Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Zeichen der Zeit

Alle Welt freut sich über Papst Franziskus und seinen neuen Stil. Nur im konservativen Lager hört man ununterbrochen die Mahnungen und Relativierungen in Bezug auf diese positive Grundeinstellung der Menschen dem Papst gegenüber. Vom ersten Tag seines Pontifikates an stellte sich dieses Grummeln ein.

Zu den Dauernörglern und Mahnern gehören auch Kardinal Müller (hier) und Erzbischof Gänswein (hier). Der Papst würde in der Öffentlichkeit falsch dargestellt und diese Öffentlichkeit würde sich noch sehr wundern, wenn die erste Euphorie einmal vorüber sei. Warum freut man sich eigentlich nicht darüber, dass der Papst einen Draht zu den Menschen hat?

Bis jetzt jedenfalls, ein Jahr nach dem spektakulären Amtsverzicht Benedikt XVI, hat sich an der positiven Beziehung zwischen Franziskus und den Menschen noch nichts verändert, weshalb die beiden Genannten und andere konservative Kirchenfürsten (hier) ihre Sicht wohl auch immer wieder beschören.

Vielleicht aber sind es genau diese Reaktionen, die so hoffnungsfroh stimmen. Franziskus funktioniert eben nicht so, wie man es aus dieser Ecke von einem Papst erwartet.

4 Kommentare 4.3.14 10:14, kommentieren

Reinigendes Geschrei

Was ist eigentlich los in diesem Land? Offenbar geht es uns wirklich viel zu gut. Vor lauter Langeweile haut ein Promi nach dem anderen (z.B. hier) irgendwelche Provokationen raus. Und da es mittlerweile ziemlich schwer geworden ist zu provozieren, muss man schon den Dreck unter der untersten Schublade zusammen fegen, um die Empörungsmaschinerie anzukurbeln.

Das ist der Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff nun wirklich auf’s Vortrefflichste gelungen (hier). Ein paar Brocken verpöntes Nazivokabular, ein paar braune Anspielungen, untrennbar gepaart mit den gängigen „Die Gedanken sind frei und das wird man doch noch sagen dürfen“-Rechtfertigungsfloskeln, und fertig ist das Skandälchen, das die scheinbar ebenso gelangweilten Medien dankbar aufgreifen.

Und ja, ich greif’ es auch auf. Gar nicht so sehr, weil ich mich provoziert fühle, vielmehr, weil es mich ankotzt, dass diese Leute ihre Gülle auch noch christlich begründen. Und ich greife es auch auf, um diese Gelegenheit einmal zu nutzen, um deutlich zu machen, dass ich wirklich nichts, aber auch gar nichts, gegen Leute wie z.B. Yogi, den Kreuzknappen, Matthias Matussek oder wen auch immer habe, die der Meinung sind, ihre homo- oder islamophoben  Gedanken in die Welt hinaus zu schreien.

Nein! Ich finde es gut. Ich unterstütze es. Auch Frau Lewitscharoff soll und darf die finstersten Gedanken, die ihr so kommen, wenn sie an Menschen denkt, die nicht auf natürlichem Wege gezeugt wurden, und die sie deshalb als „Halbwesen“ bezeichnet, in die Welt hinausschreien. Das ist gut, das befreit und das regt zu wünschenswerten Diskussionen an. Einen guten Überblick zu dieser Diskussion gibt es übrigens auf dem Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (hier).

Was mir aber wie gesagt massiv gegen den Strich geht, weshalb ich auch diesen Blog betreibe, ist die Tatsache, dass diese Leute ihre Ressentiments mit dem Christentum begründen, meine Kirche mit in ihre Jauchegrube ziehen. Dagegen möchte ich etwas sagen, weil ich denke, dass es gerade der Kritik aus dem Inneren der Kirche bedarf, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten. 

Am Beispiel Yogi heißt das: Ich heiße es gut, dass der seinen Hass in die Welt schreit, ich halte es aber für völlig indiskutabel, dass er damit auf einer katholischen Blogliste verlinkt wird. Meine Kritik richtet sich viel mehr gegen den Betreiber dieser Liste als gegen Yogi selbst.

So bin ich auch gegen ein NPD Verbot. Sollen sie marschieren, öffentliche Reden halten, im Fernsehen auftreten. Mir ist es lieber, man weiß, wer dazu gehört und man kann dem dummen Geschwätz etwas entgegen halten, als dass die ganze Geschichte in den unkontrollierbaren Untergrund gerät. Aber Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie und Homophobie sind aus meiner Sicht unvereinbar mit dem Christentum. In der Kirche hat das alles nichts zu suchen.

