Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Archiv

Neues vom weißen Zauberer

Kath.net-Lichtgestalt Gandalf scheint in der Hierarchie der katholischen Kirche Karriere zu machen. War der große weiße Zauberer bisher nur Herrscher über sein virtuelles Imperium, in dem er mit strenger Zucht und schneidender Zensur herrscht, vermehren sich nun die Hinweise, dass er in die Kongregation für die Glaubenslehre aufgestiegen ist.

So verurteilt er im Kommentarbereich (hier) den spanischen Religionssoziologen José Casanova als Häretiker. Dieser hatte sich zuletzt für eine theologische Verantwortung von Laien notfalls auch gegen den Bischof ausgesprochen. Ebendiese Verantwortung übernimmt nun auch Gandalf gegenüber Erzbischof Kothgasser, wenn er von dem Hirten eine öffentlichen Distanzierung von den Thesen Casanovas einfordert.

Sollten sich die Gerüchte um die Aufnahme in die Glaubenskongregation bewahrheiten, hätte Gandalf natürlich auch jedes Recht zu dieser öffentlichen Disziplinierung des Bischofs! Im gegenteiligen Fall aber wäre er lediglich seiner laienhaften Verantwortung nachgekommen und hätte seinen Unmut geäußert. Ganz im Sinne José Casanovas.

5.11.12 17:56, kommentieren

Von faulen Früchten in kirchlichen Gärten

Es rumort zurzeit ganz gewaltig im rechten Kirchenschiff. Nachdem das führende deutschsprachige Schreihalsportal nach dem Tod von Dirk Bach mit einer der üblichen vulgärsprachlichen Hasstiraden provozierte, lobte der Bruno Gmünder Verlag 15000 Euro Belohnung für diejenigen aus, die zur Identifikation der Betreiber beitragen können. David Berger, dem Kardinal Meisner nach seinem Outing als Homosexueller die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen hatte, war in der Folgezeit einer der Opfer dieser Seite, was ihn zu einem der engagiertesten Gegner des Portals machte. Auch an der aktuellen Aktion des Bruno Gmünder Verlags ist er wesentlich beteiligt.

Seit Berger einen ersten Erfolg der Aktion verkündete und auch Namen von Priestern und Kirchenmitarbeitern genannt wurden, ist eine zunehmende Unruhe zu beobachten. Selbst kath.net, das sich trotz der Fokussierung auf katholische Nachrichten in den vergangenen Wochen weigerte, auch nur ansatzweise vom Fall Bach zu berichten, publiziert plötzlich einen Artikel. Dabei fällt die ungewohnte Sachlichkeit dieses Beitrags ins Auge. Alleine die Tatsache, dass Berger neutral als "ehemaliger Religionslehrer" bezeichnet wird, statt wie zuletzt als scheinheiliger Homo-Religionslehrer neben dem Bild eines „crazy frogs“, zeigt an, dass man in der kath.net-Redaktion plötzlich Kreide gefressen hat.

Und auch in der vorzensierten Kommentarspalte (politisch korrekt auch moderierte Kommentarspalte genannt) hält man sich beachtlich zurück. Dass dies nur eingeschränkt funktioniert – im Grunde gehe es ja nicht um das Schmuddelportal, sondern um ein Vorgehen Bergers gegen die katholische Kirche - mag man aufgrund der unterdrückten Emotionen großzügig überlesen.

Eigenartig nur, dass es vielen Kommentatoren so schwer fällt, sich einfach einmal deutlich, ohne Relativierungen und ohne kindische „die anderen sind aber genauso blöd“-Reaktion von dem Nachrichtenportal zu distanzieren. Eindeutig haben sich selbst die bei den konservativsten Katholiken beliebten Bischöfe von der Internetseite distanziert und sie als unkatholisch und inakzeptabel bezeichnet. Aktuell ist eine solche Einschätzung auch von Kardinal Schönborn zu vernehmen.

Warum fällt aber vielen eine solche eindeutige Distanzierung so schwer?? Sollte Berger etwa Recht haben mit seiner Einschätzung, dass auf dem Nachrichtenportal nur das in radikaler Weise formuliert wird, was viele Katholiken sowieso denken? Wenn man sich einmal ein wenig in der katholischen Blogger-Szene umschaut, dann kann man vereinzelt diesen Eindruck gewinnen.

