Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Wenn wir den Geist Gottes als Zeitgeist verspotten

Franziskus thematisierte gestern in seiner Predigt  das Apostelkonzil, auf dem die Frage geklärt wurde, ob Heiden, wenn sie Christen werden wollten, zuvor beschnitten werden müssten und dann das Gesetz einhalten müssten. Die Urgemeinde in Jerusalem entschied sich gegen die Beschneidung und für eine gesetzesfreie Heidenmission. Das entscheidende Argument des Petrus lautete:

„Brüder, wie ihr wisst, hat Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen, dass die Heiden durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben gelangen sollen. Und Gott, der die Herzen kennt, bestätigte dies, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab. Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt. Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten? Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene.“

So tauften die frühen Christen mit der Formel: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus."

Warum glauben wir heute immer noch, Frauen, homosexuell veranlagten Menschen und wiederverheirateten Geschiedenen ein Joch auferlegen zu müssen, wenn Gott doch lange entschieden hat, weil auch diese Menschen im Glauben und in der Liebe leben?! Hier ist nicht der Zeitgeist am Werk, hier wirkt der Geist Gottes, von dem wir uns aber nicht so gerne in unserer Selbstzufriedenheit stören lassen, wie Franziskus es uns vor kurzem noch vor Augen führte.

„Denkt an Papst Johannes: er schien ein guter Pfarrer zu sein, und er gehorchte dem Heiligen Geist und hat das getan. Doch nach 50 Jahren – haben wir alles getan, was uns der Heilige Geist beim Konzil gesagt hat? In jener Kontinuität des Wachstums der Kirche, die das Konzil gewesen ist? Nein. Wir feiern diesen Jahrestag, wie setzen ein Denkmal, aber es darf uns ja nicht stören. Wir wollen keine Änderung. Mehr noch: es gibt Stimmen, die rückwärts gehen wollen. Das heißt es, halsstarrig zu sein, das heißt es, den Heiligen Geist zu zähmen, das heißt es, töricht und langsamen Herzens zu werden.“

3.5.13 10:13, kommentieren

Franziskus befreit die weiße Taube aus dem goldenen Käfig

Franziskus scheint dem Geist Gottes zu trauen, er kümmert sich wenig um vatikanische Konventionen und lässt sich wohl nur sehr schwer durch die Kurie kontrollieren. Vielleicht ist es genau das, was ihn so beliebt macht?!

Doch dieses Verhalten stößt wie selbstverständlich auf Kritik. So auch heute auf katholisches.info, wo sich Giuseppe Nardi in Anlehnung an den Vatikanisten Sandro Magister über "Risiken improvisierter Papst-Ansprachen" echauffiert.

"Die Irritationen schreibt er vor allem den „Risiken völlig improvisierter Predigten“ zu, die Papst Franziskus allmorgendlich in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses Domus Sanctae Martae zu halten pflegt. Die Risiken hätten vom ersten Tag an in der Luft gelegen. Am 24. April haben sie sich erstmals „entladen“, als der Papst die Taste „Vatikanbank“ drückte."

Ja, es kann ungemütlich werden, wenn man aus tiefem Glauben und Gottesvertrauen heraus die Dinge anspricht, die nicht in Ordnung sind. In einer freien prophetischen Rede schafft der Papst Raum für die Inspiration durch den heiligen Geist. Ohne Netz und doppelten Boden spricht er aus dem Herzen heraus. Das Ergebnis ist natürlich kein vatikanisch korrekter Kirchenjargon. Und das nervt den einen oder anderen in der Kurie.

