Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Archiv

leichtfertiger Populismus

Ein deutscher Schriftsteller hält das Evangelium vom Reich Gottes für leichtfertigen Populismus (hier). Am Sabbat habe der Mensch die Pflicht Gott zu huldigen, der Sabbat sei mitnichten für den Menschen da!

Jesus selbst habe zwar keine Popstar-Allüren, aber er wisse den öffentlichen Auftritt zu nutzen. Zudem mache der Initiator der katholischen Kirche durch sein bescheidenes Auftreten "'kultische Insignien' zu Nebensächlichkeiten".

Die Prophezeiung der Zerstörung des Allerheiligsten sei eine Unverfrorenheit gewesen. Damit werden "die 'zelebrierende Priester' auf eine niedrigere Stufe gestellt", so Schramm. Das Gerede vom Dienst der Mächtigen am Geringsten führe zu einer verqueren Weltordnung.

Die "Gemütlichkeit der neuen Armut" habe darüber hinaus etwas "leichtfertig Populistisches". Infolge seiner Appelle, die Kirche gehöre an die Seite der Armen, verarme "die allererste Priorität: die des gemeinschaftlichen Kultes". Daher bleibe die Beliebtheit Jesu ohne Wirkung auf das religiöse Leben. Das Scheitern am Kreuz sei die logische Konsequenz gewesen.

1 Kommentar 6.2.14 18:04, kommentieren

Gegen den Zeitgeist

Bis zum Erbrechen wird die Vokabel vom Zeitgeist als Totschlagargument gegen Reformen in der Kirche in Stellung gebracht (aktuell hier). Es ist ermüdend immerzu dagegen anzuschreiben, deshalb hier ein paar Links zu vergangenen, zeitgeistigen Gedanken: Benedikt XVI (Jesusbuch und Entweltlichung), Prälat Imkamp, Franziskus.

2 Kommentare 9.2.14 12:14, kommentieren

Yogis Kampf

Auf Zölibat und Mehr ist Yogi aktuelle wieder aktiv in Sachen Völkerverständigung. Der Islam sei ebenso wie Hitlers „Mein Kampf“ mit dem Grundgesetz und den Menschenrechten nicht vereinbar. Beides gehöre verboten, Moscheen geschlossen und radikale Muslime ausgewiesen.

Wenn man bedenkt, dass Hitler in „Mein Kampf“ eine perfide Verteufelung einer religiösen Minderheit betreibt, die er für das gesamte Elend der Menschheit verantwortlich macht, scheint mir Yogis Blog doch eine deutlich größere Schnittmenge mit diesem Pamphlet aufzuweisen als der Koran. Aber da sin mer auf der katholischen Blogliste ja nit so pingelisch…

10.2.14 18:27, kommentieren

Kirchenbilder in der Diskussion

"Zwischen Tebartz und Meisner - Wo bleibt der Papst?", hieß es letzte Woche in einer Talkrunde auf Phönix, die ich hier gerne empfehlen, auf deren Themen ich aber nicht weiter eingehen möchte.

Lediglich ein Wortwechsel am Ende der Sendung hat große Bewunderung bei mir ausgelöst. Jochen Riebel, Vermögensverwaltungsrats-Mitglied im Bistum Limburg, entgegnete dem katholischen Politiker Wolfgang Thierse, dass der Papst letztendlich noch die alleinige Lehrautorität in Fragen der Glaubens und Sittenlehre innehabe. Dieser sei mitnichten verpflichtet, das Ergebnis einer Bischofsynode umzusetzen.

Diese Aussage quittierte Thierse mit der Bemerkung, dass Riebel ein Kirchenbild habe, das vergangenen Jahrhunderten entstamme. Mit Verweis auf das Zweite Vatikanum hob Thierse auf die kollegiale Entscheidungsfindung von Papst und Bischöfen ab. Damit machte er Riebel schnell mundtot, der sich allerdings auch nicht gerade als gut informierter Kenner des letzten Konzils outete, als er die Abstimmungen über die Konstitutionen und Dekrete leugnete.

