Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Gedanken zur Rolle der Frau in der Kirche

Papst Franziskus stellt heute bei seiner zweiten Generalaudienz die besondere Rolle der Frauen bei der Verkündigung der Auferstehung heraus. Obwohl man ihrem Zeugnis vor 2000 Jahren keine Bedeutung beimaß, wählte Gott die Frauen für die erste Verkündigung aus. Das sei ein Beweis dafür, dass die Auferstehung ein historisches Ereignis ist, da man ansonsten sicherlich keine Frauen als Zeugen ausgewählt hätte.

Die Frauen werden von der Liebe angetrieben und sie wissen diese Botschaft mit Glauben anzunehmen: Sie glauben und sie geben die Botschaft sofort weiter, sie behalten sie nicht für sich – sie geben sie weiter. [...] In den Evangelien [...] haben die Frauen eine Hauptrolle, eine fundamentale Rolle. [...] Für Gott zählt das Herz, wie offen wir für ihn sind, ob wir wie Kinder sind, die vertrauen. Aber das lässt uns auch darüber nachdenken, wie die Frauen in der Kirche und auf dem Weg des Glaubens eine besondere Rolle dabei hatten und haben, dem Herrn die Türen zu öffnen, ihm zu folgen und sein Antlitz zu verkünden, denn der Blick des Glaubens braucht immer einen einfachen Blick voll tiefer Liebe. Die Apostel und die Jünger haben Mühe zu glauben, die Frauen nicht.

Es stellt sich die Frage, ob diese Feststellung Konsequenzen für die Rolle der Frau in der Kirche haben könnte!?

8 Kommentare 3.4.13 13:41, kommentieren

Raus in die Randgebiete!

Papst Franziskus begeistert mich von Tag zu Tag mehr. Mit einfachen aber glühenden Worten bringt er den Kern des christlichen Glaubens auf den Punkt. Dabei grenzt er sich nicht von der Welt ab oder distanziert sich von ihr, vielmehr ruft er die Gläubigen, vor allem die Priester, dazu auf, in die Welt zu gehen, um dort heilsam zu wirken. Dieser Weg in die Welt müsse bis in die Randgebiete gehen, ein Begriff, den er in seiner kurzen Predigt vier Mal wiederholt. Der Christ gehört in die Welt, dort hat er zu wirken, das ist wahre Nachfolge auf den Spuren des Herrn.

So müssen wir hinausgehen, um unsere Salbung zu erproben, ihre Macht und ihre erlösende Wirksamkeit: in den „Randgebieten“, wo Leiden herrscht, Blutvergießen; Blindheit, die sich danach sehnt zu sehen, wo es Gefangene so vieler schlechter Herren gibt. Es ist eben gerade nicht in den Selbsterfahrungen oder in den wiederholten Introspektionen, dass wir dem Herrn begegnen: Selbsthilfekurse können im Leben nützlich sein, doch ein Leben, das von einem Kurs zum anderen, von einer Methode zur anderen geht, führt dazu, Pelagianer zu werden, die Macht der Gnade herunterzuspielen, die in dem Maß aktiv wird und wächst, in dem wir gläubig hinausgehen, um uns selbst zu verschenken und den anderen das Evangelium zu geben, das bisschen Salbung, das wir besitzen, denen zu schenken, die absolut gar nichts haben.

Wie sehr er in diesen Worten doch auch die Randgebiete der westlichen Industrienationen im Blick hat, wo der Glaube zu erodieren scheint. Selbsterfahrungsgruppen, Meditationen, Yoga und Buddhismus boomen wie selten zuvor. Ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr die Menschen auch hier auf der Suche nach Spiritualität und Sinnhaftigkeit sind. Und Franziskus glüht für das christliche Angebot und man traut ihm zu, dass er es so formuliert, dass die Menschen ihm zuhören: Ohne die Gnade Gottes finden wir Menschen keine Erlösung, wir können sie nicht alleine bewerkstelligen. Doch diese Gnade schenkt uns Gott ohne jede Bedingung. Wir sind entlastet davon sie erarbeiten zu müssen. Wir können sie im Vertauen auf Gott weiter verschenken und so wahre menschliche Gemeinschaft schaffen. Menschliches Leben erfüllt sich nicht in Selbstbetrachtungen, sondern in der Gemeinschaft mit anderen.