Vor diesem Hintergrund wirken die Worte des Papstes zum Heiligen Geist noch einmal ganz anders:

„Um es klar zu sagen: der Heilige Geist stört uns, weil er uns in Bewegung versetzt, weil er uns gehen lässt, weil er die Kirche drängt, vorwärts zu gehen. Und wir sind wie Petrus bei der Verklärung: ‚Ah, wie schön ist es doch, so zu sein, alle zusammen!’ ... Aber stören, nein, das darf er nicht. Wir wollen, dass der Heilige Geist einschläft. Und das geht nicht. Denn er ist Gott, und er ist jener Wind, der geht und kommt, und du weißt nicht, woher. Er ist die Kraft Gottes, er ist der, der uns den Trost und die Kraft gibt, voranzugehen. Aber: voranzugehen! Und das stört: das Bequeme ist schöner.“

 

2 Kommentare 4.5.13 11:25, kommentieren

Bibelfälscher??

Das neue Buch von Klaus Berger, „Die Bibelfälscher“, wird aktuell auf kath.net beworben. Eine unkommentiert aneinander gereihte Abfolge von Zitaten soll dem Leser das Buch ans Herz legen. Dass diese Zitatensammlung mit dem kath.netschen Verständnis von Theologie und Kirche korrespondiert, versteht sich von selbst: Die moderne Bibelexegese mit ihrer historisch-kritischen Methode ist für den desolaten Zustand des Christentums in Europa verantwortlich, ihr kritischer Blick auf die Dokumente der Bibel hält zudem viele Männer davon ab, sich für das Priesteramt zu entscheiden. Berger wird folgerichtig mit dem provokativen Satz zitiert: „Die Exegese hat den Glauben verbrannt.“

Alle diejenigen, die „die geschlossene Ideologie des Fortschritts“ ablehnten, gemeint ist die historisch-kritische Exegese, erschienen demgegenüber „als erzkonservativ, als reaktionär, als 'rechts'“. Auf beeindruckende Weise kehrt Berger den Spieß der Kritik um, wenn er den Bibelwissenschaftlern erkenntnisdefizitäre Scheuklappen attestiert.

„Dabei hat die Frage, auf welcher Seite denn die Erkenntnisdefizite vorliegen, mit Konservativismus oder der politischen Rechts/links-Frage überhaupt nichts zu tun. Vielmehr geht es doch in jedem Falle um Kritik.“

Da möchte man Berger doch ausdrücklich zustimmen! Wenn er allerdings im folgenden Zitat auf den genauen Zeitpunkt des Beginns der Kirche zu sprechen kommt, wundert man sich dann doch ein wenig: „Dieser liegt vor Ostern, und zwar in der Einsetzung Petri zum Felsenfundament der Kirche und spätestens in der Einsetzung des Neuen Bundes beim Abendmahl.“ Völlig unkritisch werden hier offenbar die Ereignisse im Abendmahlssaal mit der Grundsteinlegung des Christentums gleichgesetzt, obwohl die historisch-kritische Bibelforschung nachgewiesen hat, dass sich die innerjüdische Jesusbewegung erst sehr langsam vom Judentum gelöst hat und eine neue Religionsgemeinschaft entstand. Jesus sitzt mit seinen engsten Vertrauten beim letzten Abendmahl. Diese Zwölf aber symbolisieren die zwölf Stämme Israels, an die er sich mit seiner frohen Botschaft vom beginnenden Reich Gottes wendet. Hier den Beginn der Kirche als christliche Religionsgemeinschaft zu verorten scheint mir dann schon eher einem „geschlossenen“ Denk-Systems geschuldet. Man fragt sich, warum die Frage, ob auch Heiden in diese Gemeinschaft mit aufgenommen werden können, ohne Beschneidung und ohne Einhaltung der Tora, zu einem der größten Konflikte der frühen Gemeinden wird?!

Ein weiterer Vorwurf an die „liberale Theologie“ identifiziert Berger im „typische[n] Kennzeichen von Fundamentalismus“, das „Unpassende“ zu entsorgen. Dabei entsorgt die moderne Bibelwissenschaft nichts, sondern sie versucht die alten Texte und ihre Aussage für heutiges Denken aufzuschließen, was etwas völlig anderes ist.

