuweisen“.

So gilt dann der Ockenfelsche Merksatz: „Je gewalttätiger eine Religion, desto besser ihr rechtlicher Schutz vor Beleidigung.“ Woran hapert es nur, wenn im Anschluss daran von „Anstand“ und „Kultur“ gesprochen wird? Wäre es nicht anständiger gewesen, den Artikel gleich in der „Jungen Freiheit“ zu veröffentlichen? Doch dort bläst schon ein Autor, der für die Republikaner kandidierte und der auch auf PI schreibt, ins gleiche Horn (den Link erspare ich mir allerdings).

4.10.12 14:37, kommentieren

Dan Browns Einfluss auf die Wissenschaft

Nun doch noch ein paar lose Gedanken zum „sensationellen“ Papyrusfund, der aufgrund seiner Andeutung, Jesus sei verheiratet gewesen, für einiges Medienecho sorgte. Der in koptischer Sprache verfasste Papyrusschnipsel wird von der Wissenschaftlerin Karen King in das 4. Jhd. datiert. Sie übersetzt ihn bis zum achten Vers wie folgt:

«1. [. . .] nicht zu mir. Meine Mutter gab mir das Leben [. . .] 2. Die Jünger sagten zu JS [. . .] 3. verneint. Maria ist dessen würdig [. . .] 4. [. . .] Es sagte JS zu ihnen: Meine Frau [. . .] 5. [. . .] sie kann meine Jüngerin sein [. . .] 6. Lasst böse Menschen anschwellen [. . .] 7. Ich, ich wohne (oder: existiere) mit ihr, damit [. . .] 8. ein Bild [. . .]»

Sowohl aufgrund der verwendeten Sprache als auch inhaltlich weist das Fragment große Verwandtschaft zu Texten auf, die in der Vergangenheit in Ägypten gefunden wurden. Hier vor allem zum Evangelium des Philippos und dem der Maria.

Neben der koptischen Sprache wird in diesen beiden gnostischen Evangelien ebenfalls eine besondere Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena angedeutet. Und auch in der kritischen Haltung einiger Jünger dieser Maria gegenüber findet sich eine Parallele. So heißt es im Evangelium des Philippos: "Der Heiland liebte Maria Magdalena mehr als alle Jünger und er küsste sie oftmals auf den Mund." 

Und im Evangelium nach Maria hört man Petrus sagen: „Schwester, wir alle wissen, dass der Retter dich [Maria Magdalena] lieber hatte, als all die anderen Frauen. Später wendet Andreas ein: "Sagt doch, was denkt ihr über das, was sie gesagt hat? Ich glaube nicht, dass der Retter so geredet hat. Seine Lehren haben eine andere Bedeutung. Sollen wir ihr etwa zunicken und alle auf sie hören? Hat er sie uns vorgezogen?“

Nun ist die Gnosis sicherlich ein synkretistisches und völlig uneinheitliches Gebilde und gerade ihre Ursprünge liegen zum großen Teil im Dunkeln. Typisch aber scheint die Vorstellung eines vollkommen fernen obersten Gottes zu sein, der nicht der Schöpfer der Welt ist. Diese ist vielmehr durch unvollkommene Kräfte (Demiurgen) entstanden, lediglich ein göttlicher Funke (Seele) im Menschen hält diesen am Leben. Dieser wartet auf Erlösung durch Erkenntnis (Gnosis). 

Zudem liegt in den gnostischen Systemen ein ausgeprägter Dualismus vor, der z.B. im Gegensatz von Geist und Materie zum Ausdruck kommt. Die weibliche Seele eines Menschen bedarf der Vervollkommnung durch eine männliche Gotteskraft. So könnte etwa der Traum der Maria, der im gleichnamigen Evangelium beschrieben wird, eine solche Vervollkommnung bedeuten. Durch eine „hohe Gestalt“, die in die Welt kam, wurde die Seele Marias „aus der Welt gerettet“ und hat so Erkenntnis (Gnosis) erlangt.

