Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Update

In einem äußerst tendenziösen Artikel mit dem Titel Frankreichs jüdischer Bildungsminister: „Wir müssen katholische Religion durch eine republikanische Religion ersetzen“ wird der Antisemitismus zum Thema im Kommentarbereich. Im Gegensatz zu anderen Portalen wird hier offensichtlich nicht nach Belieben zensiert. Das muss man bei aller Kritik anerkennen.

Um so erschreckender sind allerdings die antisemitischen Äußerungen so manches Kommentators! Ich erspare mir hier eine weitere Dokumentation...

1 Kommentar 3.7.13 08:32, kommentieren

Starke Worte vor der Sommerpause

Auf seine unnachahmlich einfache und demütige Art stellt Franziskus heute nüchtern fest, dass es in der Kirche alte, hinfällige Strukturen gibt.

„Im christlichen Leben, auch im Leben der Kirche, gibt es alte Strukturen, hinfällige Strukturen: es ist notwendig, sie zu erneuern! Und die Kirche war demgegenüber immer aufmerksam, im Dialog mit den Kulturen... Immer lässt sie sich den Orten, den Zeiten und den Menschen entsprechend erneuern. Diese Arbeit hat die Kirche immer getan! Vom ersten Moment an. Erinnern wir uns an die erste theologische Auseinandersetzung: ist es notwendig, der gesamten jüdischen Praxis zu folgen, um Christ zu werden, oder nicht? Nein! Sie haben ‚Nein’ gesagt! Die Heiden können eintreten, wie sie sind: Heiden... In die Kirche eintreten und die Taufe empfangen. Eine erste Erneuerung der Struktur... Und so ist Kirche immer vorangegangen, indem sie es dem Heiligen Geist überließ, diese Strukturen, Strukturen von Kirchen zu erneuern. Habt keine Angst davor! Habt keine Angst vor der Neuheit des Evangeliums! Habt keine Angst vor der Neuheit, die der Heilige Geist in uns schafft! Habt keine Angst vor der Erneuerung der Strukturen!"

Das, wofür 300 Theologie-Professoren 2011 mit ihrem Memorandum  noch heftig kritisiert wurden, nämlich die Forderung nach Strukturreformen, spricht der Papst hier gelassen aus. Die Zeit des ängstlichen Bewahrens scheint in Rom endgültig vorbei zu sein. Gott sein Dank!

Und diesmal wird wohl auch keine Gegenreaktion von führenden Kardinälen zu erwarten sein, die mit der Diagnose einer Gotteskrise von den überkommenen Strukturen ablenken wollen, so als ob man beides unabhängig voneinander behandeln könnte.

Christus ist das Neue, so überschrieb die Zeit 2011 einen Auszug aus dem Jesusbuch Benedikt XVI, den ich damals in meinem ersten Blogeintrag  kommentierte und mit dem Memorandum zusammen dachte. Offenbart sich Benedikt hier wieder als theologischer Vordenker  dessen, was Franziskus nun in die Hand nimmt und umsetzt (ähnlich wie in der gestern veröffentlichten Enzyklika Lumen fidei)?! Es wäre dringend notwendig!

1 Kommentar 6.7.13 16:12, kommentieren

Ein Missbrauchsskandal

Nachdem kath.net wieder fleißig mit der Jungen Freiheit wirbt, nehmen auch tendenziöse und homophobe Artikel wieder deutlich zu. So wird heute von zwei homosexuellen Vätern berichtet, die sich von einer russischen Leihmutter ein Kind haben austragen lassen, um dieses später zu missbrauchen und einem Pädophilenring zur Verfügung zu stellen.