Theologen allerdings, die einem geschlossenen Deutungsmodell verhaftet sind, sind diejenigen, die das ihnen Unangenehme nicht zulassen. So kämpfen feministische Theologinnen seit vielen Jahrzehnten dafür, die entscheidende Bedeutung von Frauen in den frühen Gemeinden aus den in einer patriarchalen Welt entstanden Texten, in denen Frauen vielfach verschwinden, aufzuarbeiten. Dabei wird deutlich, dass es in den frühen Gemeinden eine Vielzahl von Frauen auch in Funktionsämtern gab.

Die Scheuklappentheologen haben jedoch kein Problem damit, diesen Frauen eine leitende Funktion in der Gemeinde abzusprechen, weil das so gar nicht in ihr geschlossenes System passt. So wird Phoebe, die Diakonin der Gemeinde von Kenchreä (Röm 16), zur Dienerin degradiert, aus der Apostelin Junia (ebd.) wird kurzerhand ein Mann gemacht, obwohl der männliche Name in der Antike nicht nachweisbar ist, und auch Maria Magdalena wird als erster Verkünderin und Zeugin der Auferstehung in jeder Diskussion um ein Weiheamt für Frauen übergangen.

Ja, Herr Berger, ein Buch über Bibelfälscher ist dringender den je! Zum Glück gibt es die moderne Bibelwissenschaft!

6.5.13 17:17, kommentieren

Eine traditionelle Lücke

Schwere Geschütze lässt kath.net auffahren, um die aktuelle Diskussion um ein Diakonen-Amt für Frauen, das nach dem Konklave von Kardinal Kasper und zuletzt von Erzbischof Zollitsch ins Gespräch gebracht wurde, schon im Keime zu ersticken. Mit dem Dogmatikprofessor Manfred Hauke greift man auf den Experten in Fragen der Frauenordination aus dem ablehnenden Lager der Theologen zurück.

In einem für kath.net-Verhältnisse sehr ausführlichen und anspruchsvollen Beitrag geht Hauke durch die Kirchengeschichte, um aufzuzeigen, dass es niemals ein dem männlichen Diakonenamt gleichgestelltes sakramentales Amt für Frauen gegeben hat.

Den ganzen Aufwand hätte man sich jedoch auch sparen können, weist die Argumentation doch einen erheblichen Mangel auf. So schreibt Hauke: „Die neutestamentlichen Hinweise eines weiblichen Dienstes für die kirchliche Gemeinschaft, die mitunter als Beleg für einen weiblichen Diakonat gedeutet werden (Röm 16,1; 1 Tim 3,11), bilden noch keine klar umrissene Institution.“

Zum einen kann man nicht davon ausgehen, dass der Römerbrief und der Timotheusbrief zeitlich nah beieinander liegen. Während man Haukes Aussage in Bezug auf den Römerbrief zustimmen kann, dort liegen noch keine fest umrissenen Ämter vor, ist dies eine Generation später, zur Zeit der Pastoralbriefe, schon ganz anders. Hier werden klare Anforderungsprofile für christliche Amtsträger wie den Bischof und den Diakon beschrieben. Und in 1 Tim 3,11 eben auch für die weibliche Diakonin. 

Zum anderen kann man die Entwicklung von den Aposteln über verschiedene Formen der Funktionsämter in den ersten Gemeinden bis hin zu einheitlicheren Ämtern im zweiten Jahrhundert in der neutestamentlichen Briefliteratur und in der Apostelgeschichte ganz gut nachverfolgen. Gemeinsam scheint allen Funktionsträgern, dass sie durch Handauflegung und Gebet in das Amt gehoben werden, zuerst durch die Apostel (Apg 6,6), dann durch die Gemeindeleiter.

