Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Als die Papsttreuen nur noch Romtreue waren

Ich muss zugeben, das Bloggen fällt mir zur Zeit etwas schwer. Franziskus spricht mir mit all seinen Worten und Taten so aus dem Herzen, dass ich einfach nichts zu nörgeln habe. Warum alles noch einmal aufkochen, wenn der Papst es sowieso besser formuliert?

Mit großem Vergnügen beobachte ich das Ringen und Zetern im rechtskatholischen Kirchenschiff. Da geht seit Franziskus ordentlich die Post ab. Da kommt ein Papst daher, der sich weniger um Dogmen und Kirchenrecht kümmert und vielmehr den jesuanischen Weg zu den Menschen an den vielfältigen Rändern der Gesellschaften beschreitet. Jesus ist ja schön und gut, aber was wird nur aus der Kirche? Eine Frage, die einige in wahre Verzweiflung stürzt, die auch schon einmal in kinoreifen Verschwörungstheorien endet. Sehr amüsant!

Neben der alten Garde strammer Benedettos, die sich im intellektuellen Windschatten Benedikts nährten und gedeihten, ist es vor allem ein Teil der katholischen Blogger, die mit Franziskus hadern. Das Gros dieser sogenannten Blogözese kam mir bisher recht humorlos vor. Ein eingeschworener, tendenziell eher traditionalistisch ausgerichteter Haufen, der sich vorwiegend um die eigene  Achse dreht, den Blick fest auf diese gerichtet, damit sich kein Schwindel einstellt.

Nun scheint dieser Eindruck zwar nicht ganz falsch zu sein, wenn man sich die Ergebnisse des selbstreferentiellen Schwester Robusta Preises ansieht. Pi mal Daumen um die 200 Stimmen sind pro Kategorie abgegeben worden, bei ungefähr 200 einigermaßen aktiven Bloggern scheint es sich offensichtlich um eine große Selbstbeweihräucherung zu handeln. Die Gewinner sind meist die üblichen Verdächtigen. Dass man aber durchaus Humor besitzt, zeigt die Goldmedaillie für das Blog "Beiboot Petri" in der Kategorie "Papsttreue", gibt es doch kaum ein zweites Blog, auf dem ähnlich über Papst Franziskus hergezogen wird. Nicht schlecht!

Auch um andere stolze Recken der benediktinischen Ära ist es seit Franziskus ruhig geworden, was ich – das muss ich zugeben – sehr genieße. Kathoproll Matthias Matussek hat die Zeit der Stille aber wohl nicht mehr ausgehalten und sah sich genötigt, einen pathetisch-wehmütigen Blick auf die alte Garde zu werfen, die sich ins stille Kämmerlein oder die vatikanischen Gräber verzogen hat (hier).

Die innerkatholischen Gegner scheinen ihm aber jetzt zu mächtig, so dass sich sein prolliges Pöbeln nun gegen den Islam richtet (hier). Man kann gespannt sein, wie er die aktuellen Aussagen des Papstes zum Islam in sein vorgefertigtes Weltbild integriert.

Alexander Kissler, Gabriele Kuby und die Kelle-Family zucken ab und an noch beim Thema Gender, sind aber ansonsten auch auf ein erträgliches Maß öffentlicher Präsenz zurückgefahren. Kath.net verlinkt alle natürlich brav weiter.

Kath.net selbst schwirrt irgendwo im Limbus, den Benedikt nur zu diesem Zweck abgeschafft hat. In Wahrheit war es wohl der geplante Fluchtort für die Hardcore-Benedettos, um Franziskus zu überleben. Eine Welt zwischen Traditionalismus und Franziskustreue, eine harte Zeit der Prüfung, zumal sie dort von den verhassten deutschen Memorandumstheologen regelmäßig Sühneübungen auferlegt bekommen (z.B. hier).

Auch um das ehemals so aktive Priesternetzwerk ist es seit der Enttarnung des Pfarrers Jolie als kreuz.net-Autor ruhig geworden. Aktuell plant man gemeinsam mit weiteren katholischen Grenzgängern eine liturgische Tagung in Herzogenrath. Kardinal Burke soll auch kommen (vgl. hier). Wie passend!

Die Rechtskatholen sind also jetzt da, wo sie hingehören, am Rand, vielleicht kann Franziskus sie dort ja abholen?! Ich wünsche es mir!

13 Kommentare 1.12.14 14:37, kommentieren

Hass macht hirnlos

Für Padre Ockenfels war es wohl mal wieder Zeit für einen deftigen Kommentar auf kath.net (hier). Wie bei allen Hasspredigern geht es im Grunde ziemlich simpel daher, weil ja sauber nach gut und böse sortiert wird. Im Falle des Padre steht hier das Christentum dem Islam gegenüber und die bürgerlich-konservativen Pflichterfüller dem linksrotgrünen (Pseudo-) Pazifisten.

