Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Franziskus is calling

Heute verlinke ich einmal gerne auf katholisches.info. Dort wird von einem weiteren spontanen Telefonanruf des Papstes  berichtet. Diese Anrufe scheinen zum Markenzeichen Franziskus zu werden, der sich weiterhin durch seine gewaltige Aufgabe als Kirchenoberhaupt nicht davon abbringen lässt, ganz nahe bei den Menschen zu sein.

Diesmal klingelte das Telefon bei einer Dame, die von ihrem Liebhaber verlassen wurde, nachdem dieser von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Der Aufforderung, das Kind abzutreiben wollte sie nicht nachkommen.

Wäre dies eine von den vielen Beispielen, die rechtskatholische Portale allgegenwärtig platzieren, um in Bezug auf Schwangerschaftskonflikte ihrer gnadenlosen Selbstgerechtigkeit zu frönen, wäre ich nicht weiter auf diesen Artikel eingegangen. Doch hier steckt mehr drin.

Spannend ist nämlich die Reaktion Franziskus auf die Bedenken der Frau, einen Priester zu finden, der das Kind tauft, "weil ich alleinstehend bin und zudem noch geschieden", woraufhin sich der Papst gleich persönlich als möglicher Spender des Sakramentes anbietet.

Hier wird ein Problem deutlich, das die katholische Kirche dringend angehen muss. Wie kann eine gläubige Frau nur auf die Idee kommen, dass man ihrem Kind die Taufe verweigern könnte? Leider beruhen solche Zweifel nicht nur auf Unkenntnis, sondern auch auf schlechten Erfahrungen. Wenn der heilige Schein wichtiger wird als das Heil eines Menschen, dann kommt wohl der eine oder andere Priester zu Entscheidungen wie der Taufverweigerung, weil er glaubt beurteilen zu können, ob eine christliche Erziehung erfolgen wird oder nicht.

7.9.13 11:01, kommentieren

Von Sorge, Angst und Verschwörung

Es wird zunehmend deutlich, dass in Rom ein neuer Wind weht. Papst Franziskus regiert mit ruhiger aber entschiedener Hand. Die Personalentscheidungen, für die er sich genug Zeit genommen hat, sind nicht unumstritten. Gleiches gilt für die Gremien, die er mit Blick auf die anstehenden Reformen der Kirche eingerichtet hat. Dabei kommt Kritik immer wieder aus konservativsten Kreisen auf, besonders deutlich wird sie auf katholisches.info formuliert.

Da man sich in diesem Milieu aber oft mit dem abgrenzenden Begriff "romtreu" über andere Katholiken erhebt, ist diese Kritik natürlich ein zweischneidiges Schwert. Das hat man auch auf kath.net verstanden, wo man deshalb eine defensivere Strategie gewählt hat. Indem man die Aussagen des Papstes, die der eigenen erzkonservativen Haltung noch am ehesten entsprechen, in den Vordergrund rückt und alles andere relativiert, hofft man hier darauf, dass es schon nicht so schlimm werden wird.

Doch der unterdrückte Frust und die Unsicherheit müssen artikuliert werden, was dazu führt, dass andere Ziele und Personen umso heftiger attackiert werden. Aktuell hat man sich den emeritierten Professor für Pastoraltheologe Paul Zulehner als Sündenbock ausgesucht (hier und hier).

Der hatte sich zuletzt öffentlich um das Wohl des Papstes gesorgt, weil konservative Kreise mit dessen Kirchenpolitik ganz und gar nicht einverstanden seien. So sagte Zulehner im ORF wörtlich:

„Manche Leute fürchten auch, daß es den Konservativen zu viel ist und daß manche auch daran denken, ihn [den Papst] umzubringen. Es gibt solche Gerüchte.“

Nun kann man tatsächlich lange darüber streiten, ob man solche Verschwörungstheorien als seriöser Wissenschaftler in der Öffentlichkeit diskutieren sollte. Die abfälligen Reaktionen auf den einschlägigen Portalen sind allerdings an Verlogenheit kaum zu überbieten und ein deutliches Zeichen für den Frust dieser Leute.

