Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Auf der Straße und im Elfenbeinturm

Ok, Neukardinal Müller sieht es offfensichtlich als seine Aufgabe an, den pastoralen und Menschen zugewandten Weg des Papstes mit dogmatischen Leitplanken zu begrenzen, damit nicht noch ein Unglück geschieht und eine Frau, die 19 Jahre mit einem geschiedenen Mann, von dem sie zwie Kinder hat, zusammen lebt, zur Kommunion geht (hier). Gut, ist wohl seine Aufgabe als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Im Elfenbeinturm darf man natürlich über Ideale sinnieren.

Dass er dabei jedoch jedes Gespür für das Evangelium vermissen lässt, wundert doch schon ein wenig. Der katholische Glaube sei keine "Wohlfühlreligion", wird er aktuell auf katholisch.de zitiert (hier). Na, wenn das mal keine Botschaft ist?! Hat da nicht ein handwerklich begabter Wanderprediger aus einem Nest bei Sepphoris etwas ganz anderes über sich und sein Handeln verbreiten lassen?

"Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet." (Lk 7,22)

Aber vielleicht ist das auch eine über die Jahrhunderte verfälschte Übersetzung? Vielleicht heißt es im Orginal ja vielmehr: Geht und berichtet dem Johannes, was ihr gesehen habt: Blinde sehen die Schönheit der göttlichen Ordnung, Lahme gehen auf dem Weg der dogmatischen Präzision, und Aussätzige werden sich an der katholischen Lehre innerlich reinigen; Taube hören die Dogmen, Tote verehren sie im Himmelreich, und den Armen wird ein Katechismus gespendet. Nein, das ist wahrlich keine Wohlfühlbotschaft...

3 Kommentare 2.5.14 09:42, kommentieren

Vom Gleichsein und Anderssein

Ein leitender Redakteur der Welt, Berthold Seewald, beschäftigt sich in einem Beitrag mit den Thesen des Frankfurter Historikers Bernhard Jussen, der das Fehlen von Ehrenmorden in der Kultur des Okzidents auf das Christentum zurückführt (hier).

Nun möchte ich die Kompetenz Seewalds und schon gar nicht die des Geschichts-Professors anzweifeln, da mag Vieles wohl begründet sein, glaube ich doch auch an die positive Wirkung des Evangeliums in die Gesellschaften hinein. Was mich an diesem Beitrag allerdings stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der hier ein kausaler Zusammenhang zwischen Islam und Ehrenmorden hergestellt wird.

„Zu den Phänomenen, die die westliche Vorstellung vom Islam der Gegenwart wohl am meisten geprägt haben, gehören die sogenannten Ehrenmorde. Eine Frau tut etwas, was sie nach dem Urteil ihrer zumal männlichen Verwandtschaft nicht tun sollte, und wird von ihr umgebracht, selbst wenn die Täter damit sehenden Auges ihr Leben ruinieren. Gerade weil es sich nicht um eine Ausnahmeform wie den islamistischen Terror handelt, sondern offenbar zu den weitverbreiteten Traditionen der muslimischen Welt gehört, erhärten "Ehrenmorde" das Bild vom unheimlichen Anderssein.“


Zwar heißt es auch in den Ausführungen Seewalds schon, dass der Islam damit nicht alleine stehe: „Die Mädchentötung als Beseitigung eines "unrentablen" Familienmitgliedes wird heute noch in weiten Teilen Asiens praktiziert, per Abtreibung oder nach der Geburt.“ Doch diese Ausweitung beseitigt nicht das zuvor platzierte Vorurteil gegenüber dem Islam.

Und bevor man mir jetzt gleich wieder Relativismus und Naivität vorwirft: Nein, ich möchte die abscheulichen Gewalttaten nicht relativieren. Sie gehören bekämpft und bestraft, in aller gebotenen Härte! Und trotzdem halte ich es für einen gefährlichen Populismus, die Traditionen des Islam als Quelle dieser Gewaltverbrechen darzustellen und damit mal wieder alle Muslime in eine bestimmte Ecke zu stellen, in die Ecke der Gewaltreligion.