Mit ein paar literarischen Verweisen versucht er dem banalen Geschreibe noch einen intellektuellen Anstrich zu verpassen. Der Padre weiß, wie Demagogie funktioniert. Dafür haben wir im Land der Dichter und Denker ein Händchen und eine lange Tradition. Mit der Kritik an der Verteufelung des armen Vladimir Putin durch eine antirussische Presse mogelt er noch schnell antichristliche Affekte derselben Medien mit in seine Argumentation. Ob er sich den Vladi als lupenreinen Christen vorstellt, dass er beides in einem Atemzug nennt?

Und dann wird plötzlich Theodor Haecker bemüht, um die Verteufelung des Islams noch anzuschließen, der „zweifellos etwas Ähnlichkeit“ mit dem Nationalsozialismus habe. So platziert man geschickt Ressentiments, alle Achtung, Herr Ockenfels.

Dass die ganze Nummer nicht aufgeht, hätte er selbst bemerken können, als er den Fall Dieter Nuhr bemüht, bemerkt er doch, dass eine Fatwa gegen den Komiker ausgeblieben ist und der öffentliche Frieden eben nicht gestört wurde, weil sich kaum ein vernünftiger Moslem über Nuhrs Beleidigungen aufgeregt hat. In Nuhrs Polemik findet der Padre den Islam allerdings gut beschrieben, wenn er dem Comedian bescheinigt, den Koran „islamisch korrekt beim Wort genommen zu haben“.

Doch so sind es dann entgegen Ockenfels Demagogie die Muslime und nicht die bürgerlichen Pflichterfüller vom Schlage eines Ockenfels, „die in Ruhe ihren Pflichten nachgehen und mancherlei Beleidigungen tolerant einstecken“. Denn der Padre ist derjenige, der von „antichristlichen Affekten“ faselt und sich hier als der „Friedensstörer“ outet, weil er sich „beleidigt und diskriminiert“ fühlt, ohne dass er für sein Beleidigtsein einen triftigen Grund anführt.

Und ja, Ockenfels, Hass kann und darf man nicht bestrafen. Aber als Brutstätte der Gewalt sollte man ihm entschieden begegnen. Schade dass man das einem Dominikanerpater noch sagen muss...

Vielleicht noch kurz zu Jesus, dem der Padre ja auch Hass gegenüber dem Verhalten der Schriftgelehrten und Geldwechsler im Tempel bescheinigt. Der Unterschied zwischen ihm und einem Hassprediger ist vielleicht der, dass Jesus sich als jemand ohne weltliche Macht mit korrupten Menschen mit Macht zum Wohle der Armen anlegt. Ein dominikanischer Professorpater, der ein Vielzahl von friedlichen muslimischen Mitbürgern beleidigt, ist damit wohl kaum vergleichbar. Im Gegenteil!

4.12.14 12:23, kommentieren

Klartext von Padre Benedetto

In seiner aktuellen Stellungnahme (hier) zu Spekulationen, er habe sich in die Bischofssynode einmischen wollen, wird ein Charakterzug Josef Ratzingers deutlich, der ihn auf der einen Seite sehr sympathisch macht, der vermutlich aber auch ein Stück weit für die Stolpersteine seines Pontifikats verantwortlich ist: seine stille, bescheidene Art die Dinge eher theoretisch auszufechten und dem konkreten Menschen seines Umfeldes möglichst nicht vor den Kopf zu stoßen.
 
[…] es sei „völliger Unsinn“, dass er sich in die Debatte der letzten Bischofssynode um die Zulassung von Geschiedenen zur Kommunion eingemischt habe. Vielmehr sei es so: „Ich versuche, so still zu sein wie nur möglich.“   […] Mittlerweile sei bei den Gläubigen auch völlig klar, „wer der wahre Papst ist“, setzt Benedikt fort und bedauert, dass es ihm nicht gelang, sich auch von der Anrede her deutlicher vom regierenden Papst abzusetzen. Er habe gewollt, dass man ihn seit seinem Rücktritt „Vater Benedikt“ nennt oder „Padre Benedetto“, aber er sei damals zu schwach und müde gewesen, um das durchzusetzen. Ob man das schreiben dürfe? „Ja, machen Sie das; vielleicht hilft’s.“

Ich habe den Theologen Ratzinger immer verehrt, er ist ein ganz großer seiner Zunft. Gleichzeitig habe ich ihn aber auch immer wieder als Papst erlebt, der für meinen Geschmack unerträglich vorsichtig und zögerlich bei der konkreten Umsetzung seiner brillanten Theorien (z.B. die Hermeneutik der Reform) auf die pastorale Praxis war. Und was ich bis heute nicht begreife, wo mir aber dieses Interview vielleicht ein Stück weiter hilft, ist seine Tolerierung eines aggressiven homo- und islamophoben Mobs in seinem Windschatten, die er niemals in die Schranken gewiesen hat. Sei es ein Matussek, sei es kath.net oder eine Kuby. Viele andere mit teilweise neurechten Tendenzen wären noch zu nennen.

War er zu schwach, diesen Krakeelern etwas entgegen zu setzen, oder hat seine vergeistigte Art ihn taub für die schrillen Ressentiments dieser Benedettos gemacht? Ich weiß es nicht, das Interview deutet eher auf ersteres hin...

