Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Linzer Debattenkultur

"Debatte über Antisemitismus geht weiter - Kirche prangert an" So betitelte kath.net gestern einen Beitrag, in dem verschiedene jüdische und christliche Stimmen gegen Antisemitismus zusammengetragen wurden (hier). Schade, dass kath.net die Debatte schon im Keim erstickt, indem der Kommentarbereich deaktiviert wurde. Vermutlich wäre die "Moderation" der Kommentare etwas zu aufwendig gewesen?!

3 Kommentare 3.8.14 09:13, kommentieren

Da gibt es noch etwas zwischen Schwarz und Weiß

Die  neue Debattenkultur (vgl. voriger Blogeintrag) scheint sich auf kath.net zu etablieren. Auch unter dem Beitrag zu einem muslimischen Schützenkönigsanwärter, dem der Dachverband der Schützenvbrüder den Thron streitig machen will (hier), ist der Kommentarbereich deaktiviert. Vielleicht wäre es aber klüger, den Kommentarbereich einfach etwas seriöser zu moderieren?! Man könnte doch die Debatte zulassen, dabei aber antisemitische und islamophobe Hetze unterbinden. Oder macht das zu viel Arbeit?

1 Kommentar 5.8.14 10:57, kommentieren

Schweigen im Walde

Wenn muslimische Verbände schweigen, dann schweigt auch der Kommentarbereich bei kath.net (hier).

Nur nebenbei: Hat der EAK-Bezirksvorsitzende und Theologe, der mehr Engagement der muslimischen Verbände in Deutschland gegen das Töten der ISIS einfordert, eigentlich auch ganz viel Engagement gegen das Töten im letzten Irakkrieg gezeigt? Und zeigt er aktuell ganz viel Engagement gegen seinen Parteichef, der dringend mehr Waffen in die Welt verkaufen will, um die Rüstungsindustrie zu schonen? Wenn ja, dann stimme ich ihm zu! Wenn nicht, würde ich ihm raten, zu schweigen und zuerst einmal den eigenen Laden auf Vordermann zu bringen.

4 Kommentare 7.8.14 09:46, kommentieren

Die Verantwortung des Westens

Gut, dass man im Vatikan den Mut hat, das einmal auszusprechen und damit an die Verantwortung des Westens appelliert wird:

"Islamischer Staat" ist die Folge des Einmarsches der Amerikaner im Irak

11.8.14 12:10, kommentieren

Familienpastoral in der Diskussion

Ich wünschte mir, bei Bischof Oster ginge mir ein Licht auf... Aber es bleibt dunkel am östlichen Horizont. Warum setzt man eigentlich Dogmatiker auf Bischofsstühle? Die sind doch viel besser an Universitäten oder an der römischen Kurie aufgehoben. Da können Sie die Idealvorstellung von Kirche, Familie und Sexualität in aller Ausführlichkeit darlegen und eruieren. Vor Ort bedarf es aber pastoraler Fähigkeiten, um den Menschen beizustehen.

Wenn aber ein zölibatär lebender Dogmatik-Experte zum Thema Sexualität Stellung bezieht (hier), dann wird’s erfahrungsgemäß trocken, denkt man sich nicht ohne eine gewisse schlüpfrige Ironie, um dem Erguss den Schmerz zu nehmen ;-)

„Sexualität ist deshalb nicht einfach ein sich verselbständigender Aspekt des Körpers, den wir abspalten und mal eben benutzen könnten - ohne uns dabei selbst und dem Sexualpartner zu schaden“, hören wir da den zölibatär lebenden Bischof die Menschen lehren,“sie gehört vielmehr zum ganzen Menschen, als Ausdruck seines Personseins.“  Letzteres ist doch erst einmal eine ganz vernünftige Aussage, doch jetzt kommt der Haken! „Sie ist aber zugleich – bei jedem Menschen – mitbetroffen, gewissermaßen kontaminiert, von unserem egoistischen Bedürfnis, den anderen Menschen primär zur eigenen Befriedigung zu benutzen und zu gebrauchen.“ Wahre Liebe und Sexualität sei deshalb nur aus dem christlichen Glauben heraus möglich, denn nur so sei selbstlose und unegoistische Hingabe möglich, die Liebe umsonst.

Damit urteilt der Bischof natürlich über eine Vielzahl von Partnerschaften und Beziehungen, die sich einbilden auch auf andere Weise selbstlose Liebe zu leben. So ist das, wenn die Dogmatik erst einmal loslegt. Doch manchmal schlägt der Heilige Geist auch dem Dogmatiker ein Schnippchen und weht einfach einmal in dessen Texte hinein.

