Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Der weiße Zauberer auf neuen Pfaden im Kommentarbereich

Der weiße Zauberer Gandalf hat tatsächlich seinen schneeweißen Elfenbeinturm verlassen und kämpft  an der Seite Kardinal Meisners für eine die Befruchtung verhindernde "Pille danach" für Vergewaltigungsopfer. Das Risiko, dass sein weißer Umhang bei diesem Ausritt in die reale Welt dunkle Flecken bekommt, nimmt er dabei offensichtlich in Kauf. Auch die Striemen, die ihm die eigenen Leute mit roten Balken verpassen, nimmt er tapfer hin. Ich bin beeindruckt!

1 Kommentar 1.2.13 10:46, kommentieren

Kritikfreie Kritik

Michael Schneider-Flagmeyer, Gründungsmitglied des Forums Deutscher Katholiken sowie Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft katholischer Laien und Priester in der Diözese Trier e.V, mag den FAZ-Redakteur Daniel Deckers nicht, weil er ein „liberaler Kirchenkritiker“ ist. Er grenzt ihn auf einem Blog von früheren Redakteuren ab, die „kompetent, fair und seriös, wenn auch manchmal sehr kritisch“ waren, und deutet damit an, dass Deckers das genaue Gegenteil sei, inkompetent, unfair, unseriös und eigentlich nicht kritisch, sondern polemisch und bösartig, wie es auch später im Text heißt.

Deckers spekuliert in der FAZ über die Nachfolge von Erzbischof Zollitsch in der DBK und bringt die Bischöfe Ackermann, Overbeck und Tebartz-van Elst ins Spiel. Ein naives Urteil, meint Schneider-Flagmeyer ohne jede Begründung für seine Kritik. Auch die Spekulation Deckers über die Entbindung Kardinal Lehmanns von seinen bischöflichen Aufgaben weist er mit dem Hinweis ab, Deckers habe ein „Brett der “sprunghaften Feindseligkeit” (Benedikt XVI.) vor den Kopf genagelt“. Warum diese Spekulation aber scheinbar völlig abwegig sein soll, erklärt er nicht, es bleibt bei der Beleidigung.

Im Folgenden echauffiert sich der Autor über Deckers Charakterisierung Kardinal Meisners. Als “bedingungslosen Statthalter Johannes Pauls II. sowie Benedikts XVI. in Deutschland” bezeichnet Deckers den Kardinal. Darin sieht Schneider-Flagmeyer Deckers unsägliche Haltung gegenüber der Kirche bestätigt. Man fragt sich, ob Kardinal Meisner sich in dieser Beschreibung nicht ganz gut widergegeben sieht. Als gehorsamer Diener des Nachfolgers Petri sollte das keine Beleidigung für ihn sein. Und ob die Verlängerung der Amtszeit für Bischöfe und Kardinäle über das 75. Lebensjahr hinaus wirklich ein Geschenk des Papstes ist, wie Schneider-Flagmeyer andeutet, das wage ich wirklich zu bezweifeln. Viele, und das gilt wohl auch für Kardinal Ratzinger vor der Papstwahl, beten wohl innständig darum, dass dieser Kelch an ihnen vorüber gehen möge, in treuer Pflichterfüllung folgen sie aber dem Ruf  der Kirche „bedingungslos“.

Auch die Vorstellung, dass Kardinal Meisner beste Kontakte in den Vatikan hat und dort sicherlich auch über die deutsche Kirche berichtet, disqualifiziert Schneider-Flagmeyer als infam und naiv. Viel naiver scheint mir allerdings die Annahme zu sein, dem wäre nicht so.

Diese Naivität unterstreicht er dann noch einmal mit einer Bemerkung zur Prozedur von Bischofsernennungen und -entpflichtungen. „Dass Gott, der Herr, alleine entscheidet, wann wer wo abtritt, kommt Deckers gar nicht in den Sinn, weil er zu geistlichen Dingen offensichtlich kein Verhältnis hat.“ Man muss nicht erst auf die völlig undurchsichtige Absetzung von Alterzbischof Robert Bezak verweisen, um diese kindliche Vorstellung infrage zu stellen.

Was auch immer man von Deckers hält, eine solch inhaltsfreie Kritik wird er wohl müde belächeln.

5.2.13 10:43, kommentieren

Naturgesetze von sich selbst erhaltenden Systemen

Es hilft ja alles nichts, ich muss wohl auch meinen Senf zum Lohmann-Hype beisteuern. Da es mir aber eigentlich widerstrebt, diesen auch noch durch mein Dazutun am Leben zu erhalten, den Hype meine ich, versuche ich einen etwas grundsätzlicheren Gedanken.

