Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Traditionen im neutestamentlichen Dialog

Der Theologe Dr. Gerhard Hotze zeigt in einem aktuellen Artikel in WORT UND ANTWORT  das Mit- und Gegeneinander biblischer Traditionsstränge auf. Er bringt die Bedeutung der Tradition für die neutestamentlichen Schriftsteller und das frühe Christentum auf die Formel: "Tradition ja – starres Festhalten nein". Ein lesenswerter Beitrag gegen jede Form von Traditionalismus!

2.3.13 16:20, kommentieren

Vom traditionellen Tabubruch

Wenn von Reformen in der Kirche die Rede ist, wird immer wieder auf das Bild Rahners von der Befreiung der Glut unter der Asche rekurriert. Der Kern der evangelischen Freiheitsbotschaft muss von überkommenem historischem Staub befreit werden. Die Tradition trägt diesen Kern durch die Zeiten, allerdings mit dem ärgerlichen Nebeneffekt, dass das ihn umkleidete Geschichtliche verbrennt und sich als kalte Asche um den Kern legt. Dieser muss also wieder freigefegt werden. Doch scheint man sich innerhalb der Kirche gar nicht so einig darüber zu sein, was zum Kern und was zur Asche gehört.

Timothy Dolan, einer von mehreren Kardinälen, die aktuell in den Medien als papabile gehandelt werden, äußerte sich jüngst in einer Predigt zu Überlieferung und Papsttum: „Der heilige Paulus sagt: ‚Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe‘. Dies ist die eigentliche Natur des Papsttums, in Treue weiterzugeben, was Gott Jesus gesagt hat, was Jesus seinen Aposteln gesagt hat und was seine Apostel traditionsgemäß an uns überliefert haben“  Doch was genau ist das, was da treu überliefert werden soll?

Der Dogmatiker Wolfgang Beinert sieht die Traditionsbrüche des Jesus von Nazareth als normatives Exempel für das Christentums. Diese Brüche seien die älteste Tradition des Christentums überhaupt. Der ursprüngliche Wille Gottes sei für Jesus maßgeblich für die Bewertung von Traditionen gewesen. Schränkten diese Traditionen die von Gott geschenkte Freiheit und das Heil für die Menschen ein, wie etwa die damaligen Sabbat- oder Reinheitsgesetze, kritisierte Jesus sie radikal: Der Sabbat ist für den Menschen, zu seinem Wohle da, nicht um ihn zu drangsalieren. Unrein ist nicht das, was in den Mund hinein geht, sondern das, was aus ihm heraus kommt, etc.

Hier wird schon deutlich, dass die Tradition als ein wesentliches Standbein des Katholizismus ein durchaus heißes Eisen ist, in dem viele Streitpunkte innerhalb der Kirche legieren. Was genau ist die Kernbotschaft, die es zu tradieren gilt, und diese Tradition muss ja lebensnotwendig durch die Kirche geschehen?

Beinert bringt es auf den Punkt. Tradition ist nicht die Bewahrung des Alten, sondern die Bewahrung des Ursprünglichen, des göttlichen Heilswillens für alle Menschen. Deshalb konnte Jesus die kleinlichen Sabbatgesetze kritisieren, die mosaische Scheidungspraxis, die Reinheitsgebote etc. Es geht nicht darum, den Menschen zu knechten, es geht ganz im Gegenteil um seine Befreiung, sein Heil.

Da kommen nach Ostern beispielsweise Heiden in die Jesusbewegung, die sich taufen lassen wollen, Beschneidung und Toragesetze jedoch ablehnen. Was macht die Ur-Kirche? Sie entscheidet vom Ursprung aus und verwirft Beschneidung und das Gesetz als konstitutive Elemente für das Christentum. Beinert verweist auf die Beschneidungsdebatte des vergangenen Jahres, um die Dimensionen aufzuzeigen, die diese Entscheidung hatte.

Der Traditionsbruch als christliche Urtradition, der Tabubruch als Aufgabe für die Kirche. Traditionsbruch um den Menschen das Heil zu bringen, ihre Freiheit zu wahren.