Weiter zeichnet sich die Gnosis durch einen mehr oder weniger ausgeprägten Doketismus aus, eine Lehre, die davon ausgeht, dass das Göttliche (Jesus) nicht wirklich leiden und sterben kann, dies für die Menschen nur so erschien. So schreibt das Philippos-Evangelium: „Die sagen: Zuerst ist der Herr gestorben und dann auferstanden, sie irren.“ Im Sakrament des Brautgemaches, mit dem sich dieses Evangelium sehr ausführlich beschäftigt, wird veranschaulicht, wie gnostische Auferstehung zu denken ist. Der männliche „Engel“ oder „Bruder“ verbindet sich in einem rituellen Hochzeitfest mit der weiblichen Seele. In diesem „Sakrament des Brautgemachs“ erreicht der Gnostiker die Erlösung und Auferstehung.

So sprechen die Abwertung von Materie und Welt und die Gnosis als geistiger Prozess wohl gegen eine oberflächliche und zu konkrete Deutung dieser Texte. Im Philipposevangelium beispielsweise wird ein Kuss mitnichten als körperlicher Ausdruck von Zuneigung verstanden, wenn es heißt: „Die Endgültigen werden durch einen Kuss schwanger, durch die Gnade, die unter uns ist.“

Und auch der Begriff "Gefährtin", der in der damaligen Zeit soviel wie Ehefrau bedeutete, wird in der Gnosis wohl eher eine übertragene, geistige Bedeutung haben, wenn Philippos schreibt: „Drei gingen jederzeit mit dem Herrn, seine Mutter Maria und ihre Schwester und Magdalena, die man seine Gefährtin nennt. Maria ist nämlich seine Schwester und seine Mutter und seine Gefährtin.“

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die gnostischen Evangelien dramatisch von den vier viel älteren (1.Jhd.) kanonischen Evangelien unterscheiden. Es liegt ein völlig konträres Gottesbild zugrunde, Jesus wird eher als geistige Erlösergestalt gedeutet, die eben NICHT Mensch war. Der Jesus der Bibel wird aber als wahrhaft leidender (Gott-)Mensch, der am Kreuz gestorben ist und am dritten Tag auferstand, dargestellt. Sein Evangelium richtet sich dann an alle Menschen und nicht nur an eine gnostische Elite.

Richtig ist allerdings, dass Jesus - für einen jüdischen Rabbi untypisch - auch Frauen in seine Jüngerschaft aufnahm. Den Frauen wird in den Evangelien sogar eine herausragende Stellung zugesprochen, weil sie diejenigen sind, die ihm bis zum Schluss nachfolgen. Während die Apostel und Jünger auf der Flucht in ihre Heimat Galiläa sind, stehen die Frauen um Maria Magdalena unter dem Kreuz. Deshalb sind es diese Frauen, denen der Auferstandene zuerst erscheint, die diese frohe Kunde dann den Aposteln und Jüngern verkünden.

Wenn man allerdings berücksichtigt, dass sich Jesus zu Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit im Umfeld Johannes des Täufers aufhält, der ein ausgesprochener Asket und apokalyptischer Prediger war. Und wenn man zudem seine kritische Haltung auch gegenüber seiner Familie (Mk 3,23, Mk 3,33ff) betrachtet, dann fällt es schwer, sich diesen Jesus als verheirateten Ehemann vorzustellen. Von Dan Brows The Da Vinci Code einmal abgesehen gibt es auch nach dem Papyrusfund für diese These keinerlei historisch brauchbaren Belege.

8.10.12 14:03, kommentieren

Willkommen im Club

Zwei Texte an einem Tag, das ist mir auch noch nicht widerfahren. Doch Schreiben hilft gegen Frust ;-)  Da lese ich auf kath.net gerade einen sehr erfreulichen Artikel  über eine Ansprache des Papstes zum ersten Arbeitstag der 13. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode und kann es wieder nicht lassen, auch einen Blick in die Kommentare zu werfen.

