Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Pünktlich zur Adventszeit ist kreuz.net offline

Dafür gebührt David Berger und Stoppt kreuz.net ein riesen Dank!!!

3 Kommentare 2.12.12 19:27, kommentieren

Auf den Punkt gebracht

Kardinal Lehmann zeigt in der Causa Jolie noch einmal Größe. Er bedankt sich beim Bruno Gmünder Verlag und zeigt sich beschämt, weil es der Kirche nicht gelungen war, die Abschaltung des Portals zu erreichen.

„Wir haben es leider mit unseren eigenen Mitteln nicht geschafft. Darum danken wir allen, die zur Klärung beigetragen haben, auch wenn sie nicht Freunde der Kirche sind.“

Vielleicht hilft ja ein solch versönlicher Umgangston, dass die Kirche bei diesen Menschen wieder ein besseres Ansehen bekommt?! Und vielleicht ist auch die abschließende Kritik Lehmanns an durchaus grenzwertigen Methoden und Verallgemeinerungen bei der Verfolgung der kreuz.net-Macher eine Diskussion wert?

„Es herrscht stark der Eindruck vor, dass man auf jeden Fall einen Sündenbock finden musste. Man ist dabei nicht immer zimperlich mit der Wahreit umgegangen. Das beklagenswerte Verhalten nur weniger wurde mit einem großflächigen Sumpf gleichgesetzt. Die ganze Kirche sei verlottert.“

Wir brauchen mehr Bischöfe von diesem Kaliber!

2 Kommentare 4.12.12 22:06, kommentieren

Neuevangelisierung hinter Mauern?

Manchmal leidet man an seiner Kirche und manchmal tun sich ganz offen Widersprüche auf, einfach so, stehen da und schreien dir ins Gesicht: Guck hin, wirklich hin, lies mich und denk nach!

So erging es mir heute bei der Lektüre zweier Texte, die zuerst einmal so gar nichts miteinander zu tun haben. Einmal las ich von Bischof Charles Morerod, zukünftiger Vizepräsident der Bischofskonferenz in der Schweiz, und dann über das neue päpstliche Lehrschreiben „Intima Ecclesiae natura“. Hier ein Bischof, der unter der Last von Gremien und Strukturen leidet, da ein Bischof, der neue Vorschriften für karitative Vereinigungen verfasst. Da ein Bischof, der Mauern überwinden möchte, und dort ein Bischof, der neue Grenzen zieht. Jaja, der eine Bischof ist der von Rom und wird Papst genannt, ich weiß…

Und dabei geht es der katholischen Kirche im Jahr des Glaubens doch um eine Neuevangelisierung. Wie aber kann die gelingen, eine Frage, die mir kaum beantwortet scheint. Können neue Richtlinien, die sehr auf Kontrolle und Disziplinierung ausgerichtet sind, die Menschen unterstützen, die karitative Arbeit leisten, also da sind, wo Menschen in Not sind, wo es auch um Neuevangelisierung geht?

Bischof Morerods Gedanken erscheinen mir in diesem Zusammenhang sehr weise:

„Es ist gut, dass es Beratungsorgane gibt. Doch ihre Vielzahl führt dazu, dass wir uns immer in den gleichen Zirkeln aufhalten. Dabei bräuchten wir auch Zeit, uns über diese engen Kreise hinaus zu bewegen. Ich träume manchmal von einem Bibelwort aus der Apostelgeschichte (15,28): „Der Heilige Geist und wir selbst haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge...“ Gut, vielleicht sollte ich eine Kommission zur Reduktion der Strukturen einsetzen.“

Das Apostelkonzil, das der historische Ort des Bibelzitates ist, schaffte für die Heidenchristen einfach die Beschneidung und das jüdische Gesetz ab. Konzentriert euch auf das, was wirklich wichtig ist. Damit wird wohl das gemeint sein, was etwa im Glaubensbekenntnis steht, was in der Taufe auf Jesus Christus angenommen wird. Warum konzentrieren nicht auch wir uns heute wieder auf diese grundlegenden Glaubenswahrheiten? Warum muss alles andere auch gesetzlich geregelt und zentral für die Weltkirche festgezurrt werden? Das scheint mir, wenn ich einen Blick ins Neue Testament werfe, nicht unbedingt ein christliches Prinzip zu sein. Die Judenchristen in Jerusalem werden weiter die Beschneidung praktiziert haben und auch die Tora eingehalten haben, wie die weiteren Auseinandersetzungen in den paulinischen Gemeinden zeigen.