Kardinal Dolan meint jedoch in der oben erwähnten Predigt: „Jesus hat uns zuallererst nicht dazu aufgerufen, Strukturen zu verändern, sondern uns von Gott innerlich verändern zu lassen.“ Man möchte ihm zurufen: „Ja. Doch hat diese innere Veränderung dazu geführt, dass tradierte Strukturen massiv verändert wurden!“ Und dazu sollte die Kirche und damit auch ein neuer Papst bereit sein. Ausgerichtet am Heil für die Menschen müssen Strukturen verändert werden, die diesem ursprünglichen Gotteswillen entgegenstehen. Wie bringe ich die Liebe Gottes und das Heil zu den Menschen unserer Tage? Eine zentrale Frage, auf die die Kirche jede Antwort verweigert und entgegen jedem jesuanischen Vorbild erwartet, dass die Menschen zu ihr kommen. Fragen zur Neuevangelisierung, die man sich von einem neuen Papst und seinen Bischöfen beantwortet wünscht. Ist die Kirchenführung aber bereit, der ältesten Tradition zu ihrem Recht zu verhelfen, den Tabubruch zu wagen? Benedikt XVI hatte diesen Mut am Ende seines Pontifikats.

7 Kommentare 4.3.13 22:27, kommentieren

Progromstimmung aufgrund von Katholikenphobie?

Was viele schon ahnten, bringt kath.net nun schwarz auf weiß. Katholiken werden in Europa nicht verfolgt, in Deutschland schon gar nicht. Die dokumentierten Fälle, im vergangenen Jahr ganze 9 in Deutschland, sind vergleichsweise harmlos und belegen, dass Progrom und Phobie wohl keine geeigneten Begriffe sind, um die Stimmung in Europa gegenüber Katholiken zu beschreiben.

2 Kommentare 9.3.13 17:08, kommentieren

Von gescheiten und weniger gescheiten bischöflichen Äußerungen

Das, was ich bereits in einem der letzten Beiträge angedacht hatte, kann man aktuell bei spiegel.tv bestätigt finden. Rechtskatholische Lebensschützer und Hardliner von gloria.tv feinden ihre Gegner so hart an, dass sie entsprechend ablehnende Reaktionen erhalten. Diesen begegnen sie dann mit einer weinerlichen Opferhaltung und mit Selbstmitleid. Lauthals beschwert man sich über antikatholische Medienkampagnen. Mit Nazirhetorik und offener Aggression schlagen sie jedoch weiter gnadenlos um sich, um auf die provozierte Kritik wieder sehr sensibel zu reagieren.

Bevor also hohe Würdenträger der katholischen Kirche zu ähnlich unpassenden Begriffen und Vergleichen aus den dunklen Kapiteln der Vergangenheit greifen, sollten sie sich erst einmal um die innerkatholischen Hassprediger kümmern, die die wenigen Menschen, die sich überhaupt noch mit der Kirche beschäftigen - die Mehrheit interessiert sich ja schon gar nicht mehr - gegen die katholische Kirche aufwiegeln. 

Konfrontiert mit einem Foto aus einer Nachrichtensendung von gloria.tv, auf dem Bischof Felix Genn mit Hakenkreuz dargestellt wird, weil er sich für die Pille danach für Vergewaltigungsopfer ausgesprochen hat, spricht der Bischof Klartext: „Dann sind die nicht ganz gescheit.“ Mehr ist dazu wohl nicht zu sagen, außer vielleicht, dass sich die Bischöfe vielleicht langsam einmal dafür einsetzen sollten, dass solcher Hasspropaganda, die im Namen der katholischen Kirche daher kommt, von ganz oben entgegengewirkt wird, statt von Progromstimmung gegen Katholiken zu faseln und genau diesen Leuten noch in die Karten zu spielen, die für die zu beklagende Stimmung verantwortlich sind!

12.3.13 15:14, kommentieren

Habemus papam

Franziskus, was für ein vielversprechender Name! Gott segne den ersten Jesuiten im Amt des Nachfolgers Petri!

14.3.13 12:08, kommentieren

Franziskus, der Brückenbauer

Da ist er nun, Franziskus, der Bischof von Rom, und weckt so viele Hoffnungen. Rechts wie links, oben wie unten, drinnen wie draußen. Und das alleine ist wohl schon mehr als man erwarten konnte, ist doch die Einheit des Christentums ein wesentlicher Teil des päpstlichen Aufgabenspektrums. Und hier wirkt er von der ersten Stunde an, ohne auch nur einen Masterplan erarbeitet zu haben, einfach so, indem er sich zurück nimmt.