Mein Predigtgarten etwa. Da wird bemüht sachlich versucht, über die aktuellen Ereignisse rund um das Portal zu berichten, doch gelingt es dem Blogger kaum, seine Sympathie für das Portal, das in der Vergangenheit mehrfach positiv über den Garten berichtete, und seine Antipathie für den Theologen Berger zu verbergen.

So wird nicht etwa eine der legendär-verkreuzten Hasstiraden zum Einstieg in den Artikel gewählt, nein, ein vulgäres Zitat eines kritischen watchblogs ziert die ersten Zeilen des Blogeintrags. Die anderen sind auch nicht besser als wir Katholiken, das muss wohl die Intention dieser Vorgehensweise sein. Der Respekt vor dem Erfolg des Portals wird kurzerhand dem Spiegel „in den Mund“ gelegt. Und die Qualität eines Blogs scheint sowieso von den Klicks abhängig zu sein, scheinbar ein gut katholisches Prinzip?! Die Masse macht’s, Bild lässt grüßen.

Immerhin wird eingestanden, dass mit dem Artikel über Dirk Bach die Schmerzgrenze überschritten wurde. Wenn alles andere, der offene Antisemitismus, der Hass auf Homosexuelle und die Verachtung von Protestanten, scheinbar noch im Toleranzbereich ist, dann frage ich mich, weshalb die Bischöfe das Portal auch schon vor dem Fall Bach verurteilten?!

Doch so erklärt sich dann auch das verdutzte Fragen nach der Zielsetzung der Aktion des Verlages um Berger. Weshalb man nun nach den Hintermännern forscht, ist dem Blogger völlig schleierhaft. „Ziel der Aktion unter organisatorischer Leitung von David Berger ist es, den Behörden möglichst eindeutiges Material liefern zu können, um – ja, um was eigentlich…?“

Die Antwort wäre mit einem Klick auf die Homepage der Aktion ganz leicht zu erfahren gewesen. Dort heißt es: „Der Bruno Gmünder Verlag hat heute wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung Strafanzeige gegen den Autoren des Textes, aber auch kreuz.net selbst erstattet.“

Schließlich wird noch versucht, David Berger als unzuverlässig und verwirrt darzustellen, indem verschiedene Aussagen, die er zur Anzahl von Redakteuren und potentiellen Autoren gemacht hat, gegeneinander gestellt werden.

Zu guter Letzt wird noch auf die öffentliche Distanzierung eines verdächtigten Priesters von dem pseudokatholischen Nachrichtenportal verwiesen, scheinbar um anzudeuten, dass die Gegner im Grunde nichts in der Hand haben. Spätestens hier hätte dem Blogger aber aufgehen können, was die einzig vernünftige Reaktion im Zusammenhang mit dieser abscheulichen Seite ist, die eindeutige Distanzierung! Besonders dann, wenn man selbst auf dieser Seite hofiert wird.

Aber das ist wohl zu viel verlangt von einem Blogger, der zum Geburtstag des Reformators Martin Luther ausschließlich über dessen Judenhass berichtet und im Bericht über ein "islamisches Fahrrad" ein Zitat einflechtet, in dem vermutet wird, dass dieses dem Fahrer wohl den Kopf abschlägt. Vielleicht wird gerade an diesen Stellen deutlich, weshalb es so wichtig ist, dass sich die boshafte Saat des führenden Schreihalsportals nicht weiter ausbreiten darf und welche Früchte diese Saat hervorbringt.

2 Kommentare 9.11.12 22:33, kommentieren

Zum 20-jährigen Jubiläum - Ein Wortgottesdienst in einer lebendigen Sprache ;-)

lossjonn

10.11.12 16:42, kommentieren

Neuevangelisierung über den Fußballverein

Da verweigert die Kirche einem kleinen ungetauften BVB-Fan das Wappen seiner Lieblingsmannschaft auf dem Grabstein. Die Öffentlichkeit ist bestürzt und die katholischen Hardliner suhlen sich in der Empörung über einen weiteren Fall von zeitgeistmodernem Kirchenbashing.