31 Kommentare 4.4.13 12:18, kommentieren

Zur Selbsterlösung des Menschen

Weil es zur Diskussion unter meinem letzten Beitrag so schön passt, hier ein Link zur Sendung von Richard David Precht. Im Gespräch mit der Schriftstellerin Juli Zeh geht es um die Selbstvervollkommnung und auch Selbsterlösung des Menschen in unserer modernen Gesellschaft. Sehr empfehlenswert!!

10.4.13 08:41, kommentieren

Diskontinuierliche Gedankengänge

Während kath.net seit der Wahl Papst Franziskus einen sehr gemäßigten Kurs fährt, sicherheitshalber gar den für den Erfolg der Seite lebensnotwendigen Kommentarbereich deaktivierte, etablierten sich andere Portale als Ventil aufgestauten Frustes. Eines davon nennt sich katholisches.info, die Betreiber fühlen sich dem tridentinischen Ritus verbunden und eine Nähe zur Piusbruderschaft scheint offensichtlich. Was im wiedereröffneten Kommentarbereich von kath.net nur langsam zum Vorschein tritt, hier arbeitet man sich gerade an der von Franziskus fußgewaschenen Muslima ab, ist auf katholisches.info vom ersten Tag des Pontifikates deutlich formuliert worden: Man traut dem neuen Pontifex nicht so recht über den Weg. In seinem Wappen erkannte man gleich das satanistische Pentagramm und darin eine Affinität zur verhassten Freimaurerei und zum Kommunismus, also gleich die ganz großen Geschütze.

Wie verblendet diese Traditionalisten argumentieren, wird in einem aktuellen Beitrag deutlich, in dem mit bangem Blick auf eine bereits begonnene Kurienreform, die eigentlich eine Kirchenreform sei, geschaut wird. Strategisches Mittel des Textes von Giuseppe Nardi ist die Gegenüberstellung und Abgrenzung des traditionsverbundenen Benedikts vom reformversessenen Franziskus.

Gleich zu Beginn bedient man sich allerdings eines Vokabulars, das diese Strategie als zum Scheitern verurteilte entlarvt: „Die Entschlossenheit des Papstes zu „reformieren“ wird aus seinen ersten Entscheidungen deutlich, die unübersehbar eine Diskontinuität zum Ausdruck bringen“. Die maßstabsetzenden Begriffe „Hermeneutik der Diskontinuität“ und „Hermeneutik der Reform“, die Benedikt in seiner Weihnachtsansprache 2005 vor dem Kardinalskollegium in Bezug auf den Umgang mit den Texten des Zweiten Vatikanums prägte, klingen hier deutlich an. Doch bereits in diesem Satz wird klar, dass der Autor dem Gedankengang Benedikts nicht folgen kann, da eine Reform nach dem Verständnis des damaligen Papstes durchaus eine Diskontinuität bzw. einen Bruch mit Vergangenem in sich tragen kann. „Es ist klar, daß in all diesen Bereichen [Verhältnis von Kirche und Staat, Naturwissenschaft und Glaube, Kirche und anderen Religionen], die in ihrer Gesamtheit ein und dasselbe Problem darstellen, eine Art Diskontinuität entstehen konnte und daß in gewissem Sinne tatsächlich eine Diskontinuität aufgetreten war.“

Diese Brüche und Diskontinuitäten beträfen aber niemals den Ursprung und Kern des Glaubens, sondern nur das in der Geschichte sich Verändernde, das daraus erwachse. „So können die grundsätzlichen Entscheidungen ihre Gültigkeit behalten, während die Art ihrer Anwendung auf neue Zusammenhänge sich ändern kann.“ So bleibe die Kirche im Kern immer dieselbe, so dass eine Hermeneutik der Reform auf verschiedenen Ebenen beides sei, Diskontinuität und Kontinuität. „Das Zweite Vatikanische Konzil hat durch die Neubestimmung des Verhältnisses zwischen dem Glauben der Kirche und bestimmten Grundelementen des modernen Denkens einige in der Vergangenheit gefällte Entscheidungen neu überdacht oder auch korrigiert, aber trotz dieser scheinbaren Diskontinuität hat sie ihre wahre Natur und ihre Identität bewahrt und vertieft.“

