Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft

Deutsche Panzer rollen wieder! Ein Spruch, den man ab und an noch von rechten Hooligans bei Spielen der Nationalmannschaft hört. Im wirklichen Leben kann man diesem Spruch aber leider eine gewisse Wahrhaftigkeit nicht absprechen. Die deutsche Rüstungsindustrie boomt, das Geschäft mit dem Tod blüht.

Doch damit nicht genug, die Rüstungsindustrie kann in eine goldene Zukunft blicken, lukrative Geschäftsfelder tun sich aktuell vor dem kalten Blick der Waffenlobby auf. Nicht nur ein Bundespräsident, dessen reaktiviertes Preußen-Gen hirnvernebelnde Militarismus-Aminosäuren produziert, spielt ihr in die Karten (hier). Auch ein mit besten Kontakten und Informationen ausgestatteter Ex-Entwicklungsminister (Ist der Begriff jetzt eine Verhöhnung oder gerade eine präzise Beschreibung seiner Dienste?!) vermittelt potentielle Geschäftspartner in der dritten Welt (hier).

Da passt es doch ganz gut, dass auch die Verteidigungsministerin von bewaffneten Kampfdrohnen schwadroniert und dem C im Parteinamen mal wieder alle Ehre macht (hier). Dabei entbehrt diese Entwicklung tatsächlich nicht einer gewissen inneren Logik. Wenn man die Welt in Brand setzt, muss man schließlich dafür sorgen, dass das Feuer nicht auf das eigene Paradies überschlägt! Da gilt es den Flüchtlingsstrom im Keime zu ersticken (hier), die Grenzen zu befestigen und Hilfsgüter zu produzieren. Schließlich kann man auch damit noch Geld machen und das Saubermann-Image aufpolieren!

Dass man mit einer solch „christlichen“ Außen-, Wirtschafts- und Entwicklungshilfepolitik nach dem Vorbild anderer westlicher Großmächte, die auch schon mal von Kreuzzügen sprachen, und in deren Liga man ja endlich wieder mitkämpfen möchte, nicht unbedingt eine uns zugewandte Stimmung in den „belieferten“ und „befreiten“ Ländern schafft, das liegt auf der Hand. Wir sollten also weniger über die Christenverfolgung in den brennenden Ländern dieses Globus jammern, sondern vielmehr unsere eigene Verantwortung bei der Schaffung dieses Bösen erkennen. Wir sollten die Brandstifter zur Verantwortung ziehen, mit Aufklärung, Protest und durch entsprechende Wahlentscheidungen!

Wie sehr muss man Papst Franziskus nur Recht geben, wenn er sagt, dass der Kapitalismus die Kriege brauche (hier)?! "Damit das System fortbestehen kann, müssen Kriege geführt werden, wie es die großen Imperien immer getan haben. Einen Dritten Weltkrieg kann man jedoch nicht führen, und so greift man eben zu regionalen Kriegen." Und Deutschland ist hat es geschafft, wir sind unter den letzten Acht!

2.7.14 11:11, kommentieren

Viel Lärm um nichts

Die Kelle-Family ist wieder ordentlich im Geschäft. Während sie in Stuttgart gegen die Akzeptanz sexueller Vielfalt demonstriert und in einem Interview Homosexuelle und Menschen, die an Gott glauben, einander gegenüberstellt und auch für zweitere Toleranz einfordert (hier), wendet er sich gegen Kardinal Lehmann (hier), der bestimmte Methoden radikaler Lebensschützer kritisiert hat (hier). In diesem Zusammenhang verweist Kelle auf den viel stärkeren Einsatz katholischer Würdenträger bei den Demonstrationen der Lebensschützer in den USA, Frankreich und Spanien. Und dort ginge die Pro-Life-Bewegung nicht wie in Deutschland mit dem Florett sondern mit dem Schwert in den Kampf gegen die Abtreibung.

Tja, was kann man der streitbaren Familie nur entgegen halten? Vielleicht nur so viel: Homosexualität schließt tiefen Gottesglauben nicht aus! Und die Abtreibungszahlen in Deutschland liegen dramatisch unter denen in den USA, in Frankreich oder auch in Spanien (vgl hier, letzte Tabelle unten).