„Manchmal sollten wir unsere „Ghettos“ verlassen. Bringen wir Gott auch jenseits dieser Mauern ins Spiel.“ Neuevangelisierung muss draußen im Ghetto verortet sein, da gebe ich Bischof Morerod Recht. Neuevangelisierung hinter katholischen Mauern kann nicht funktionieren. Und in den Gesprächen, die in diesem Prozess zu führen sind, sollte es um Jesus Christus und sein Evangelium gehen und nicht um Verhütungsmittel und Kleidungsvorschriften.

Kardinal Martini fragte vor seinem Tod: „Wo sind die Helden bei uns, auf die wir schauen können? Keinesfalls dürfen wir sie mit den Fesseln der Institution behindern.“ Viele von diesen Helden sind da, wo Helden zu finden sind, an der „Front“, bei den Kranken und Hilfsbedürftigen, für karikative Organisationen arbeitend. Martini fragt weiter: Wo sind einzelne Menschen, die hilfreich sind wie der barmherzige Samariter? Die Vertrauen haben wie der heidnische Hauptmann? Die begeistert sind wie Johannes der Täufer? Die Neues wagen wie Paulus? Die treu sind wie Maria von Magdala?“ Nicht von ungefähr nennt er hier zuerst die beiden Heiden und dann die Juden, die sich über Gesetze und Vorschriften hinwegsetzten. Der Geist Gottes, der bei der Neuevangelisierung wirken muss, der ist wohl kaum mit Vorschriften und Gesetzen einzufangen und dienbar zu machen. Es braucht Menschen, die für den Glauben glühen, Vorschriften sind sekundär, das wusste auch Martini:

„Das Wort Gottes ist einfach und sucht als Partner das hörende Herz. Dazu braucht es nur Stille, Hören, Lernen, Fragen und Warten, wenn ich es nicht fassen kann. Nicht der Klerus und nicht das Kirchenrecht können die Innerlichkeit des Menschen ersetzen. Alle äußeren Regeln, Gesetze und Dogmen sind dazu da, um die innere Stimme des Menschen zu klären und die Geister zu unterscheiden.“

 

11.12.12 16:28, kommentieren

Apropos Widerspruch

Da veröffentlicht kath.net heute einen Text von Tobias Wilhelm, in dem es heißt: „Wenn Gläubige medial ohne jeden Beleg in die Nähe von Extremisten gerückt werden, ist das unjournalistisch und fahrlässig. Für virtuelle Claqueure offenbar ein Freibrief, um auf redaktionell kontrollierten (!) Internetforen à la »Spiegel online« ungeniert die Kirche zu diffamieren - anonyme Hetze übelster Sorte. Ganz wie bei »kreuz.net« - nur ohne Aufschrei.“

Damit stellt man sich selbst ein Armutszeugnis aus. Der weiße Zauberer und Oberzensor Gandalf scheint sich auf diese Weise darüber zu beschweren, dass auf anderen Portalen nicht zensiert wird und so eine anonyme Hetze zugelassen wird. 

Dabei könnte man die Aussage doch ganz leicht auf kath.net anwenden:

Wenn liberale oder homosexuelle [man beachte das Video von Pfarrer Sieberer, der auch zu den in den Medien erwähnten kreuz.net-Verdächtigen zählt!!] Katholiken medial ohne jeden Beleg in die Nähe von antirömischen Kirchenzerstörern gerückt werden, ist das unjournalistisch und fahrlässig. Für virtuelle Claqueure offenbar ein Freibrief, um auf redaktionell kontrollierten (!) Internetforen à la „kath.net“ ungeniert diese Menschen zu diffamieren – anonyme Hetze übelster Sorte. Ganz wie bei »kreuz.net« - nur ohne Aufschrei.

Den abschließenden Vergleich könnte man noch präzisieren: Ähnlich wie bei »kreuz.net« - nur mit Zensur.

11.12.12 19:39, kommentieren

Wenn die Wahrheit sich Bahn bricht

Auf kath.net ist aktuell ein sehr interessanter Vorgang zu beobachten. Kommentator alexius wettert gegen das Netzwerk Katholischer Priester (NKP). Dem stand bis vor kurzem noch Pfarrer Jolie vor, dem der Bruno Gmünder Verlag eine aktive Mitarbeit bei kreuz.net nachweisen konnte, was zu dessen Rücktritt als Netzwerkssprecher führte.

