Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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kath.net bestätigt Klaus Mertes Kritik

Schon wieder dieser Johannes Graf... Der will wohl bei kath.net Karriere machen?! Die Frage ist nur, ob man sich nicht schon wieder ins eigene Bein schießt? Aber von vorne.

Klaus Mertes hat offensichtlich einen präzisen Artikel über die Gefahren des Rechtskatholizismus verfasst und in der Jesuitenzeitschrift Jesuiten veröffentlicht. Dabei geht er wohl auch auf kath.net ein, weshalb Graf vermutlich vom großen Meister Gandalf den Auftrag bekommen hat, eine Gegendarstellung zu schreiben (hier).

In dieser erfährt man dann auch, dass Mertes Gefahren von rechtskatholischen Brückenmedien in den politisch rechten bis rechtsradikalen Bereich diagnostiziert. Er kommt auf kath.nets Kontakte zur Jungen Freiheit zu sprechen und auch auf ein Interview, das kath.net 2007 mit dem Islamhasser Stefan Herre führte, der das rechtsradikale Blog PI begründet hat. Engere Kontakte streitet Graf jedoch kategorisch ab. Dass die Kontakte vielleicht doch ein wenig enger sind oder zumindest waren, kann man auf dem Blog episodenfisch erfahren. Im Impressum des Komma Magazins taucht genau die wilde Mischung aus Islamhassern und Katholiken auf, die Mertes wohl im Blick hat. Neben Stefan Herre, kath.nets Romkorrespondent Armin Schwibach und Islamhasser Udo Ulfkotte trifft man dort auch andere bekannte Persönlichkeiten, die gerne auf dem Linzer Portal veröffentlichen (vgl. hier).

Nun muss ich zugeben, dass kath.net, seitdem Franziskus Papst ist, deutlich friedlicher geworden ist. Ich frage mich allerdings, weshalb man, wenn man bewusst eine neue Linie fährt, sich nicht von Vergangenem distanziert? Man hat Fehler gemacht, steht dazu, bereut sie und die Sache ist erledigt. Stattdessen belegt man im Kommenarbereich die Vorwürfe Mertes, indem man ihn nun auf übelste Weise beschimpfen lässt. Das ist ein wirkliches Armutszeugnis! Und genau das bestätigt Mertes, wenn er von „Brückenmedien in die rechte Szene“ spricht, die „hetzenden Leserkommentaren breiten Raum geben, während sie andere Ansichten nicht zu Wort kommen lassen".

 

1.10.14 15:02, kommentieren

Ockenfels Traum vom gerechten Westen

Auf kath.net reiht sich Wolfgang Ockenfels in die Riege der von ihm kritisierten politischen-ökonomischen Eliten ein und bescheinigt sich und ihnen Taubheit in Bezug auf religiöse, kulturelle und auch moralische Signale, die kriegerischen Auseinandersetzungen voraus gehen (hier). Die Verantwortung westlicher Außen- und Wirtschaftspolitik will ihm einfach nicht ins Gehör säuseln (dabei ist es ein so schönes Lied), wenn unser strammer Islamkritiker, der so gerne bei der Jungen Freiheit schreibt, das "benebelnde inklusive Denken" des Westens dafür verantwortlich macht, die Existenz von freiheitsfeindlichen Ideologien und kriegslüsternen Fanatikern gar nicht erst zur Kenntnis zu nehmen.

Mensch Ockenfels, wir sind doch diejenigen, die genau diese Kräfte zu unserem wirtschaftlichen Vorteil schaffen und nutzen, hast du das noch immer nicht kapiert? Überall, wo westlicher Freiheits- und Demokrastieexport stattgefunden hat, da herrscht jetzt Terror und Krieg. Hör doch mal hin! Im  Nebel funktioniert das Gehör doch! Hörst du das Geballer nicht?

Ganz aktuell beliefern wir die ISIS-Ausstatter mal wieder mit neuer Kriegstechnologie und kaufen das billige ISIS-Öl. Viel früher hätte mein Ohr gerne einmal etwas aus deinem Mund dazu gehört, als der Kram noch friedlich in den Bunkern lag und noch nicht zum Gemetzel freigegeben war. Jetzt fällt dir das plötzlich auf. Naja, besser spät als nie... Aber als noch  Zeit war, Friedenspolitik zu machen, da hörte man von euereins nur vernebeltes Schweigen. Wenn dann aber nichts mehr hilft, dann nehmt ihr das Maul auch noch mit Kriegsvokabular wie "Blutzoll" voll. Wie viele deutsche Soldaten sollen denn in Asien für unsere Freiheit bluten? Als ein Bundespräsident mal offen sagte, dass es dabei nur um die Sicherung unserer Handelswege und Wirtschaftsinteressen geht, da war für ihn aber ganz schnell Schweigen im vernebelten Walde angesagt.

