Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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lustige Judenwitze

So, jetzt habe ich mich doch dazu durchgerungen, zwei kurze Gedanken zu den vermeintlichen Vorkommnissen  im Würzburger Priesterseminar abzugeben. Nein, ich hab keine Ahnung, was an den Vorwürfen dran ist. Und ja, ich kann mir durchaus vorstellen, dass hier etwas aufgebauscht wird. Vielleicht ist es aber auch schlimmer, ich weiß es wie gesagt nicht.

Trotzdem zwei grundsätzliche Gedanken! Ein Priesteramtskandidat, der Judenwitze in Zusammenhang mit KZ, Drittes Reich und SS erzählt, Witze also, die "menschenverachtenden Charakter" haben, der weist wohl tatsächlich nicht die Reife auf, den Beruf des Priesters zu ergreifen. Alleine die Tatsache, dass Jesus ein Jude war, unterstreicht die Dummheit dieses wahrscheinlich sehr jungen und unerfahrenen Mannes. Vielleicht sollte man grundsätzlich auf ein Mindestalter im Priesterseminar setzen. Junge Bübchen, die nichts vom Leben wissen und ihre Identität noch auf Frei.Wild-Konzerten suchen, werden wohl nur schwerlich zu einem guten Priester heranreifen.

Und wenn man dann einmal die Gegenreaktionen zu der Meldung auf den einschlägigen katholischen Blogs betrachtet (hier oder hier oder hier), dann belegen diese Geschmacklosigkeiten, dass diese Dummheit, die der Nährboden für Antisemitismus ist, nicht nur bei unreifen Bübchen sein Unwesen treibt. Hier gilt es achtsam zu sein und die Dinge beim Namen zu nennen.

13 Kommentare 1.6.13 11:31, kommentieren

von schwarzen und weißen Schäfchen

In einem Text über die katholische Kirche in den USA kann man wieder einmal Informationen über das Weltbild der Macher von katholisches.info erhalten. So heißt es dort:

"Derzeit wächst die katholische Kirche in den USA durch die Einwanderung aus katholischen Ländern Lateinamerikas. Gleichzeitig treten damit neue ethnische Bruchlinien auf. Es werden deutliche Unterschiede zwischen weißen Katholiken und lateinamerikanischen Katholiken sichtbar. Letztere stellen sozialpolitische Interessen, die von Obamas Demokratischer Partei stärker bedient werden, vor moral-ethische Fragen.

Auch hier ergeben sich neue Herausforderungen für die Bischöfe, diese Neueinwanderer in das kirchliche Gefüge einzubinden und ihr Verantwortungsbewußtsein zu sensibilisieren."

Da haben Menschen aus ärmeren Ländern doch tatsächlich sozialpolitische Interessen?! Und zu allem Überfluss stellen sie diese auch noch über manche moralisch-ethische Frage. Man glaubet es kaum. Anstatt für eine gerechtere Welt zu streiten, so wird hier wohl indirekt empfohlen, sollten sich diese Menschen besser für die katholische Sexualmoral einsetzen?!

Schlimmer aber ist die vom Autor vorgenommene Unterscheidung zwischen "weißen" Katholiken und "lateinamerikanischen" bei entsprechender Zuordnung von moralisch-ethisch und sozialpolitisch. In manchem Kopf geht es wohl nur schwarz und weiß?!

Dem Ganzen wird aber noch die Krone aufgesetzt, indem von den us-amerikanischen Bischöfen gefordert wird, diese Lateinamerikaner in das "kirchliche Gefüge einzubinden" und das wohl fehlende "Verantwortungsbewusstsein" dieser Menschen zu "sensibilisieren". Gehören die lateinamerikanischen Katholiken nicht sowieso zur Kirche? Müssen sie sich von US-Katholiken bevormunden lassen?

Was haben solche Gedanken mit dem Katholischen zu tun. Unterscheiden wir katholische Christen nach Hautfarbe oder Herkunft? Das wäre mir neu!