Auf der anderen Seite hat Riebel aber natürlich trotzdem Recht. Es ist ja nun wirklich nicht so, dass die Kirche seit Mitte der sechziger Jahre nun demokratische herbeiführte Lehrentscheidungen verkündet. Bei den entscheidenden und meist diskutierten Lehrentscheidungen seither hat sich immer wieder eine Minderheit gegen eine Mehrheit durchgesetzt. Das gilt für die Pillenenzyklika Humanae Vitae und das gilt für das Apostolische Schreiben Ordinatio Sacerdotalis, in dem die Unmöglichkeit der Frauenordination definitiv vorgetragen wurde. Bei letzterem zumindest in Bezug auf die mehrheitliche Überzeugung der Päpstlichen Bibelkommission, dass dieses Verbot mit dem Neuen Testament nicht vereinbar ist.

Thierse hätte sich mit seinem herbeigesehnten Kirchenbild vielleicht etwas weniger selbstsicher aufführen sollen. Mehr als hoffen, dass sich die Kirche mit Franziskus tatsächlich hin zu mehr Synodalität entwickelt, kann man zurzeit wohl nicht.

11.2.14 18:43, kommentieren

Dunkelkatholiken und Lichtgestalten

Eine der vielen Lichtgestalten der katholischen Welt in Deutschland, Prälat Wilhelm Imkamp, hat sich vorgenommen, denen etwas Licht zu bringen, die im Dunkel der katholischen Morallehre leben (hier).

"Die Frauen und Männer - es sind gar nicht so wenige - die sich oft unter schweren Qualen entschieden haben, nach einer gescheiterten Ehe in Treue zu Gottes Geboten, so wie sie vom Lehramt der Kirche in eindeutiger Kontinuität vorgelegt werden, auf eine zweite Partnerschaft zu verzichten; häufig verlassen, oft alleinerziehend, haben sie attraktive Angebote“ abgelehnt!"

Und ich bin ihm dankbar für seine erhellenden Worte, zeigen sie doch auf beeindruckende Weise die dunkle Seite ebendieser Morallehre. Hier wird das Wohl von Menschen, das von Frauen, Männern und vor allem auch von Kindern, durch das propagierte göttliche Gebot verhindert. Was für ein schreckliches Gottesbild?!

Wenn man sonst gerade in diesen konservativsten Kreisen das Wohl des Kindes über alles stellt und mit der Forderung nach einem Vater und einer Mutter für jedes einzelne Kind gegen die Adoption durch Homosexuelle argumentiert, sieht die Sache im Falle einer Trennung ganz anders aus.

Imkamp betont ja geradezu den verlassenen, allein erziehenden Elternteil, der trotz „attraktiver Angebote“ zum Wohle Gottes, nicht zum Wohl des Kindes, alleine bleibt.  Was für ein Gottesbild?!

In dieser verqueren Logik müsste Imkamp die Verstärkung des Leides dieser Menschen durch „das Schweigen und Beschweigen von Priestern, Moraltheologen, Religionslehrern und auch Bischöfen“ im Grunde auch noch als etwas Positives darstellen. Denn Leid scheint Gott ja zu gefallen.

Und trotzdem flackert auch hier etwas Licht auf; diese Priester, Moraltheologen, Religionslehrer und Bischöfe sind tatsächlich nicht bei diesen Menschen. Sie verjagen sie, treiben sie aus der Kirche. Wer möchte auch schon einem solchen Gottesbild huldigen?!

Damit allerdings wäre auch seine abschließende Aussage widerlegt, dass nämlich die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zu Ehe und Familie ein flächendeckendes Versagen bei der Vermittlung des Glaubenswissensaufdeckten. Gerade diese unbarmherzige Vermittlung von Glaubenswissen ist für die Massenaustritte verantwortlich. Man wünschte sich, sie und ihre Verkünder würden wieder aus dem Licht der Öffentlichkeit treten, damit das Licht der christlichen HEILS-Botschaft das Leid dieser Menschen mindert und nicht steigert.