7.12.14 14:15, kommentieren

Johannes und die Blogözese

Ein Großteil der papsttreuen Blogözese läuft Amok. Kübelweise wird Hohn, Spott und Hass über Franziskus ausgegossen. Der Grad an Überheblichkeit und Borniertheit ist dabei kaum noch zu toppen. Das Stehen in der Wahrheit macht offensichtlich selbstsicher, wer braucht da noch einen Papst. Ein Schreiberling von dem mit dem goldenen Schwester-Robusta-Preis für Papsttreue ausgezeichneten Blog bringt es in einer Kommentarspalte auf den Punkt, Papst- und Lehramtstreue gehen in diesen Zeiten nun einmal nicht zusammen. Man sollte sie also Lehramtstreue nennen, denn treu sind sie ausschließlich ihrem eigenen Lehramt, die Piusbruderschaft lässt grüßen.

Dann bin ich heute durch Zufall auf eine Perikope in der Bibel gestoßen, in der Johannes der Täufer die Blogözensanen ermahnt, die Verse waren mir tatsächlich entfallen, doch so steht es im dritten Kapitel bei Matthäus:

"Als Johannes sah, daß viele Blogger der Blogözese zu ihm kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, daß ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Texte hervor, die eure Umkehr zeigen, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Benedikt zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Schwulen, Ehebrechern und Muslimen Kinder Benedikts machen. Schon ist der Finger an die Delete-Taste gelegt; jeder Blog, der keine guten Texte hervorbringt, wird gelöscht und in den Google-Cache geworfen."

2 Kommentare 9.12.14 16:55, kommentieren

Seid fruchtbar

Ludwig Ring-Eifel meint, man müsse den Papst einmal lachend darauf hinweisen, dass sich die Zeiten geändert haben (hier). Europa als Großmutter zu bezeichnen, die nicht mehr fruchtbar und vital sei, oder Ordenschwestern zu mahnen, keine alten Jungfern zu werden, seien keine zeitgemäßen Formulierungen mehr. Sie entstammten vielmehr einer vergangenen Zeit, "in der "man" so über (alte) Frauen redete".

Vielleicht sollte man Ring-Eifel einmal lachend auf die Bibel aufmerksam machen, in der Fruchtbarkeit und Vitalität als Zeichen für die Gnade und Wirksamkeit Gottes stehen?! Könnte der Papst das meinen? Man könnte Ring-Eifel auf Abrahams Frau Sara hinweisen oder auf Elisabet, die Mutter Johannes des Täufers, beides Frauen, die in hohem Alter aufgrund der Gnade Gottes noch schwanger wurden, um die Heilsgeschichte voranzutreiben. Man könnte ihn aber auch auf die Rede Jesu hinweisen, der zur Fruchtbarkeit mahnt (etwas Mt 13) und Unfruchtbarkeit tadelt (etwa Mt 21,18f). Wenn wir als Christen nicht fruchtbar sind, kann das Reich Gottes nicht wachsen, werden die Kranken nicht geheilt und den Armen wird nicht das Evangelium verkündet. Könnte der Papst das meinen?

"An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen." Das gilt wohl auch für die Kommentatoren auf katholisch.de.

1 Kommentar 12.12.14 08:00, kommentieren

Faule Äpfel

Da spricht sich Kardinal Woelki eindeutig gegen antiislamische Bewegungen wie Hogesa und Pegida aus und schon muss kath.net den Kommentarbereich löschen und deaktivieren (hier). Schmecken die Früchte etwa nicht, die man jahrelang gezüchtet hat?

13.12.14 19:52, kommentieren

Unsere Verantwortung

Tja, jetzt ist es wohl mal wieder so weit, Asylantenheime brennen. Wutbürger marschieren gegen Ausländer, Zuwanderer und Muslime. Und was machen unsere Bischöfe? Halten hehre Sonntagreden, von denen es einem nur schlecht werden kann. Kardinal Marx zeigt sich schockiert und fordert die Menschen auf, gegen Hass und Gewalt aufzustehen (hier). Super! Ich bin sowas von beeindruckt von seinem Engagement!

Wer übernimmt denn in dem Verein, der sich katholische Kirche schimpft, einmal Verantwortung für die Brandstifter und Hetzer in den eigenen Reihen? Zum Aufgabenfeld eines Vorsitzenden der deutschen oder österreichischen Bischofskonferenz scheint das jedenfalls nicht zu gehören. Die schwätzen sich lieber von jeder Verantwortung frei.

Oder ist ihnen das Gehetzte und Gezetere über Muslime und den Islam, das seit Jahr und Tag auf katholischen Nachrichtenportalen und in einem Teil der katholischen Blogözese zu beobachten ist, nicht bekannt? Dann sind sie und ihre Mitbrüder im Bischofsamt natürlich fein raus. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen war doch schon immer eine gute Strategie in der Kirche. Wir haben wohl nach 2010 immer noch nichts dazugelernt....

1 Kommentar 15.12.14 17:00, kommentieren