Offensichtlich ist man der Meinung, dass es sich hier um ein Paradebeispiel für den Zusammenhang von Homosexualität und Pädophilie handelt, um damit die grundsätzliche Ablehnung der Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare zu begründen. So heißt es am Ende des Beitrags:

„Im Juni 2013 beschloss die russische Duma ein Gesetz, das die Adoption russischer Kinder durch homosexuelle Paare verbietet. Einzelpersonen, die Bürger eines Landes sind, in dem es die Homo-Ehe gibt oder die in einem dieser Länder ihren dauernden Wohnsitz haben, ist es ebenfalls untersagt, russische Kinder zu adoptieren. Die russische Regierung überlege, das Adoptionsrecht weiter zu verschärfen um Fälle wie diesen zu verhindern, sagte Pawel Astakhow, der Ombudsmann für Kinderrechte in Russland gegenüber RT Novosti.“

Es geht also bei der Frage der Adoption offensichtlich nicht mehr darum, ob sich ein Kind am besten entwickelt, wenn es einem Vater und eine Mutter hat, vielmehr wird angedeutet, dass man das Kind vor sexuellen Übergriffen homosexueller Elternteile beschützen müsse!

Allerdings musste man für dieses grausame Beispiel um die halbe Welt reisen, der Fall trug sich in Australien zu. Hierzulande weiß man, dass die meisten Missbrauchsfälle in den Familien stattfinden, durch verwandte oder bekannte Täter. Und diese Familien bestehen vermutlich zu 99,99999 % nicht aus homosexuellen Paaren. Das weiß natürlich auch kath.net, war man sich doch beim kirchlichen Missbrauchsskandal nicht zu schade dafür, genau mit diesem Argument - dass der Missbrauch in Familien viel dramatischer ist - von den Problemen in der Kirche abzulenken (z.B. hier). Um aber der Homophobie zu frönen, ist man gerne einmal mal auf der einen Hirnhälfte taub…

Letztendlich macht kath.net genau das, was man den Medien in Bezug auf die Berichterstattung über die Kirche vorwirft, man verallgemeinert auf der Grundlage von Einzelfällen.

8.7.13 17:06, kommentieren

Von der schwindenden Macht eines Drachentöters

Je länger Franziskus in seinem Amt als Bischof von Rom wirkt, desto seltener hört man die anfangs allgegenwärtigen und monotonen Unkenrufe von dem Blatt Papier, das unmöglich zwischen Benedikt und Franziskus passe. Ein Bild, das bei derart unterschiedlichen Persönlichkeiten wohl auch nur schwer aufrecht zu halten gewesen wäre.

Doch was unterscheidet die beiden Päpste denn voneinander? Einen sehr bezeichnenden Hinweis konnte man gestern erhalten, als wieder einmal private Worte des Papstes an die Öffentlichkeit drangen. Fast könnte man meinen, dass eine Strategie hinter dieser Vorgehensweise steckt. In einem Telefonat mit einem befreundeten Journalisten äußerte sich Franziskus zu den Schwierigkeiten gerade zu Beginn seines Pontifikates. So habe es ihn große Anstrengungen gekostet, sich gegen die „zahlreichen Herrscher“ im Vatikan durchzusetzen, die über ihn und seinen Terminplan verfügen wollten. „Ich allein, nicht meine Sekretäre, muss entscheiden, wen ich treffen soll.“

Die Entscheidung, nicht in den päpstlichen Palast zu ziehen, sondern im Gästehaus Santa Marta zu bleiben, ist wohl eine erste Maßnahme gewesen, sich dieser Kontrolle zu entziehen. Und in diesem Zusammenhang zieht Franziskus dann auch selbst eine Grenzlinie zu seinen Vorgängern, wenn er sie als „Gefangene ihrer Sekretäre“ bezeichnet. Anders als der sensible und - wie Franziskus selbst sagt – weise Benedikt, der Georg den Drachentöter an seine Seite stellte, um mithilfe dessen starker Schulter die Flut von Menschen und ihren Begehrlichkeiten abzuhalten, taucht Franziskus genau in diese Flut ein, um selbst entscheiden zu können, wem er sich zuwendet und wem nicht. Klassische Konzerte scheinen jedenfalls nicht zu Franziskus Prioritäten zu gehören, die überwiegend muslimischen Flüchtlinge auf Lampedusa schon eher. Und nur so ist es auch zu erklären, dass der heroische Georg nun zwei Herren dienen kann.