Zuallererst fragt man sich doch wirklich, weshalb sich statt dieses Eiferers Lohmann niemand von unseren hoch bezahlten und theologisch geschulten Bischöfen dazu in der Lage sieht, die katholische Position in Talkshows zu vertreten. Und dann bitte in Worten, die die Menschen von heute wenigstens ansatzweise verstehen und nachvollziehen können. Ist das Image der katholischen Kirche eigentlich nicht schon ramponiert genug, als dass man einen von diesen Betonköpfen als Vertreter in alle Kameras halten muss?  

Aber diese medialen Peinlichkeiten reichen unseren tapferen Kirchenfürsten noch lange nicht. Schließlich möchte man auch selbst aktiv an der Imagezerstörung teilhaben. Von Progromstimmung (Erzbischof Müller) und Katholikenphobie (Kardinal Meisner) ist da die Rede und ich frage mich, ob die wirklich in Europa leben. Sicherlich steht der Elfenbeinturm, aus dem diese Position heraus formuliert wurde, nicht mehr auf irdischem Boden, ganz sicher aber nicht auf europäischem. Wer solch einen Unsinn verbreitet, muss sich nicht wundern, wenn er nicht mehr ernst genommen wird.

Offensichtlich liest man auch in höchsten Kirchenkreisen zu viele „katholische Nachrichten“! Dann glaubt man irgendwann den dort propagierten Schwachsinn, dass man als Katholik in Deutschland und Österreich kaum noch auf die Straße gehen kann, ohne angepöbelt oder gar angegriffen zu werden. Was man dabei aber übersieht, ist die immense Aggression, mit der radikale Lebensschützer, wie auch Lohmann einer ist, oder auch andere Hardliner, die vielleicht tatsächlich auch ablehnende Erfahrungen machen, ihre „katholische“ Position vortragen und damit eine Abwehr provozieren.

Wenn man Frauen in Konfliktsituationen anpöbelt, homosexuellen Menschen ein Leben in Sünde vorwirft, Geschiedenen und Wiederverheirateten unentwegt mit der Moralkeule vor den Schädel schlägt, muss man sich über eine heftige Gegenreaktion nicht wundern. Das ist im Übrigen ganz  natürlich, quasi ein Naturgesetz. Über Naturgesetze hat sich bisher nur unser Herr Jesus Christus hinweggesetzt, als er die Feindesliebe einforderte. Und dann seine ersten Nachfolger, als sie sich über Herkunft, Geschlecht und gesellschaftlichen Status hinwegsetzten, wenn sie Menschen gleichberechtigt und gleichwertig in den Leib Christi eintauften (Gal 3,26-28). Schade, dass die Kirche diese Radikalität in ihrer Geschichte nicht durchgehalten hat. Wir unterscheiden wieder weltlich-brav nach Geschlecht, sexueller Orientierung und steuerlich förderwürdigem Status. Und unseren Feinden verpassen wir ordentlich eins.

Gestern hörte man auch vom Papst, dass der Christ ein Fremdkörper in der Gesellschaft sei, ein Stachel gegen Tendenzen des Egoismus. Geht es uns Katholiken wirklich nur gut, wenn wir ausgegrenzt werden? Ist das gar ein Zustand, den wir anstreben sollten? Mir scheint, da droht ein sich selbst erhaltendes System. Erst tritt man seinen Mitmenschen auf die Füße, so dass man eine Gegenreaktion erfährt, und dann sieht man sich darin bestätigt, von der Welt abgelehnt zu werden und beruft sich dabei auch noch auf Jesus und suhlt sich in der Ablehnung. Nur, wem - außer vielleicht sich selbst - hilft man damit?

Und wenn ich mir dann das anschaue, was Jesus als Reich-Gottes-Botschaft verkündete, dann ist da von Abgrenzung wenig die Rede. Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet (Lk 7,22).