3 Kommentare 3.6.13 15:48, kommentieren

Auf in den Kulturkampf

Die Kreuzritter sind wieder verstärkt unterwegs (ein paar ritterliche Bilder aus katholischen Blogs: hier, hier oder moderner bewaffnet auch hier)! In der rechten Hand die scharfe Klinge, das Vokabular voller spitzer Borniertheit, so reiten Sie wieder gegen das Böse an, gegen Islam, Homosexualität und die linksgrüne Gender-Ideologie. Ihre bevorzugte  Sprache ist Latein, gerade auch in der Messe, ihr Ideal der Zölibat und mehr, Gottes Krieger in neuem Licht. Wer befreit sie nur von ihrem Wahn, dass Hass, einseitige Schwarzweiß-Malerei und verbale Gewalt in eine friedliche und christliche Zukunft führen? Nein, Matussek, die Terroristen begründen ihre Gewalt nicht mit den Kreuzzügen der Vergangenheit, sie begründen sie mit den Kreuzzügen der Gegenwart!

Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen erschließen sich mir die gestrigen Worte Kardinal Lehmanns noch einmal auf eine besondere Weise.

«Ich habe den Eindruck, die ganze Begeisterung auch für das Latein hat viel mit Prestige und falschen Vorspiegelungen einer vermeintlichen Kulturelite zu tun»

7.6.13 09:59, kommentieren

Früher war alles besser

Mehrfach (hier und hier) konnte man in den letzten Tagen lesen, dass Kardinal Meisner auf dem Eucharistischen Kongress in Köln den mut- und farblosen Katholizismus der Gegenwart bedauerte und an die bedrängten Zeiten unter Hitler und Stalin erinnerte, wo der Glaube blühte und vor Vitalität nur so strotzte. Unwillkürlich musste ich an eine Äußerung Kardinal Marx denken, der im letzten Jahr den Nutzen radikalkatholischer Internetforen bezweifelte, in denen vergangene Zeiten verklärt würden. Wörtlich sagt Marx damals:

"In einem Land, wo wahrscheinlich die Kenntnis der Zehn Gebote intensiver war als heute, wo die Ehen stabiler waren, wo der Kirchenbesuch erheblich über unserem heutigen lag, ist der größte Zivilisationsbruch aller Zeiten passiert."

So sehr Kardinal Meisner auch die heimelige Atmosphäre des katholischen Milieus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vermisst. Die christlicheren Zeiten sind wohl deutlich die, in denen wir heute leben. Ich halte es für sehr gewagt, die Intensität des Glaubens und das christliche Leben einer Vielzahl von Menschen an der Beichtpraxis oder am sonntäglichen Messbesuch ablesen zu wollen.

2 Kommentare 10.6.13 14:03, kommentieren

Es brodelt im Vatikan

Durch die Indiskretion eines Mitgliedes des Vorstand des Dachverbandes der Ordenleute Lateinamerikas und der Karibik (Confederación Latinoamericana y Caribeña de Religiosos y Religiosas [CLAR]) sind brisante Informationen über angebliche Äußerungen Papst Franziskus an die Öffentlichkeit gelangt. Der Vorstand hatte eine Privataudienz beim Papst und es kam wohl auch zur Diskussion vieler heißer Eisen, zu denen sich Franziskus bisher nicht offiziell geäußert hatte. So handelt die lancierte Mitschrift von Korruption im Vatikan, eine ominöse „Gay-Lobby“ innerhalb der Kurie wird genannt und der Umgang mit traditionalistischen Strömungen wurde wohl diskutiert.

Entsprächen die Informationen der Wahrheit, was bisher scheinbar von niemandem bestritten wird, muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass die Mechanismen, die David Berger in seinem Buch „Der heilige Schein“ beschrieb, den Tatsachen entsprechen. In den verschiedenen Berichten über die Privataudienz werden Korruption und Gay-Lobby scheinbar in einen Zusammenhang gerückt. Dies entspräche Bergers Darstellung, dass das Wissen um homosexuelle Neigungen für Erpressungen genutzt wird.

Äußerst bedenklich finde ich jedoch, dass in manchen Artikeln scheinbar zwischen heiligen Menschen in der Kurie und der Homo-Lobby unterschieden wird. Kann ein homosexuell veranlagter Geistlicher oder auch Laie kein heiliger Mensch sein? Das wird wohl hoffentlich nicht die Meinung des Papstes sein!