Alexius wehrt sich im Kommentarbereich unter dem Gastkommentar von Tobias Wilhelm gegen den verharmlosenden Vergleich von Internetforen wie Spiegel online mit kreuz.net. „Es  tut mir leid, aber die totale und hinterhältige Hetzform des derzeit geschlossenen rechtsextremen Fundamentalistenportals kreuz.net halte ich für nicht vergleichbar. Dadurch wird sogar dieses Portal noch nachträglich verharmlost.“

Da kann man dem mutigen Kommentator wohl nur beipflichten! Dennoch verwundert es, dass ein derartiger Kommentar durch die strenge Zensur auf kath.net kommt. Berücksichtigt man die weiteren Worte alexius, verstärkt sich diese Verwunderung sogar noch: „Ich habe außerdem den schwerwiegenden Verdacht, daß Mitglieder des kirchenrechtlich nicht errichteten "Priesternetzwerk" interne (und extern-öffentliche) Diskussionen im Rahmen des kath.net-Angebotes direkt bei kreuz.net eingeliefert hatten, um Leute zu diskreditieren. Ich denke hier vor allem an die eigentümliche u. ungute nach außen jedenfalls so aufscheinende Koalition von kreuz.net und "Priesternetzwerk" bei der Torpedierung des Pfeiffer'schen Mißbrauchprojektes der Deutschen Bischofskonferenz.“

Folgt man den Links, die der Kommentator seinen Einlassungen hinzufügt, tun sich äußerst interessante Zusammenhänge auf. Verlinkt ist ein kath.net-Artikel aus dem Jahre 2011, in dem es um den Protest des Netzwerks Katholischer Priester gegen das Forschungsprojekt der Deutschen Bischofskonferenz im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen und die damit einhergehende Herausgabe von Personalakten geht. Im Kommentarbereich kann man die Auseinandersetzung zwischen alexius und Pfarrer Jolie verfolgen. Ersterer wirft dem Netzwerk unnötige Polemik gegen das Forschungsprojekt vor. Dabei kritisiert er auch, dass die Stellungnahme des NKP vollständig auf kreuz.net veröffentlicht wurde und fordert sehr unmissverständlich dazu auf, sich von kreuz.net zu distanzieren.

„Im übrigen halte ich es für eine katastrophale Optik, daß die Aussendung des Netzwerkes auch voll und ganz auf dem von Kardinal Meisner endlich klar kritisierten Anonymportal nachzulesen ist. Das Netzwerk sollte sich dagegen wehren und dem Portal mitteilen, daß dies unerwünscht = kontraproduktiv is[t]“

Jolie sieht dafür überhaupt keine Veranlassung, weil doch auch der Papst sich nicht von kreuz.net distanziere, obwohl doch seine Texte dort veröffentlicht würden; „ich verstehe vor allem nicht, wieso sie uns mit kreuz.net in verbindung bringen. wird der heilige vater auch diskreditiert, weil seine ansprachen dort abgeschrieben werden? von welcher qualität ist dieses argument?“

Doch alexius gibt nicht nach: „Ich kritisiere außerdem auch weiterhin entschieden, daß das "Netzwerk" offenbar immer noch nicht an das anonyme Portal eine Protestnote geschrieben hat, um weitere ständige Übernahmen von Aussendungen abzudrucken als Hauptartikel. Solange dieser Protest des "Priesternetzwerk" nicht erfolgt, brauchen wir nicht weiterzudiskutieren.“

Dass er dafür knallrote Balken und keine Unterstützung von den Mitkommentatoren bekommt, liegt auf der Hand und führt zu Jolies abschließender Bemerkung; „ich danke allen, die in ihren kommentaren für die freiheit der meinung und für die sachlichkeit der diskussion eingetreten sind, während andere schlummerten

Auch unter dem aktuellen Artikel leuchten alexius Balken durchweg rot, weil er den Finger immer wieder in die Wunde legt: „Das war vor mehr als einem Jahr ... vielleicht ist es jetzt noch klarer, warum ich viele nachträgliche Distanzierungen vom unsäglichen kreuz.net nicht ernstnehmen kann.“ Wie Recht er damit nur hat, die Distanzierungen auf kath.net wirken vor dem Hintergrund dieser Zusammenhänge doch sehr wenig überzeugend. Das NKP wird trotz weiterer Verdachtsmomente durchweg verteidigt, jeder Kritik mit roten Balken begegnet.