Das, was Paul Badde in seinem Artikel über den Privatsekretär des Papstes als übermenschliche Stärke verehrt, das lehnt Franziskus kurzerhand ab, die Kontrolle durch einen mächtigen Privatsekretär. Und nur so kann es ihm auch gelingen an die Peripherie, zu den Menschen vorzudringen und nicht als gottgleiche Symbolfigur über diesen zu schweben. Und gerade hier tut sich dann auch gleichzeitig wieder eine Anbindung an seinen Vorgänger auf, der mit seiner mutigen Entscheidung, von diesem Amt zurückzutreten, zur Entmythologisierung des Papstamtes beigetragen hat. Diese Kontinuität bei gleichzeitiger Transformation ist im Übrigen etwas typisches in der Kirchengeschichte, von Anfang an.

4 Kommentare 14.7.13 10:32, kommentieren

Gandalf reitet wieder...

Lange Zeit hielt sich Gandalf, der mächtige weiße Zauberer des virtuellen Reichs der katholischen Nachrichten, im Hintergrund, in seinem erhabenen Zauberer-Turm auf. Man hatte schon den Eindruck, dass er sich im nun schon viele Jahre währenden Kampf gegen den satanischen Zeitgeist mit seiner linksgrünrotfeministischhomophilengendergemainstreamten Multikulti-Ideologie etwas die Kanten seines Zauberstabes geschliffen hätte.

Doch fasch gedacht! Nachdem aktuell ein Angriff gegen sein mächtiges Reich gefahren wird, drängt Gandalf wieder an die Spitze seiner Truppen, um als leuchtendes Vorbild den Sieg in der Schlacht zu erzwingen.

Was war geschehen? Sonja Angelika Strube, ein Mitglied des Forums katholischer Theologinnen, widmet in ihrem Buch „Rechtsextremen Tendenzen begegnen“ ein paar Zeilen dem gandalfschen Imperium. In Gandalfs schützendem Selbstbeweihräucherungszauber heißt das: Gegen "die wichtigste katholische Internetzeitung im deutschen Sprachraum". Man spürt schon hier, wie tief der Stachel der Kritik sitzt, dass es dieses Balsamspruchs mit Verweis auf die FAZ bedarf...

»Kath.net« macht sich durch Werbung und Berichterstattung regelmäßig zu einer Plattform neurechter Medien und Gedanken. Besonders offensiv wirbt diese sich katholisch nennende Seite für die »Junge Freiheit«: Zum einen durch Werbebanner, zum anderen, indem regelmäßig positiv auf die »JF« Bezug genommen und aus ihr zitiert wird. Diesen unverschämten Angriff gilt es nun zaubermeisterlich abzuwehren. Und was wäre da effektiver als der bewährte Umkehrzauber, bei dem die Energie des Angreifers aufgefangen und zurück zum Ausführenden geschleudert wird.

Fakt ist, dass kath.net noch nie für die "Junge Freiheit" geworben hat. Die "Junge Freiheit" wirbt ab und an auf kath.net[...].“ Ob sich Frau Strube von dieser glasklaren Zauber-Logik allerdings in die Schranken gewiesen sieht, das ist zu bezweifeln. Es drängt sich die Frage auf, ob Gandalf mit der gleichen Logik auch Werbebanner für die NPD schalten würde? Bringt schließlich Geld und zu verantworten hätte er diese Partnerschaft ja nach seinem Selbstverständnis nicht. Vielleicht sollten auch die Salafisten Deutschlands einmal überlegen, ihre Werbung auch auf diesem katholischen Nachrichtenportal zu veröffentlichen. Hier wird Toleranz groß geschrieben, Inhalte spielen keine Rolle. Wenigstens aber David Berger sollte sich einmal mit dem Zaubermeister in Verbindung setzen, um Werbung für sein Buch oder sein Lifestylemagazin zu schalten. Das sollte doch bestimmt kein Problem sein.