Noch ganz erfüllt von den päpstlichen Worten, das Evangelium könne nur durch Gottes Hilfe und die drei Grundschritte Gebet, öffentliches Bekenntnis und „caritas“ zu den Menschen getragen werden, reißt mich die dreiste Vergewaltigung dieser Worte durch einen Kommentator zurück in die Realität dieses katholischen Portals. Im Handumdrehen macht er aus der Betrachtung Benedikts ein antimuslimisches Pamphlet.

„[...] Wenn man bei deutschen Bischöfen anmerkt, daß doch auch die bei uns lebenden Muslime das Recht haben, von Jesus Christus und dem Evangelium zu hören, dann erntet man - Schweigen.

Und wenn man Freunde usw befragt, dann hört man "das könnte aber gefährlich werden". […]

Also: müssen wir das Evangelium den bei uns lebenden Muslimen predigen (und WIE?) - oder nicht?“

 

„Auf meine (rhetorische) Frage im letzten Kommentar, ob es vielleicht zu heiß sein könnte, mit dem Evangelium auf die Muslime zuzugehen, hat Benedikt schon die Antwort gegeben:

„Der Christ darf nicht lau sein“, so Benedikt XVI. abschließend. Der Glaube müsse vielmehr Flamme der Liebe in uns werden: „Flamme, die wirklich mein Sein entzündet, die die große Leidenschaft meines Seins wird und so die anderen entflammt. Das ist das Wesen der Evangelisierung“.

Da ist nichts von "Vorsicht" gegenüber dem Islam zu vernehmen oder hinein zu interpretieren!!!“

Da ist nicht nur nicht von „Vorsicht“ gegenüber dem Islam die Rede, da ist gar nicht vom Islam die Rede!!! Zudem bedürfen die Muslime gar nicht erst des Rechtes „von Jesus und dem Evangelium zu hören“! Da steht nämlich schon 'ne ganze Menge dazu im Koran. Sure 19 etwa spricht von der jungfräulichen Geburt, der Auferstehung und von vielen weiteren wundersamen Ereignissen. Schließlich heißt es: „So ist Jesus, Sohn der Maria - eine Aussage der Wahrheit“ Jesus selbst sagt: "Ich bin ein Diener Allahs, Er hat mir das Buch gegeben und mich zu einem Propheten gemacht"

Und sicher hat der Papst in seiner Ansprache nicht vorwiegend die Muslime vor Augen, wenn er von einer zeitgemäßen Neuevangelisierung spricht. Sein Vorgänger sagte nämlich zum Verhältnis von Christen und Muslimen:

„Wir haben als Christen und Muslime viele Dinge gemeinsam, als Gläubige und als Menschen. Wir leben in derselben Welt, die durch viele Zeichen der Hoffnung, aber auch der Angst gekennzeichnet ist. Abraham ist eben für uns ein solches Vorbild des Glaubens an Gott, der Ergebenheit gegenüber Seinem Willen und des Vertrauens auf Seine Güte. Wir glauben an denselben Gott, an den einzigen Gott, an den lebendigen Gott, an den Gott, der die Welten schafft und Seine Geschöpfe zu ihrer Vollendung führt.“

Woher der Wind bei diesem kath.net-Kommentator weht, ergab dann eine kurze Internetrecherche seines Pseudonyms. So fleißig wie bei kath.net scheint er auch auf dem islamfeindlichen Blog PI zu schreiben und zu kommentieren. Hier legt er dann auch richtig los:

„Ist ein Volk fundamental in der christlichen Lehre, im christlichen Glauben, und im Vertrauen auf Gott (den WAHREN GOTT, nicht Allah, nicht Krishna, nicht Kundalini usw) verankert, dann wird es – ohne “aggressiv” zu sein – jeden aggressiven Angreifer überwinden: durch die fundamentalen (und göttlichen) Kräfte von Wahrheit und Liebe.