Also, lasst alle euren Hass und eure Wut, hinter der ja im Grunde nur Angst steht, heraus. Aber beschmutzt dabei die Kirche nicht!

8 Kommentare 7.3.14 09:37, kommentieren

In Spiegelschrift

Heute entdeckte ich einen erstaunlichen Spiegel-Artikel zu einem kath.net-Beitrag, beide möchte ich hier unkommentiert dokumentieren.


Vatikan kritisiert Anti-Schwulen-Gesetz in Uganda

London (kath.net) Der Vatikan hat das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda kritisiert. Der Präsident des päpstlichen Menschenrechtsrates, Kurienkardinal Peter Turkson, rief Ugandas Staatspräsident Yoweri Museveni auf, die harten Strafen außer Kraft zu setzen. «Homosexuelle sind keine Verbrecher», sagte der ghanaische Kardinal laut der britischen Zeitung «Catholic Herald» (Online Dienstagabend). Schwule und Lesben dürften nicht zu einem Leben in Haft verurteilt werden.

Die Ugandische Bischofskonferenz hatte vor der Unterzeichnung des Gesetzes durch Museveni vergangene Woche erklärt, sie unterstütze Homosexualität nicht, sei aber gegen die harte Bestrafung. Stattdessen solle man Homosexuellen mit Mitleid begegnen, erklärte der Generalsekretär der Bischofskonferenz, John Baptist Kauta, laut dem US-amerikanischen Pressedienst Catholic News Service (CNS). Auch glaube man, dass sie «sich ändern» könnten.

 

Diyanetic İşlmri Başkangluk kritisiert das Anti-Christen-Gesetz in Al Atolien

Ankora  (Hurryyep) Das Diyanetic İşlmri Başkangluk hat das Anti-Christen-Gesetz in Al Atolien kritisiert. Der Präsident des Diyanetic, Mehmet Gyrnzu, rief König Ismail auf, die harten Strafen außer Kraft zu setzen. «Christen sind keine Verbrecher», sagte der Diyanetic-Präsident laut der britischen Zeitung «Catholic Herald» (Online Dienstagabend). Katholiken und Protestanten dürften nicht zu einem Leben in Haft verurteilt werden.

Die atolische Religionskonferenz hatte vor der Unterzeichnung des Gesetzes durch König Ismail vergangene Woche erklärt, sie unterstütze Christen nicht, sei aber gegen die harte Bestrafung. Stattdessen solle man Christen mit Mitleid begegnen, erklärte der oberste religiöse Führer der Konferenz, Ali Kutata, laut dem US-amerikanischen Pressedienst Catholic News Service (CNS). Auch glaube man, dass sie «sich ändern» könnten.

 

4 Kommentare 8.3.14 09:16, kommentieren

Erfreuliches in der Fastenzeit

Ein erfreulicher Beitrag des Kreuzknappen (hier) differenziert zwischen radikalen Muslimen und der friedlichen Mehrheit, die sich in Deutschland um Integration bemüht. Damit liegt seine Bewertung des Islams und der Muslime jenseits der Pauschalkritik, die man auf dem von ihm verlikten Blog Zölibat und Mehr verfolgen kann.

10.3.14 14:09, kommentieren

Das freie Wort in der Kirche

Klaus Mertes hat den diesjährigen Preis der Herbert Haag Stiftung erhalten und bei der Preisverleihung eine beeindruckende Rede zur christlichen Freiheit gehalten. Mit einem kurzen Auszug möchte ich auf die gesamte Rede verlinken (hier) und ihre Lektüre empfehlen.

"Oft gilt das freie Wort als "nicht klug". Taktische Überlegungen machen es manchmal notwendig, zu schweigen. Aber das freie Wort kann auch durch ein Übermaß an taktischer Rationalität zum Schweigen gebracht werden. Das führt am Ende dazu, dass der innerkirchliche Diskurs immer inhaltsleerer wird. Dabei wäre, inhaltlich gesehen, Niederknien vor dem Kinde so einfach in die Tat umzusetzen: Sich als Hirte auch einmal von der Herde etwas sagen und die Richtung zeigen lassen. Als Vorsitzender der Glaubenskongregation in Rom die Aufklärung von Machtmissbrauch nicht selbst in die Hand nehmen, sondern sie in andere, unabhängige Hände legen. Bei Muslimen für rassistische Äußerungen um Verzeihung bitten und barfuß eine Moschee betreten. Bei der Besetzung von Bischofsstühlen in die Diözese hineinhören, nicht nur formal, sondern mit echtem Interesse. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen."