Nun, dieser Gegenzauber erscheint mir durchaus als etwas zu schwach für den Angriff von Frau Strube. Da wird der Meister wohl noch einmal in eine andere Trickkiste greifen müssen, zumal auch die Formationen seiner Truppen nicht gerade vielversprechend in Stellung gebracht sind. Vielmehr scheinen Sie ihrem vorweg reitenden Zauberer mit ihren Giftpfeilen in den Rücken zu schießen, bestätigen sie doch auf beeindruckende Weise, wie sehr sie mit den Positionen der Jungen Freiheit, von denen sich Gandalf ja irgendwie indirekt zu distanzieren scheint (oder auch nicht?!), konform gehen.

So berichte die JF „wahrheitsgemäß über den Zustand unseres Landes“, meint der Knappe Matthäus.

Kampfhund Waldi schwingt gleich die Keule gegen alles Weibliche und begründet die Ablehnung der Frauenordination mit dem „Gift“, das solche „Furien“ verspritzen.

Waffenexperte Siebenstern sieht in JF und PI „demokratische Medien“, die anders als DGB und verdi nicht zu Straftaten aufriefen. Nazivokabular und frauenfeindliche Ausfälle ergänzen sein Waffenarsenal.

Auch Schächer Dismas grenzt die JF positiv von der unlesbaren FAZ ab. Die Tendenzen, „die der Mainstream vertritt zerstören Familie, schädigen Kinderseelen und führen in den Abgrund.“

Die opferungsbereite Martyria stürmt dem Zauberer mit schrillem antifeministischem Geschrei nach und weist der Angreiferin mit gezielten Schlägen eine mangelhafte Ausbildung nach. So habe sie bei einem Professor promoviert, bei dem jeder seinen Titel bekomme, „v.a. Afrikaner, Inder und, genau: Frauen.“ Wo gibt es denn so etwas?! 

Frontstürmer speedy weiß die Schlacht schon gewonnen, denn von Feinden, die er nicht kennt, und dies scheint bei Frau Strube der Fall zu sein, weiß er, dann „kann sie nur unwichtig sein“.

Eine Vielzahl von Kämpfern hantiert mit den Begriffen Fakt, Mainstream und Verleumdung, ohne jedoch aufzuzeigen, was denn so verleumderisch und klischeehaft und faktenwidrig ist. Man fühlt sich  an den JF-Slogan auf kath.net erinnert: Wo alle einer Meinung sind, wird meistens gelogen. Hier im Kommentarbereich sind jedenfalls alle einer Meinung.

JF-Verteidiger Wolfgang Löhr wirft Redakteuren anderer Zeitungen vor, durch eine „Gehirnwäsche“ gegangen zu sein, ohne zu bemerken, dass gerade das, was er selbst an der JF lobt, die fehlende Kirchenkritik nämlich, genau die Masche ist, um Katholiken über den rechten Rand hinaus zu ziehen und sie zu islamo- und homophoben Freiheitskämpfern umzupolen, eine zutiefst antikatholische Haltung. Und genau deshalb muss man sich dem Kampf gegen diese Tendenzen im Katholizismus anschließen!

5 Kommentare 19.7.13 08:05, kommentieren

WOW! GO, Franziskus, GO!

Franziskus scheint so langsam richtig in Fahrt zu kommen. Die Interviews, Ansprachen und Predigten auf dem Weltjugendtag in Rio hatten es in sich. Da macht jemand ernst mit der Reform der Kirche, die Zeit des Stillstandes scheint endgültig vorbei! Offensichtlich ist es angebracht, sich das Dolkument der V. Generalversammlung der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik in Aparecida vom Mai 2007 zu besorgen (hier) und eingehend zu studieren. Hier scheint die theologische Ausrichtung und der reformatorische Ansatz Franziskus grundgelegt zu sein!!