Nur deshalb hat das Christliche Abendland bis heute überlebt!!!

PS: Wahrheit und Liebe schließen einen gerechten Abwehrkampf, einen gerechten Krieg, gerechte Todesurteile usw nicht aus – sondern EIN!“

Trotz aller Beschwörungen des Seitenbetreibers Noe', die Kommentarfunktion „besser im Auge“ zu behalten, muss das Portal auch weiter kritisch hinterfragt werden!

8.10.12 16:23, kommentieren

Die Chancen nutzen statt das Überkommene zu betrauern

Das Zweite Vatikanische Konzil ist kurz vor den Feierlichkeiten seines 50-jährigen Bestehens in aller Munde. Seine rechte Deutung ist seit Beginn des Pontifikats Benedikt XVI im Zusammenhang mit dem Versuch die Piusbruderschaft zurück in die katholische Kirche zu holen eng mit dem deutschen Papst verbunden. Wie schon Paul VI nach dem letzten Konzil so hat auch Benedikt nun zu einem „Jahr des Glaubens“ aufgerufen. Zurzeit wird in der Vollversammlung der Bischofssynode darüber diskutiert, wie eine Neuevangelisierung unter den aktuellen Zeichen der Zeit aussehen kann und erfolgreich sein könnte.

So hört man in diesen Tagen aus Rom viele bischöfliche Stimmen, die sich zu dem brennenden Thema der Neuevangelisierung äußern. Dabei fällt auf, dass bei den Bischöfen offensichtlich ein eher düsteres Bild von den Bedingungen der Welt vorherrscht. Zwar wird darauf verwiesen, dass man bei sich selbst, im Innern der Kirche beginnen müsse. So ist Kardinal Meisner sicher zuzustimmen, wenn er sagt, dass nur, wer im Glauben brenne, diesen auch verbreiten könne. Doch sind die präsentierten Rezepte für die Neuevangelisierung wirklich geeignet, wenn der Grund für die Glaubenskrise in der Säkularisierung festgemacht wird?

So bemängelt Meisner, dass die Ordensleute nicht mehr an ihrer Tracht zu erkennen seien, sie sich „selbst säkularisiert“ haben. Auch die Liturgie sei von einer „Entsakralisierung“ betroffen. Er stellt die Frage, weshalb Menschen bei Problemen zum Psychologen und nicht zum Priester gingen. Die Frage nach dem Vertrauensverlust bei den Menschen unserer Tage scheint mir berechtigt. Warum verlassen die Menschen die Kirche, warum kommen sie nicht? 

Vielleicht deshalb, weil man trotz der guten Vorsätze, zuerst einmal bei sich selbst anzufangen, doch dazu neigt, alte Klischees und Feindbilder zu bemühen, die sich auch im Begriff der Säkularisierung schon anbahnen. So diagnostiziert Kardinal Erdö in den meisten europäischen Ländern eine „systematische Christenfeindlichkeit“. Medien stellten die Kirche oftmals „verzerrt“ dar, der Inhalt des christlichen Glaubens würde zudem oft „verleumderisch“ präsentiert. Zudem beklagt er sich darüber, dass in vielen Ländern kein katholischer Religionsunterricht angeboten werden dürfe.

Im Osservatore Romano wird von einer „orientierungslosen globalisierten Welt, die oft der Spielball eines noch nie dagewesenen Informationsflusses zu sein scheint“, gesprochen, in der es schwierig sei, die Menschen mit ihrer „Taubheit, Unsensibilität, hartnäckige Weigerung“ zu erreichen.

Und auch Kardinal Wuerl sieht die Probleme bei der Evangelisierung eher in einer Säkularisierung, die zu einer "mangelhaften Katechese" und damit zu einer Distanzierung zu den Sakramenten geführt habe. Diese Ansprache beim Einführungsreferat hält er übrigens auf Latein. Erreicht man so die Menschen unserer Zeit?