Wie Franziskus, so solltest auch du diese Wirtschaftspolitik kritisieren, die tausenden von unschuldigen Opfern von Drohnen und Rakteten anprangern. Diese Opfer sieht man übrigens in der freiheits- und wahrheitsliebenden Medienlandschaft des Westens überaupt nicht, da musste erst Wikileaks ran, um uns zu zeigen, wie dein "gerechter Krieg" aussieht.

Und bevor du vor lauter Demagogik die Kurden nicht zu den Muslimen zählst, weil sie ja auch unter "islamischen Mörderbanden" leiden, gooogle doch noch einmal bei Wikipedia! Im Zusammenhang mit deiner etwas naiven Forderung, die islamischen Machthaber sollten doch Bodentruppen schicken, vorher könne man ihnen nichts glauben, solltest du bedenken, dass viele von denen bestimmt schon lange eingegriffen hätten, wenn man sie nur ließe! Ich könnte  mir vorstellen, dass etwa die schiitischen Iraner schon mit den Hufen scharren. Aber jetzt wird es zu kompliziert, die sind ja auch böse und warten noch auf eine westliche Friedensmission.

2 Kommentare 4.10.14 15:36, kommentieren

Das Gesetz der Liebe

Wir Katholiken leben in äußerst spannenden Zeiten. In der katholischen Kirche ist mit dem Pontifikat Franziskus so einiges Erstarrte wieder in Bewegung geraten, es macht wirklich wieder Spaß katholisch zu sein. Doch Bewegung, Dynamik und Dialog machen so manch einen nervös, hatte man es sich doch gemütlich eingerichtet in der fertigen und unveränderlichen Kirche der Tradition. So verwundert es nicht, dass aus der traditionalistischen Ecke besonders heftig auf den Papst oder stellvertretend im Zusammenhang mit der aktuellen Bischofssynode auf Kardinal Kasper eingedroschen wird.

Dies nimmt allerdings teilweise wirklich absurde Züge an, wenn man sich im Eifer des Gefechtes ungewollt demaskiert und das völlig Unbiblische der eigenen Position offenbart. Aber vielleicht ist es genau das, was Franziskus beabsichtigt. Der Traum Gottes kollidiert stets mit der Heuchelei einiger seiner Diener. Wir können den Traum Gottes „vereiteln“, wenn wir uns nicht vom Heiligen Geist leiten lassen.“

So meint etwa Felizitas Küble auf Ihrem Blog Christliches Forum die Haltung konservativer Katholiken gegenüber Aussagen Walter Kaspers verteidigen zu müssen, da er diese Haltung verzerrt darstellen würde (hier). Kasper hatte darauf verwiesen, dass die kirchliche Lehre des Evangeliums kein ehernes Gesetz, sondern eine Frohe Botschaft ist. Das jedoch kann Küble so nicht stehen lassen. In ihrem Überschwang beruft sie sich bei ihren Bemühungen, die Frohe Botschaft eben doch als ehernes Gesetz darzulegen, fatalerweise auch noch auf den Präfekten der Glaubenskongregation, der in den zitierten Aussagen allerdings nirgendwo von Gesetz spricht. Schon da hätte Küble ein Licht aufgehen können...

Ganz abstrus wird es dann aber in ihrer Auseinandersetzung mit einer Passage aus dem Galaterbrief des Paulus, in der der Apostel unterstreicht, dass es nur ein Evangelium gibt, dieses sei ihm von Gott und nicht von Menschen offenbart worden. Verflucht seien deshalb alle, die ein anderes Evangelium verkünden.

In diesen Versen glaubt Küble dann Rückendeckung für ihr Evangelium des ehernen Gesetzes finden zu können. Das ist allerdings problematisch, wie es immer problematisch ist, mit einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen Versen was auch immer beweisen zu wollen. Liest man im Brief an die Galater nämlich einfach einmal ein bisschen weiter, dann wird sehr schnell deutlich, dass Paulus vor allem eines verständlich machen will: Das Gesetz bringt kein Heil.