Ein paar Gedanken dazu: Welchen Stellenwert hat der Fußballverein für einen deutschen Fan, gerade auch wenn es sich um einen noch kindlichen Fan handelt? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Fußball – und das kann man durchaus kritisch sehen -  bei manchen Leuten nahezu religiöse Dimensionen annimmt. Das mag damit zu tun haben, dass die Angebote der Religionsgemeinschaften wohl nicht mehr attraktiv genug sind, dass man in unserer hektischen und oberflächlichen Welt mehr Action und Emotion braucht. Da werden Hymnen von ewiger Treue, unendlicher Liebe, die bis in den Tod geht, und unvergesslichen Helden gesungen. Da wird die stadioneigene Kapelle besucht und ein Kerzchen angezündet, um den Fußballgott milde zu stimmen. Es gibt Fans, für die Fußball ihr Leben bedeutet.

Und wenn ich vor diesem Hintergrund und der aktuellen Diskussion um die Neuevangelisierung in der westlichen Welt nun an den Erfolg des Christentums in vergangenen Jahrhunderten denke, dann kommt mir so eine Ahnung, weshalb es der Kirche heute nur noch so wenig gelingt, die Menschen mit ihrer frohen Botschaft zu erreichen.

Der Erfolg des Christentums hatte auch oft damit zu tun, dass man sich an die Bedingungen der Zeit und der jeweiligen Kultur anpasste, Bräuche adaptierte und Riten christlich umformte. Man erkannte, dass es vorn Vorteil ist, den Menschen ihre gewohnten Feiern und Feste zu lassen, griff das Kontinuitive auf und transformierte das Trennende.

So lassen sich bei den meisten christlichen Festen Vorläufer und Vorformen entdecken, wie z.B. bei Weihnachten, Ostern und Halloween. Warum glaubt man heute, den Menschen unserer Zeit vor den Kopf stoßen zu können. Warum ist man so arrogant, ihnen die Konditionen von Christentum bis in die kleinsten Lebensbereiche diktieren zu können? Anders herum: Warum nutzt man nicht die einmalige Chance, den scheinbar atheistischen oder zumindest kirchenfernen Eltern in ihrer schwersten Situation beizustehen und ein tröstendes und hoffnungsvolles Christentum zu präsentieren? Ist die Friedhofsordnung dann doch wichtiger als die (Neu-)Evangelisierung?

Diejenigen, die sich am meisten über die Kritik der Öffentlichkeit an der Vorgehensweise der Kirche eschofieren und vor einer Anpassung an den Zeitgeist warnen, sind doch diejenigen, die selbst den Zeitgeist von vor 150 Jahren absolut setzen und dabei nicht merken, wie sie die Menschen von der Kirche entfernen. Kultur basiert immer auf Vorläufern aus denen Neues entsteht, aus Tradition und Transformation. Schon der erste Schöpfungsbericht ist eine Transformation des babylonischen Schöpfungsmythos. Ostern transformiert das jüdische Paschafest und Halloween entstand aus keltischen Bräuchen.

Lasst dem Jungen und seinen Eltern doch das BVB-Logo auf dem Grabstein und nutzt die Chance, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen, ihnen in ihrem unendlichen Schmerz beizustehen und Trost zu versuchen…

1 Kommentar 13.11.12 20:18, kommentieren

Wider die Begrenzung

Alexander Kissler singt im aktuellen Vatican Magazin ein Loblied auf die Grenze. Aufhänger seiner Hymne ist eine Entscheidung der Universität Wien, Männer und Frauen bei den Aufnahmetests getrennt voneinander zu bewerten und nicht die absolut besten Prüflinge, sondern die besten aus beiden Gruppen auszuwählen. Dieser „ungenießbare Einheitsbrei“ sei das Ergebnis der "spätmodernen Gender-Industrie", nach der alles gleich sein müsse.

Nun fragt man sich zum einen, ob diese Vorgehensweise nicht gerade der kisslerschen Forderung nach der Achtung angeborener und naturgegebener Unterschiede entspricht, wenn Frauen und Männer nicht in ein- und denselben Topf geschmissen werden, sondern die Unterschiede berücksichtigt werden?! So z.B. auch Ungerechtigkeiten innerhalb der Gesellschaft berücksichtigt werden, schließlich werden Frauen immer noch schlechter bezahlt und sind auch in einigen Berufen völlig unterrepräsentiert. 

Zum anderen wundert man sich doch ein wenig, dass gerade ein katholischer Christ in einem vatikanischen Magazin vom Wert der Begrenzung spricht. War es nicht die christliche Botschaft vom Tod und der Auferstehung unseres Herrn, die alle Grenzen überwand und sich innerhalb einer Generation in der ganzen antiken Welt verbreitete?