Zur Zeit des Paulus aber gibt es eben noch keine einheitlichen Ämter, es gibt Älteste, Bischöfe, Propheten, Lehrer, Vorsteher, Diakone, Witwen etc. Die Bischöfe, die uns im Philipperbrief (1,1) begegnen, sind keineswegs mit dem späteren monarchischen Bischof als alleinigem Gemeindeleiter gleichzusetzen. Alleine schon, dass die Bischöfe in der philippischen Gemeinde im Plural auftreten, spricht für diese Schlussfolgerung. Es sind spezifisch philippische Funktionsträger, die es zu dieser Zeit in keiner anderen Gemeinde gibt, die deshalb auch nur diese eine Mal in den echten Paulusbriefen auftauchen.

Vor diesem Hintergrund macht es aber nun überhaupt keinen Sinn, die noch nicht „klar umrissene Institution“ gegen diese Ämter ins Feld zu führen. Es handelt sich um Zwischenstufen, Übergänge, die später zur Ausbildung des dreigliedrigen Amtes führen. Es handelt sich um Funktionsträger in den paulinischen Gemeinden, die durch Handauflegung in ihr Amt eingesetzt wurden (Apg 14,23). Dies gilt sicher auch für die Diakonin der Gemeinde von Kenchreä, die im Römerbrief genannt wird.

In einer Zeit, als die Christen noch glaubten, dass der Herr bald wiederkehren würde, machte man eben ernst mit dem, was in der Taufformel Gal 3,28 zum Ausdruck kommt. In der christlichen Gemeinde wird kein Unterschied mehr zwischen Frauen und Männern, Sklaven und Freien, Juden und Heiden gemacht, alle sind vor Gott gleich an Würde, alle sind eins in Christus. Deshalb werden sowohl Sklaven wie auch Frauen mit gemeindlichen Aufgaben betreut. Nur deshalb ist es im Übrigen auch den Heiden möglich, ein Amt in der Kirche zu übernehmen. Die Apostel waren allesamt beschnittene Juden!

Die Erfolgsgeschichte des Christentums konnte beginnen, sie breitete sich rasant im gesamten Mittelmeerraum aus. Leider gewinnen im Laufe der Jahrzehnte patriarchale Strukturen wieder die Oberhand, so dass auch die Diakonissen wieder zurückgedrängt werden und dann ganz verschwinden. Doch in der apostolischen Zeit blitzte für einige Jahrzehnte etwas auf, von dem wir uns heute leiten lassen sollten, ein gemeindliches Miteinander ohne Ansehen der Person, des Geschlechts und der Herkunft, in allen Bereichen der Gemeinde, auch in den Funktionsämtern! Das Traditionsargument gegen die Frauenordination weist in den frühen Gemeinden eine bedenkliche Lücke auf.

5 Kommentare 7.5.13 18:42, kommentieren

Alles aufs Spiel setzen!

Auf katholisches.info wird Papst Franziskus mal wieder angefeindet:

"Am 11. Oktober 2012 wurde an der UCA unter Anwesenheit des damaligen Erzbischofs von Buenos Aires, Kardinal Bergoglio, des Apostolischen Nuntius und des Päpstlichen Hauspredigers Pater Raniero Cantalamessa des 50. Jahrestages der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils gedacht. Obwohl das Gedenken ein zentrales Ereignis der jüngsten katholischen Kirchengeschichte betraf, fand es im Rahmen einer interreligiösen Feier statt. Im Rahmen dieser Feier wurde auf Anregung von Kardinal Bergoglio dem Rabbiner von Buenos Aires, Abraham Skorka, einem persönlichen Freund des damaligen Erzbischofs von Buenos Aires, mit dem der Kardinal 2010 ein Gesprächsbuch veröffentlicht hatte, die Ehrendoktorwürde der Universität verliehen. Rabbi Skorka ist ein Verfechter der Legalisierung der Homo-“Ehe“ in Argentinien."