Nachfolgend mein persönliches "Best-of-Franziskus". Die vollständigen Texte sind auf kath.net veröffentlicht (hier und hier). Eine weitere Kommentierung erscheint mir überflüssig. Deshalb sei nur noch kurz angemerkt, dass ich auf die von Franziskus angekündigte "Theologie der Frau" besonders gespannt bin!

Die „Änderung der Strukturen" (von zeitgebundenen zu neuen) ist nicht das Ergebnis einer Untersuchung über die Organisation des kirchlichen Amtsapparats, aus der sich eine statische Umorganisierung ergäbe, sondern die Folge der Dynamik der Mission. Was veraltete Strukturen fallen lässt, was dazu führt, die Herzen der Christen zu verändern, ist eben gerade der missionarische Charakter.

Sorgen wir dafür, dass unsere Arbeit und die unserer Priester mehr pastoral als administrativ ist? Wer ist der hauptsächliche Nutznießer der kirchlichen Arbeit: die Kirche als Organisation oder das Volk Gottes in seiner Ganzheit?

Ist es für uns ein übliches Kriterium, unser Urteil in der Pastoral auf den Ratschlag der Diözesanräte zu stützen? 

Es ist gut, sich an die Worte des Zweiten Vatikanischen Konzils zu erinnern: Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi (Past. Konst. Gaudium et spes). Hier liegt das Fundament des Dialogs mit der Welt von heute.

Die Antwort auf die Lebensfragen des Menschen von heute, besonders der jungen Generationen, bringt, wenn man auf ihre Ausdrucksweise achtet, eine fruchtbare Änderung mit sich, die mit Hilfe des Evangeliums, des Lehramtes und der Soziallehre der Kirche durchzuführen ist. Die Szenerien und die Areopage sind verschiedenster Art. So gibt es zum Beispiel in ein und derselben Stadt verschiedene imaginäre Kollektive, die „unterschiedliche Städte" bilden. Wenn wir nur in den Maßstäben der „Kultur von immer" verharren, im Grunde einer Kultur auf ländlicher Basis, wird das Ergebnis schließlich eine Vereitelung der Kraft des Heiligen Geistes sein. Gott ist in allen Teilen: Man muss ihn zu entdecken wissen, um ihn in der Sprache jeder Kultur verkünden zu können; und jede Wirklichkeit, jede Sprache hat einen anderen Rhythmus.

Der Klerikalismus ist ebenfalls eine sehr aktuelle Versuchung in Lateinamerika. Seltsamerweise handelt es sich in der Mehrheit der Fälle um eine sündige Komplizenschaft: Der Pfarrer klerikalisiert, und der Laie bittet ihn höflich, ihn zu klerikalisieren, weil es sich im Grunde für ihn als bequemer erweist. Das Phänomen des Klerikalismus erklärt weithin den Mangel an Reife und christlicher Freiheit in einem großen Teil des lateinamerikanischen Laientums. [...] Der Entwurf der Bibelgruppen, der kirchlichen Basisgemeinden und der Pastoralräte geht in die Richtung der Überwindung des Klerikalismus und eines Anwachsens der Verantwortung der Laien.

Die Kirche ist eine Stiftung, doch wenn sie sich zum „Mittelpunkt" erhebt, „funktionalisiert" sie sich selbst und verwandelt sich allmählich in eine NGO. Dann maßt die Kirche sich an, eigenes Licht zu besitzen und hört auf, jenes "mysterium lunae" zu sein, von dem uns die heiligen Väter sprechen. Sie wird immer selbstbezogener, und ihr Bedürfnis, missionarisch zu sein, schwächt sich ab. Aus einer „Stiftung" wird sie zu einem „Werk". Sie hört auf, Braut zu sein, um schließlich das Wesen einer „Verwalterin" anzunehmen; von einer Dienerin verwandelt sie sich in eine „Kontrolleurin". Aparecida will eine Kirche, die Braut, Mutter, Dienerin ist, eine, die den Glauben erleichtert, nicht ihn kontrolliert.