7 Kommentare 4.7.14 13:12, kommentieren

katholisch.de knöpft sich Hetzportale vor

Tja, was soll man von dem Beitrag zum Problem rechtskatholischer Hetzseiten auf katholisch.de halten (hier)? Gut gemeint, mehr wohl nicht...

Da arbeitet man sich immer noch an kreuz.net ab, die Geschichte ist doch wirklich lange durch. Und natürlich sind die Hintermänner immer noch aktiv, jetzt eben auf anderen Portalen und Blogs.

Aber diese zu benennen, dazu hat der Mut dann wohl nicht ausgereicht. Neben Gloria-tv traut man sich mit babycaust.de (Beide nicht anonym, was soll eigentlich der Titel?) zwar noch an eine weitere extrem radikale Seiten heran, die eigentliche Gefahr, die von viel etablierteren Auftritten, die längst in der Mitte der Kirche angekommen sind, ausgeht, verschweigt man jedoch nonchalant.

Wie etwa die kath.net-Macher zu babycaust.de stehen, kann man z.B. hier nachlesen. Gloria.tv ist auf vielen Blogs der sogenannten Blogözese präsent, selbstverständlich auch auf der katholischen Bloggerliste, wo auch zu fragwürdigen Rechtsaußen-Blogs verlinkt wird (vgl. hier).

Wenn im katholisch.de-Beitrag ein interessengeleiteter "Kampagnen-Journalismus aufgedeckt wird, der mit Brief- und Mail-Aktionen Einfluss auf kirchliche Entscheidungsträger zu gewinnen" sucht, dann ist auch in dieser Diagnose die Praxis von kath.net sehr treffend umschrieben. Schade, dass der Mut fehlt, Ross und Reiter zu benennen.

Da war der Spiegel 2012 schon weiter, Peter Wensierski spricht in seinem Beitrag Klartext und nennt einige kreuz.net-Sympathisanten und ihre Projekte (hier). So etwa Giuseppe Nardi mit katholisches.info, Robert Ketelhohn mit kreuzgang.org, Friedrich Romig mit couleurstudent.at. Darüber hinaus werden der überführte kreuz.net-Autor Pfarrer Hendrick Jolie, ehemaliger Sprecher des „Netzwerks katholischer Priester“, Konrad Löw vom „Forum Deutscher Katholiken“ und Thomas Lintner erwähnt.

Doch statt sich mit diesen Jungs auseinander zu setzen, geht man auf Nummer sicher und wärmt die Geschichte um den untergetauchten Gloria.tv-Macher und ehemaligen kath.net-Autor Reto Nay (vgl. hier) auf. Sehr mutig!

Immerhin kommt man zu dem Schluss, dass man es nicht zulassen dürfe, "dass diese Leute das Bild der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit bestimmen." Ich befürchte, diese Leute tun dies um Welten effektiver als katholisch.de, das mit solch harmlosen Beiträgen ein nur schwaches Gegengewicht setzt.

3 Kommentare 6.7.14 11:06, kommentieren

Gandalf löscht den Skandal

Den Brandbrief eines vom bischöflichen Schulamt in Innsbruck aus dem Schuldienst entfernten Priesters veröffentlichte kath.net heute im Wortlaut. Die Vorwürfe gegenüber dem Schulamtund und Bischof Manfred Scheurer sind massiv. Wie bei kath.net üblich wird unter dem Text der Kontakt zum Bischof verlinkt, eine Vorgehensweise, die zuletzt auch auf katholisch.de thematisiert wurde, wenn auch nicht ausdrücklich auf kath.net gemünzt, sondern allgemein gehalten (vgl. hier).

Nun ist der Brandbrief auf kath.net plötzlich verschunden. Offensichtlich hat man vonseiten der österreichischen Kirchenleitung interveniert. Über den google cache ist der Text aber noch eine Zeit lang abrufbar (hier).