Sowohl auf kath.net als auch auf katholisches.info wirft man Zulehner vor, dieses Gerücht selbst erfunden zu haben, um konservative Katholiken zu diskreditieren. Mit ein wenig Recherchearbeit in den eigenen Artikeln hätte man aber schnell zu der Erkenntnis kommen können, dass man dieses Gerücht, zumindest auf kath.net, selbst schon verbreitet hatte, am 22. März, ganz am Anfang des Pontifikats Papst Franziskus (hier). So kann es wohl schwerlich eine Erfindung Zulehners sein!

Doch damals war es der in rechtskatholischen Kreisen hoch verehrte Chefexorzist Gabriel Amorth, der sich genüsslich in abstrusen Verschwörungstheorien rund um Freimaurerei und Satanismus ergötzte, und eben nicht einer dieser "verhassten" liberalen Reformtheologen.

Amorth sagte, dass der neue Papst Franziskus eine "arme Kirche der Armen" wie Johannes Paul I. wolle. „Ich würde mir nicht wünschen, dass er so endet wie Luciani“, äußerte der Chefexorzist, doch das Freimaurertum strebe nur nach Geld und Karriere, „sie helfen sich gegenseitig“, berichtete „Österreich“ weiter.

Und kath.net war sich nicht zu schade dafür, die unsinnigen Verschwörungstheorien des Exorzisten noch weiter auszuführen, in der italienische Politiker der Freimaurerei bezichtigt werden und von einer Vergiftung Johannes Paul I ausgegangen wird, weil dieser die Vatikanbank reformieren wollte. Übrigens beteiligte sich auch katholisches.info an diesen Verschwörungstheorien um das nur 33 Tage währende Pontifikat Albino Lucianis, der angeblich einen freimaurischen fünfzackigen Stern in seinem Wappen führte. Man stellte diese Diskussion allerdings dann auch ganz schnell wieder ein, als ein Kommentator darauf hinwies, dass auch der Piusbischof Fellay einen solchen Stern im Wappen trägt (hier).

Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass es hüben wie drüben Menschen gibt, die sich Sorgen um Franziskus machen. Beten wir dafür, dass diese unbegründet sind und dass er weiter fortschreitet auf dem Weg der Reform der Kirche.

14.9.13 10:11, kommentieren

Wirtschaftskompetenz und innerkirchliche Solidarität

Heute stolperte ich im Internet über einen Artikel (hier), der sich mit den Aussichten der Alternative für Deutschland (AfD) bei der Bundestagswahl am kommenden Wochenende beschäftigt. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Ursula von der Leyen schließt darin jede Zusammenarbeit der Union mit der AfD kategorisch aus.

"Wer Europa spalten will, kann kein Partner der Europapartei CDU sein", sagte von der Leyen der "Welt am Sonntag". Die Arbeitsministerin appellierte an die Union, in den letzten Tagen des Bundestagswahlkampfs deutlich zu machen, "wie sehr Deutschland profitiert hat von Europa und seiner gemeinsamen Währung". Die AfD trage "den Spaltpilz nach Europa", betonte von der Leyen. Sie sage nur, was sie zerstören wolle, aber nie, wie die Zukunft aussehen solle. […] Die Zukunft liege "in einem vereinigten Europa, das seine gemeinsamen Werte hochhält, und nicht in versprengten Einzelstaaten, die man im globalen Wettbewerb mit Asien und Amerika einfach unterbuttert", so die Ministerin.