Nun war auch der alte Papst kein bild- und wortgewaltiger Medienmensch, wie es etwa Johannes Paul II war. Auch Benedikt zeichnete sich durch Demut und die eher leisen Töne aus. Doch die einende Wirkung, die zurzeit von Franziskus ausströmt, die gelang dem Papst aus Deutschland in seiner gesamten aktiven Zeit kaum. Warum war das nur so? An einer Antwort auf diese Frage möchte ich mich im Folgenden versuchen.

Wenn man die Presse  seit der Wahl Franziskus verfolgt, besonders die katholischen Stimmen darin, dann fällt eines auf: Jeder katholische Autor projiziert seine Hoffnungen und Wünsche in den neuen Papst. Ein geradezu lächerliches Hauen und Stechen um die vermeintlich richtige Deutung der theologischen und kirchenpolitischen Ausrichtung des Papstes ist zu beobachten. Das führende Schreihalsportal - seit der Papstwahl übrigens ohne Schreihalsfunktion und deshalb sehr angenehm in der Lektüre - wird nicht müde, die Kontinuität zwischen der Lehre Benedikts und Franziskus durch eine selektive Textauswahl älterer Predigten und Äußerungen des Kardinals Bergoglio zu belegen. 

Einer der Frontkämpfer bei diesem Unterfangen, der Kulturjournalist Alexander Kissler, wusste schon am 19. März, „was Papst Franziskus wirklich will“, nämlich den Entweltlichungsprozess Benedikts fortführen. Gleichzeitig aber ist Hans Küng in seiner Begeisterung über den neuen Papst kaum noch zu bändigen. Beide Stimmen übrigens auf Cicero online, doch nur ein Text wurde auf kath.net verlinkt. Ein kleiner Tipp: Küng war es nicht.

Teufel hin, Sperrholzaltar her, was diesen Menschen auf dem Stuhl Petri bisher auszeichnet, ist sein integratives Potential. Nicht er als Kirchenoberhaupt teilt die Welt in katholisch und nicht-katholisch ein, sondern die Nicht-Katholiken wie die Katholiken beschäftigen sich mit ihm. Über den Namen des Jesuiten Franziskus setzen sich die Menschen wieder mit der einfachen Botschaft unseres Herrn Jesus Christus auseinander. Und das ist wunderbar.

Es ist spannend zu beobachten, von wo aus er angefeindet wird. Zum einen von linksaußen und zum anderen von rechtsinnen, von eher linksorientierten Stimmen außerhalb der Kirche und von rechtskatholischer Seite. Erstere fürchten einen Wolf im Schafspelz, letztere einen Reformrambo im Abrisswahn.

Die Kritiker von außen führen vor allem seine Vergangenheit während der Militärdiktatur in Argentinien ins Feld, dann noch seine Aussagen zur Homosexualität. Zu beiden Fragestellungen möchte ich mich hier aber erst einmal nicht äußern, dazu wird es sicherlich in den nächsten Monaten noch viele Informationen geben, die dann zu bewerten sein werden.

Als Katholik interessiert mich natürlich die innerkatholische Kritik besonders. Und hier sind es dann auch die üblichen Verdächtigen, die mit den Zeichen, die Franziskus bisher setzte, so gar nichts anfangen können. Angefangen bei Sedisvakantisten, über die Piusbrüder und deren Sympathisanten und anderen Gruppen am rechten Rand der Kirche. Das Bindeglied zum gemäßigteren Spektrum im konservativen Lager bildet zur Zeit kath.net samt allen Baddes, Matusseks und Kisslers, die Franziskus als Klon des alten Papstes darstellen wollen und so erst einmal beruhigend wirken. Doch die Panik scheint groß, im traditionalistischen Lagen.

Und wenn man einmal einen genaueren Blick auf diese katholische Subkultur wirft, dann erhält man vielleicht auch den Ansatz einer Antwort darauf, weshalb Benedikt in diesen Kreisen sehr verehrt wurde und man Franziskus eher kritisch beäugt.

Benedikt bediente bei diesen Menschen den Hang zur Verehrung der Kirche als mittelalterlichen Hofstaat. Der Papst als Stellvertreter Christi auf Erden, hoch oben auf dem Thron mit prachtvollen Gewändern und absoluter Macht ausgestattet. Christkönig, das ist das Fest, das die Vorstellung wohl am besten auf den Punkt bringt. Dementsprechend präsentiert man sich als romtreuer Katholik gerne als Knappe, Ritter oder auch Kämpfer für das Gute. Und wo das Gute ist, da ist auch das Böse nicht weit. Die ecclesia militans ist dann auch ein Begriff, den man dort sehr oft antrifft. Exorzisten werden verehrt, wie alles Militärische und Martialische. Speere, Schilder, Kreuzritter, Schwerter, Rüstungen, Wappen, allgegenwärtig kann man sie auf so manch einem katholischen Blog bewundern. Geharnischte Kämpfer ziehen auf Schlachtrössern oder mittelalterlichen Kriegsschiffen gegen das Böse.