Im Kommentarbereich war auch kath.net-Chef Gandalf sehr aktiv und sprach von einem Skandal. Hier wird deutlich, dass man sich mit dem Stimmungsbild, das der Pfarrer in seinem Brief zeichnet, wohl sehr identifiziert. Nun kann und will ich die Umstände der Entfernung des Pfarrers aus dem Schuldienst nicht kommentieren, die Aussagen zu einem herbeigeredeten Priestermangel seitens der Kirchenleitung und zu einem Verbot, werktags eine Messe feiern zu dürfen, hören sich aber doch nach traditionalistischer Verschwörungstheorie an.

3 Kommentare 12.7.14 16:37, kommentieren

Der Zölibat in der Bibel

Der Papst erregt mit einem weiteren Interview mit dem Atheisten Eugenio Scalfari die Gemüter. Vor allem im rechtskatholischen Lager ist die Empörung groß, veröffentlicht Scalfari die Gespräche doch aus seinem Gedächtnis heraus, ohne sich Notizen oder auch Aufzeichnungen gemacht zu haben. Vor allem Aussagen zum Zölibat heizen die Debatte an (z.B. hier).

So sah Kardinal Brandmüller sich genötigt, dem italienischen Publizisten einen Brief zu schreiben, der auf kath.net dokumentiert ist (hier). Nachdem er den Adressaten zuerst einmal indirekt als Lügner bezichtigt, steigt der "alte Schulmeister", wie er sich selbst bezeichnet, in eine wissenschaftliche Abhandlung über die Entstehung des Zölibats ein, um Scalfari zu beweisen, dass die Tradition nicht erst vor 900 Jahren, sondern zu Beginn des Christentums enstanden ist. Dabei betont er, den "gegenwärtigen Stand der Forschung" darzulegen.

Dazu greift Brandmüller auch gleich auf die synoptischen Evangelien zurück, um den Zölibat als Weisung Jesu zu verkaufen. In den zitierten Paparallelstellen geht es darum, dass diejenigen, die Jesus nachfolgen wollen, ihre gesamte Familie aufgeben und verlassen müssten. Deutlich ist in allen drei Evangelien von Frauen (Update: Von Frauen ist nur bei Lukas die Rede, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass diese mit auf Missionsreise waren.) und Kindern die Rede, was erst einmal unterstreicht, dass die Jünger in der Regel wohl verheirtate waren.

Und dennoch, die Forderung Jesu steht. Wer ihm folgen will, muss alles verlassen. Und je mehr jemand besitzt, desto schwerer wird ihm das fallen. Diese Radikalität hat mit der Vorstellung zu tun, in den letzten Tagen der Menschheitsgeschichte zu leben. Wanderprediger wie Johannes der Täufer und Jesus erwarten das Jüngste Gericht unmittelbar. Die Zeit drängt, es gilt die Menschen zur Umkehr zu bewegen. Vor diesem Hintergrund muss man wohl auch die radikale Forderung Jesu verstehen.

Dieser Hintergrund bleibt dann auch nach Ostern bestehen. Die frühen Paulusbriefe zeugen davon, dass der Apostel noch von der Naherwartung erfüllt ist. So sind seine Forderungen an christliche Missionare ähnlich radikal wie die jesuanischen. Und darauf geht auch Brandmüller in der Auseinandersetzung mit dem 7. Kapitel des ersten Briefs an die Korinther ein.

„Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine …” Und: „Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt.”

Gekonnt blendet Brandmüller die paralle Weisungen an die Frauen aus, denen Paulus eben dieselbe Empfehlung ausspricht: "Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist." Aber das passt wohl nicht so richtig ins Konzept, wenn es um den Zölibat geht.

Und welche Gefahren in einem erzwungenen ehelosen Leben liegen, das weiß der Apostel auch nur allzu gut. So heißt es zu Beginn des Kapitels:

"Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einverständnis und nur eine Zeitlang, um für das Gebet frei zu sein. Dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führt, wenn ihr euch nicht enthalten könnt."

Vor allem aber unterschlägt Brandmüller einen ganz entscheidenden Satz des Paulus, der seiner Behauptung, die enthalsame bzw. ehelose Lebensform gründe auf einer Weisung des Herrn, entgegensteht. In Vers 25 sagt Paulus nämlich unmissverständlich: "Was die Frage der Ehelosigkeit angeht, so habe ich kein Gebot vom Herrn." Deshalb weiß Paulus auch davon zu berichten, dass viele Missionare zusammmen mit ihren Frauen auf Missionsreise gehen (1Kor 9,5). Priska und Aquila sind ein Beispiel für ein solches Paar (Röm 16,3), Andronikus und Junia ein weiteres (Röm 16,7).

