Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Von Hetzern und Stuhlkreischristen

Wie  borniert die Islamhetze mittlerweile daher kommt, das zeigt aktuell Jan Fleischhauer, der es mit seinem Pamphlet dann auch gleich in den Gastkommentarbereich von kath.net geschafft hat (hier).

Ein evangelischer Pfarrer hält eine Hetzpredigt (vgl. hier) gegen den Islam und andere Religionen und wird dafür von der Kirchenleitung und vielen anderen heftig kritisiert. Und prompt schreit die rechtschristliche Welt auf und ereifert sich in der Rechtfertigung des Hasspredigers, der doch nur den Mut gezeigt habe, christliche Wahrheiten einmal ungeschminkt auszusprechen.

Ein Christ dürfe weder Shiva- noch Buddhastatuen in seiner Wohnung haben und auch das Zuckerfest der Muslime sei Blödsinn, der wegen geistlicher Verunreinigung zu meiden ist. Gemeinsames Feiern mit Muslimen sei Sünde und Götzendienst. Nun ist Buddha kein Gott, aber das ist sicher der Differenzierung schon zu viel. Aber dass der Gott der Muslime ein anderer ist als der christliche, eine gewagte These.
 
Außerhalb der Kirche kein Heil, so hieß es schon vor dem Zweiten Vatikanum. Doch Pfarrer Latzel ist sein eigener Gottesmittler, der Katholizismus kriegt natürlich auch sein Fett weg, wenn die Bitte um Fürsprache durch Heilige ebenfalls als Götzendienst abgeurteilt wird. Das wiederum kapiert Fleischhauer nicht, wen er bemerkt:

"Auch der Katholizismus erweist sich als ziemlich stuhlkreisresistent. Ich habe schon länger den Verdacht, dass es bei der Ökumene vor allem darum geht, von den Katholiken im Nachhinein die Absolution zu erhalten, dass man vor 500 Jahren die gemeinsame Kirche verlassen hat."


Aber darum geht es ja gar nicht, viel wichtiger ist das Reizwort "Stuhlkreis", mit dem man dialogverseuchte Ökumenechristen verspotten kann.

Doch die Gutmenschen der Stuhlkreise sind ja nicht das eigentliche Ziel, das ist der Islam, dessen Gewaltpotential und Gefahr die Stuhlkreise einfach nicht erkennen wollen.

"Kein Imam, der etwas auf sich hält, käme auf die Idee, neben Mohammed weitere Propheten gelten zu lassen, damit sich Andersgläubige besser fühlen. Tatsächlich nimmt der Islam wenig Rücksicht auf die Konkurrenz, wie seine Missionsbemühungen zeigen."

Mehr Borniertheit geht nun wirklich nicht, sieht der Islam Mohammed doch als letzten in der langen Riege der Propheten, zu denen er auch Jesus zählt, und die er alle verehrt. Viellicht muss man die Hetzer einmal an die Rede des gutmenschlichen Stuhlkreispapstes Johannes Paul II erinnern, der 1985 zu muslimischen Jugendlichen sprach (hier).

"Wir haben als Christen und Muslime viele Dinge gemeinsam, als Gläubige und als Menschen. Wir leben in derselben Welt, die durch viele Zeichen der Hoffnung, aber auch der Angst gekennzeichnet ist. Abraham ist eben für uns ein solches Vorbild des Glaubens an Gott, der Ergebenheit gegenüber Seinem Willen und des Vertrauens auf Seine Güte. Wir glauben an denselben Gott, an den einzigen Gott, an den lebendigen Gott, an den Gott, der die Welten schafft und Seine Geschöpfe zu ihrer Vollendung führt."

Nach der Logik des Hasspredigers sind diese Worte feiger Opportunismus und gottverhasste Sünde, Götzendienst, obwohl sie in Wahrheit nur eines sind, der einzige Weg auf dem Friede und Miteinander möglich ist.

Und in einer solchen Stuhlkreisatmosphäre ist dann auch das Sprechen über die Unterschiede, eine kritische Auseinandersetzung möglich.

"Die Redlichkeit gebietet auch, daß wir unsere Differenzen anerkennen und respektieren. Die grundlegendste ist klarerweise die Sichtweise, die wir der Person und dem Werk des Jesus von Nazareth entgegenbringen. Ihr wißt, daß für die Christen dieser Jesus dieselben in eine innerste Kenntnis des Geheimnisses Gottes und in eine kindliche Gemeinschaft mit Seinen Gaben eintreten läßt, sodaß sie Ihn als göttlichen Herrn und Erlöser anerkennen und verkünden. Darin liegen wichtige Unterschiede, die wir in der gegenseitigen Toleranz mit Demut und Respekt akzeptieren dürfen; darin liegt ein Mysterium, worüber uns Gott eines Tages Erleuchtung geben wird, wovon ich überzeugt bin.
Als Christen und Muslime haben wir uns im allgemeinen schlecht verstanden, und in der Vergangenheit haben wir uns manchmal gegeneinander gestellt und uns sogar in Auseinandersetzungen und Kriegen verausgabt.
Ich meine, daß uns Gott heute einlädt, unsere alten Gewohnheiten zu ändern. Wir sollten uns respektieren und uns auch gegenseitig auf dem Weg Gottes in den guten Werken anspornen.
Mit mir seid ihr euch bewußt, was der Wert geistlicher Reichtümer ist. Die Ideologien und die Slogans können uns weder zufriedenstellen noch die Probleme eures Lebens lösen. Nur die spirituellen und moralischen Werte können dies erbringen, und sie haben Gott zum Fundament."


Wie aktuell sind diese Worte doch, wie prophetisch, droht doch auch heute wieder das Gegeneinander von Muslimen und Christen, das von den Hasspredigern auf beiden Seiten herbeigeschrien wird.

3.2.15 16:43, kommentieren

Lesetipp

Eine zutreffende Beschreibung der rechtskatholischen Eiterbeule ist in der aktuellen Christ & Welt zu lesen. Dabei benennt Andreas Püttmann auch die führenden Köpfe dieser Sippe. Lesenswert!

2 Kommentare 5.2.15 16:08, kommentieren

Gerne sprachlos

Was soll man da noch bloggen?! Mehr als das gibt es zurzeit nicht zu sagen, kann es nicht zu sagen geben...

15.2.15 13:09, kommentieren