Das alles bedeutet wohl unter dem Strich, dass die Kirche aufgrund der Säkularisierung, der man Zutritt in ihr Inneres gewährt hat, die Menschen verloren hat. Das Rezept ist neben der Betonung des Bußsakramentes die (Re-)Sakralisierung der Kirche. Wenn also die Ordenleute ihre Trachten wieder tragen, die Katechese wieder auf das alte „System der Unterstützung, das die Glaubensweitergabe erleichterte“ (Wuerl) zurückgefahren wird, die „irrige liturgische Praxis“ korrigiert wird (Wuerl) und der Einfluss der Kirche in den europäischen Staaten wieder zunimmt, so dass Religionsunterricht wieder verpflichtend angeboten werden kann, und schließlich die Medien dazu gebracht werden, so von der Kirche zu berichten, dass man sich richtig dargestellt fühlt, dann wird es wieder so sein wie früher, als die Welt noch in Ordnung war.

Schuld ist letztendlich doch die böse moderne Welt. Sucht man wirklich die Lösung für den Glaubensverlust der Menschen im Rückgriff auf die alten Systeme, die doch zu dieser Situation geführt haben? Wo bleiben die glühenden Reden von der Frohen Botschaft des Evangeliums in einer Sprache, die die Menschen unserer Zeit auch verstehen, die sie wieder in die Kirche führen? Wo sind die charismatischen Vorbilder, die vom Feuer und der Kraft des Glaubens ein Beispiel abgeben, die Bedingungen der Zeit nutzen, statt sich zu beklagen?

Vielleicht ist der Dialogprozess der deutschen Bischofskonferenz das geeignetere Mittel, sich den Menschen anzunähern und nach den Ursachen der Probleme zu fragen?! Antworten auf Fragen erhält man von den sie betreffenden Menschen und nicht aus der Vergangenheit. So heißt es auch in der pastoralen Konstitution GAUDIUM ET SPES

"Als Zeuge und Künder des Glaubens des gesamten in Christus geeinten Volkes Gottes kann daher das Konzil dessen Verbundenheit, Achtung und Liebe gegenüber der ganzen Menschheitsfamilie, der dieses ja selbst eingefügt ist, nicht beredter bekunden als dadurch, daß es mit ihr in einen Dialog eintritt über all diese verschiedenen Probleme;"

Ich möchte mit einem Zitat Papst Johannes XXIII  aus seiner Eröffnungsansprache zum Zweiten Vatikanum enden, das mir aktueller denn je erscheinen:

„In der täglichen Ausübung Unseres apostolischen Hirtenamtes geschieht es oft, daß bisweilen Stimmen solcher Personen unser Ohr betrüben, die zwar von religiösem Eifer brennen, aber nicht genügend Sinn für die rechte Beurteilung der Dinge noch ein kluges Urteil walten lassen. Sie meinen nämlich, in den heutigen Verhältnissen der menschlichen Gesellschaft nur Untergang und Unheil zu erkennen. Sie reden unablässig davon, daß unsere Zeit im Vergleich zur Vergangenheit dauernd zum Schlechteren abgeglitten sei. Sie benehmen sich so, als hätten sie nichts aus der Geschichte gelernt, die eine Lehrmeisterin des Lebens ist, und als sei in den Zeiten früherer Konzilien, was die christliche Lehre, die Sitten und die Freiheit der Kirche betrifft, alles sauber und recht, zugegangen.

Wir aber sind völlig anderer Meinung als diese Unglückspropheten, die immer das Unheil voraussagen, als ob die Welt vor dem Untergange stünde. In der gegenwärtigen Entwicklung der menschlichen Ereignisse, durch welche, die Menschheit in eine neue Ordnung einzutreten scheint, muß man viel eher einen verborgenen Plan der göttlichen Vorsehung anerkennen. Dieser verfolgt mit dem Ablauf der Zeiten, durch die Werke der Menschen und meist über ihre Erwartungen hinaus sein eigenes Ziel, und alles, auch die entgegengesetzten menschlichen Interessen, lenkt er weise zum Heil der Kirche.