Und bevor man mir weiter die gängigen Suren um die Ohren schlägt, mit denen man Gewalttaten durch den Koran legitimiert sieht, möchte ich darauf hinweisen, dass man auch diese heilige Schrift auf der Grundlage historisch-kritischen Arbeitens interpretieren kann, wie dies in Europa mittlerweile auch von muslimischen Theologen geschieht. Wenn dann in Sure 24 von der Bestrafung einer Ehebrecherin die Rede ist, dann fällt doch durchaus auf, dass sich der Koran mehr auf das Problem falscher Beschuldigungen konzentriert als auf drakonische Bestrafungen.

„Wer eine ehrbare Frau des Ehebruchs beschuldigt und dies nicht durch vier Zeugen beweisen kann, den geißelt mit 80 Schlägen und nehmet dessen Zeugnis nie mehr an, denn er ist ein Bösewicht. Derjenige sei ausgenommen, der später bereuet und sich bessert, denn Gott ist versöhnend und barmherzig.“

Hier ist die grundsätzliche Tendenz der Weisungen des Korans zu erkennen, die in der historischen Situation etablierten Todesstrafen, in diesem Fall die Steinigung einer Ehebrecherin, abzumildern. Nun sind 100 Peitschenhiebe in der heutigen Zeit völlig indiskutabel, die Möglichkeit einer Scheidung (Hadith [Ausspruch des Propheten Muhmammad] Sahih al-Bukhari Nr. 5273) – sowohl durch den Mann als auch durch die Frau – verwundert moderne Ohren dann aber vielleicht doch?!

Im Grunde muss man zwischen kulturellen Praktiken und der Lehre des Islam wohl schon unterscheiden. Aussagen, wie sie in dem Beitrag von Seewald formuliert sind, bewirken wahrlich nichts Gutes, sie fördern lediglich gängige Vorbehalte gegenüber dem Islam.

Letztendlich halte ich die ganze Ausrichtung dieses Beitrags für problematisch. Sieht es denn in unseren christlichen Gesellschaften wirklich so viel besser aus? Wenn man den Begriff Ehrenmord einmal mit Familiendrama in unsere Kultur übersetzt, dann halte ich die Zahlen der in  Deutschland registrierten Ehrenmorde für vergleichsweise gering.
 
Eine wissenschaftliche Studie des  Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht (vgl. hier), die im Auftrag des Bundesministerium des Innern durchgeführt wurde, kam 2011 für den Zeitraum von 1996 bis 2005 auf 7-10 Fälle von Ehrenmorden pro Jahr. Gleichzeitig wurde analysiert, dass die Berichterstattung in den Medien  zu Ehrenmorden seit 2004 explodierte, nämlich von unter 10 in den Vorjahren auf bis zu 450 in den Folgejahren. Und selbst die wissenschaftlichen Arbeiten(!) zumThema stiegen dramatisch an.

Hier wird noch einmal sehr deutlich, welche fatale Wirkung die leider oftmals auch christlichen Schreihälse des rechtspopulistischen Spektrums haben! Es wird eine Welt konstruiert, die es so gar nicht gibt! Und wenn man vor diesem Hintergrund einfach einmal Familiendrama in die Suchmaschine hackt, dann bekommt man einen Eindruck davon, welche Dimension dieses westliche Phänomen hat!  Wenn ich meinen Blick nur auf aktuelle Fälle in meiner näheren Umgebung richte, dann komme ich aus dem Lesen schon kaum noch heraus (z.B. hier, hier, hier oder auch hier). Ein Bild vom unheimlichen Gleichsein!

2.5.14 14:56, kommentieren

Ein launischer Kommentar

Für das Salz in der traditionellen Burgsuppe sorgt auf kath.net oftmals der launige Klartext eines weihsen Bischofs (hier).

Die Gefahr des Missbrauchs [von Kindern] ist bei homosexuellen Menschen höher als bei Heterosexuellen (Vgl Dariusz Oko). Wenn die homosexuelle Neigung eine „Unordnung“ im Bereich der Sexualität ist, ist zu erwarten, dass sich diese auch in einer anderen Richtung manifestieren kann, nicht muss, aber eben kann! Das ist kein pauschales moralisches Urteil über alle Homosexuelle, sondern sagt nur etwas aus über Versuchbarkeit, Gefährdungen und die Wahrscheinlichkeit eines Missbrauchs!