Dabei – und das ist der Grund, weshalb ich diesen Beitrag überhaupt erwähne – argumentiert sie ähnlich wie der Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Anfang August im Badischen Tagblatt. Auch kath.net berichtete:

"Unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten“, sagte er gegenüber dem Badischen Tagblatt wie die "Junge Freiheit" berichtet. Laut Zollitsch handle es sich dabei um ein "paar Nostalgiker", die seiner Meinung nach an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern sollten. Zum Euro sehe der Erzbischof keine Alternative "Denn der zwingt uns, weiter zusammenzukommen.“

Diesem kurzen und sachlichen Beitrag folgten dann jedoch vier weitere, die der AfD ein Forum boten (z.B. hier) und sie gegen den Erzbischof aus Freiburg verteidigten. Kath.net fungierte schon fast als Werbeplattform für die AfD, die schließlich auch einen engen Kontakt zur Jungen Freiheit pflegt, die auf kath.net wiederum fleißig beworben wird.

Ein Argument, das  gegen den Bischof in Stellung gebracht wurde, war die fehlende Wirtschaftskompetenz eines Theologen. Will man Frau von der Leyen jedoch nicht jede Kompetenz in Wirtschaftsfragen absprechen, so ist die Reputation des Erzbischofs mit ihrer aktuellen Einschätzung wohl wiederhergestellt.

Ein zweiter Gedanke, der mir in diesem Zusammenhang kam, hat mit ganz aktuellen Vorgängen im Bistum Limburg zu tun. Dort schlägt sich Bischof Tebartz-van-Elst mit einigen Problemen innerhalb wie außerhalb seiner Ortskirche herum, so dass er brüderliche Hilfe in Rom gesucht und auch gefunden hat. Neben innerkirchlichen Reibereien wurde auch eine Kampagne der hiesigen Medien gegen den Limburger Bischof diagnostiziert. Doch van-Elst schlägt sich nur mit den säkularen Medien herum, die der Kirche oft kritisch gegenüber stehen. Erzbischof Zollitsch hingegen wird von einem katholischen Portal angegriffen und angefeindet, das sich für eine rechtspopulistische Partei und eine ebensolche Wochenzeitung stark macht. Man wünschte sich auch für ihn bischöfliche Solidaritätsbekundungen und Unterschriftenaktionen.

16.9.13 18:38, kommentieren

Kein Kommentar

Vor einem Monat berichtete ich bereits davon, dass kath.net die Kommentarfunktion unter einem Artikel über die rechtspopulistischen FPÖ nicht zur Verfügung stellte (hier). Auch ein aktueller Beitrag mit dem Titel Sachsens Bischöfe: NPD für Christen nicht wählbar kommt ohne Kommentarfunktion daher. Offenbar möchte man sich die Moderation rechter Kommentare ersparen.
 
Doch gleich rechts neben dem Artikel prangt der Werbebanner der Jungen Freiheit, so dass frustrierte Kommentatoren gleich weiterklicken können. Da werden die rechte Kommentare garantiert freigeschaltet!
 
Bischof Heiner Koch spricht sich in dem kath-net-Artikel für die Unvereinbarkeit des christlichen Glaubens mit der Wahl der NPD aus.
 
"Wer in existenzieller Not aus seiner Heimat fliehen muss, braucht Hilfe und eine menschenwürdige Behandlung. Parteien, die zu Ablehnung und Hass gegen diese Menschen aufstacheln, stehen zur christlichen Botschaft in krassem Widerspruch."
 
Weshalb kath.net sich aber dann für die AfD  stark macht (hier), bleibt wohl ein Geheimnis. Deren Frontmann Bernd Lucke fordert nämlich, dass Rumänien die Sozialleistungen für Sinti und Roma in Deutschland zahlen soll. Einwanderer nennt er „eine Art sozialen Bodensatz, der lebenslang in unseren Sozialsystemen verharrt“ (hier). UPDATE: Gegen die NPD geht zur Zeit übrigens das thüringische Innenministerium vor, weil auf Plakaten Sinti und Roma diskriminiert werden. Diese meinte man auch auf der Zufahrt zur KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora platzieren zu müssen, wo eine Vielzahl Sinti und Roma ermordet wurden (hier).
 
Da erübrigt sich tatsächlich ein jeder Kommentar!