Während der Gedenkfeier eines katholischen Ereignisses wird ein jüdischer Rabbi, der zu allem Überfluss auch noch für die Homo-Ehe ist, ausgezeichenet. Nach piusbrüderlichem Verständnis quasi eine dreifache Ungeheuerlichkeit. Doch diese wird vom Ausgezeichneten nochmals getoppt, indem er in seiner Dankesrede auf den Antijudaismus in der katholischen Kirchengeschichte aufmerksam macht, statt sich einfach brav zu bedanken.

"Am Ende der Rede applaudierten Rektor Fernandez, Kardinal Bergoglio, der anwesende Nuntius, Pater Cantalamessa und der heutige Erzbischof von Buenos Aires Mario Poli dem mit dem katholischen Ehrendoktorat ausgezeichneten Rabbiner."

Da wird die Kirche "angegriffen" und "die höchsten Vertreter der katholischen Kirche" lassen sich "vom höchsten Vertreter des Judentums im Land" ein solch "unwürdiges Schauspiel" bieten.

Vielleicht sollte man auf katholisches.info einmal einen Blick in das Buch "Über Himmel und Erde" werfen, in dem sich der damalige Kardinal Bergoglio mit dem ausgezeichneten Rabbiner Abraham Skorka unterhält, um zu lernen, was Dialog, Religionsfreiheit, Respekt und Achtung bedeuten?! Man könnte so einiges lernen.

So heißt es dort in Bezug auf den Holocaust und die Seligsprechung Pius XII aus dem Munde des heutigen Papstes: 

"Die Wahrheit muss das Ziel sein. Wenn man anfängt, die Wahrheit zu verbergen, eliminiert man damit die Bibel. Man glaubt dann zwar an Gott, aber nur bis hierher. Man setzt nicht alles aufs Spiel. Wir dürfen nicht vergessen, wir sind Sünder und können nicht aufhören, das zu sein, wenngleich auch wahr ist, dass Gott uns so liebt, wie wir sind, er liebt uns mit seiner Barmherzigkeit. Doch wenn ich nicht einräume, dass ich ein Sünder war, kommt seine Barmherzigkeit nicht zu mir, erreicht sie mich nicht. Man muss die Wahrheit herausbringen und in die Archive gehen."

Und wenn ich mir die islamophoben Artikel auf katholisches.info und auf so manchem katholischen Blog so anschaue, dann kann man mit Abraham Skorka nicht genug vor Hass und Vorurteilen innerhalb der katholischen Kirche warnen. Ich frage mich, wo Reaktionen der Kirchenführung bleiben, schließlich handelt es sich bei diesem Portal nicht wie bei kreuz.net, wo man sich ja auch nicht mit Ruhm bekleckert hat, um ein anonymes?! 

 

52 Kommentare 15.5.13 18:42, kommentieren

Die Gottesversteher

Manchmal kann es einem einfach nur noch schlecht werden, wenn man so manche Auslassung von Würdenträgern des konservativsten Flügels der Kirche liest. Zwei Beispiele liefert aktuell katholisches.info mit Bischof Thomas Joseph Tobin von Providence und dem Dominikaner Pater Giovanni Cavalcoli.

Ersterer maßt sich an, das Verhältnis Gottes zu einzelnen Menschen so genau zu kennen und bestimmen zu können, dass er eine Warnung vor dem Besuch einer auf Rhode Island nun erlaubten staatlichen Homo-Eheschließnug ausspricht: Die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung könne nämlich das „Verhältnis zu Gott schädigen“. Ich bin mir nicht sicher, ob es für Katholiken nicht viel schädlicher ist, sich vom Gottesbild dieses Mannes beeinflussen zu lassen?! Jesus jedenfalls hat sich nicht davor gescheut, den Menschen, die als unrein, ausgestoßen und sündhaft galten, zu begegnen und mit ihnen zu essen und zu feiern!