Das mag Brandmüller allerdings nicht anerkennen, wenn er schreibt: "Damit (mit 1Kor 9,5) beweisen zu wollen, die Apostel hätten ihre Ehefrauen mitgenommen, ist nicht möglich. Wäre dem so, wäre es unverständlich, dass eigens von einer Adelphe = Schwester, Christin, die Rede ist. Und: seine Ehefrau hatte der Apostel beim Eintritt in den Jüngerkreis Jesu ja verlassen."
 
In der Zeit des irdischen Jesus von Aposteln zu sprechen ist allerdings ein Anachronismus, der dem Professor für Kirchengeschichte nicht gut zu Gesichte steht. Paulus unterscheidet eindeutig zwischen den 12 und den anderen Aposteln (1Kor 15, 5-9). Zum Apostel wird man nach Paulus durch eine Erscheinung des Auferstandenen, der Apostel ist also ein nachösterliches Amt. Der Apostel verkündet den auferstandenen Herrn.

Dass Brandmüller gerade nicht den gegenwärtigen Stand der Forschung darlegt, wird dann im weiteren Verlauf seiner Ausführungen noch mehr deutlich, wenn er von "Bischöfen und Priestern" als Adressaten der Weisungen des Paulusbriefes spricht. Bischöfe und Priester hat es allerdings zur Zeit des Apostels noch gar nicht gegeben. Bei der Diakonin Phoebe wird man auch sicher von Brandmüller erfahren können, dass diese frühen Amtsbezeichnungen nicht mit dem dreigliedrigen Amt der späteren Kirchengeschichte identisch sind.

Ganz abstrus wird es aber dann in der Auseinandersetzung mit den Weisungen der im Vergleich zu Paulus viel späteren Pastoralbriefe, wo es heißt, dass ein Bischof nur ein Mal verheiratet sein soll (1Tim 3,2). Angeblich sei die erneute Heirat nach dem Tod des Ehepartners nicht gut angesehen gewesen, Brandmüller spricht gar von "sukzessiver Bigamie". Auch in diesem Punkt sprechen die Paulusbriefe eine ganz andere Sprache:

"Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt; wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie frei zu heiraten, wen sie will; nur geschehe es im Herrn."

Hier ist von einem schelchten Image der Zweitehe bzw von sukzessiver Bigamie mitnichten die Rede, so dass auch Brandmülelrs Schlussfolgerung, "dass ein solcher [ein Witwer, der nochmals heiratet] keine Gewähr dafür zu bieten schien, dass er die vom Bischof bzw. Priester erwartete Enthaltsamkeit zu bewahren vermochte", wohl als reine Spekulation abgetan werden darf, zumal sie ohne jeden Beleg daher kommt. Und entkräftet hat er die Forderung, dass ein Bischof verheiratet zu sein hat, natürlich nicht. Weiter heißt es bei Timotheus übrigens, dass der Bischof ein guter Familienvater sein soll, der seine Kinder zu Anstand erzieht.

Es ist doch erstaunlich, wie tolerant und weitsichtig das Neue Testament in all diesen Fragen argumentiert, nahe an den Bedürfnissen der Menschen. Und das, obwohl man sich am Ende der Zeit wähnte, wo es galt, möglichst allen Menschen das Evangelium zu verkünden! Der Zölibat mag eine Idealform kirchlicher Lebensführung darstellen, als Bedingung für den priesterlichen Dienst sollte er weiter gelockert werden. Die Bibel spricht jedenfalls nicht dagegen!

12 Kommentare 17.7.14 14:17, kommentieren

Manchmal kann man gar nicht genug fressen...

Manchmal ist es einfach so unglaublich, was man in der Blogözese so aufgetischt bekommt, dass es mir einfach schwer fällt, das zu ignorieren. Die Kirche ist ja schließlich auch mein Laden, der hier von innen mit Dreck beworfen wird.