So bewundert man auf Elsas Nachtbrevier die deutschen Truppen im Auslandseinsatz, TEMPLARII zieht mit dem Schwert der Wahrheit in eine „Reconquista der europäischen Kultur“ und allgegenwärtig ist das Plakat „The catholic priesthood“, das einen gutaussehenden Priester in Soutane mit Kreuz und Rosenkranz im Stile des Actionhelden Neo zeigt.

Diese wenigen Beispiele sollen genügen, um zu zeigen, wie sehr man sich in diesem Milieu doch im Kampf gegen das Böse wägt, das man vor allem in der Bedrohung durch den Islam, im Modernismus und dem Atheismus sieht, innerkirchlich dann aber auch bei den reformorientierten Katholiken. Gerne verwendet man in diesem Zusammenhang dann das Bild vom Rauch des Satans, der durch einen Riss im Gemäuer in die Kirche dringt. Ein Bild von einer Burg, die droht eingenommen zu werden. 

Über soziale Medien stehen viele alte Bekannte des erzkonservativen und rechtskatholischen Spektrums miteinander in Verbindung, so z.B. Robert Ketelhohn, Betreiber des traditionalistischen Forums kreuzgang.org, kath.net-Gastautorin Barbara Wenz, Historiker Michael Hesemann, Gloria.tv-Nachrichtensprecherin Eva Doppelbauer, Junge Freiheit-Chefredakteur Dieter Stein und Querfrontler Jürgen Elsässer.

Bewusst oder unbewusst, Benedikt XVI befeuerte diese katholische Subkultur. Mit seinem Privatsekretär, Georg Gänswein, der in diesen Kreisen natürlich schon als Georg der Drachentöter  gilt, stand ein Mann an der Seite des ehemaligen Papstes, der sich bestens ins heroische Profil eines wahren Gotteskämpfers einfügt. (Update: Ein lesenswerter Artikel zum militaristischen Heroismus in der katholischen Kirche der NS-Zeit auf Süddeutsche.de)

So verwundert es dann auch nicht, dass das Bischofswappen Georg Gänsweins zum Renner im rechtskatholischen Lager wurde. Ein Drache, der die Kirche angreift und dabei von einer Lanze getötet wird. Manch einer  war von der transportierten Symbolik, vor allem aber vom neuen Bischof selbst, geradezu berauscht.

Aber vielleicht liegt genau hier der Kern des Problems und die Antwort auf obige Fragen. Das Wappen zeigt hier die Kirche, symbolisiert durch Elemente des Wappens Benedikt XVI, und gegenüber, scharf abgetrennt, die Welt des Drachens, der die Kirche bedroht. Diese Bedrohung muss bekämpft werden, ein tödlicher Kampf. Kein Wunder, dass man in der Vergangenheit wieder massiv auf Exorzisten setzte, die wahren Kämpfer gegen die Bedrohung der Kirche durch Satan.

Der oberste dieser Zunft führte heute auf beeindruckende Weise vor, was in den Hirnwindungen solcher Menschen los ist. Wilde Verschwörungstheorien um Freimaurerei und Mord innerhalb des Vatikans sprechen eine eindeutige Sprache.

Nun sprach auch Franziskus gleich zu Beginn seines Pontifikats vom Teufel, den man als Kirche anbete, wenn man sich nicht zu Jesus Christus bekenne. Doch warum auch immer, es hat eine andere Dimension, wenn es der neue Bischof von Rom sagt. Hier befürchtet kaum jemand einen Rückfall ins Mittelalter. Und zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass er diese Aussage explizit auf die Kirche bezieht.

Sein Wappen ist im Übrigen nicht zweigeteilt. Eine Sonne, die das jesuitische Christusmomogramm enthält, leuchtet über dem Symbol von Maria und Joseph. Gott kommt in diesem Jesus von Nazareth in die Welt, zu den Menschen, zuerst zu seiner Familie, dann zur ganzen Welt, der Nardenzweig symbolisiert die ganze Weltkirche, dessen Patron Joseph ist. Das Kreuz und die drei Nägel, sie stehen im Jesuitenorden für das Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit, fehlen natürlich nicht.