Nun stellt sich immer noch die Frage, weshalb die Kommentare von alexius überhaupt frei geschaltet werden, sind sie doch für kath.net nicht gerade angenehm, wie auch Fels bemerkt: „Darf ich fragen, woher Sie so überzeugt behaupten können, dass man von Seiten des PNW Ihrem Stammbucheintrag nicht entsprochen hat?

 Vielleicht melden Sie sich bei Ihrem Mitbruder, und klären die Sache mit ihm, anstatt hier in aller Öffentlichkeit Ihre "schwerwiegenden" Verdächtigungen kundzutun.

 M. E. tuen Sie damit niemandem etwas Gutes und auch der Sache um +net im Ganzen nicht. Darum künmmert sich jetzt ohnehin die Staatsanwaltschaft.“

Da alexius mit einem persönlichen Photo kommentiert, ist es nicht schwer, seine Identität herauszufinden, zumal er kein Unbekannter in der katholischen Onlinewelt ist. Auf seiner Internetpfarrei erhält man dann auch weitere Informationen zu den Zusammenhängen und Hintergründen, ist er doch von rechtskatholischen Kräften im Zusammenhang mit der Causa David Berger verleumdet worden. Als Vizeoffizial sowie Kirchenrektor im Bistum Eichstätt ist er allerdings eine Autorität, der man auf kath.net nicht so einfach den Hahn abdrehen kann. Manchmal zeigen sich dann doch die Vorzüge des katholischen Systems!

13.12.12 06:34, kommentieren

Weihnacht

 

Der klare Himmel, milliarden Sterne

ein eisiger Hauch weht in die Ferne

In der Dunkelheit, unter Giebeln und Dächern,

sitzen Menschen zusammen in ihren Gemächern

 

Im Kamin brennt das Feuer, wärmend und hell,

seine Kraft ist begrenzt, ein ungleiches Duell

Doch entflammt ein Traum aus dieser Glut

Seine unstillbare Sehnsucht spendet uns Mut

 

Der Schrei des Kindes erhellt die finst’re Nacht

In einem kleinen Wesen die göttliche Macht

Das unfassbare Wunder, nun ist es vollbracht

Gott ist uns nahe: Frohe Weihnacht!

 

1 Kommentar 23.12.12 09:01, kommentieren

Von der Selbstdemontage eines Parawissenschaftlers

Schon sei Tagen erregt die ZDF-Sendung „Das Geheimnis der Geburt Jesu“ auf kath.net die Gemüter (hier und hier). Nun weiß ich nicht, ob in der Dokumentation wirklich von einem Faktencheck die Rede war, so wie die Kritiker behaupten. Ersichtlich wird aus der Kritik aber, dass man sich in der Sendung wohl auf Ergebnisse der historisch-kritischen Methode bezog. Die aber ist nach Michael Hesemann „längst durch viele historische Fakten und archäologische Funde widerlegt worden.“  Das ist mir neu! Und ich wusste auch gar nicht, dass DIE historisch-kritische Methode als systematisches Verfahren zur Gewinnung von Erkenntnissen, als Methode eben, widerlegbar ist?!

Scheinbar will Hesemann die Wissenschaft durch die Parawissenschaft ersetzen. Seine Kritik an der ZDF-Sendung führt sich allerdings ad absurdum, indem er den ZDF-Fakten nun die eigenen Fakten entgegengesetzt. So weiß Hesemann zu berichten, dass die schwangere Maria „13 Jahre“ alt war und zudem eine „fromme Jüdin aus bestem Hause“. „Fakt ist nur, dass Jesus in einer Stallhöhle geboren wurde“, weiß Hesemann weiter zu berichten. Zudem seien die Magier aus dem Morgenland „persische Priester“ gewesen. „Ihr Prophet, Zarathustra, hatte die Geburt des Heilsbringers Saoschyant vorhergesagt.“ Und Fakt sei zudem, dass „Jesus eindeutig aus dem Hause Davids stammte“. Alles in allem meint Hesemann „beweisen“ zu können, „dass die Evangelisten wahrheitsgemäß berichteten.“

Nun sind die Evangelien keine Geschichtsbücher oder historische Berichte im eigentlichen Sinne, sondern vor allem Glaubenszeugnisse, die sich jedoch auf historische Ereignisse beziehen. Deshalb macht es Sinn, sie mit totgesagten wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen, um die historischen Fakten und geschichtlichen Entwicklungen nachvollziehen zu können. Wichtig ist dabei aber die Trennung zwischen historischen und theologischen Aussagen. Erstere können wissenschaftlich ergründet werden, zweitere können im Glauben angenommen werden.