Im Kommentarbereich des Kreuzknappen (hier) huldigt man dem Diktator Robert Mugabe, schließlich hat er eine Opus-Dei-Schule absolviert. Deshalb wird auch gleich einer seiner unnachahmlichen Aphorismen zitiert: "Homosexuelle stehen tiefer als Schweine!". Hat er das tatsächlich bei Opus Dei gelernt?

Auf dem lieblichen Blog Der Katholik und die Welt  kriegt Bischof Ackermann in unübertroffenem kreuz.net-Slang sein Fett weg. Als "Sodomie-Verteidiger" (hier) ist er wohl Ofper der jüdischen Weltverschwörung (vgl. hier) geworden.

Dem ganzen kann natürlich nur noch einer die Krone aufsetzen... Klar, Yogi. Der Betreiber von Zölibat und mehr erklärt den katholischen Lesern heute seine  persönliche Rassenlehre.

"Könnte sie [eine muslimische Frau] ihren Partner selber aussuchen, so würde sie sich bestimmt für den körperlich, geistig, charakterlich und finanziell stärksten Partner entscheiden, um starke, gesunde und intelligente Kinder zu bekommen. Durch die Zwangsheirat mit einem durchschnittlichen Moslem aber bleiben die Eigenschaften der Kinder nur durchschnittlich (graues Mittelmaß ). Es würden sich also nicht die genetisch hochentwickelten Eigenschaften durchsetzen, sondern genetisch minderentwickelte."

Tja, wenn wir nicht bald aus dem Mittelalter heraus kommen, muss man sich darüber nicht mehr wundern...

18.7.14 13:19, kommentieren

Franziskus räumt auf

Franziskus mischt die katholische Welt ganz ordentlich auf. Es sind spannende Tage, die wir gegenwärtig in der katholischen Kirche erleben. Die einen versprechen sich vom Papst längst überfällige Reformen und sehen mit großer Hoffnung auf die anstehenden Bischofssynoden, die anderen erleben das aktuelle Pontifikat als eine dunkle Zeit der Gottverlassenheit.

Und zwischen diesen Polen bricht eine ganze Menge auf. Etwas, das sicherlich im Interesse Franziskus liegt, weil Gespräch, Diskussion und Dialog entsteht. Was mich persönlich zum Erstaunen bringt, ist das Ausmaß der Kritik an Franziskus gerade von rechtskatholischer Seite. Die Kritik reicht von völlig irrationalem Sedisvakantismus bis hin zu schon fast komischen Reflexen auf franziskanische Nebensächlichkeiten.

Während der entzückende Blog Esto Miles, natürlich verlinkt auf Kreuzknappes Bloggerliste, ein Video zu einem Exorzisten verlinkt, der den Satan persönlich auf dem päpstlichen Thron wähnt, beschäftigte sich
in den letzten Tagen die halbe Blogözese  mit dem "dramatischen" Fauxpas des Papstes, sich nicht als Werbeikone für einen deutschen Porzellanhersteller missbrauchen zu lassen. Die Nerven scheinen blank zu liegen...

Doch wenn man einmal die dunkelkatholische Sonnenbrille absetzt, was hat der Papst bei Licht besehen getan? Er bekämpft die Korruption im Vatikan, er bekämpft die Mafiaverstrickungen der Kirche, er bekämpft den Kindesmissbrauch durch Geistliche und ist ansonsten möglichst oft bei den Menschen, zu denen er alle Katholiken gerne senden möchte, die am Rande der Gesellschaft.
 
Mit anderen Worten, er räumt den Saustall, den es in der einen oder anderen Kirchenecke gab und noch gibt, einfach einmal auf und kümmert sich ansonsten um diejenigen, die Hilfe brauchen. Das macht sich nämlich ganz gut, wenn man andere Menschen von der Heilsbotschaft Gottes überzeugen will, es stärkt ungemein die Glaubwürdigkeit, wenn man tatsächlich das lebt, was man auch allsonntäglich von der Kanzel predigt. Der Papst macht also seine Hausaufgabe, damit die Kirche nach den unzähligen Skandalen der letzten Jahrzehnte wieder einmal positiv in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden kann, um so die Voraussetzungen für eine Neuevangelisierung zu schaffen.

2 Kommentare 21.7.14 13:11, kommentieren