Weil wir aber erkannt haben, daß der Mensch nicht durch Werke des Gesetzes gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir dazu gekommen, an Christus Jesus zu glauben, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus, und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird niemand gerecht. […] Ich mißachte die Gnade Gottes in keiner Weise; denn käme die Gerechtigkeit durch das Gesetz, so wäre Christus vergeblich gestorben. […] Alle aber, die nach dem Gesetz leben, stehen unter dem Fluch. Denn in der Schrift heißt es: Verflucht ist jeder, der sich nicht an alles hält, was zu tun das Buch des Gesetzes vorschreibt. […] Wäre ein Gesetz gegeben worden, das die Kraft hat, lebendig zu machen, dann käme in der Tat die Gerechtigkeit aus dem Gesetz […] Wie aber könnt ihr jetzt, da ihr Gott erkannt habt, vielmehr von Gott erkannt worden seid, wieder zu den schwachen und armseligen Elementarmächten zurückkehren? Warum wollt ihr von neuem ihre Sklaven werden? […] Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und laßt euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen! […] Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

Nun will auch ich nicht den Lasterkatalog unterschlagen, den Paulus im Galaterbrief einem christlich-geistliche Leben der Nächstenliebe gegenüber stellt.

Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Mißgunst, Trink- und Eßgelage und ähnliches mehr.“

Und dennoch geht es hier nicht um Gesetze, die einzuhalten sind. Paulus ist der Überzeugung, dass diese Verhaltensweisen mit einem Leben aus dem Glauben, das von der Gottes- und Nächstenliebe geprägt ist, unvereinbar sind, weil sie eben von fehlender Liebe zeugen. Dass man die Verwendung des Begriffs Unzucht nicht vorschnell gegen die aktuelle Debatte um den Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen in Stellung bringen kann, kann man am paulinische Umgang mit gescheiterten Ehen ablesen. Für den Fall, dass einer der Partner ungläubig ist, spricht Paulus sich für eine Trennung aus (1Kor 7,15).

Paulus grundsätzliches Konzept für ein christliches Zusammenleben lautet: „Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Und das ist doch ein schöner Gedanke, der hoffentlich auch auf der Bischofssynode für die Familie berücksichtigt wird. Wie gelingt es, die Lasten der Gescheiterten zu tragen, einander zu stützen und zu helfen? Vor einfachen Verurteilungen warnt der Apostel, wenn er vor der Versuchung warnt, den Verfehlungen des Mitchristen ohne Sanftmut zu begegnen und sich damit zu veründigen.

Vor dem bisher Dargelegten finde ich auch den von Küble zitierten Satz Kardinal Müllers problematisch, der von der Erfüllung des Willens Gottes spricht, so als ob Jesus Christus uns tatsächlich einen Gesetzeskatalog offenbart hätte, den wir nun nur noch erfüllen müssten. Paulus betont, dass Gott uns erkannt hat und erlöst hat, ohne Vorleistung, aus Gnade. Aus diesem Bewusstsein heraus ist christliches Leben in Liebe möglich. Wie sagte schon Augustinus: "Liebe und tu was du willst.“ Vielleicht haben die Synodenväter ja den Mut, diese christliche Wahrheit wieder stärker zu betonen, statt ängstlich Kirchengesetze zu  betonen?

Vielleicht kann die Scheidung eines Paares ja auch ein Akt der Liebe sein, weil so Leid vermieden wird? Wenn Kardinal Müller jedoch davon spricht, dass Christus uns nicht die Kreuze nehmen wollte, sondern uns auferlegte, den Willen Gottes zu tun, dann frage ich mich schon, wie ich diese Aussage in die Frohe Botschaft vom Reich Gottes integrieren soll. Nimmt Jesus nicht den Lahmen, den Blinden, den Aussätzigen das Kreuz? Was mag Müller mit dieser verwirrenden Aussage nur meinen? Legt uns Jesus Kreuze auf, oder ist die Welt vielmehr so beschaffen, dass gerade die, die anderen das Kreuz nehmen wollen, die die Lasten des anderen tragen wollen, oftmals das Kreuz erleiden? Auferlegt von der Welt, nicht aber von Jesus Christus!

Auch Müllers Formulierung des authentischen Wortes Gottes erinnert mich mehr an den Koran, der als Gotteswort an den Propheten übergeben wurde, als an das Evangelium vom Reich Gottes. Im Jahre 1974 formulierte die Glaubenskongregation in der Erklärung "Mysterium ecclesiae", „dass der Sinn, den die Glaubensaussagen haben, teilweise von der Aussagekraft der zu einer bestimmten Zeit und unter bestimmten Umständen angewandten Sprache abhängt. Außerdem kommt es bisweilen vor, dass eine dogmatische Wahrheit zunächst in unvollständiger, aber deshalb nicht falscher Weise ausgedrückt wird und später im größeren Zusammenhang des Glaubens und der menschlichen Erkenntnisse betrachtet und dadurch vollständiger und vollkommener dargestellt wird.“

Gotteswort lässt sich nur unzureichend in Menschenwort übersetzen, dieser Übersetzungsprozess erfordert eine unablässige Arbeit, um sich immer wieder an das anzunähern, was wir als Wort Gottes bezeichnen.