Und wer sind diese Hilfsbedürftigen und Diskriminierten in der heutigen Zeit? Wer lebt am Rande der Gesellschaft? Alleinerziehende Mütter oder Väter, häufig leider immer noch Homosexuelle, Verlassene, Geschundene etc. Und wie gehen wir als Kirche mit diesen Menschen um? Jesus hat ihnen nicht vor den Kopf gestoßen, er hat sie auch nicht verurteilt, von Gottes Gesetz wollte er nichts hören. Ein aus Barmherzigkeit und Liebe sich entwickeldes Vertrauen, das war sein Ansatz. Dein Glaube hat dir geholfen. Doch Glaube kann man dem Mitmenschen nicht einbläuen. Um Glauben zu ermöglichen bedarf es einer Vertrauensbasis. Doch die verspielen wir als Kirche unentwegt. Aber bitte bitte, wir sollten das nicht als die Ablehnung der bösen Welt deuten. Wir in der Kirche sind es, die nicht in der Lage sind, das Evangelium vom Reich Gottes in einer zeitgemäßen Sprache zu verkünden. Wir sollten die Verantwortung dafür übernehmen und nicht über die böse Welt jammern. Diese bräuchte unseren Einsatz statt unser Gejammer.

Natürlich, die harte Linie konnte Jesus auch fahren, vor allem gegen die Besserwisser, die Schriftgelehrten und Tempelpriester. Von diesen ist er auch abgelehnt und angefeindet worden. Zu sehr waren sie in Machtpositionen und überkommenen Anschauungen verhaftet. Wir sollten einfach mal wieder in das Evangelium schauen und weniger ins Kirchenrecht. Wenn man jemandem was um die Ohren hauen muss, dann wohl dem einen oder anderen katholischen Lohmann das Evangelium.

5 Kommentare 10.2.13 10:09, kommentieren

Hoffen und bangen

Die Gerüchte um den wahren Grund des Rücktritts Papst Benedikts treiben bunte Blüten. Spekulationen und Verschwörungstheorien schießen ins Kraut, dass einem nur angst und bange werden kann. Wenn nur 10% der Theorien in den Medien auf Tatsachen beruhen, dann kann einem nur schlecht werden. Mafia-Konten auf der Vatikanbank, von Laien fügig gemachte homosexuelle Kardinäle, Prostitution, Seilschaften und ominöse Netzwerke, die gegen den Papst agierten, um nur ein paar Stichworte zu nennen.

Sollte es diesen ganzen Dreck im Vatikan geben, kann man nur darum beten, dass der ganze Laden endlich einmal vor die Wand fährt und alles offen zu Tage tritt. Wie immer hängen die genannten Probleme im Kern mit der katholischen Sexualmoral zusammen, die scheinbar von einigen Kirchenoberen selbst kaum noch gelebt wird, diese Menschen erpressbar macht und das ganze System so unglaubwürdig und skandalös scheinen lässt.

Was war das auch für ein Rumgeeier, bis man sich hier in Deutschland nun endlich auch hochoffiziell für die Pille für Frauen nach einer Vergewaltigung durchringen konnte. Damit ist das Intrigenspielchen (25 Artikel seit dem 31. Januar zum Thema!!) auf kath.net, wo man versuchte, die Entscheidung als deutschen Alleingang gegen den Vatikan zu verkaufen, dann auch hoffentlich erledigt.

Natürlich fühlten sich die Bischöfe auf ihrer Vollversammlung trotzdem genötigt, die jüngste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes bezüglich der Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare mit kritischen Tönen zu begleiten. Vor dem Hintergrund des Debakels in Sachen Aufklärung der Missbrauchsfälle sollte man sich doch einfach einmal demütig zurück halten. Aber nein, die Vorbehalte werden weiter gepflegt, weshalb sollte man auch einmal inne halten, schließlich haben die Missbräuche ja mit Homosexualität zu tun, wie man gestern wieder aus prominentem Kardinalsmunde auf kath.net lesen konnte.

Ein Kardinal aus Ghana redet davon, dass er davon ausgeht, dass es in der Kirche Afrikas keinen Missbrauchsskandal geben werde, denn die „traditionellen Kulturen Afrikas hätten die Bevölkerung vor diesen Tendenzen bewahrt“. Für jemanden, der Verständnis für die Praxis der Todesstrafe für Homosexuelle hat, sind derartige Äußerungen wohl zu erwarten. Kath.net greift sie dankbar auf und beweist damit mal wieder homophobe Kante.

Vielleicht sollte man dem Kardinal einmal entgegen halten, dass die größte Bedrohung für Kinder in Ghana Kinderarbeit und Kinderhandel ist. Durch den Kinderhandel erleiden viele, oft noch kleine Jungen und Mädchen, sexuellen Missbrauch und den Alptraum von Zwangsarbeit. Dass Homosexuelle höhere Tendenzen haben, Pädophilie zu entwickeln, ist wohl wissenschaftlich nicht haltbar. Dennoch bedient man sich gerne dieses Argumentes, muss man dann schließlich nicht über kirchliche Strukturen nachdenken, die den Missbrauch von Jungs im Raum der Kirche fördern.