Wendet man die historisch-kritische Methode auf die beiden biblischen Weihnachtsgeschichten an, so ergeben sich einige Probleme. Schon die bei Lukas und Matthäus angeführten Stammbäume stellen den Leser vor mancherlei Schwierigkeiten, sind sie doch im wahrsten Sinne gegenläufig. Führt der Stammbaum des Matthäus von Abraham bis Jesus, so führt der des Lukas in umgekehrter Reihenfolge von Jesus bis Adam. Die Generationen von Adam bis Abraham bietet nur Lukas. Bringt man den beiden gemeinsamen Abschnitt von Abraham bis Jesus einmal in die gleiche Reihenfolge, so fällt auf, dass es so gut wie keine Übereinstimmungen gibt. Selbst Jesu Opa ist nicht identisch. Da braucht es dann wieder den Parawissenschaftler Hesemann, um hier eine historisch brauchbare Deutung zu liefern.

Und auch die Behauptung, die Stammbäume intendierten, die Abstammung Jesu aus dem Hause Davids zu beweisen, wird von einigen Wissenschaftlern eher kritisch gesehen, da der Stammbaum nach Josef zu Maria wechselt, der Davide Josef wird aber gerade nicht als Vater Jesu bezeichnet. Vielmehr scheinen die Stammbäume einen Abriss des Volkes Israel zu liefern, welches in Abraham wurzelt und in Jesus seinen Höhepunkt findet.

Die beiden Weihnachtsgeschichten erzählen durchaus unterschiedliche Geschichten, die aus verschiedenen Traditionen zu entstammen scheinen. So ist es auch ziemlich schwierig, die jeweiligen Zeitangaben des Geburtsjahres Jesu in eine schlüssige Theorie zu bringen. Herodes der Große stirbt 4 v.Chr., die Stadthalterschaft des Quirinius führt ins Jahr 6/7 n.Chr., ein Graben von 10 Jahren.

Fraglich ist auch, wie die Römer in Bethlehem eine Steuererhebung durchführen konnten, wenn dieser Ort damals doch zu Judäa gehörte und somit zum Königreich Herodes und eben nicht unter römischer Administration stand. Neben Lukas gibt es keine weitere historische Quelle, die von diesem Zensus weiß. Auch die Umsetzung, dass alle Menschen zu ihrem Geburtsort wandern mussten, halten viele Wissenschaftler für praktisch nicht durchführbar.

Es macht wenig Sinn, die Weihnachtsgeschichten mit aller Gewalt wissenschaftlich beweisen oder aber widerlegen zu wollen, dazu haben wir aus historischer Sicht einfach zu wenig Handhabbares zur Verfügung. Es bleiben auf beiden Seiten nur die Spekulationen und das Jonglieren mit Wahrscheinlichkeiten.

Der theologische Wert dieser Geschichten ist aber das Entscheidende: Gott hat sich selbst in die Welt hinein geboren. Und dies nicht in Pracht und königlicher Herrschaft, sondern in Armut und Schmutz. Aus diesem Kind erwächst ein Zimmermann, dessen Evangelium nach seiner Kreuzigung und der von vielen Zeugen berichteten Auferstehung in Blitzgeschwindigkeit die antike Welt erobert. Gibt es einen besseren Hinweis auf die göttliche Macht als diese historisch nachvollziehbare Entwicklung??

Thomas Söding bringt die Problematik um die Weihnachtsgeschichten am Beispiel der Jungfrauengeburt auf den Punkt:

„Wenn aber die Jungfrauengeburt ein Ereignis“ gewesen ist, wie der Papst betont, dann – wie die Auferstehung Jesu von den Toten – in dem Sinn, dass die Grenzen von Raum und Zeit definitiv überschritten worden sind. Dann ist aber eine historische Beweisführung prinzipiell unmöglich. Sie kann immer nur das Außen, nie das Innen erreichen. Dass es keine natürliche Erklärung gibt, sagt ja schon Maria: „Wie kann das geschehen, da ich keinen Mann erkenne“(Lk 1,34). Umgekehrt folgt aus der Tatsache, dass die Biologie eine Parthenogenese nur als Kuriosität im Tierreich kennt, keine Widerlegung der Weihnachtsgeschichte. Deshalb hebt der Papst zu Recht auf den Glauben ab.“

Manchmal drängt sich einem der Eindruck auf, dass sowohl den Beweisern wie den Widerlegern gleichsam der Glaube fehlt…

1 Kommentar 28.12.12 12:34, kommentieren