Glücklicherweise gibt es aktuell auch von hohen Geistlichen die Forderung, die Haltung gegenüber homosexuellen Partnerschaften zu überdenken und diese zu würdigen. In diesem Zusammenhang muss ich immer wieder an das Apostelkonzil denken, auf dem Petrus die Forderung der Beschneidung und die Einhaltung der Tora für die Heiden mit folgender Begründung ablehnt:

„Und Gott, der die Herzen kennt, bestätigte dies, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab. Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt. Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten?“ (Apg 15,10)

Kardinal Schönborn hat es allen vor gemacht, als er einen in einer homosexuellen Partnerschaft lebenden Mann als Gemeinderatsmitglied bestätigte. Wer sind wir, diese Liebe zu verurteilen?! Stellten wir nicht auch Gott auf die Probe, wenn wir solche Menschen verurteilen?

10 Kommentare 12.6.13 16:24, kommentieren

Vom Wehen des Geistes und Gebetsstürmen

Papst Franziskus imponiert mir immer mehr. Und ich muss zugeben, nicht alle seine Positionen sind die meinen! Es ist nicht seine theologische oder kirchenpolitische Ausrichtung, die meine Sympathie weckt, obwohl die vielen kleinen Zeichen immer noch die Hoffnung in mir aufkeimen lassen, dass er die heißen Eisen, die im Grunde seit dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils hinter geöffneten Kirchenfenstern glühen und von der frischen Luft mit Sauerstoff versorgt werden, wirklich bereit ist zu schmieden, bevor zu viel Asche sie erstickt.

Nein, was mich wirklich begeistert, das ist Franziskus Offenheit und sein grenzenloses Vertrauen in den Geist Gottes. Ersteres ergibt sich wohl aus Letzterem. Die durch Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangten Gesprächsfetzen aus einer Privataudienz mit der lateinamerikanischen CLAR zeichnen ein deutliches Bild. All seine bisherigen Entscheidungen haben das eine Ziel, offen zu bleiben, um sich vom Geist Gottes führen zu lassen. Deshalb ist auch so vieles nicht geplant, ergibt sich spontan und entzieht sich der Kontrolle des gewaltigen Vatikanapparates.

Der Verbleib im Gästehaus, das morgendliche Frühstück mit den Gästen, die morgendlichen Messen, die spontanen Predigten, der regelmäßige Kontakt zu den Menschen auf dem Petersplatz, all das unterstreicht sein Gottvertrauen. Er lässt sich führen und sieht gar nicht so sehr sich selbst am Werk, sondern Gott.

„… diese Gesten stammen nicht von mir. Sie sind mir nicht eingefallen. Ich bin weder mit einem Plan nach Rom gekommen, noch habe ich einen entworfen, als sie mich wählten. Ich habe mich so verhalten, weil ich spürte, dass der Herr genau dies wollte. Aber diese Gesten stammen nicht von mir – da gibt es einen Anderen … und das stärkt mein Vertrauen.“

Dies Haltung lässt mich hoffen, weil sie nicht versucht, Gott in Kirchengesetze und dogmatischen Konstitutionen einzusperren. Diese Haltung öffnet Wege, Türen und Möglichkeiten, die Kirche weiter zu bringen, anstatt nur Überkommenes zu bewahren und sich zu verschließen.

„Ihr werdet Fehler machen, ihr werdet anderen auf die Füße treten. Das passiert. Vielleicht wird sogar ein Brief der Glaubenskongregation bei euch eintreffen, in dem es heißt, dass Ihr dies oder jenes gesagt hättet…. Macht Euch darüber keine Sorgen. Erklärt, wo Ihr meint erklären zu müssen, aber macht weiter…. Macht die Türen auf. Tut dort etwas, wo der Schrei des Lebens zu hören ist. Mir ist eine Kirche lieber, die etwas falsch macht, weil sie überhaupt etwas tut, als eine Kirche, die krank wird, weil sie sich nur um sich selbst dreht“

Wenn das keine Rehabilitation der lateinamerikanischen Orden und auch der amerikanischen Frauenorden ist, was ist es dann?! Nur so geht es! Die Armen sind das Evangelium, sagt Franziskus. Nichts anderes können wir im Neuen Testament nachlesen. Jesus begibt sich zu den Armen und Ausgestoßenen, weil die seinen Botschaft zu würdigen wissen, weil sie erkennen, wie sehr wir als Menschen des Heils bedürfen. Die religiös und politisch Mächtigen nehmen seine Lehr nicht an, diese bekämpfen ihn. Vor dem Hintergrund muss man wohl auch Franziskus Forderung nach einer armen Kirche sehen, die sich mit den Armen der Welt solidarisiert. Und wer wäre näher bei den Armen dieser Welt, als die Brüder und Schwestern der amerikanischen Orden?! Lasst die Glaubenskongregation Glaubenskongregation sein, beantwortet die Briefe brav und erklärt euch, antwortet in Liebe und macht eure Arbeit weiter, was für eine Botschaft. Das ist eine wahrhaft jesuanische Botschaft! Nicht Gesetze retten, die Liebe Gottes zu den Menschen, die wir an unseren Nächsten weiterzugeben haben, die rettet!