Nardi aber verfängt sich zu der Aussage: „Seine [sic] [Benedikts] antiprogressiver Widerstand, den er in seiner Hermeneutik der Kontinuität formulierte, bestand nicht zuletzt auch darin, das Verständnis für die Bedeutung, die Zentralität und die Sakralität der Liturgie zu stärken.“ So überschlagen sich die Paradoxien in Nardis Ausführungen dann auch, wenn er den falsch verstanden Ratzinger gegen Franziskus ins Felde führt. „Damit tritt ein paradox anmutender Gegensatz zu seinem Vorgänger auf. Joseph Kardinal Ratzinger eilte der von bestimmten Teilen der Kirche und Medien sorgsam aufgebaute Ruf voraus, ein „Panzerkardinal“ zu sein. Als Papst zeigte er jedoch eine gewisse Entscheidungsscheu, weil seinem Kirchenverständnis nichts mehr ein Gräuel war als ein Bruch. Er setzte auf Kontinuität und hielt Kontinuität für ein essentielles Merkmal für ein gedeihliches kirchliches Leben.“ Schon vor dem Hintergrund des Rücktritts Benedikts eine gewagte Hypothese, in Bezug auf das oben Angeführte aber völliger Unsinn.

Wirklich lustig aber ist auch das, was die Traditionalisten bei Franziskus dann fürchten: „Der Papst behält das Heft des Handelns in der Hand und zwar ganz allein. […] Mit der Kollegialität kontrastiert aber sein entschlossenes Handeln als alleinentscheidender Papst. Es besteht kein Zweifel, daß Franziskus seine Entscheidungen alleine trifft und dabei nicht zögert.“

Man glaubt es kaum, aber da wird eine unglaubliche Angst vor einem alleinherrschenden Papst als monarchisches Kirchenoberhaupt sichtbar! Kaum zu fassen! Man spricht sich indirekt sogar für mehr Kollegialität aus, weil man befürchtet, dass die Kurie entmachtet werden könnte. Halleluja!

Scheinbar ist man der Vorstellung verhaftet, dass ein Papst kontrolliert werden muss: „Wird die Kongregation [für die Glaubenslehre] auch weiterhin eine präventive Überprüfung der Texte von Papst Franziskus durchführen, wie dies bei den bisherigen Päpsten der Fall war?“, fragt man besorgt, sieht man doch schon erste Haarrisse, die sich zu schwerwiegenden Brüchen auswachsen könnten! „Und wird er sich an die Obergrenze von höchstens 120 Papstwählern halten, die seit einem halben Jahrhundert gilt?“ Kontinuität!

Sehr bedenklich auch, dass Franziskus nicht wie von Benedikt geplant einen dominikanischen Ordensmann zum neuen Sekretär der Ordenskongregation gemacht hat, der „mit dem Brandherd der rebellischen US-Ordensfrauen“ umzugehen hat. Diskontinuität!

„Progressive Kreise drängen schon lange, das Heiligsprechungsverfahren von Oscar Arnulfo Romero, des Erzbischofs von San Salvador zu Ende zu führen. Ein Verfahren, das nicht nur einfach liegengeblieben ist, sondern von der Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger, dann auch als Papst Benedikt XVI. blockiert wurde.“ Diskontinuität!

Zum Glück gehören Personalentscheidungen und Zahlenverhältnisse in Entscheidungsgremien und Heiligsprechungsverfahren nicht zum Kern unseres Glaubens, man müsste die Kirche glatt verlassen, wenn dem so wäre ;-) Aber Nardis Ausführungen machen auf eindrückliche Weise klar, wie sehr sich die Tradis im Schockzustand befinden, der den gottgegebenen Verstand dann auch schon einmal ausschaltet. Ja , es gibt eine Kontinuität zwischen Benedikt und Franziskus, da wo sie angebracht ist, in den wesentlichen Bestandteilen unseres Glaubens. Das, was Benedikt theologisch vorbereitet hat, die Hermeneutik der Reform, das wird Franziskus nun hoffentlich auch in der Kirche umsetzen, gegen alle Widerstände der sich an der Macht in Rom nährenden Vasallenfürsten und zugunsten der Armen und Entrechteten.