Es ist ja auch kein Pauschalurteil über Männer, wenn man feststellt, dass Missbrauchstäter viel häufiger Männer sind als Frauen. In der kirchlichen Tradition spricht man bezüglich aller Sünden von einer „entfernten“, höheren“ oder „nächsten“ „Gelegenheit zur Sünde“, die je nach Gefahrenstufe zu meiden sei. Wer Kinder, für die es ohnehin Adoptiveltern gibt, zu einem homosexuellen Paar gibt, schafft die genannte „nächste Gelegenheit“!“

Heißt doch ins Verständliche übersetzt: Da Missbrauchstäter mehrheitlich Homosexuelle und Männer sind, halbiere ich die potenzielle Missbrauchsgefahr, wenn ich Kinder nicht in die Obhut von schwulen Paaren gebe. Mensch Laun, Sie sind ja echt ein gerissener Hund!

Das perfekte Paar, weil vor dem Hintergrund der nächsten Gelegenheit zur Sünde sicherste, wäre aber dann doch ein lesbisches, oder? Die sind zwar auch homosexuell, aber keine Männer, die Gefahr müsste - jetzt nageln Sie mich nicht drauf fest, bin kein guter Mathematiker - gegenüber einem schwulen Paar um mindestens 75% reduziert sein, gegenüber dem heterosexuellen Paar um 50%. Nahezu 100%ige Sicherheit erreicht nur eine alleinerziehende heterosexuelle Frau, die dann allerdings das Problem hat, dass die Vaterrolle für das Kind unbesetzt bleibt. Aber da gibt es ja Lösungen, die allerdings schon wieder das Missbrauchsrisiko erhöhen.

Laun, merken Sie was?! Die Geschichte mit der Sicherheit ist ziemlich kompliziert! Vor allem, wenn Sie jetzt auch noch weitere Ansprüche an potenzielle Väter stellen, und das tun Sie! Sie dürfen nicht geschieden sein, sie dürfen nicht Priester sein, auch wenn sie der Vater sind, dann spielt die wichtige Vaterrolle nämlich keine Rolle mehr, oder? Klar, homoerotische Phantasien dürfen die auch nicht haben. Wie beweist man eigentlich die eigene vollkommene Heterosexualität?

Wissen Sie, Laun, was ich mich in dieser ganzen Debatte immer frage?! Warum lässt Gott es überhaupt zu, dass Kindern die Eltern genommen werden? Und warum verlangt er dann so etwas, wie Sie es hier formulieren? Reicht die Liebe zweier Menschen nicht vielleicht doch aus, um ein Kind zu erziehen? Das frage ich Gott immerzu. Wie viele Kinder sind schon erfolgreich und gesund von nur einem Elternteil erzogen worden, wie viele von Verwandten, von Fremden, von Männern und von Frauen? Kein Hahn hat danach gekräht.

Denken Sie doch Ihre ungeordneten Konstruktionen einmal zu Ende! Heißt es nicht auch, dass die meisten Missbräuche in der Familie passieren? In der Familie von Mann und Frau versteht sich. Welche Sicherheitsmaßnahmen sollten denn aus dieser Tatsache folgen? Vielleicht sollten Familien grundsätzlich keine Kinder mehr erziehen, das kann doch der Staat oder die Kirche viel besser. Jetzt höre ich die Kelle-Family schon toben. Ist nicht so gemeint, mir geht’s nur um den Laun mit seiner Logik.

Und was bedeutet diese verquere Logik auf die Kirche angewendet? Da geistliche Missbrauchstäter nahezu ausschließlich Männer sind, sollte man Kinder möglichst nicht in die Obhut eines Geistlichen geben. Beim Kommunionsunterricht sollten Eltern also auf jeden Fall darauf achten, ihre Zöglinge zu einer Katechetin in die Gruppe zu geben! Niemals zum Pfarrer! Denkt an die nächste Gelegenheit zur Sünde!