Auch seine Kritik an gnostischen und pelagianischen Strömungen in der Kirche finde ich durchaus begründet. Beides sehr elitäre Ausrichtungen, die nicht die Armen, sondern das individuelle Heil von einigen Auserwählten im Blick haben. Die gnostischen Evangelien unterscheiden sich genau darin von den biblischen. Jesus ist für ALLE gestorben, er hat keine Geheimlehre für einen kleinen Trupp von Auserwählten begründet.

Spannend ist auch die Tatsache, dass Franziskus gerade traditionalistische Kräfte mit dem Pelagianismus in Verbindung bringt, was auf den ersten Blick vielleicht etwas verwundern mag, ist die Selbsterlösung doch eher ein Vorwurf, den man den liberaleren Theologien macht. Doch ist auch diese Diagnose Franziskus sehr schlüssig, wenn man sich sein Beispiel einmal genau vor Augen führt. Wenn traditionalistische Gruppen glauben, die Gnade Gottes wäre von der Anzahl an gebeteten Rosenkränzen abhängig, dann bewegen sie sich im Grunde nicht mehr auf christlichem Boden. Das ist dann schon eher magisches Denken, dass man Gott wie eine Puppe mit den Fäden von Gebetsstürmen bewegen könnte.

Mit dem Begriff der „Homo-Lobby“ hat Franziskus nun aber in ein Wespennest gestochen. Das, was im Grunde immer klar war, was die katholische Kirche aber immer wieder von sich gewiesen hat, jetzt scheint es (in-) offiziell bestätigt. Es gibt im gesamten Klerus, ob in Rom oder anderswo eine beträchtliche Anzahl homosexuell veranlagte Geistliche. Es wäre dringend angebracht, dieses Thema einmal unvoreingenommen, offen und ohne Angst zu analysieren und zu diskutieren. Die billigen Rezepte vergangener Jahrhunderte, die man gleich wieder auf vielen traditionalistischen Seiten lesen kann (Homosexualität führe zu Pädophilie etc.) sind unerträglich. Warum flüchten so viele homosexuell veranlagte Menschen in den Priesterberuf? Hat das vielleicht mit einer falschen katholischen Sexualmoral zu tun? Müsste man diesen Menschen, denen man ein Leben in Enthaltsamkeit zwingend vorschreibt, nicht andere Möglichkeiten bieten? Kann die Liebe zwischen zwei Menschen etwas Schlechtes sein? 

Die Kirche steht hier vor einem riesigen Problem. Der Missbrauchskandal, der scheinbar eine katholische Färbung im Vergleich zu Missbräuchen außerhalb der Kirche hat, wird auch in Deutschland nicht in dem groß propagierten Maße aufgearbeitet. Was ist denn seit der Entlassung von Professor Pfeiffer passiert. Wo sind die Ergebnisse? Man hört und sieht nichts mehr davon.

Wenn man die Geschichte von David Berger einmal exemplarisch heranzieht, dann zeigen sich doch hier deutlich die Mechanismen, die er auch in seinem Buch als typisch katholische herausarbeitet. Der Papst bestätigt sie im Grunde mit seinen Aussagen. Was tut man diesen Leuten nur für ein Leid an. Selbstverleugnung, Selbsthass, Schuldgefühle, ein Leben im Untergrund, in der Illegalität, das ist es doch, was einen homosexuellen Katholiken, besonders einen Geistlichen, erwartet. Und wenn diese Fassade aufbricht und zusammen stürzt, dann schlägt das Pendel ins andere Extrem. Auch das kann man bei David Berger beobachten. Ein menschlich nachvollziehbare Reaktion, die dann aber auch von den üblichen Verdächtigen nochmals gegen diese Menschen verwendet wird. In einem Medrum-Interview mit Gabriele Kuby wird David Berger schon in die Nähe der Sodomie gerückt. Diese homophobe Propaganda finde ich beschämend und widerwärtig.