1 Kommentar 11.4.13 11:38, kommentieren

Buchtip

Hermann Häring: Versuchung Fundamentalismus. Glaube und Vernunft in einer säkularen Gesellschaft.


Gütersloher Verlagshaus, München 2013, 176 Seiten, 17,99 Euro

 

"Man will Gott und dessen Wahrheit die Ehre geben und erreicht das Gegenteil aller guten Absicht, denn der Gepriesene wird zum rechthaberischen und gewalttätigen Gott. [...]

Sinn- und Orientierungsfragen der Menschen sind ja nicht verschwunden. Wir leiden an der Säkularisierung doch nur deshalb, weil wir ihre religiöse Tendenz nicht verstanden haben: dass das Heil im Sinne der christlichen Tradition auf die Verwirklichung säkularer Werte angelegt ist - Menschenrechte, Ehrfurcht vor dem Leben, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit. Nicht meiner weißen Weste sollte meine Leidenschaft gelten, sondern einer in sich versöhnten Menschheit!"

Buchkritik hier

14.4.13 09:01, kommentieren

Buchtip II

Papst Franziskus: Mein Leben. Mein Weg. Gespräche mit Sergio Rubin und Francesca Ambrogetti.            

Herder, Freiburg 2012, 223 Seiten, 19,99 Euro

 

"Wir lassen eine reiche Katechese mit den Geheimnissen des Glaubens, das Credo, beiseite und fokussieren uns schließlich auf Fragen wie die, ob es sinnvoll ist, an einem Protestmarsch gegen einen Gesetzesentwurf teilzunehmen, der den Gebrauch von Präservativen erlaubt."

"Aber gesetzt den Fall, die Kirche entschließt sich, diese Norm [den Zölibat] zu revidieren, dann, glaube ich, wird sie es nicht wegen des Priestermangels tun."

 

Dazu vergangene Gedanken ...

5 Kommentare 14.4.13 19:42, kommentieren

Diskontinuierliche Gedankengänge II

Paul Badde stimmt in den Tenor der Ausführungen von Giuseppe Nardi (s.u.) ein, wenn er schreibt:

"Benedikt XVI. war scheu, egal, wie kraftvoll gregorianisch er zu singen wusste. Franziskus hat gegen ihn eine mehr hauchende Stimme, die ihm das Singen versagt – und strotzt vor Selbstbewusstsein. Mit dem Papstamt geht er vom ersten Tag an um wie ein stolzer Erbe, der aus dem Ausland zurück auf den Hof des Vaters kommt. Dass er sich unter das Papstamt und unter die Tradition stellt, kann keiner sagen. Er macht bisher damit, was er will. In den Apostolischen Palast will der bescheidene Mann erst gar nicht ziehen. Damit hat er nun zwei Residenzen, mit reichlich Mehrkosten und einem doppelt aufwendigen Sicherheitsapparat. Er liebt die Kollegialität, aber entscheidet doch völlig souverän."

Damit wird die Bescheidenheit und Demut Franziskus gegenüber der von Benedikt als Inszenierung entlarvt. Und wie Nardi empfindet auch Badde einen Widerspruch zwischen der Selbstbezeichnung "Bischof von Rom" und der darin enthaltenen Ausrichtung auf die Kollegialität der Bischöfe und dem souveränen Führungsstil des neuen Papstes. So wird es zum Abschluss dann auch recht oberlehrerhaft, wenn Badde schreibt:

"Benedikt XVI. war schon als Kardinal eine Ikone in Rom. Franziskus hingegen hat immer noch viele Gesichter. Mit sanfter Stimme ist er so autoritär wie keiner der neun Päpste der letzten hundert Jahre. Die "Brüder Kardinäle" haben ihn wohl genau aus diesem Grund so rasch mit überwältigender Mehrheit gewählt. Papst kann er. Es ist, als hätte das Amt geradezu auf ihn gewartet. Bischof von Rom zu sein, mit der reichsten Tradition aller Bischofssitze der Erde, muss er noch ein wenig üben. Er wird es sicher bald gelernt haben."

Auch wenn man sich bei kath.net noch im Griff hat, hier ist eine deutliche Nähe zu katholisches.info auszumachen. Die Nerven scheinen blank zu liegen...

9 Kommentare 16.4.13 08:24, kommentieren