Schließlich unterscheiden sich zwar die Wahrheiten, die die Kirche in ihren dogmatischen Formeln wirklich lehren will, von dem wandelbaren Denken einer Zeit und können auch ohne es zum Ausdruck gebracht werden; trotzdem kann es aber bisweilen geschehen, dass jene Wahrheiten auch vom Lehramt in Worten vorgetragen werden, die Spuren solchen Denkens an sich tragen.“

Und so hoffe ich, dass die Kirche die Bischofsynoden nutzt, um den Menschen unserer Tage das Evangelium über die Familie in verständlichen und überzeugenden Worten darzulegen. Bereinigt von überkommenen Worten und vergangenem Zeitgeist.

6.10.14 13:51, kommentieren

Jeruslamer Klerus

Wenn in kirchenpolitischen Debatten einzelne, aus dem Kontext herausgelöste Bibelverse zur Unterstützung der eigenen Position herangezogen werden, gleicht das oftmals einer Vergewaltigung dieser Verse. Mein Professor für Altes Testament behauptete von sich, mit diesem Verfahren einem jeden einzelnen Vers der Bibel einen anderen gegenüber stellen zu können, der genau das Gegenteil aussagt. Uns Studenten ist es jedenfalls nie gelungen, ihn zu widerlegen.

Aktuell zeichnet Felizitas Küble (hier), auf die ich bereits im Beitrag zuvor eingegangen bin, dieses Problem noch einmal am Beispiel des Galaterbriefes nach, wenn sie den Text der Lesung des Tages (Gal 2,1ff) mit der Überschrift versieht:  "Paulus wird von Petrus in die Gemeinschaft der Apostel aufgenommen" 

Vermutlich überträgt sie ihre heutige Vorstellung von der Institution Kirche auf die ersten Anfänge, so dass die Perikope dann davon berichtet, wie der erste Papst einen neuen Mitarbeiter in sein engstes Mitarbeiterkollegium aufnahm. Damals natürlich noch nicht im Vatikan, sondern in Jerusalem, wo die Institution noch residierte.

Vergessen ist im zweiten Kapitel bereits der erste Vers des Briefes, wo Paulus betont, dass er nicht von einem Menschen, sondern von Gott zum Apostel berufen wurde. Auch sein Evangelium sei von Jerusalemer Autorität völlig unabhängig, weil er auch das Evangelium nicht von einem Menschen, sondern von Christus selbst erhalten habe (Gal 1,12+17). Statements, die mit Kübles Überschrift völlig unvereinbar sind.

8.10.14 12:01, kommentieren

Im Widerspruch zum Wort des Herrn

Wenn ich in den Evangelien von Jesus lese, dann begegne ich ihm dort oftmals an der Seite von Ausgestoßenen, von Kranken, Fremden und Armen. Man könnte für diese  Menschen auch den zusammenfassenden Begriff der Minderheit benutzen: Prostituierte, Ehebrecherinnen, Zöllner, Aussätzige etc.

Kardinal Walter Brandmüller macht als einer der ranghöchsten Nachfolger der Apostel heute darauf aufmerksam, dass nur 1% der Katholiken wiederverheiratete Geschiedene seien, man solle die Bischofssynode nicht auf das Problem dieser Minderheit verengen (hier).

"Geschiedene und wiederverheiratete Menschen bräuchten pastorale Begleitung; das bedeute jedoch nicht eine Zulassung zur Eucharistie, "denn ihre Lebensentscheidung steht in dauerndem Widerspruch zum Wort Jesu", so Brandmüller.“

Auch Jesus musste damals seinen Umgang mit den Sündern vor der Kritik der Pharisäer rechtfertigen. „Jesus hörte es und sagte zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten." (Mk 2,17)

Wie kann man vor diesem Hintergrund nur der Meinung sein, man könne darüber verfügen, wer Jesus begegnen darf und wer nicht??

Vielleicht liegt das aber daran, dass man irgendwann dem Willen Jesu, nur beschnittene Juden in das Apostelamt zu berufen, nicht mehr entsprochen hat. Vielleicht liegt es auch an der Missachtung der Weisung des Herrn, als Apostel nur einen Stab und ein einziges Hemd zu besitzen, kein Geld und keine Verpflegung, nichts weiter, vom Schuhwerk einmal abgesehen (Mk 6,7ff). Ich gebe zu, es würde mir gefallen, wenn dem Worte Jesu auch an dieser Stelle so gnadenlos entsprochen würde.