„Eine Kirche ohne Frauen ist wie ein Apostelkollegium ohne Maria. Die Rolle der Frau ist die Ikone der Jungfrau, der Gottesmutter. Und die Gottesmutter ist wichtiger als die Apostel. Die Kirche ist weiblich, weil sie Braut und Mutter ist. Man muss weiter voran gehen. Eine Kirche ohne Frauen, die in ihr aktiv sind, kann man nicht verstehen. [...] Wir haben noch keine Theologie der Frau hervorgebracht. Man muss sie machen.

Was die Priesterweihe von Frauen betrifft, hat die Kirche gesprochen und nein gesagt. Johannes Paul II. hat mit einer definitiven Formulierung gesprochen, diese Tür ist zu. Doch erinnern wir uns daran, dass Maria wichtiger als die Apostel-Bischöfe ist, und so ist die Frau in der Kirche wichtiger als die Bischöfe und Priester.

Wenn ein Mensch homosexuell ist und guten Willens den Herrn sucht, wer bin ich da, dass ich diesen verurteile?

Halleluja!!!!!

14 Kommentare 29.7.13 20:19, kommentieren

Inklusion statt Exklusion

Die Äußerungen des Papstes zur Homosexualität haben die katholische Welt aufgewirbelt. Die einen sehen eine Kursänderung in der Bewertung dieser sexuellen Veranlagung, die anderen verweisen darauf, dass der Papst lediglich die katholische Lehre wiedergegeben hat. Einige sind dabei so betriebsblind, dass sie ihm den Teil des Katechismus, den der Papst scheinbar wohlwissendlich ausgelassen hat - dass nämlich gelebte Homosexualität Sünde sei - trotzdem in den Mund legen.

Was ist nun von den Worten des Papstes zu halten? Ich tendiere dazu, sie wie Wunibald Müller zu deuten. Der Papst hat einen offenbar homosexuell veranlagten Priester auf einem sehr verantwortungsvollen Posten im Vatikan bestätigt. Das sind zuerst einmal die Fakten, an denen man sich z.B. auf katholisches.info gerade die Zähne ausbeißt. Das traditionalistische Lager wettert auf diesem Forum schon etwas länger mehr oder weniger offen gegen Franziskus. Hier wirken die Beruhigungspillen des „alles im grünen Bereich“ schon nicht mehr.

Und diese Unruhe scheint mir sehr berechtigt. Franziskus ist ein Mann des Evangeliums. Dieses hat die Kirche nach seiner Auffassung bis an die existentiellen Peripherien der Welt zu tragen. Und dieses Evangelium ist eine Liebesbotschaft, die nur durch die Nächstenliebe transportiert werden kann. Diese nach Johanna Rahner „gefährliche“, weil weltverändernde Botschaft des Evangeliums überwindet eine elitär-gnostische "Exlusion" und führt zu einer potentiellen "Inklusion" der Menschen, zuerst der Armen und Hilfsbedürftigen.

Indem Franziskus gegen eine selbstgefällige Selbstbeweihräucherung der Kirche ankämpft und sie aus dem Zentralismus zurück in die Welt schickt, wird sich die Kirche in den kommenden Jahren sicherlich verändern.

Ihr werdet Fehler machen , ihr werdet anderen auf die Füße treten. Das passiert. Vielleicht wird sogar ein Brief der Glaubenskongregation bei euch eintreffen, in dem es heißt, dass Ihr dies oder jenes gesagt hättet…. Macht Euch darüber keine Sorgen. Erklärt, wo Ihr meint erklären zu müssen, aber macht weiter…. Macht die Türen auf. Tut dort etwas, wo der Schrei des Lebens zu hören ist. Mir ist eine Kirche lieber, die etwas falsch macht, weil sie überhaupt etwas tut, als eine Kirche, die krank wird, weil sie sich nur um sich selbst dreht“