Dass Ihre launische Verquickung von Homosexualität und Kindesmissbrauch völlig daneben ist, kann man im Übrigen schon daran ablesen, dass Sie als Referenz nicht etwa einen Psychiater oder Sexualwissenschaftler anführen, nein, Sie berufen dich auf einen anderen Fundigeistlichen aus Salzbughausen. So funktioniert die phantastische Welt im Innern der Burg.

Wären alle Fundis mit vergleichbarer Suicidlogik ausgestattet, man könnte sie glatt sich selbst überlassen und auf ihr Aussterben hinter der Salzburgmauer warten. Dann noch schnell ein katholisches Bestattungskommando durchgejagt und die Sache wäre Geschichte. Aber leider ist es nicht so einfach, fast so wie mit der sicheren Kindererziehung...

3 Kommentare 4.5.14 12:03, kommentieren

Traditionalistische Selbstausgrenzung

Im Lager katholischer Traditionalisten ist man zur Zeit bemüht, diese Bezeichnung zu relativieren und den Traditionalisten als den wahren Katholiken zu präsentieren. Man lehnt Parteiungen innerhalb der Kirche ab und beruft sich auf die immerwährende Lehre der 2000-jährigen Kirche. So heißt es aktuell auf katholisches.info:

„Was ist also ein Traditionalist? Er ist nicht mehr oder weniger als ein Katholik, der dabei geblieben ist, den Glauben genau so zu praktizieren, wie er ihn in seiner Kindheit gelernt hat, oder der denselben unveränderten Glauben von seinen Eltern empfangen hat und ihn seinerseits seinen eigenen Kindern weitergibt. Ein Traditionalist, mit anderen Worten, ist ein Katholik, der den Glauben lebt, als hätten die kirchlichen Verhängnisse der postkonziliaren Epoche nie stattgefunden – wahrhaftig so, als hätte das Zweite Vatikanum nie stattgefunden.“
 
Und auf dem Blog Superpelliceum hält der Betreiber alle Kritiker der obigen Haltung im Grunde für unkatholisch:

„Ich gehöre auch keiner Partei an, wenn ich das Filioque oder die Jungfrauengeburt als zu Glauben annehme und gegen die Anwürfe zeitgenössischer Kritiker verteidige. Ich bin und bleibe in einem solche Falle schlicht und einfach katholisch. Ob der Kritiker in dem einen Fall nun ein Orthodoxer sein mag oder ein Atheist. Er mag alles andere sein, aber katholisch kann er es nicht nennen. Punktum! Wenn ich damit ein Kreuzritter, Dunkelmann, oder Ultra bin, bitte.
Ja von mir aus auch Leffi, Reaktionär. Ja und Monarchist bin ich auch noch. Na klar! Gerne doch! Habe ich was vergessen?“


Ja, der Traditionalist fehlt, weil  nur die eigene Vorstellung der Bedeutung von Jungfrauengeburt und nur das eigene Verständnis von Trinität als katholisch gilt. Die Vorstellung des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, nach der die Jungfrauengeburt keine „abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwas die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen)“ ist, sondern  den „heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war“, meint, die bezeichnen Traditionalisten schon als Häresie.

Das bedeutet aber, dass Traditionalisten nicht von den übrigen Katholiken ausgegrenzt und in diese Ecke gestellt werden, sondern dass sie sich selbst in diese Ecke stellen, ganz bewusst sprechen sie allen anderen Katholiken das Katholischsein ab. Und das widerspricht doch nun wirklich dem, was katholisch bedeutet, nämlich allumfassend.

Also, feiert eure lateinischen Messen, nebelt euch tagtäglich mit Weihrauch ein, feiert nur am Hochaltar und tragt dabei Gold und Spitze. Aber lasst doch andere Katholiken die Messe anders feiern, die Jungfrauengeburt und die Trinität auf Ihre Weise denken. Wir brauchen in der katholischen Kirche wirklich keine traditionalistische Gedankenpolizeipolizei.