Überwand nicht Jesus selbst ununterbrochen die Grenzen, die die damalige politische, gesellschaftliche und auch religiöse Kultur setzte, wenn er sich mit den Kranken, Ausgestoßenen und Sündern und auch "Ausländern" an einen Tisch setzte und auch vor den grenzüberschreitenden Handlungen wie der Sündenvergebung oder der Tempelreinigung nicht Halt machte?

Überwand er nicht auch die Grenze vieler Gesetze, die er dem ursprünglichen Willen Gottes entgegen stellte, wie z.B. die Reinheitsgebote?! 

In Christus ist jede Grenze aufgehoben: Die zwischen den Geschlechtern, die zwischen den Kulturen und die zwischen den Nationen. Alle Getauften sind wir einer in Christus (Gal 3,28), wie uns der Apostel Paulus mitteilt.

Auch wenn Kissler gegen den Begriff der Emanzipation wettert, darum geht es doch letztendlich auch im Christentum. Wir sollen uns emanzipieren, wir sind als Menschen - anders als alle anderen Wesen der Natur - Abbild Gottes und damit „frei“, für unser Handeln verantwortlich. Dieser rote Faden zieht sich durch die gesamte Schrift. Aus dem Paradies vertrieben müssen wir uns von der Rolle des Kindes emanzipieren und von dem Vater, der alles für uns entscheidet und uns andauernd an die Hand nimmt. Wir mussten erwachsen werden und für unsere Taten gerade stehen, auch wenn Gott dann im Versagen trotzdem bei uns bleibt und uns hilft, wie es am Beispiel Kains abzulesen ist.

Hiob musste sich von seinen naiven Gottesbildern emanzipieren, und das war ein äußerst schmerzlicher Lernprozess, in dem er an die Grenze seines Gottesglaubens gestoßen ist. Doch er erkannte in der Zuwendung, die ihm Gott auch im Leid schenkte, dass sein naiver Glaube nicht funktionierte, dass Fragen offen blieben, die man letztlich nur in der Hinwendung zu Gott annehmen kann, eine harte Schule.

Und wie oben angedeutet zeigt auch das Leben Jesu auf, dass diejenigen in dieser Welt ein schweres Los haben, die einen grenzüberschreitenden Weg einschlagen. Sie werden angefeindet von denen, die vom Zufall eine angeborene Machtstellung innehaben und diese bis auf’s Messer verteidigen.

Ja, Kissler, die Grenze ist der Teufel! Die Grenze, die dem einen Menschen willkürliche Macht über den anderen gibt, die Grenze, die den einen besser stellt als den anderen, die Grenze, die Menschen voneinander trennt, die einem Teil der Menschheit die Würde raubt.

Grenzen Sie ihr Eigentum nur bestmöglich ab, auch ihre Freiheit, die sie in diesem Lande im Gegensatz zu vielen anderen Ländern genießen dürfen. Aber verkaufen sie diese Ihre Haltung doch bitte besser in der Finanzial Times…

1 Kommentar 14.11.12 18:21, kommentieren

Die Welt der rechtskatholischen Brandstifter

Das rechtsradikale Hassportal kreuz.net sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Immer mehr Namen von potentiellen Unterstützern, Sympathisanten und Hintermännern drängen an die mediale Öffentlichkeit. Entgegen den Beteuerungen der Kirchenoberen stehen auch einige Geistliche im Verdacht, in die Machenschaften dieser Hetzseite involviert zu sein. Sicherlich ist die Forderung des Bistums Mainz, wo einer der verdächtigen Priester seinen Dienst tut, richtig, keine Vorverurteilungen vorzunehmen. Aber dennoch ist zu konstatieren, dass die Macher dieses antikatholischen Portals durchweg bestens informiert sind, wenn es um sensible und aktuelle Informationen aus dem Inneren der Kirche geht. Man kann  nur hoffen, dass hier nicht ein weiterer Vatileaks-Skandal ansteht.

Was jedoch jedem katholischen Christen außerhalb der rechten Ecke seiner Kirche die Sorgenfalten ins Gesicht treiben muss, ist die Art und Weise, wie die Verdächtigten auf den einschlägigen katholischen Portalen und Blogs verteidigt werden, obwohl ein direkter Kontakt zu dem Hassportal bewiesen ist. Mit den fadenscheinigsten Begründungen wird das völlig inakzeptable Verhalten begründet und rechtfertigt. Wer kreuz.net auch nur ein einziges Mal gelesen hat, der wird sich mit Abscheu abwenden. Eine Zusammenarbeit ist für jeden Katholiken unentschuldbar. Ein billiges Herausreden oder Herunterspielen der Zusammenarbeit ein Zeichen von Charakterschwäche.