So kann man nur der Aufforderung Franziskus folgen und für ihn beten, dass er möglichst wenige Fehler macht! Er steht mit der Kurienreform und anderen Reformen vor einer geradezu unmenschlichen Aufgabe…

2 Kommentare 14.6.13 11:14, kommentieren

Der "christliche Fundamentalismus" ist einem Wahn verfallen

Eine nicht ganz ernst gemeinte Replik auf den kath.net-Beitrag "Die Gender-Bewegung ist einem ‚Wahn‘ verfallen".

 

Der "christliche Fundamentalismus" ist einem Wahn verfallen

Die Kritik in säkularen Medien am so genannten „christlichen Fundamentalismus“ wächst. „Christlicher Fundamentalismus“ bedeutet die Gleichschaltung der biblischen Texte, aber auch von Gruppen wie Transsexuellen oder Intersexuellen. Auch in der evangelischen Kirche spielt diese Bewegung eine große Rolle, etwa in evangelikal ausgerichteten Gemeinschaften.

Die Bewegung huldige dem „absurden Gedanken, nur Männer und Frauen seien gottgefällig; Inter- und Transsexuelle seien den beiden Geschlechtern absolut und definitiv zuzuordnen, die Unterschiede nur anerzogen“, schreibt die Kolumnistin der Stuttgart Zeitung, Sibylle Icksoder-Üpsilon. Dies sei „nichts anderes als ein Wahn“. Ihn in Dogmen zu verwandeln, habe nichts mit Wissenschaft zu tun.

Das Bestreben der Fundamentalisten habe „etwas Sektiererisches, ja Totalitäres, etwas Faschistisches“. Es solle gegen jede Erfahrung geglaubt und gelebt werden. Der Kolumnistin zufolge vermehren sich „die Fundamentalisten-Lehrstühle“ wie die Kaninchen“. Sie habe in einer Statistik der Freien Universität Berlin 164 Fundamentalisten-Professuren an deutschen Universitäten und Fachhochschulen gezählt: „Das ist schon fast eine Industrie, auf alle Fälle aber eine Jobmaschine für meschuggene Akademiker.“

Auf den Lehrstühlen säßen fast ausschließlich Männer. Sie hätten offenbar für sich selbst wegdiskutiert, „dass die Menschheit nicht nur aus eindeutig dem einen oder anderen Geschlecht zuzuordnenden Individuen bestehe, sondern auch körperliche und psychische Mischformen existieren.“

Auch in „Tempus Online“ (Hamburg) wird Kritik am „christlichen Fundamentalismus“ geübt. Der Journalist Herold Weisenstein schreibt: „Das Feindbild der meisten Fundamentalisten ist die Naturwissenschaften. Da ähneln sie den Kreationisten, die Darwin für einen Agenten des Satans und die Bibel für ein historisches Nachschlagewerk halten.“

Charles Darwin (1809-1882) war Begründer der Evolutionstheorie. Laut Weisenstein ist sich die Wissenschaft einig: „Geschlechterunterschiede sind zum Teil sicher anerzogen. Vieles hängt aber auch mit der Evolution und mit den Hormonen zusammen.“ Die Fundamentalisten seien der Ansicht, „dass biologische Forschung insgesamt ein Herrschaftsinstrument des modernen atheistischen Säkularismus sein muss“.

Deshalb sagten sie: „Es gibt keine Mischformen, basta. Warum? Weil es einfach keine geben darf.“ Weisenstein: „Fundamentalismus“ ist wirklich eine Antiwissenschaft. Sie beruht auf einem unbeweisbaren Glauben, der nicht in Zweifel gezogen werden darf.“

In einem Interview mit dem „Tempusmagazin“ vertritt die Psychologin Professorin Doris Bischofin-Küster (München) die Ansicht, dass der „christliche Fundamentalismus“ kein Interesse an Objektivität habe: „Hier scheint ein betoniertes Weltbild vorzuherrschen, dem zufolge so etwas wie eine objektive Wirklichkeit, die es zu erforschen gilt, nicht existiert. Faktizität und Fantasie verschmelzen auf eine Weise, in der ich nicht recht mitdenken kann.“

 

15.6.13 10:29, kommentieren