6.5.14 16:56, kommentieren

Eine perfide Fälschung

Auf katholisches.info informiert Giuseppe Nardi auf den ersten Blick relativ sachlich und objektiv über die neuesten Erkenntnisse über einen Papyrusfund (hier), der im Jahre 2012 kurz für Aufsehen sorgte, weil er von der Ehe zwischen Maria Magdalena und Jesus spricht (vgl. hier). Nun scheint sich das herauszustellen, was damals schon viele Bibelwissenschaftler ahnten, es handelt sich um eine Fälschung. Im Gegensatz zum Papyrus scheint die Tinte noch im letzten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts aufgetragen worden zu sein. So weit, so erwartbar, so unspektakulär.

Problematisch wird der Beitrag in einer Nebenbemerkung, in der auf subtile Weise ein latenter Antijudaismus durchscheint, der unter den Sympathisanten der traditionalistischen Piusbruderschaft offensichtlich trotz der Ausscheidung des Herrn Williamson immer noch virulent ist.

„Daß Jesus verheiratet war, wegen sexueller Ausschweifungen als Thora-Schüler entlassen worden sei und überhaupt ein liederliches Leben geführt habe, ja mit Maria Magdalena, einer Prostituierten zusammenlebte und Kinder zeugte, ist Verleumdungspropaganda, die so alt ist, wie Jesu Verfolgung und Hinrichtung. Infame Lügen, die von denselben jüdischen Kreisen ausgingen, die ihn ans Kreuz brachten.“

Wie perfide eine solche Aussage ist, kann man an der Tatsache ablesen, dass die katholische Kirche selbst dafür verantwortlich ist, dass Maria Magdalena entgegen allen biblischen Aussagen zu einer Sünderin und nachfolgend zu einer ehemaligen Prostituierten gemacht wurde. Ausgangspunkt für diese kirchliche Tradition war wohl eine Predigt Papst Gregors I im Jahre 591, in der er verschiedene Frauenfiguren in biblischen Erzählungen mit Maria Magdalena gleichsetzte.

Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen Nardis wenigstens in Bezug auf diesen Aspekt eine Ungeheuerlichkeit!

7.5.14 11:22, kommentieren

Katholische Nachrichten mit Geschäckle

Ein besonders eindrückliches Beispiel für die Zensurpolitik auf kath.net liefert aktuell der Betreiber des Blogs b-Logos (hier). Weil sein Kommentar nicht freigeschaltet wurde, veröffentlicht er ihn kurzum auf seinem eigenen Blog.

"Kardinal Kasper ist Schützling des Hl. Vaters

Am Montag (während der oben erwähnten Vorstellung seines Buches “Barmherzigkeit”; Erg. d. Übers.) schilderte der Kardinal der Zuhörerschaft (auch folgende Begebenheit): Nachdem Papst Franziskus ihn kurz nach seiner Wahl namentlich gelobt hatte (bei seinem ersten öffentlichen Angelus-Gebet am 18.3.13 hatte der Papst seine Lektüre des oben angegebenen Buches erwähnt und Kasper als tüchtigen Theologen gelobt, zudem hat er einen Klappentext für das Buch verfasst; Anm. d. Übers.), “kam ein alter Kardinal zu ihm” (dem Hl. Vater; Anm. d. Übers.) “und sagte: ‘Hl. Vater, Ihr könnt das nicht tun! Es gibt Häresien in diesem Buch!’” Als Franziskus die Geschichte ihm (Kardinal Kasper) wiedererzählt habe, habe der Papst gelächelt und hinzugefügt: “Dies geht in ein Ohr hinein und in das andere wieder hinaus.” Quelle: Religion News Service, Übersetzung durch mich"

Jetzt ist an diesem Beitrag ja nun wirklich nichts auszusetzen, besteht er doch im Grunde aus reinen Sachinformationen und einem Zitat mit Quellenangabe. Was also ist an diesem Kommentar so böse?

Die Antwort ist offensichtlich. Hier tritt das große Dilemma der selbsternannten Papsttreuen zutage. Unter Benedikt wurden sie gepudert und hofiert, trugen ihre Selbstbezeichnung als elitäres Etikett mit Stolz und Verachtung für alle anderen Katholiken, die schnell als reformwütige Kirchenzerstörer dargestellt wurden. Und nun zeichnet sich immer mehr ab, dass Franziskus wohl ein Papst ist, der die Reform der Kirche mit Konsequenz und Zielstrebigkeit vorantreibt.