Das Hassportal zeichnet sich durch einen ausgeprägten Antisemitismus und eine wahnhafte Homophobie aus. Es wird gegen liberale Bischöfe und Theologen gekeilt und auf schäbige Weise von Protestanten gesprochen. Dabei wird gerne mit Naziterminologie hantiert und der Holocaust-Leugner Williamson als Held gefeiert. Es ist erschreckend, dass die Seite sich "katholisch" nennen darf, ohne dass von Rom offiziell und öffentlich dagegen vorgegangen wird.

Wenn man sich die Dauerbrenner-Themen der Rechtskatholiken einmal anschaut, dann sind da die so genannte Homoehe zu nennen, die Abtreibung, die Bedrohung durch den Islam und die angeblich linksgrünen "Mainstreammedien". Das einfältige Weltbild sieht ungefähr so aus: Die linksgrüne Mehrheitsgesellschaft in Europa sorgt mit ihrer falsch verstandenen Toleranz dafür, dass Europa seine christliche Prägung verliert und so auf Dauer muslimisch wird. Zwischenzeitlich begeht man in falsch verstandener Freiheit einen Massenmord an ungeborenen Kindern und verweichlicht durch eine immer mehr von Homosexuellen bestimmte Kultur, so dass das Schrumpfen der einheimischen Bevölkerung noch beschleunigt wird.

Dazu ein paar Gedanken: Täglich sterben weltweit Christen in muslimisch geprägten Ländern, es wäre unredlich, dies abzustreiten. Und das ist auch scharf zu verurteilen! Doch die Art und Weise, wie dies von rechtskatholischer Seite gegen die unschuldigen muslimischen Mitbürger in europäischen Ländern in Stellung gebracht wird, ist unerhört. So gefährdet man das friedliche Zusammenleben und schürt Hass und Misstrauen und schafft damit gerade eine Situation, wie sie in den muslimischen Ländern herrscht.

Es wird zudem auch komplett außer Acht gelassen, dass die Gewalttäter auch in diesen Ländern einer Minderheit angehören, die Masse der Muslime friedlich mit den Christen zusammen lebt. Damit ist kein einziger Mord rechtfertigt oder relativiert. Aber man muss die Kirche schon im Dorf lassen und genau hinschauen, wer da aus welchen meist banalen politischen Machtinteressen und eben nicht aus religiösen Gründen zum Mord aufruft. Mord an Unschuldigen ist auch mit dem Koran nicht zu rechtfertigen.

Dann muss sich der Westen auch einmal die Frage gefallen lassen, ob die westliche Außenpolitik der letzten Jahrzehnte - gerade auch der Amerikaner, z.B. ein Präsident Bush, der von Kreuzzügen spricht – nicht mit für den Hass auf die Christen verantwortlich ist. Doch dies scheint gerade hohen amerikanischen Würdenträger kein Gedanke wert zu sein. Man schlägt sich im Präsidentschafts-Wahlkampf lauthals auf die Seite des republikanischen Kandidaten, ungeachtet der Gefahr weiterer furchtbarer Kriege. Wichtiger scheint den Würdenträgern das Vorgehen der Republikaner gegen Verhütungsmittel und Homoehe zu sein. Hier hat man wohl offensichtlich den Blick für die wesentlichen Dinge verloren, wie auch Barbara Jentzsch auf Publik Forum unterstreicht.

Offensichtlich fällt es manchem der katholischen Bischöfe sehr schwer zu akzeptieren, dass die Kirche auch in einer säkularen Gesellschaft eine Verantwortung hat, das Evangelium zeitgemäß zu verkünden. Unentwegt wird auf die gute alte Zeit geschielt, wehmütig von gestern gesprochen und das Gegenwärtige abgewertet. Die Auseinandersetzung um die radikale Piusbruderschaft hat dieses Phänomen leider noch verstärkt, so dass der einzig richtige Ansatz des Zweite Vatikanums, die Zeichen der Zeit zu erkennen und den Glauben in die Sprache der Zeit zu übersetzen, völlig aus dem Blick gerät. Ein unerhörter Skandal. Nie zuvor war die Weltkirche so vollständig zusammen getreten und nie zuvor konnte sich ein Konzil freier von begrenzenden Vorgaben und Einflüssen entfalten.