Das obige Beispiel kann der Dominikaner Cavalcoli jedoch noch toppen, wenn er uns sein Bild von Jesus Christus vor Augen führt, um zu verdeutlichen, dass Jesus - anders als die dialogisierenden Gutmenschen nach dem Zweiten Vatikanum - nicht dialogisiert, sondern hart mit seinen Feinden ins Gericht geht:

„Wenn wir aber das Vorbild Christ anschauen, sehen wir seine scharfen Streite mit Pharisäern, Schriftgelehrten und Priestern, mit härtesten Ausdrücken aus seinem Mund, mit denen er sie anklagt, den Teufel zum Vater zu haben, ihnen erklärte, daß sie in ihren Sünden sterben werden, er ihnen mit strengen göttlichen Strafen drohte, sie immer wieder der Heuchelei beschuldigte, des Geizes, der Lüge, der Untreue gegenüber Moses, an rein menschlichen Traditionen zu hängen, der Grausamkeit, der Ungerechtigkeit, der Frevel, des Mordes, der Glaubenslosigkeit und ihnen zwei harte Beschimpfungen entgegenschleuderte, wenn er sagte, sie sind „Natterngezüchte“ und „übertünchte  Gräber“ und noch anderes mehr.“

Ja, Jesus stritt mit den Pharisäern, den Schriftgelehrten, den Priestern. Mit all denen, die Gott für sich vereinnahmten, die genau wussten, wer Gott ist, was er will und wen er verurteilt. Selbst Petrus muss sich diese harten Worte anhören: Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Genau das sollte sich so mancher Würdenträger vielleicht einmal vor Augen führen. Mit den Armen, den Sündern, den Ausgestoßenen hegte Jesus diese harte Sprache nicht. Vielmehr war dieser sein Umgang mit an den Rand gedrängten Menschen der Stein des Anstoßes für die selbstgerechten Gotteskenner, die das mosaische Gesetz zu ihrem eigenen Wohl und Ansehen auslegten, um andere zu entwürdigen.

Jesus selbst stellte sich deshalb gegen manche dieser Gesetze (Sabbatgebot Mk 2,23ff, Ehescheidungspraxis Mk 10,4ff, Fastenpraxis Mk 2,18ff, Reinheitsgebote Mt 15,17f etc.). Ihm warf man „Untreue gegenüber Moses“ und Gotteslästerung vor! Doch genau damit entlarvte er die Gotteskenner als Selbstgerechte und Selbstverliebte, die die Liebe Gottes nicht zu den Menschen am Rande der Gesellschaft brachten.

Cavalcoli versucht uns einen Jesus zu präsentieren, der mit seinen Feinden hart ins Gericht geht, sie verurteilt und in die Hölle verbannt. Hat Jesus aber nicht vielmehr die Feindesliebe gefordert? Und geht er nicht vielmehr mit den selbstgerechten Gotteskennern hart ins Gericht?

17.5.13 10:26, kommentieren

Diakonissen in außerbiblischen Quellen

Ameleo hat auf ihrem Blog eine mit umfangreichen Links versehene Zusammenfassung rund um das Thema weibliches Diakonat erstellt. Dabei hat sie auch auf mein Blog verwiesen, wofür ich ihr recht herzlich danke. In der Auseinandersetzung mit der Thematik stieß ich auf zwei außerbiblische Dokumente, die ich hier noch kurz erwähnen möchte.

Beide entstanden im zweiten Jahrhundert und zeigen deutlich, welche herausragende Rolle Frauen in den Anfängen des Christentums spielten. Plinius der Jünger, seit 111 n.Chr.  außerordentlicher Statthalter der Provinz Bithynien und Pontus, fragt schriftlich bei seinem Kaiser nach, wie er mit den Chrsten in seinem Herrschaftsbereich umgehen solle. Dabei erwähnt er auch Diakonissen:

"Für um so notwendiger hielt ich es, aus zwei Sklavinnen, die Diakoninnen [ministrae] genannt werden, unter der Folter herauszubekommen, was wahr sei. Ich fand nichts anderes als einen wüsten, maßlosen Aberglauben. Deswegen ist die Untersuchung aufgeschoben worden und ich habe mich beeilt, Deinen Rat einzuholen."