Das läßt sich leicht feststellen, wenn man aufmerksam die schweren politischen und wirtschaftlichen Probleme sowie die heute schwebenden Streitfragen durchdenkt. Die Menschen werden von diesen Sorgen so erfüllt, daß sie keine Zeit mehr haben, sich um religiöse Fragen zu kümmern, mit denen sich das heilige Lehramt der Kirche beschäftigt. Ein solches Verhalten ist sicher nicht frei von Bösem, und es ist füglich zu verurteilen. Niemand kann aber leugnen, daß diese neuen Verhältnisse des modernen Lebens wenigstens den Vorzug haben, die zahllosen Hindernisse zu beseitigen, durch welche einst die Kinder dieser Welt das freie Wirken der Kirche zu behindern pflegten.

Es genügt ein kurzer Blick auf die Kirchengeschichte, um sofort zu erkennen, wie die ökumenischen Konzilien selber, die doch eine Reihe ruhmreicher Taten der Kirche waren, oft durch unzulässige Einmischung der staatlichen Autoritäten nicht ohne große Schwierigkeiten und Schmerzen begangen werden konnten. Die Fürsten dieser Welt nahmen sich zwar zuweilen vor, mit aller Aufrichtig dem Schutz der Kirche zu dienen, aber das geschah meistens nicht ohne geistlichen Schaden und Gefahr, da jene Herren oft von politischen Gesichtspunkten geleitet wurden und eine recht eigensüchtige Politik trieben.

Wir möchten Euch heute gestehen, wie sehr Wir darunter leiden, daß viele unserer Bischöfe hier abwesend sind, uns aber sind sie sehr teuer. Sie wurden wegen ihrer Treue zu Christus eingekerkert, oder sie werden durch sonstige Hindernisse festgehalten. Der Gedanke an sie veranlasst Uns, glühende Gebete an Gott zu richten. Dennoch erkennen Wir nicht ohne Hoffnung und zu Unserem großen Trost wie die Kirche heute, endlich von so vielen Hindernissen irdischer Art befreit, aus dieser Vatikanischen Basilika wie aus einem neuen apostolischen Abendmahlssaal durch Euch ihre Stimme in voller Majestät und Größe erheben kann.“

10.10.12 12:47, kommentieren

Mehr Fragen als Antworten

Die Bischofssynode in Rom hat gestern einen Nuntius, eine abschließende Botschaft, als Ergebnis ihrer Arbeit veröffentlicht. So richte sich die Neuevangelisierung „hauptsächlich an die Menschen […], die zwar getauft sind, sich aber von der Kirche entfernt haben und in ihrem Leben keine Beziehung zur christlichen Praxis haben“. Mit anderen Worten, an Menschen, die außerhalb der Kirche stehen, ihr den Rücken gekehrt haben. Was aber sind die Rezepte für die Neuevangelisierung dieser Menschen?

Was nützt es, zu konstatieren, dass die Kirche "der Raum, den Christus in der Geschichte anbietet“, ist? Gerade diesen Raum haben die Menschen ja verlassen! Reicht es dann aus, dass wir “einladende Gemeinden bilden“ müssen? Und was müsste sich dazu ändern? Und wenn für die Feier innerhalb dieser Räume gilt: „Die Schönheit des Glaubens muss besonders in der heiligen Liturgie und dort vor allem in der sonntäglichen Eucharistiefeier aufstrahlen“, wie bewegt man denn die Menschen draußen dazu, an dieser Feier teilzunehmen? 

Außerdem sei „das Gedenken und Erzählen des Lebens der Heiligen ein bevorzugter Weg der Evangelisierung.“ Die Menschen sind aber nun einmal nicht da, um das alles wahrnehmen zu können, wo bleiben die realistischen Konzepte neben dieser, Entschuldigung,  Selbstbeweihräucherung?