12.2.14 11:44, kommentieren

Die Frau in der Kirche

Wenn man die katholischen Nachrichten etwas genauer liest, dann kann man die Kämpfe nachvollziehen, die im Vatikan rund um die Gestaltung der Kirchenreform ausgefochten werden. Während Kardinal O’Malley, Mitglied des C8-Rates, sich eine Frau als Leiterin einer neuen Kongregation für die Laien, die von Kardinal Maradiaga ins Spiel gebracht wurde, vorstellen kann (hier), schließt der Präfekt der Glaubenskongregation Erzbischof Müller dies kategorisch aus (hier). Es bleibt also spannend…

4 Kommentare 12.2.14 17:32, kommentieren

katholische Defizite und Fehlentwicklungen

Katholische Fehlentwicklungen haben zurzeit Hochkonjunktur! Es mag am Jahrestag des neuen Pontifikates oder dem damit verbundenen Jahrestag des Rücktritts Benedikt XVI liegen, dass die katholischen Fundis völlig durchdrehen?! Vielleicht ist es aber auch nur ein Zufall, dass sich die Präsenz der üblichen katholischen Schreihälse in der medialen Öffentlichkeit gerade so konzentriert.

Märtyrer möchte man sein. Die Wahrheit in eine böse, ablehnende Welt schreien, um dann als wehrloses Opfer zerfleischt zu werden. Denn das, so weiß man aus der Bibel, ist das Schicksal des Gottesfürchtigen in der Welt. Das möchte man haben und provoziert deshalb die Ablehnung.

Paradebeispiel für einen solchen Möchtegernmärtyrer ist Matthias Matussek (hier), dicht gefolgt von Wolfgang Ockenfels (hier) und der Kelle Family (hier). Sekundiert wird die ganze Schose natürlich von kath.net und seinem Internetmob und unzähligen rechtskatholischen Blogs.

Jetzt ist es in diesem Milieu also auch schon schick geworden, sich für seine homophobe Haltung öffentlich feiern zu lassen. Ich mag den schwachsinnigen, pseudoreligiösen Argumentationen schon gar nichts mehr entgegen halten. Das haben andere schon perfekt erledigt (hier, hier, hier und hier). Die argumentative Prügel hat Matussek  gefordert und bekommen.

Aber, und das ist mir wichtig zu betonen, das macht ihn und die anderen eben noch lange nicht zu Märtyrern! Diese haben das Evangelium, die Reich-Gottes-Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen, in die Welt getragen und sind dafür von den Mächtigen der Welt verurteilt und bis in den Tod verfolgt worden. Unsere Pseudomärtyrer suhlen sich in ihrer rechtskatholischen Selbstgefälligkeit, genießen den Applaus aus diesem mächtigen Milieu und feiern sich anschließend auf regelmäßigen Treffen in vatikanischen Palästen ob ihrer Rechtgläubigkeit (z.B. hier).

Doch diese Rechtsgläubigkeit hat eben ein entscheidendes Defizit, sie verletzt Unschuldige und schafft Leid. Das unterscheidet diese Unglückspropheten von Verkündern des Evangeliums, so einfach ist das. Das macht sie andererseits aber dann doch wieder zu Opfern, die des Heils und der Zuwendung bedürfen. Doch dazu müsste man ihnen im Grunde zuerst einmal sagen, dass sie der Kirche und sich selber schaden.

Was mich aber wirklich entsetzt, ist die Tatsache, dass dieses ganze Milieu nicht die Spur von Kritik von offizieller kirchlicher Seite bekommt. Niemand scheint sich in der Kirche für den Hass und die Propaganda dieser Leute zu interessieren. Und an der Stelle wäre ich fast schon bereit in das Lamentieren der Fundis über die deutschsprachigen Bischöfe einzustimmen. Weit und breit niemand, der Verantwortung für die Kirche übernimmt und Schaden von ihr abwendet.

Doch dann sehe ich da doch einen, der schon mehrfach die richtigen Worte gefunden hat (hier)… Der steht deshalb auch unter Dauerbeschuss aus diesem Milieu (hier), weil er das macht, wovor unsere tapferen Hirten wohl zu viel Angst haben. Und das macht mir Hoffnung! Vielleicht macht das ja doch irgendwann einmal Schule und es traut sich noch jemand?!

8 Kommentare 15.2.14 10:32, kommentieren