Minucius Felix, ein christlicher Apologet des zweiten Jahrhunderts, dokumentierte ein Streitgespräch zwischen dem Christen Octavius Ianuarius und dem Heiden Caecilius Natalis. Letzterer sagt über die Christen folgendes:

"Es sind das Leute, welche aus der untersten Hefe des Volkes unwissende und leichtgläubige Weiber, die ja schon wegen der Schwäche ihres Geschlechts leicht zu gewinnen sind, sammeln und eine ruchlose Verschwörerbande bilden. Sie verbrüdert sich in nächtlichen Zusammenkünften und bei feierlichem Fasten und unmenschlichen Gelagen nicht etwa durch eine heilige Zeremonie, sondern durch ein unsühnbares Verbrechen, ein duckmäuseriges und lichtscheues Volk, stumm in der Öffentlichkeit, nur in den Winkeln gesprächig. Die Tempel verachten sie als Grabmäler, die Götter verfehmen sie, über die Opfer lachen sie. Sie bemitleiden, selbst bemitleidenswert, wenn man so sagen darf, die Priester, verschmähen Ehrenstellen und Purpurkleider, obwohl sie selbst fast nicht fähig sind, ihre Blöße zu decken. Welch merkwürdige Torheit und unglaubliche Keckheit! Sie machen sich nichts aus gegenwärtigen Martern, während sie ungewisse in der Zukunft fürchten. Sie sterben auf Erden ohne Furcht, fürchten aber einen Tod nach dem Tode. So täuscht sie eine Hoffnung hinweg über die Angst und beschwichtigt sie durch den Trostblick auf ein neues Leben... Sie erkennen sich an geheimen Merkmalen und Zeichen und lieben sich gegenseitig fast, bevor sie sich kennen. Allenthalben üben sie auch unter sich sozusagen eine Art von Sinnlichkeitskult; unterschiedslos nennen sie sich Brüder und Schwestern: so wird sogar die gewöhnliche Unzucht durch diesen heiligen Namen zur Blutschande. So prahlt ihr gehalt- und sinnloser Aberglaube noch mit Schandtaten."

Hier wird noch einmal deutlich, dass es vor allem die Menschen am Rande der Gesellschaft und Frauen waren, bei denen die christliche Botschaft auf fruchtbaren Boden fiel, Sklaven, Arme und Benachteiligte. In der neuen Gemeinschaft waren sie mit allen anderen gleichgestellt und konnten leitende Aufgaben übernehmen.

So sind es auch im heidenchristlichen Bereich genau die Menschen, mit denen auch Jesus sich umgab, die ein offenes Ohr für die Botschaft vom beginnenden Reich Gottes hatten. Oder wie Martha Zechmeister formuliert:

"Begonnen hat alles mit einer „Jugendrevolte”, mit einem jugendlichen Aufbegehren in einer vergreisten Religion, die ihr lebendiges Herz in  Vorschriften, Äußerlichkeiten und Machthierarchien verloren hatte. Die Kirche verdankt sich einem Befreiungsschlag in einem religiösen System, das mit den politisch Mächtigen paktierte, ohne sich in Wahrheit um jene zu scheren, die von diesen wirtschaftlich ausgebeutet und sozial marginalisiert wurden. Jesus hat seine eigene Religion, das Judentum, mit prophetischer Klarheit und kraftvoller Autorität an seine eigenen Ursprünge erinnert: an die Erfahrung des Gottes, der aus der Sklaverei herausführt und der keine Götter an seiner Seite duldet, die Herrschaft und Unterdrückung legitimieren." 

Wie wahr und wie aktuell...

8 Kommentare 18.5.13 11:47, kommentieren