Dem Studium der Bibel traut man in diesem Zusammnehang jedenfalls nicht ohne die flankierende Sicherung durch die authentische Auslegung des Lehramt, wenn es heißt: “Das häufige Lesen der Heiligen Schrift, erleuchtet von der Überlieferung der Kirche, die sie uns übergibt und sie authentisch auslegt.“ Das zeugt nicht gerade von Vertrauen in die Heilige Schrift, es zeugt vielmehr von Angst vor der freien Auseinandersetzung mit diesen Texten. Doch ist Angst und Kontrolle ein guter Berater bei der Neuevangelisierung von Menschen, bei denen Kritikfähigkeit und Selbständigkeit eine Selbstverständlichkeit sind?

So klingt die Aussage: „Wir sind jedoch auch überzeugt, dass die Kraft des Geistes des Herrn seine Kirche erneuern und ihr Gewand erstrahlen lassen kann, wenn wir uns von ihm gestalten lassen“, zwar ermutigend, doch haben die Bischöfe wirklich den Mut, den Heiligen Geist außerhalb von Katechismen, Kirchengebäuden und Liturgie wirken zu lassen und das Ergebnis dann auch als geistgewirkt gelten zu lassen?

Gilt die Aussage: „Wir vertrauen auf die Eingebung und die Kraft des Geistes, der uns lehren wird, was wir sagen und was wir tun müssen, auch in den schwersten Bedrängnissen. Deshalb ist es unsere Pflicht, die Angst mit Glauben zu überwinden, die Verzagtheit mit Hoffnung, die Gleichgültigkeit mit Liebe“, tatsächlich auch für die Bischöfe selbst? Oder versuchen sie nicht doch vielmehr ängstlich zu bewahren und zu kontrollieren?

„Die Verkündigung des Evangeliums verpflichtet die Kirche, bei den Armen zu sein und wie Jesus ihre Leiden auf sich zu nehmen.“ Dann muss man aber wie Jesus ZU den Armen gehen und nicht in feierlichen Messen auf diese warten! Sind nicht Menschen in existentiellen Nöten, wie ungewollt Schwangere, Geschiedene und Verlassene, Menschen, die mit ihrer sexuellen Veranlagung kämpfen und hadern, die Armen in unserer Gesellschaft? Geht die offizielle Kirche wirklich auf diese Armen zu? Oder stößt man ihnen nicht viel mehr vor den Kopf und treibt sie weiter weg?

Bewirkt nicht auch die Absolutsetzung des traditionellen Familienbildes, das viele eben nicht erreichen oder aufrechterhalten können, dass Menschen sich von der Kirche abwenden? Dennoch heißt es in dem Dokument: „Seit der ersten Evangelisierung hat die Weitergabe des Glaubens an die folgenden Generationen in der Familie ihren natürlichen Ort gefunden. In ihr – in der der Frau eine ganz besondere Rolle zukommt; wir wollen damit aber nicht die Gestalt des Vaters und seine Verantwortung schmälern – sind die Zeichen des Glaubens, die Vermittlung der ersten Wahrheiten, die Erziehung zum Gebet, das Zeugnis der Früchte der Liebe ins Leben der Säuglinge und Kinder hinein gegeben worden, im Rahmen der Fürsorge, die jede Familie dem Aufwachsen seiner Kleinen zukommen lässt.“ Warum spricht man allen anderen Formen des Zusammenlebens alles Positive ab, indem man „die Formen der Familien und des Zusammenlebens […], die nicht jenes Bild der Einheit und der Liebe zum Leben widerspiegeln, das der Herr uns gegeben hat“ als „ungeordnet“ disqualifiziert? Man fragt sich, weshalb "ungeordnete" Familien Pfarrer hervorbringen und tief gläubige Eltern fanatisch-atheistische Kinder, wie ich aus eigenen Beobachtungen berichten kann.