Update

Und wie die Geschichten sich wiederholen (vgl. hier). "Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!" Mt 11,19

8 Kommentare 11.10.14 10:34, kommentieren

Jesus und die im Stand der Gnade

kath.net-Mitarbeiterin Victoria Bonelli hat einen offenen Brief an Kardinal Kasper geschrieben, den kath.net natürlich veröffentlicht (hier). In dem Schreiben geht es um das Gastmahlgleichnis des gestrigen Evangeliums. Bezug nehmend auf eine Predigt, die sie offenbar sehr begeistert hat, vertieft Frau Bonelli dann Ihre Gedanken zum viel diskutierten Problem der Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zur Eucharistie, deshalb wohl Kasper als Adressat.

Man könnte sich jetzt detaillierter mit der Argumentation auseinander setzen, letztlich scheiterte sie aber schon in der eigenwilligen Predigt, in der der Priester das Gleichnis Jesu auslegt.

"Anschließend legte der Priester in der Predigt voll Liebe aber auch in großer Klarheit dieses Gleichnis in Hinblick auf die Eucharistie aus. So sprach er davon, dass Gott uns einlädt, mit Jesus die Hl. Messe zu feiern. Viele von den geladenen Menschen haben aber Ausreden, warum sie am Sonntag nicht zur Messe gehen. Und dann gibt es aber welche, die doch zur Messe kommen, aber die Kommunion „ohne Hochzeitsgewand“, also nicht im Stand der Gnade empfangen wollen. Der Priester erklärte: Man befindet sich im Stand der Gnade, wenn man alle schweren Sünden vollständig gebeichtet hat. Und bei diesem Punkt der unveränderlichen kirchlichen Lehre kam Unmut im Volk auf und einige Leute verließen entrüstet die Kirche."

Jesu beginnt das Gleichnis mit den Worten "Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete." Im Gleichnis geht es also um das Reich Gottes, das mit Jesus zu uns Menschen gelangt ist, das wir mit ihm weiter verbreiten sollen. Von Eucharistie ist da zuerst einmal nicht die Rede.

Am Abendmahlstisch hingegegen sitzt sogar der Verräter, der Verrat ist schon entschieden, Jesus kennt den Sünder. Aber selbst der wird nicht des Mahles verwiesen. Vielleicht funktioniert Reich Gottes auch nur so? Und vielleicht ist es nur mit dieser Barmherzigkeit möglich das Reich Gottes vom Sakrament der Eucharistie aus in die Welt zu tragen, denn da gehört es nach dem Willen Gottes hin. Die Kirche hat die Frohe Botschaft zu den Menschen zu tragen, nach Jesu Vorbild zuerst zu den Beladenen, den Kranken und den Sündern.

2 Kommentare 13.10.14 20:53, kommentieren

Auch Schwarze können irren

Im rechtskatholischen Lager läuft man gerade Amok, weil sich auf der Bischofssynode tatsächlich etwas zu bewegen scheint. Will man den Papst aber nicht direkt angreifen, knöpft man sich stellvertretend Kardinal Kasper vor, die Personifikation des verhassten deutschen Reformtheologen.
 
Der hat sich nun kritisch zu den Positionen afrikanischer Bischöfe zum Thema Homosexualität geäußert (hier), woraus man ihm nun einen rassistischen Strick drehen möchte (z.B. hier).
 
Doch ruhig Blut, ihr Knappen und Recken, Kaspers Kritik ist völlig begründet. Erinnert euch nur an den Papstanwärter Kardinal Turkson, der die afrikanischen Anti-Schwulen-Gesetze verteidigt, die teilweise bis zur Todesstrafe gehen (vgl. etwa hier). Mit Menschen, die eine solch unchristliche Haltung einnehmen, kann man in dieser Frage tatsächlich nicht diskutieren, das hat mit der Hautfarbe aber nun rein gar  nichts zu tun!
 
Update
 
Kardinal Kasper stellt nun klar, dass er die Aussagen zu seinen afrikanischen Mitbrüdern nie getätigt hat und Zenit auch in den letzten Tagen kein Interview gegeben hat (hier). Das bestätigt wohl noch einmal die oben beschriebene Stimmung bei so manchem guten Katholiken! Die Haltung einiger afrikanischer Bischöfe zur Homosexualität ist aber dennoch völlig inakzeptabel.

5 Kommentare 16.10.14 15:23, kommentieren