Und jetzt steht man da mit Orden, Rosenkranz und all der Verachtung und weiß nicht so recht wohin damit. Papstkritik verbietet sich für den wahrhaft Papsttreuen, und selbst die gängigen Feindbilder wie ein Kardinal Kasper kann man schlecht ins Visier nehmen, weil der Papst sich so blöde vor ihn stellt. Was also tun, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden?

Man konzentriert sich auf die Themenfelder, die noch ungefährlich sind, Homosexuelle, Abtreibung, Muslime. Dann ab und an noch ein provozierender Klartext von Hausbischof Laun, ein paar Schläge für ungeliebte Reformkatholiken der dritten und vierten Reihe (z.B. hier), das ist es dann aber auch. Kein Wunder also, dass andere Seiten, die ihre Kritik an Franziskus und auch Kasper offen formulieren, im rechtskatholischen Milieu mehr Zusprch finden.

Letztendlich scheint nur die Wahl zwischen Piusbrudenschaft und  Franziskusnachfolge zu bleiben. b-Logos deutet die Kirchenspaltung schon an.

10.5.14 10:17, kommentieren

Balken und Splitter

Manchmal ist der Balken im eigenen Auge so groß, dass man nicht einmal mehr den Splitter im Auge des Nächsten entdeckt. Und dann gibt es diese seltenen Momente, wo jemand kommt und den Balken entfernt oder zumindest etwas aus dem Blickfeld rückt. Einen solchen Moment habe ich heute Morgen erlebt, als ich den Beitrag von Ankerperlenfrau auf dem Blog Rosenkranz + Pilgerzeichen las (hier).

In einem mächtigen Donnerwetter macht sich die Ankerperlenfrau dort Luft und wettert gegen all jene, die sich gegen die Heiligsprechung der beiden Päpste gestellt haben. Vor allem Alexander Kissler bekommt da eine ordentliche Predigt gehalten. Ich möchte die hervorragende Argumentation gar nicht zusammen fassen, sondern nur die Lektüre des Beitrags empfehlen.

Der Grund, weshalb ich dennoch damit nicht schließen kann, ist der, dass ich mich nach der Lektüre des kisslerschen Artikels auf Cicero online auf dessen Seite gestellt hatte (hier), die Kritik der Ankerperlenfrau also auch mich betrifft. Der Balken ist ganz ordentlich in Bewegung geraten...

"Das “sentire cum ecclesia” spreche ich all jenen ab, denen Einsicht und Ruf der Vielen gleichgültig ist. Jene, die aus intellektuellem Hochmut, aus ideologischer Fixierung oder einfach nur aus Abneigung gegenüber dem amtierenden Papst diese Heiligsprechungen relativieren, kleinreden oder schlicht ignorieren wollen, kann ich nur der Fürsprache des Heiligen Johannes und des Heiligen Johannes Paul anvertrauen: mögen die Heiligen die verhärteten Herzen vom Himmel her erweichen und zur Umkehr und Besinnung rufen.

Das gläubige Volk hat mit untrüglicher “feinfühliger Folgsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist” (Papst Franziskus) verstanden. Ich stelle mich voller Stolz zu den “Einfältigen”, die nach der Heiligsprechung die Rosenblätter der Heiligen aufsammelten und sie wie einen Schatz nach Hause trugen. Ja, wir “schlichten Gemüter” aus dem frommen Volk haben weltweit unverbrüchlich diese beiden Heiligen verehrt, lange bevor der Papst es offiziell erlaubt hat.  Wir, die wir in Einfalt diese Kirche lieben und dankbar sind, daß sie uns aufgenommen, beheimatet hat und uns ins ewige Zuhause führen will. Die Kirche hat uns gehört."

Demütig kann ich zu meiner Verteidigung nur sagen, dass z.B. diese einfältigen Frauen manchmal eine Heiligkeit besitzen, die niemals eine Chance auf Kanonisierung hat!?

4 Kommentare 10.5.14 12:00, kommentieren