Es ist genau das, was auch mich mit vielen anderen hoffen lässt, dass die Kirche mit Franziskus auf einem guten Weg in die Welt ist, statt sich von ihr abzugrenzen. Die Welt braucht die Kirche, wenn auch eine entweltlichte Kirche, ohne Prunk und Protz. Nur so kann sie wieder mit ihrer zentralen Botschaft von diesem Zimmermann aus Nazareth angenommen und ernst genommen werden. Dazu bedarf es keiner hochtrabenden Theologie, keiner dualistisch-gnostischen Schwarzweiß-Metaphorik oder platonischen Ideenlehren, dazu bedarf es einfach eines Mannes, der seinen Mitbrüdern die Einfachheit der christlichen Botschaft vorlebt, eine Botschaft, die auch Jesus zuerst einmal an die Armen und Ausgestoßenen richtete, um mit ihnen zusammen das beginnende Gottesreich zu feiern. Eine radikale Liebesbotschaft, die die Mächtigen veranlasste, ihn ans Kreuz zu schlagen, so dass dieses Kreuz zum Symbol für die radikale Liebe Gottes zu den Menschen werden konnte.

9 Kommentare 22.3.13 20:46, kommentieren

franziskanische Wirkmechanismen

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Die Wirkung, die vom neuen Papst in die katholische Welt hinein ausgeht, ist schon beachtlich. Und das, obwohl er bisher weder Enzykliken heraus gebracht hat noch von seiner Autorität als Kirchenoberhaupt Gebrauch machte. Franziskus orientiert sich einfach an seinem Namenspatron und wie dieser an der Lehre und dem Leben des Jesus von Nazareth.
 
Unbedrängt äußerte sich jetzt der Apostolischer Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, über das Frauenpriestertum und den Zölibat. So weist er zurecht darauf hin, dass der Zölibat kein Dogma, sondern nur eine Tradition der Kirche sei, die "man nicht ohne die Zustimmung der Bischöfe ändern" könnte.
 
Anders verhalte es sich in der Frage nach der Weihe von Frauen zu Priestern "Das gehört zum Dogma. Wer über Frauenpriester redet, der spricht ins Nichts."
 
Nun wundert man sich ein wenig über diese Aussagen, da sich die meisten Theologen bis hin zum ehemaligen Kardinal Ratzinger darüber einig sind, dass der Ausschluss von Frauen vom Priesteramt zwar vom Lehramt definitiv vorgetragen aber eben nicht dogmatisiert wurde. 
 
„Der Papst (setzt) keine neue dogmatische Formel.... sondern (bekräftigt) eine Gewißheit.... die in der Kirche beständig gelebt und festgehalten wurde... Es handelt sich um einen Akt des ordentlichen Lehramtes des Papstes, nicht um eine feierliche Definition ,ex cathedra‘, auch wenn inhaltlich dabei eine als definitiv zu betrachtende Lehre vorgelegt wird. Mit anderen Worten: Eine in der Kirche schon existierende, nun aber in Zweifel gezogene Gewißheit wird mit der Autorität des Papstes explizit als solche bestätigt...“ (Kardinal Ratzinger in: Communio. 24. Jhg. 1995. S. 337-345. hier: 343).
 
Andere kritisieren, dass Johannes Paul II sich vor seiner Entscheidung gerade nicht die Zustimmung der Bischöfe eingeholt habe, was für die Formulierung einer unfehlbaren Lehre hätte geschehen müssen!  So auch der US-Dogmatiker Francis A. Sullivan: „Es muß klar und deutlich festgestellt werden, daß die Tradition unverändert vertreten wurde, und daß die Bischöfe insgesamt sogar heute dieselbe Lehre als endgültig zu halten lehren.“
 
Dass der Nuntius hier ein wenig ins Schwimmer geraten ist, verwundert nicht, machte er doch im letzten Jahr noch mit dem Besuch einer Veranstaltung des erzkonservativen Netzwerks katholischer Priester, dem auch der kreuz.net-Autor Henrick Jolie angehörte, von sich reden. Man kann nur staunen, wie weitreichend und wirkstark die kleinen Impulse des neuen Papstes sind...

27.3.13 13:17, kommentieren