3 Kommentare 18.9.13 19:13, kommentieren

Mertes spricht Klartext

Wenn man als Katholik zur aktuellen Diskussion um die Pädophilendebatte bei den Grünen angesprochen wird, kann es für mich nur eine einzige Antwort geben, die Klaus Mertes präzise formuliert:

"Ich kehre vor meiner eigenen Tür."

Es verwundert schon sehr, wie sich einige katholische Portale und Blogs auf dieses Thema stürzen. Der Missbrauchsskandal von 2010 scheint längst vergessen.

19.9.13 15:10, kommentieren

Ein Papst ohne Angst

Der Papst gibt ein Interview von monumentaler Größe. Ich bin völlig überwältigt... Die Worte haben mich tief berührt... Die Liebe, Wärme und Stärke dieser Worte lassen mich hoffen, dass dieser Papst in der Lage ist, die Kirche so zu reformieren, dass ebendies wieder bei den Menschen unserer Tage ankommt: Liebe, Wärme und Stärkung...

Ich muss diese Worte erst enmal sacken lassen und werde mich wohl in zukünftigen Beiträgen noch damit beschäftigen. Vorerst bleibt mir nur dem Papst für diese weisen und mutigen Worte zu danken!

 

Interview mit Papst Franziskus, Teil 1

Interview mit Papst Franziskus, Teil 2

3 Kommentare 20.9.13 08:30, kommentieren

Splitter aus Franziskus Interview

Meine Begeisterung über das aktuelle Papst-Interview habe ich ja bereits zum Ausdruck gebracht und angekündigt, einige Passagen zu kommentieren. Dies möchte ich in einem ersten Anlauf aus Zeitmangel mit der Verlinkung eines früheren Artikels tun, der mir irgendwie passend erscheint, weil er eine Schnittmenge enthält: Die Fassbarkeit Gottes.

 

Franziskus im Interview:

„Denn Gott ist voraus, Gott ist der immer Voraus-Seiende … Gott ist ein wenig wie die Mandelblüte in Deinem Sizilien, Antonio, die immer als erste blüht. Das lesen wir bei den Propheten. Daher begegnet man Gott beim Gehen, auf dem Weg. Hier könnte einer sagen: Das ist Relativismus. Ist es Relativismus? Ja, wenn man ihn schlecht versteht - wie einen verschwommenen Pantheismus; nein, wenn man ihn im biblischen Sinn versteht, für den Gott immer eine Überraschung ist. Daher weißt du nie, wo und wie du ihn triffst. Nicht du fixierst Zeiten und Orte der Begegnung mit Ihm. Man muss daher die Begegnung erkennen, ausmachen. Dafür ist die Unterscheidung grundlegend.“

„Wenn der Christ ein Restaurierer ist, ein Legalist, wenn er alles klar und sicher haben will, dann findet er nichts. Die Tradition und die Erinnerung an die Vergangenheit müssen uns zu dem Mut verhelfen, neue Räume für Gott zu öffnen. Wer heute immer disziplinäre Lösungen sucht, wer in übertriebener Weise die ‚Sicherheit‘ in der Lehre sucht, wer verbissen die verlorene Vergangenheit sucht, hat eine statische und rückwärts gewandte Vision. Auf diese Weise wird der Glaube eine Ideologie unter vielen. Ich habe eine dogmatische Sicherheit: Gott ist im Leben jeder Person. Gott ist im Leben jedes Menschen. Auch wenn das Leben eines Menschen eine Katastrophe war, wenn es von Lastern zerstört ist, von Drogen oder anderen Dingen: Gott ist in seinem Leben. Man kann und muss ihn in jedem menschlichen Leben suchen. Auch wenn das Leben einer Person ein Land voller Dornen und Unkraut ist, so ist doch immer ein Platz, auf dem der gute Same wachsen kann. Man muss auf Gott vertrauen.“

 

Fertige Antworten und Selbsttäuschung

4 Kommentare 20.9.13 16:17, kommentieren