„Die [Beziehung zu Christus] steht im Zentrum unseres Glaubens. Und es ist leider so: Wer in unserem Gespräch davon nicht mit ausgeht, der wird im Verstehen [der katholischen Sexualmoral] fast notwendigerweise in zentralen Aspekten eher außen vor bleiben. Es ist wie in einer menschlichen Beziehung: Wenn ich von außen – ohne inneres Vertrauen und ohne Einfühlung – urteilend auf eine Beziehung zwischen zwei Menschen schaue, bleiben meinem Urteilsvermögen notwendig wichtige Dimensionen dieser Beziehung verborgen. Aber von innen her gesehen, aus der Mitte der Beziehung selbst, wenn ich an ihr teilnehmen darf, verändert sich mein das Urteil.“

Zwei wirklich erstaunliche Aussage treffen hier aufeinander. Zum einen scheint man die katholische Lehre nur von innen verstehen zu können. Wie aber soll dann nur Verkündigung funktionieren? Und zum anderen scheint die Beziehung zwischen zwei Menschen nicht von außen, nicht einfach mit der dogmatischen Schieblehre im Büro der vatikanischen Glaubenskongregation bestimmt und beurteilt werden zu können! Halleluja! Und das Scheitern einer Ehe kann man dann natürlich ebenfalls nur schlecht von außen beurteilen. Das ist doch einmal eine Erkenntnis! Um urteilen zu können, müsste man „inneres Vertrauen und Einfühlung“ erlangen. Das ist es. Ein Gedanke, den Bischof Oster dringend zur Bischofssynode nach Rom übermitteln sollte!

Doch von dieser Synode erwartet Oster leider nicht viel, wenn er die Hoffnungsfrohen in der Frage der wiederverheiraten Geschiedenen vorab schon etwas dämpfen möchte (hier): "Das wird theologisch und pastoral so nicht gehen, und das wird wohl viele enttäuschen."

Oster vermutet sogar, dass mit der Synode und den damit einhergehenden Entscheidungen die Beliebtheit Papst Franziskus so langsam abnehmen wird.

Dass Dogmatiker aber durchaus auch zu neuen Gedanken und Schlüssen fähig sind, möchte ich abschließend nicht verschweigen. Der Innsbrucker Dogmatiker Jozef Niewiadomski lässt die Leser der Kärntener Kirchenzeitung daran teilhaben (hier).

"Es gibt eine Krise der Familie. Sie ist aber nicht durch einen moralischen Verfall bedingt, sondern durch die Veränderungen unserer Gesellschaft. Die Frage ist, was diese Krise der Familie bedeutet? Es kann alles nur darauf zielen, dass die Familie gestärkt wird! Ich glaube aber nicht, dass sie dadurch gestärkt wird, dass wir den bisherigen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen oder den bisherigen Umgang im Hinblick auf die Empfängnisverhütung beibehalten. Das geht am Leben der Menschen vorbei. Stärkung bedeutet, dass Familienleben in den konkreten Situationen gewahrt wird. Wir müssen uns von der neurotischen Fixierung auf Empfängnisverhütung und Schutz der Ehe durch die Jagd auf den Sündenbock wiederverheiratete Geschiedene verabschieden. Das ist eine zu enge Sicht.“

Da hört sich doch schon vielversprechender an. Und auch die Aussagen zu den Kritikern Papst Franziskus treffen den Nagel auf den Kopf.

„Es ist ein Paradox der verwickelten Hierarchien. Die Kritik kommt vor allem aus jenen Kreisen, die in der Zeit Benedikts XVI auf die päpstliche Autorität als allein gültiges Argument gepocht haben. Nach dem Motto: Weil der Papst das sagt, müssen wir gehorchen. Jetzt sind sie auf einmal mit einem Papst konfrontiert, der nicht mehr ihre Welt teilt. Jene, die sich damals auf die päpstliche Autorität beriefen, müssten jetzt Inhalte liefern. Aber Inhalte sind offenbar keine da. Die sind so dürftig, dass sie in der heutigen Welt davonschwimmen. Also Autorität alleine reicht heute als Argument nicht mehr aus.“

Ja, dürftige Inhalte, das ist es wohl, wenn man in veränderten Zeiten die immergleichen Antworten in der immergleichen Sprache liefert. Dann fragt man sich doch wirklich, weshalb man studierte Theologen auf Bischofsstühle setzt, Texte aus vergangenen Tagen vortragen, das kann jeder leisten, der des Lesens mächtig ist. Bischof Osters Stellungnahme zur AIDS-Problematik (hier) ist ein solches Beispiel.

