Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Tanz, Akif, tanz!

Das braune Virus verbreitet sich langsam in der katholischen Bloggerwelt. Nachdem Yogi auf "Zölibat & Mehr" tagtäglich vom Dritten Weltkrieg phantasiert, den der Islam gegen die westliche Welt ausgerufen hat, die Flüchtlinge vor Lampedusa zurück ins Meer werfen möchte und die militärische Auslöschung des Islam fordert, freunden sich so langsam auch andere katholische Blogger mit dessen Gedankengut an. Einer seiner Lieblingsautoren, Akif Pirinçci, dem die eifeler Landluft über die Jahrzehnte offenbar nicht gut getan hat - zu viel Sauerstoff fördert wohl zerebrale Oxidationseffekte - macht so langsam die Runde in der Blogözese (hier oder hier oder hier). Yogi wird's freuen.

Als integrationswütiger Vorzeige-Deutschtürke darf er für den rechten Mob all das formulieren, was im eigenen Munde wohl als rassistische Hasspredigt abqualifiziert würde. Ein bekannter Trick, den auch Ahmadinedschad schon anwendete, als er orthodoxe Juden, die den Staat Israel ablehnen, zu einer antisemitischen Konferenz einlud. Man schiebt die Trottel vor und kann genüsslich in die Kamera grinsen: Seht ihr, die sehen das genau wie wir. Was habt ihr nur?

3 Kommentare 3.4.14 08:43, kommentieren

Zurück aus den Minen Morias

Der große Zauberer Gandalf war wirklich sehr lange in den Minen von Moria verschwunden. Nun taucht er allerdings in neuer Strahlkraft auf. kath.net spring noch auf den längst abgefahren Zug der Diskussion um Akif Pirinçcis ZDF-Auftritt. "Zensiert!", prangt es in leuchtendem Weiß auf finsterstem Schwarz neben dem Artikel über das vom ZDF gekürzte Interview (hier). Entsetzen über einen Bannfluch, den der Weiße doch selbst nur allzu gerne anwendet (vgl. hier).

Die unerwartete Verwandlung Gollums zu einem Streiter für das Gute hat das Herz Gandalfs wohl sehr berührt, so dass doch noch ein Eintrag im großen digitalen Zauberbuch erfolgen musste. Umkehr ist möglich, das Böse in uns kann besiegt werden. Gollum ist das beste Beispiel.

Doch die Mächte Saurons wollen die Rückkehr des verlorenen Sohnes kleinreden, seine Umkehr und die verkündeten Wahrheiten relativieren und verstümmeln. Dagegen muss Gandalf vorgehen. Dass er dabei die eigenen Ideale der propagierten sexualneutralen Nachwuchszüchtung etwas verkauft, wenn er gegen die orkschen Ganzkörperkampfanzüge angeht, scheint ihm vor der Dringlichkeit seines Vorstoßes unwichtig zu sein. Der Feind ist klar umrissen, die grünschleimigen Orks und blutrotverschmierten Urukais.

8.4.14 12:34, kommentieren

Von Demut und Barmherzigkeit

Den Kuss eines lesbischen Paares bei der Taufe ihres Kindes kommentiert KNA-Chef Ludwig Ring-Eifel (hier) mit den Worten: Da die Kirche nur die Sünde, nicht aber den Sünder verdammt, muss sie wohl auch dies in Demut und Barmherzigkeit aushalten.“

Wahrscheinlich hat man dem guten Mann nach seiner Kritik am rechten Arm des Benedetto-Fanclubs (vgl. hier) so den Kopf gewaschen, dass er seither nur noch die vorgefertigten Worthülsen aus den Schubladen dieser Leute wiederkäuen kann. Manchmal stellt auch so mancher Mitchrist meine Fähigkeit zu Demut und Barmherzigkeit hart auf die Probe.

Doch ich will's versuchen... Ich halte den die Liebe zweier Menschen verurteilenden Kommentar aus und nehme den Menschen Ludwig Ring-Eifel wahr. Jetzt geht es mir besser!

1 Kommentar 9.4.14 11:03, kommentieren

Theologie hinter der Klotüre

Es hat schon irgendwie etwas Absurdes. Da werfen zwei der großen kath.net-Ks den Kirchen in Deutschland vor, sich ausschließlich mit „Kokolores“ und „Trallala“ zu beschäftigen (hier). Während Kelle sich an der EKD-Initiative „Eine Tür ist genug“ und dem neuen Studienzentrum für Genderfragen“ abarbeitet, kritisiert Kissler die überarbeitete Neuauflage des Wortes zur „Ökumenischen Sozialinitiative“. Die Lehre Christi oder auch Theologie spielten für die Kirchen scheinbar keine Rolle mehr. Und so wundert sich Kelle:

Ich frage mich, was die Repräsentanten der Kirche umtreibt, sich in diesen Tagen vor dem Osterfest mit Feminismus und Klotüren zu beschäftigen.“

Dabei verbeißen sich Kelle und Kissler doch in eine Klotüre und versperren sich so den Blick über deren Rahmen hinaus. Die Lehre Christi führt nämlich nach Tod und Auferstehung zu der frühchristlichen Taufformel, die Paulus in seinem Briefe an die Galater zitiert:

Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus.“

Und so ist tatsächliche eine Tür genug, um in die christliche Gemeinschaft einzutreten, hier spielt das Geschlecht, egal wie es auch ausgeprägt sein mag, keine Rolle. Der in der Schöpfungsordnung angelegte Unterschied zwischen Mann und Frau gilt in der Christengemeinschaft nicht mehr. Also, deutsche Kolumnisten! Lasst ab von Klotüren und betreibt mit EKD und DBK Theologie für das wirkliche Leben und verkündet die Lehre Christi!

10 Kommentare 13.4.14 12:42, kommentieren

Vom Weihrauch benebelt

Jakob Augstein hat in seiner SPON-Kolumne einen lesenswerten Beitrag zum europaweiten rechtspopulistischen Wahlkampf auf dem Rücken von Flüchtlingen geschrieben (hier). Die rechte Standarderwiderung formuliert er dabei gleich mit, eine Position wie sie sich direkt oder indirekt auch auf so manch einem christlichen Blog oder Nachrichtenportal (altuelles Beispiel hier) wiederfindet.

Augstein appelliert aber gar nicht erst an eine christliche Haltung, für die es, wie Papst Franziskus wiederholt betonte, eine Selbstverständlichkeit sein müsste, diesem Elend entgegen zu treten. Nein, er appelliert an die Verantwortung der Europäer, die sich endlich ihrer verdammten Pflicht als Menschen stellen“ mögen.

Wenn aber erst einmal die Christen auf die Bauernfänger von AfD und Schlimmeren hereingefallen sind und Nicht-Christen mit Herz und Gewissen Hilfe leisten, dann wird das Christentum keinen Pfifferling mehr wert sein. Da hilft dann auch das Gold und der Weihrauch aller tridentinischen Messen nicht mehr weiter.

15.4.14 10:49, kommentieren

Katholische Medienkritik

Zur Zeit ist es in der Blogözese hipp, die öffentlichen Medien zu kritisieren. Nachdem der „romtreue“ und „papsttreue“ - zwei Etikette, die man sich selbst gerne anheftet – Tebartz-van Elst von rotgrünlinken Medien geschlachtet wurde, ist man pausenlos auf der Suche nach Beweisen für die Einseitigkeit und Voreingenommenheit der bösen Journalisten.

Nicht, dass ich der Meinung wäre, im Fall Limburg hätte es nicht durchaus kritikwürdige Medienarbeit gegeben, was mich allerdings stört, ist die Verlogenheit der obigen Kritiker. Was wird auf diesen Blogs, aber auch auf den einschlägigen katholischen Nachrichtenportalen nicht alles zensiert und manipuliert. Aufgrund dieses Verhaltens ist man wohl kaum berechtigt, anderen dasselbe vorzuhalten.

Paradebeispiel ist in diesem Zusammenhang natürlich kath.net. Die unter dem Deckmäntelchen der Moderation daher kommende Zensur hat sich mittlerweile ja herum gesprochen (vgl. hier). Ein weiteres Phänomen ist seit einiger Zeit die Deaktivierung des gesamten Kommentarbereichs, wenn man befürchtet, den rechten Kommentatorenmob nicht kontrollieren zu können (vgl. hier und hier). Dies geschieht vorwiegend bei Artikeln zu rechten Parteien in Österreich oder Deutschland. Neuerdings aber auch bei kirchenpolitischen Beiträgen.

Jüngstes Beispiel ist eine Stellungnahme Kardinal Kaspers zu einer auch auf kath.net veröffentlichten Kritik des Theologie-Professors Juan José Pérez-Soba an Kaspers Gedanken zur Weiterentwicklung der Ehepastoral. War es den Lesern unter dem Beitrag des Madrider Professors noch möglich, zu kommentieren, ist dies unter Kaspers Erwiderung nun untersagt. Die Angst, einen hochrangigen Kardinal, der auch noch von Papst Franziskus für ebendiese Gedanken zur Ehepastoral gelobt wurde, zu kritisieren, scheint dann doch sehr hoch zu sein. Eine solche Papstkritik fällt den Papsttreuen sichtlich schwer. Dabei ist sie doch völlig legitim, wenn sie nur sachlich und fundiert vorgetragen wird. Franziskus hat sogar darum gebeten. Also kath.net! Auf zur neuen Sachlichkeit!