3 Kommentare 19.3.14 09:25, kommentieren

Hardcore-Katholiken und Libertäre als PC-Opfer

Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Über Yogis Hetzseite bin ich tatsächlich auf einen unglaublich guten Artikel über die Neue Rechte in Deutschland gestoßen (hier). Dass Yogi sich an den Ausführungen Timo Steins dermaßen stößt, unterstreicht, dass Herr Stein ins Schwarze getroffen hat. Ich frag mich, wie sein Cicero-Kollege Alexander Kissler den Beitrag findet?!

21.3.14 16:08, kommentieren

Papst Franziskus mahnt katholische Medien zu verantwortlicher Berichterstattung

„Rufmord ist eine Todsünde, aber man kann sie als solche erkennbar machen. Gerüchte sind eine Todsünde, aber man kann sagen: Das ist eine Ungerechtigkeit, denn diese Person hat zu dieser Zeit etwas getan, das sie später bereut hat, und sie hat ihr Leben geändert. Aber Desinformation bedeutet, nur die Hälfte mitzuteilen; nur den Teil, der für mich besser ist. Und so kann derjenige, der Radio hört oder Fernsehen schaut, sich kein vollständiges Urteil bilden, da er nicht die Mittel hat und sie ihm nicht gegeben werden. Bittet meidet diese Sünden.“ (vgl. hier)

Mit deutlichen Worten ermahnt Papst Franziskus die öffentlichen Medien zu einer seriösen Berichterstattung und spricht die Hoffnung aus, dass katholische Medien dem teilweise manipulativen Treiben ethisch verantwortete Berichterstattung entgegenhalten.

Dies sollte man sich vielleicht auch bei kath.net einmal bewusst machen! In einem aktuellen Beitrag (hier) über einen Rom-Korrespondenten der katholische Zeitschrift «The Tablet», der den emeritierten Papst Benedikt auf Facebook wohl als Ratte bezeichnete, wird ohne jeden ersichtlichen Zusammenhang darauf verwiesen, dass die Zeitung „linksorientiert“ sei und „Wir sind Kirche“ nahe stehe. Was mag man bei kath.net mit diesem Querverweis wohl bezwecken? Ein bisschen Dreck bleibt immer hängen, scheint die Strategie zu sein. Auch wenn «The Tablet» sich von dem Korrespondenten distanziert und ihn auch suspendiert, solche Leute können nach der Vorstellung der kath.net-Macher wohl nur linksorientiert sein und mit „Wir sind Kirche“ sympathisieren. Der säuberlich moderierte Kommentatoren-Mob hat es jedenfalls verstanden und nimmt die Vorlage dankbar auf.

Civil Qurage

[…] Manchmal kommt mir vor, einige Linkskatholikinnen und Linkskatholiken glauben gar nicht wirklich, sondern möchten einfach nur die Kirche zerstören. […]

Dismas

[…] Ob "Wisiki", Schüller und seine Kumpane... Ich kenne keine "Linkskatholiken", das sind Modernisten. Ich kenne nur Katholiken bzw Röm.Katholische. Wer z.B. ein Dogma ablehnt ist nicht mehr röm.katholisch, er stellt sich selbst außerhalb der Hl.Kirche.

Fides Mariae

[…] Wie in anderen bekannten Fällen ist der Journalist vermutlich homosexuell, geschieden und wiederverheiratet oder sonst irgendwie im persönlichen Leben quer zur Lehre der Kirche. […]

carl eugen

Liebe Freunde!
Regt euch nicht auf! Wir reden hier von einer Zeitung und einem Mann der "Wir sind Kirche" nahesteht. Damit ist doch alles gesagt. Diese Leute bezeichnen doch jeden als "Ungeziefer", der nicht ihre kranken Ideen teilt. 
Ich sage euch ganz ehrlich: Von solchen Leuten, die Christian Weisner und seiner kranken "Reformgruppe" nahe stehen, als "Ratte" bezeichnet zu werden, ist besser als das Bundesverdienstkreuz. Es zeigt nähmlich, dass Benedikt XVI. in seinem Pontifikat alles richtig gemacht hat! Würde er von Christian Weisner und Komparsen gelobt werden, er müsste sich fragen, was er alles falsch gemacht hat. 
Also ich rege mich wegen dieser Meldung nicht auf, und zwar deshalb, weil so ein Verhalten ausschliesslich auf den Verfasser zurückfällt. [...]

Letztendlich muss man wohl dem Kommentator GerogBer zustimmen, wenn er bemerkt:@carl eugen ...hat recht. Denn was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter aus als über Paul. (Altdeutsches Sprichwort?)“

2 Kommentare 26.3.14 11:45, kommentieren