„Uns ist (hoffentlich) klar, dass ein Leben aus dem Glauben der beste Schutz vor Aids wäre! Denn wenn die Partner warten würden mit der vollzogenen Sexualität bis zur Ehe und dann in der Ehe ihre Sexualität als Geschenk leben würden und könnten in Treue und Verbindlichkeit, dann würde sich Aids nicht verbreiten.“

Ja, eine vielfach vorgetragene kirchliche Sichtweise, eine Idealvorstellung, die auch viele Menschen teilen. Nur hat es trotzdem wenig mit dem realen Leben ganz vieler Menschen zu tun und steht logisch ungefähr auf dem Niveau des Argumentes, dass derjenige niemals an Lungenkrebs sterben wird, der nicht atmet. Es hilft einfach nicht. Außerdem wird auch Oster wissen, dass sich AIDS nicht nur über den Geschlechtsakt ausbreitet. Den unzähligen gescheiterten oder zur lebenslanger Qual mutierten Ehen, die auf der von Oster dargelegten Grundlage zustande gekommen sind, hilft dieses Ideal zudem auch nicht weiter.

Außerdem ist man mit einer solchen Argumentation nicht mehr sehr weit von anderen leider immer noch von katholischen Würdenträgern vorgetragenen Verirrungen entfernt, die aktuell auch wieder in die Welt posaunt werden, dass nämlich Gott die Menschen für ihre Sündhaftigkeit (natürlich ist hier vor allem an Homosexualität gedacht) mit Infektionskrankheiten straft (vgl. hier).

Letztendlich kann man nur hoffen, dass Oster mit seiner Prognose zur anstehenden Bischofssynode falsch liegt und es den Bischöfen zusammen mit dem Papst gelingt, die Familienpastoral weiterzuentwickeln und Worte zu finden, die die Menschen nicht aus der Kirche vertreiben, die ihnen vielmehr helfen ein erfülltes Leben zu führen, trotz allen Scheiterns und aller Enttäuschung, die das Leben außerhalb dogmatischer Ideale so mit sich bringt.

13 Kommentare 15.8.14 12:41, kommentieren

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder

Der Psychoanalytiker Tilmann Moser schrieb in den 70er Jahren über die "Gottesvergiftung" durch problematische Gottesbilder und löste damit eine heftige Diskussion aus. Aktuell kann man auf Publik-Forum (hier) ein sehr interessantes Interview mit ihm lesen, in dem er den Kulturverlust einer immer säkulareren Gesellschaft bedauert und neben der Gottesvergiftung auch die "segensreiche Einwirkung eines tragfähigen Glaubens" anerkennt.

So relativiert er zwar die Bewertung Freuds, die Religionen seien "kollektive Neurosen", die auf infantiler "Bedürftigkeit nach Trost und Führung" fußten, zu einem gläubigen Menschen macht ihn das aber dann doch nicht, wenn er den Glauben als kindlich und das Leben ohne Gott als erwachsen bewertet.

Bewundernswert ist aber dennoch seine Aufrichtigkeit, wenn er am Ende des Interviews in Bezug auf das Christentum von Rätselhaftem spricht und für ihn ungeklärte Fragen formuliert.

"Sie selbst stellen die Frage nach dem Schöpfer nicht?

Moser: Nein. Aber dennoch bleibt das Christentum auch für mich ein Rätsel. Ich frage mich, wie es kommt, dass dieser geschichtliche Jesus mit seinen paar Leuten zu einer Weltbewegung geworden ist. Und warum auch heute noch so viele kluge Menschen an der Kirche hängen. Wie kommt es zu der Wirkung dieser Idee? Hängt das mit der Krise des Römischen Reiches zusammen? Mit den großen sozialen Problemen damals? Dass er ein Prophet der Armen war? Und wieso ist daraus eine reiche, protzende Weltkirche geworden? Das ist ein historisches Rätsel, auf das ich keine Antwort habe."

Und tatsächlich spricht er hier auch einen für mich ganz entscheidenden Punkt an. Die Botschaft dieses Handwerkers und seiner Bauern und Fischer geht nach einem grandiosen Scheitern und der totalen Verzweiflung und Auflösung aufgrund von unzähligen Erscheinungen und Visionen innerhalb einer Generation einmal um die gesamte bekannte Welt.  Und Erfolgsrezept ist tatsächlich das Angebot der unterschiedslosen Gottes-Kindschaft für jeden Menschen, sei er nun Sklave oder Freier, Jude oder Heide, Mann oder Frau. Und so bin ich als gläubiger Mensch dann auch gerne staunendes Kind ;-)

22.8.14 09:53, kommentieren

Zeiten ändern sich

Kein Interview (aktuell mal wieder hier), in dem der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Gänswein, der Kirche in Deutschland nicht einen Seitenhieb verpasst. Dabei sind es im deutschsprachigen Raum doch mittlerweile oftmals die konservativen Benedikt-Jubler aus den Zeiten seiner Macht, die ununterbrochen gegen Rom und das Pontifikat Franziskus anpöbeln. Vielleicht sollte Gänswein einfach einmal eine neue Platte auflegen?!

23.8.14 10:20, kommentieren