Ich setze große Hoffnungen in Franziskus, weil mir seine Menschenzugewandtheit und seine Liebe aber auch sein Mut imponieren. Hier liegt die Kraft für Veränderungen begründet. Er geht völlig angstfrei vor und vertraut auf den Beistand Gottes. Allerdings ist er auch erfahren genug, nicht gleich mit der Brechstange zu agieren. Das würde zu Spaltungen und einer Vertiefung der Grabenkämpfe in der Kirche führen. Alleine seine dezenten Andeutungen lösen ja schon einen immensen Wirbel aus. Würde er den definitiven Ausschluss von Frauen von der Priesterweihe aufheben, bekämen die Piusbrüder riesigen Zulauf. Und auch bei der Bewertung der Homosexualität muss er behutsam sein.  

Auffällig ist doch, aus welcher Ecke die Kritik an Franziskus nach seinem Interview auf dem Rückflug von Rio kommt. Zum einen aus der traditionellen Ecke, zum anderen von homosexuell veranlagten Katholiken. David Bergers Kritik  ist dabei vielleicht sogar die heftigste. Franziskus hat nun die schwierige Aufgabe, zwischen diesen Positionen zu vermitteln, eine Position der Mitte einzunehmen. 

Was wäre doch für die Kirche und ihre Glaubwürdigkeit gewonnen gewesen, wenn sie die Stärke und die Liebe Franziskus auch im Fall Berger gehabt hätte. Wenn es tatsächlich dieses Netzwerk homosexueller Mitarbeiter im Vatikan gibt, wenn es homosexuelle Priester und Laien in der Kirche gibt, und wenn David Berger mit seinen Thesen Recht hat, dass diese Menschen erpresst werden, in Angst leben, sich verstecken müssen, was wäre es doch für eine Chance gewesen, diesen David Berger in die Reform der Kirche mit einzubinden, statt ihn zu vertreiben. Inklusion statt Exklusion. Nun richtet sich seine Verbitterung nachvollziehbar gegen die Kirche und ein riesiges Potential geht verloren…

Das gleiche gilt für Klaus Mertes. Sein Buch zu den Missbrauchskandalen ist das Beste, was ich zu diesem Thema von einem Katholiken gelesen habe. Warum bindet man ihn nicht in die Reform- und Aufklärungsarbeit mit ein?

Ich mag Menschen, die mir sagen, "Damit bin ich nicht einverstanden". Das sind die loyalen Mitarbeiter.“

Franziskus scheint auf ehrliche und aufrichtige Menschen zu setzen, Menschen, die wie er Sünder sind, die Fehler machen, die aber offen und ehrlich sind. Das macht mir große Hoffnung. Er hält an Monsignore Ricca fest, trotz allem! Und das ist gut so.

„Ich denke oft an den heiligen Petrus, der eine sehr schwere Sünde beging, als er Christus verleugnete. Und trotzdem wurde er Papst.“

Warum haben Sie in Brasilien nichts zur Abtreibung und zur gleichgeschlechtlichen Ehe gesagt?

"Die Kirche hat dazu bereits argumentiert, die Kirche hat dazu eine eindeutige Position. Während der Reise nach Brasilien war es notwendig, in positivem Ton zu sprechen."

Ja, was nützt es, über bereits gelegte Eier zu streiten. Die positive Botschaft des Evangeliums gilt es wieder in den Vordergrund zu rücken. Mit dieser radikal-reformatorischen Liebesbotschaft lassen sich auch ganz harte Schalen knacken. Wenn Franziskus in der Frage der Rolle der Frau in der Kirche die Theologie auffordert, dann stimmt mich auch dieser Ansatz positiv. Neben der Priesterweihe bleiben noch unzählige Möglichkeiten, Frauen neue Wege in der Kirche zu eröffnen. Und auch die Frage der wiederverheiratet Geschiedenen scheint Franziskus umgehend angehen zu wollen. Es bleibt also spannend…

7 Kommentare 31.7.13 09:02, kommentieren