16.4.14 10:36, kommentieren

Gründonnerstag und das Führerprinzip

In Teilen der Blogözese keimt Kritik an der Art und Weise auf, wie Franziskus die Liturgie des Gründonnerstags feiert (hier und hier). Behinderten, Flüchtlingen und Strafgefangenen (auch noch Frauen dabei...) die Füße zu waschen, sei eine „vergeudete Geste“ und zudem eine „Aushöhlung dessen, was eigentlich intendiert war“.

Die Begründung ist dabei besonders delikat, werden diese Menschen doch als „Jesus in Person“ bezeichnet und deshalb sei die Erniedrigung des Ranghöheren vor den Rangniedrigeren nicht mehr nachvollziehbar. Dabei wird doch aus diesen Kreisen immerfort darauf insistiert, dass der Papst und alle Bischöfe und Priester in der Liturgie in persona christi handeln, dies unmöglich von einer Frau ausgeführt werden könne, wie das einige Reformkatholiken fordern. Von daher bleibt die Symbolik also doch wohl aufrechterhalten. Aber das nur nebenbei. Ein viel entscheidenderes Argument wird noch nachgeliefert.

Bei der Geste Jesu am Gründonnerstag jedoch ging es darum zu zeigen, dass niemand der Meister sein und den Vorrang innehaben solle in der hierarchisch gedachten Gemeinschaft von Führenden, sondern einer des anderen Diener. Damit diese Gemeinschaft der Führenden nicht aus dem Gleis gerät- nach weltlichem Maßstab. Wenn nun nicht mehr die Führer den Führenden die Füße waschen, um ihnen ein Beispiel zu geben, wie konkret FÜHRUNG im christlichen Maßstab auszusehen hat - was geschieht dann?“

Nun finde ich diese Gedanken teilweise wirklich sehr sympathisch. Jesus gerade in den Ärmsten zu erkennen, die Kirche nicht monarchisch, sondern kollegial zu führen, alles Forderungen, die ich so unterschreiben würde! Warum es dann zum Schluss aber so massiv ums Führerprinzip geht, das verstehe ich nicht so ganz. Zumal gerade in der Fußwaschungs-Szene des Johannesevangelium nicht wie bei den Abendmahlerzählungen der Synoptiker von den Zwölf Aposteln, sondern ganz allgemein von den Jüngern die Rede ist. Um die Organisation der kirchlichen Führungselite scheint es hier also nicht zu gehen.

Sicherlich lebt Jesus den Jüngern in dieser symbolischen Handlung auch vor, wie er sich christliche Gemeinschaft vorstellt: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein (Mk 9,35). Er kehr die weltliche Ordnung um und ermöglicht der Christengemeinschaft durch seinen Liebesdienst, diese Liebe auch zu leben und weiter zu geben.

Vor allem aber ist die Fußwaschung Jesu doch eine symbolische Erniedrigung des Gottessohnes vor den Menschen, die Ankündigung seines Kreuzestodes, weshalb die Jünger auch NOCH nicht verstehen, was diese Handlung bedeuten soll. Und sogleich folgt auch ein Hinweis auf die Taufe: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keine Anteil an mir (Joh 13,9). In der Taufe stirbt der alte Mensch, wie Paulus formuliert, er wird mit Jesus gekreuzigt, steht dann aber als gereinigter Christenmensch mit ihm auch wieder auf. Dieser Vers nimmt dementsprechend eine nachösterliche Perspektive ein, die Taufe wird wohl in der historischen Situation noch nicht in den Blick genommen sein, zumal Jesus wahrscheinlich selber nie getauft hat.

Es geht bei der Gündonnerstagsliturgie auch darum aufzuzeigen, dass der erlöste Christenmensch bereit sein muss, sein Kreuz aufzunehmen und zu tragen, dem Mitmenschen beizustehen, ihm unter seinem Kreuz zu helfen, um so das Reich Gottes aufzurichten. Und nichts anderes macht Papst Franziskus. Und wie könnte er das besser veranschaulichen als an Menschen, die ganz offensichtlich ihr Kreuz zu tragen haben. Ein großes Symbol, eine große Aufforderung an uns alle, jenseits aller klerikalen Selbstbeweihräucherung.

Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt (Joh 13,34f).

So wie sich Gott in seinem Sohn vor den Menschen erniedrigt hat und diesen seine Liebe offenbart, so sollen auch wir Christen uns vor allen Menschen erniedrigen und in Liebe dienen. Deshalb ist es so wichtig, dass der Papst dies vor Flüchtlingen, Strafgefangenen und Behinderten tut. Hier wird sein missionarischer Ansatz, sein Streben zur Peripherie deutlich. Das ist wahrer Gottesdienst am Menschen. Das ist die Aufgabe eines jeden Christen, zu dienen und die Liebe Gottes zu den Menschen zu tragen. Das ist der Kern der Gründonnerstagsliturgie.

18.4.14 11:52, kommentieren