Anstatt sich daran abzuarbeiten, wie man homosexuell veranlagten Menschen, die der Kirche aufgrund ihrer rigiden Sexualmoral den Rücken gekehrt haben, ein Leben in Liebe und Partnerschaft verwehren kann, sollte man sich doch wieder auf die wirklich wichtigen Potentiale des Evangeliums konzentrieren. Jesus sagt nichts über Homosexualität und die wenigen Bibelverse, die dies tun, sind offensichtlich nicht frei von zeitbedingten Vorurteilen.

Und auch die Absolutsetzung der Ehe stößt die säkularisierten Menschen ab. Schon die frühkirchliche Tradition kennt Ausnahmebestimmungen. Und die Aussagen Jesu sollten auch in der historischen Situation gesehen werden, wo die Frau existentiell von der Zuwendung des Ehemannes abhängig war. Jesus war immer auf der Seite der Schwachen, so auch im Falle der Ehescheidungspraxis.

Ebenso hilft die konfrontative Strategie der radikalen Lebensschützer bei der Abtreibungsdebatte wohl kaum weiter, schon gar nicht einer Frau in einer Konfliktsituation. Wenn man wirklich ein Interesse daran hat, auch nur ein Leben zu retten, was ich niemandem absprechen möchte, dann doch nur durch eine liebende Zuwendung, eine sachliche und hoffnungsspendende Beratung, vor allem aber durch ein System, das es durch Unterstützungsangebote und Hilfen erst ermöglicht, eine Entscheidung für das Leben zu treffen. Ob der Rückzug aus der Schwangerschaftskonfiktberatung der richtige Weg war, wage ich zu bezweifeln. In eine katholische Beratungsstelle werden nur noch die Frauen kommen, die die Bindung zur Kirche noch nicht vollständig gelöst haben, ihr noch nicht ganz den Rücken zugewandt haben. Aber was ist mit den anderen??

Die Rechtskatholiken suhlen sich gerne in ihrer Opferrolle und sehen gerade darin eine biblische Bestätigung für ihre Haltung, wenn sie immer wieder auf die Ablehnung, die Jesus erfahren hat, verweisen. Doch Jesus ist abgelehnt worden, weil er sich mit den Mächtigen seiner Zeit anlegte und sich für die Armen, Kranken, Ausgestoßenen und Schwachen einsetzte, indem er ihnen das Evangelium vom beginnenden Reich Gottes vorlebte. Umgekehrt ist es bei den rechten Schreihälsen, die gegen Frauen in Konfliktsituationen, gegen die Minderheit von homosexuellen Menschen, die von vielen Seiten verspottet und diskriminiert werden, und gegen die Minderheit friedlicher Muslime und Juden vorgehen. Eine Pervertierung der christlichen Botschaft. Diese Brandstifter dürfen keinen Einfluss in der Kirche haben.

2 Kommentare 20.11.12 12:20, kommentieren

Wie können wir sauber bleiben, wenn Gott sich schmutzig macht?

In Anlehnung an das zuletzt Gesagte bin ich auf einen exzellenten Beitrag in einem Pfarrblatt aus dem Kanton Zürich gestoßen. Der Autor Thomas Binotto wirbt darin in Abgrenzung zu einer theoretisch "reinen Lehre" für ein in der Praxis "schmutziges Christentum". 
 
Schließlich hat Gott seinen himmlisch-vollkommenen Platz verlassen und sich als Mensch in die schmutzige Welt hineingeboren, um so bei den Menschen sein zu können. Wie sagte schon der Kirchenvater Hieronymus in einer Predigt im Jahre 385 n.Chr.:
 
„Unter dem Vorwand, Christus zu ehren, haben wir heute die aus Lehm gefertigte Krippe entfernt und durch eine silberne ersetzt. Ich sehe aber mit Staunen, dass der Herr und Schöpfer der Welt nicht in Gold und Silber, sondern in Staub geboren wurde.“
 
So scheute sich Jesus nicht vor dem Kontakt mit dem Sündigen und Unreinen, im Gegenteil, gerade den ausgestoßenen Menschen wandte er sich gegen die Gesetze zu. 
 
Folgen Sie dem LINK zum Gedankenspiel von Thomas Binotto!
 
 

25.11.12 10:46, kommentieren