Der gesunde Menschenverstand sagt einem doch schon, dass die Position der katholischen Kirche in Bezug auf homosexuelle Handlungen Auswirkungen auf existentielle Lebensentscheidungen von so veranlagten Menschen hat. Ein junger Katholik, der diese Gefühle in sich aufkeimen spürt, der wird automatisch in einen Gewissenskonflikt getrieben. Soll er sich über die Lehre der Kirche hinwegsetzen? Soll er sich gar berufen fühlen, enthaltsam zu leben, wie die Kirche es ihm rät? Oder sollte er sich aufgrund dieses Ratschlages gar berufen fühlen, ein kirchliches Weiheamt anzustreben, um dem Konflikt aus dem Weg zu gehen? Das sind doch die Alternativen, die ihm bleiben. Keine davon ist gut, wobei die erste wahrscheinlich noch die gesündeste ist, da er auf diesem Wege nicht vor seiner Sexualität weglaufen muss.

In den anderen Fällen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er seine Sexualität einfach verdrängt. Das kann aber nicht gut gehen. Schon Paulus wusste, dass man Enthaltsamkeit nur dann leben kann, wenn man die Gabe dafür von Gott geschenkt bekommen hat. Setzt man sich darüber hinweg, droht das Böse (1Kor 7,5).

Natürlich kann ein homosexuell veranlagter Mensch ebenso wie ein heterosexueller ein guter Priester sein. Beide können aber eine riesige Gefahr werden, wenn sie sich mit ihrer Sexualität nicht auseinandergesetzt haben. Das katholische Moralsystem scheint jedoch gerade homosexuell veranlagte Menschen anzuziehen, wie auch David Berger in seinem Buch dargelegt hat. Sind diese Menschen auf der Flucht vor ihrer von der Kirche verbotenen Sexualität, können sie zu einem Problem werden.

Die Lösung kann nicht die weitere Diskriminierung von diesen Menschen sein, indem man gleich alle Homosexuellen vom Priesterdienst abhält, denn so würde man auf viele gute Seelsorger verzichten. Die Lösung kann nur ein Überdenken der Sexualmoral sein. 

Dass es durchaus möglich ist und die Lehre der Kirche in vielen anderen Fragen schon eine 180 Grad Wendung genommen hat, das kann man beispielsweise an der Haltung zur Todesstrafe, die der gute Kardinal aus Ghana wohl vergessen hat, nachweisen. Eine über Jahrtausende geltende Legitimation dieser ultimativen Bestrafung wurde von Johannes Paul II de facto in das Gegenteil verkehrt. Bei dieser Thematik fragt man sich sowieso, weshalb die radikalen Lebensschützer nicht auch die Vielzahl von Todesstrafen anprangern, die in vielen Staaten der Welt noch angewendet werden. In den USA kann man teilweise die widersprüchliche Beobachtung machen, dass diese Lebensschützer die Todesstrafe für Menschen fordern, die Abtreibungen durchführen. Scheinbar geht es hier oft gar nicht um den grundsätzlichen Lebensschutz, der auf der Entscheidung beruht, dass nur Gott über Leben und Tod entscheiden sollte.

Doch zurück zum Thema: Katholische Kirche und ihre Bewertung von Geschlechtlichkeit. Im Zusammenhang mit der Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz machte Kardinal Kasper den Vorschlag, durch ein genuin weibliches (Weihe-) Amt, bei diesem Dauerbrenner einen kleinen Schritt weiter zu kommen. Jedoch scheint mir dieses dem dreigliedrigen Amt für Männer untergeordnete Trostpflaster für Frauen kein geeigneter Vorschlag zu sein, die Diskussionen um die Frauenordination zu beenden.