„Es gibt Paare, die ohne das sakramentale Band der Ehe zusammenleben; es vervielfachen sich ungeordnete familiäre Umstände, die auf dem Scheitern früherer Ehen aufbauen: schmerzhafte Situationen, in denen auch die Erziehung der Kinder zum Glauben leidet.“ Sind dies Worte, die diesen Menschen helfen, den Weg zurück in die Kirche zu finden? Nützt der Zusatz: „Allen jenen möchten wir sagen, dass die Liebe des Herrn niemand allein lässt, dass auch die Kirche sie liebt und ein einladendes Haus für alle ist, und dass sie Glieder der Kirche bleiben, auch wenn sie die sakramentale Lossprechung und die Eucharistie nicht empfangen können.“ Reicht eine halbherzige Gastfreundschaft aus, um diese Menschen zurück zu holen? Müssen wir nicht mehr tun, als gastfreundlich zu sein und einen Platz in der zweiten Reihe anzubieten? Hat nicht auch Jesus viel mehr angeboten?

Dient der Hinweis auf eine diese Welt überschreitende Hoffnung, um diese Menschen zu evangelisieren, wenn es heißt: „Die Gabe Gottes, die der Glaube vergegenwärtigt, ist nicht einfach ein Versprechen besserer Lebensumstände in dieser Welt, sondern die Ankündigung, dass der letzte Sinn unseres Lebens jenseits dieser Welt liegt, in jener vollen Einheit mit Gott, die wir am Ende der Zeiten erwarten.“ Hat Jesus nicht zuerst in dieser Welt gewirkt und sein Gottesreich hier begonnen? War nicht das Christentum gerade deshalb so erfolgreich in der Evangelisierung der antiken Welt, weil es die Menschen mit der Taufformel „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus“ (Gal 3,28) auf eine gemeinsame Stufe innerhalb der Kirche stellte?

Und hilft die besondere Betonung der Bedeutung gerade der geweihten Menschen für die Kirche, wenn doch auch viele Menschen gerade aufgrund von Klerikalismus und dem Versagen von Klerikern die Kirche verlassen haben? „Besondere Zeugen dieses überirdischen Horizontes des Sinnes der menschlichen Existenz in der Kirche und in der Welt sind alle jene, die der Herr zum geweihten Leben gerufen hat, zu einem Leben, das, eben weil es völlig ihm geweiht ist durch die Übung der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams, das Zeichen einer künftigen Welt ist, die jedes Gut dieser Welt relativiert.“

Wenn es weiter heißt: “Den Armen wird ein bevorzugter Platz in unseren Gemeinschaften zuerkannt, ein Platz, der niemand ausschließt, sondern ein Abbild dessen sein will, wie Jesus sich an sie gebunden hat. Die Gegenwart der Armen in unseren Gemeinschaften ist geheimnisvoll wirksam: sie verändert die Menschen mehr als ein Vortrag, lehrt Treue, lässt die Zerbrechlichkeit des Lebens erkennen, bittet um Gebet; kurz, sie führt zu Christus“, frage ich mich, ob die Armen nicht vor allem außerhalb der Kirche sind und alleine gelassen werden? Jesus aber hat sich ungeachtet ihrer Sünden, Krankheiten, ihrer Unreinheit und ihres Ausgestoßenseins zu ihnen gesellt und mit ihnen gemeinsam das Brot gebrochen. Er ist hin gegangen und hat nicht auf sie gewartet, so wie Gott in diesem Jesus hin zu den Menschen gegangen ist und seinen himmlischen Platz verlassen hat.

Mir fällt es schwer, in diesem Dokument Lösungsansätze für die Neuevangelisierung zu erkennen, die den Menschen, die zwar getauft sind, sich aber von der Kirche entfernt haben, einen Weg zurück in die Kirche weisen. Es bleiben mehr Fragen als Antworten.

27.10.12 14:17, kommentieren