Das eigentliche Problem liegt meines Erachtens darin, dass im Verbot der Frauenordination eine Lehre definitiv vorgetragen wurde, ohne eine schlüssige Begründung dafür zu geben, inwiefern diese Lehre tatsächlich in der Offenbarung fußt. Nach Dei Verbum II, 9 gründen Offenbarungswahrheiten in der engen Verbindung von Heiliger Schrift und Heiliger Überlieferung der Apostel. Nun hat die päpstliche Bibelkommission 1976 schon festgestellt, dass sich aufgrund des Neuen Testaments das Problem einer möglichen Zulassung von Frauen zum Weiheamt nicht entscheiden lässt. Die Forschungen zur Entstehung des dreigliedrigen Amtes legen nahe, dass es in den frühen heidenchristlichen Gemeinden häufig Frauen in Gemeindefunktionen gab (Lydia, Priska, Phoebe, Junia etc.). In der Phase der akuten Parusieerwartung haben die christlichen Gemeinden wohl ernst gemacht mit dem, was die Taufformel Gal 3, 28 zum Ausdruck brachte: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus.“ Diese Vorstellung wurde gelebt und nicht auf ein Jenseits verschoben. Vor Gott und damit auch in der Gemeinde waren alle Christen gleich. Das war das Erfolgsmodell des Christentums, was seine rasante Ausbreitung erklärt. Leider haben sich, nachdem man die Idee der nahen Wiederkunft des Herrn verworfen hatte, wieder weltliche Strukturen durchgesetzt. So zeigen schon die Pastoralbriefe, wie die radikale Umsetzung der christlichen Freiheitsbotschaft langsam wieder zurückgedrängt und in patriarchale Strukturen gezwängt wird. Doch zur Zeit des Paulus sah das wohl ganz anders aus. Zwar gab es noch nicht das ausgebildete dreigliedrige Amt, das entwickelt sich erst nach und nach, aber gerade diese Beobachtung lässt wohl kaum den Schluss zu, dass es sich bei den vielen Frauen nicht um solche von den Aposteln (die auch mehr waren als die Zwölf vgl. 1Kor 15,3-7) eingesetzte und legitimierte Gemeindefunktionäre handelte. Vielleicht hat man sich deshalb gescheut, die Entscheidung zum definitiven Verbot der Frauenordination zu dogmatisieren. Bereits die definitive Setzung hat aus meiner Sicht der Glaubwürdigkeit des Lehramtes geschadet.

So kann man nur hoffen und darum beten, dass ein neuer Papst die Themen angeht, die den Katholiken in Europa auf den Nägeln brennen, und endlich Reformen in der Kirche eingeleitet werden.

1 Kommentar 23.2.13 07:43, kommentieren

Martinis Rat für die Kirche

Der verstorbene Erzbischof von Mailand, Carlo Maria Martini, formulierte in einem Interview kurz vor seinem Tod einige kritische Gedanken und Reformvorschläge für die Kirche. Vor dem anstehenden Konklave sollte man dieser Stimme noch einmal Gehör verschaffen, gehörte sie doch einem Mann, der als Kenner des vatikanischen Systems, als Reformer und papabile galt.

Auf die Frage, wie man der Kirche heute helfen könne, antwortete er:

Pater Karl Rahner gebrauchte gerne das Bild von der Glut, die unter der Asche zu finden ist. Ich sehe so viel Asche, die in der Kirche über der Glut liegt, dass mich manchmal Hoffnungslosigkeit bedrängt. Wie können wir die Glut von der Asche befreien, so dass die Liebe wieder zu brennen beginnt? Als erstes müssen wir die Glut aufspüren. Wo sind einzelne Menschen, die hilfreich sind wie der barmherzige Samariter? Die Vertrauen haben wie der heidnische Hauptmann? Die begeistert sind wie Johannes der Täufer? Die Neues wagen wie Paulus? Die treu sind wie Maria von Magdala?

Ich empfehle dem Papst und den Bischöfen, in ihre Leitungsgremien zwölf ungewöhnliche Menschen aufzunehmen. Menschen, die bei den Ärmsten sind, Jugendliche um sich haben und Experimente machen. Es braucht die faire Auseinandersetzung mit Menschen, die brennen, damit der Geist wehen kann.

Der Papst ist mit seiner Entscheidung, vom Petrusdienst zurückzutreten, einen mutigen und angstfreien Schritt gegangen. Wäre es nicht auch sehr mutig, den Vorschlag Martinis aufzunehmen und zwölf ungewöhnliche Menschen mit in das Konklave aufzunehmen, damit der Geist Gottes ungehindert wehen kann? Es wäre ein mutiger Schritt, ein verknöchertes System aufzubrechen und für Transparenz, Öffnung und Weitblick innerhalb des Konklaves zu sorgen.

Darüber hinaus hat Martini hier ein hervorragendes Anforderungsprofil für einen erfolgreichen Papst geliefert: Der Kandidat sollte die Glut des Glaubens in sich tragen und von Liebe brennen. Er muss hilfreich sein, Vertrauen haben, begeistern können, Neues wagen und dem Evangelium treu dienen.

Dann sollte er Erfahrungen mit Menschen in Armut nachweisen können, er sollte mit Jugendlichen gearbeitet haben und experimentierfreudig sein. Gibt es einen solchen Kandidat unter den Kardinälen?

1 Kommentar 26.2.13 08:06, kommentieren