Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Blindheit trotz österlichem Licht

In Deutschland brennen wieder Flüchtlingsheime. Zu einer Zeit, in der ein Papst in Rom Flüchtlinge zu seinem persönlichen Thema macht, Katholiken auffordert, alles für diese Mitmenschen zu tun, Nächstenliebe zu praktizieren.
 
Auf rechtskatholischen Nachrichtenportalen ist der Brandanschlag von Tröglitz jedoch keine Nachricht wert. Der Osterglaube hat wohl Grenzen. Vielleicht will man es sich mit den Kelles und Kubys nicht verscherzen, die nicht nur auf kath.net, sondern auch fleißig  in der neurechten Jungen Freiheit publizieren?! Dort echauffiert sich Christian Dorn dann auch passenderweise in der "Wochenschau" über die Berichterstattung der bösen Mainstreammedien zu Ostern.

"Kein Osterfeuer, nirgends. – Die “Tagesschau” berichtet vom ausgebrannten Dachstuhl der geplanten Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz. Wie Phoenix aus der Asche steigt dagegen das Gespann vom Führer und seinem Architekten. Unter der Überschrift “Antike Verkleidung für Hitlers Bunker” berichtet die Berliner Zeitung über die neue Ausstellung im Verein Berliner Unterwelten am Bahnhof Gesundbrunnen. Gezeigt werden im Jahr 1941 angefertigte Relieffplatten und Gipsformen. Monumental seien der Adler aus Stein und der geschwungene Eichenlaubkranz sowie die aus Steinblöcken herausgearbeiteten Schwerter. – Der Gedanke der Auferstehung scheint derzeit offenbar nur als Perversion denkbar."

So wird Dorn wohl ein Fan von kath.net sein, gaaanz viel Ostern und kein Hitler und kein Tröglitz. Doch: Der Gedanke der Auferstehung ohne Konsequenzen für den Bedrängten ist die denkbar größte Pervertierung des Osterglaubens. Das unterstreichen katholische wie evangelische Bischöfe in ihren Osterpredigten. Gut, dass wir in Deustchland so starke Hirten haben!

4 Kommentare 6.4.15 13:05, kommentieren

Besser spät als nie

Katholische Nachrichten brauchen manchmal ein bisschen...

2 Kommentare 9.4.15 15:13, kommentieren

Vom Trog zur Schlachtbank

Robert Spaemann spricht in einem Interview, das auch auf kath.net zu lesen ist, über sein Verständnis des katholischen Glaubens. Es komme darauf an, statt dem Zeitgeist nachzujagen, "ein Zeugnis davon abzulegen, dass es auch eine andere und schönere Weise des Lebens gibt" 

Diese schöne Weise des Lebens scheint nach Spaemanns Konzeption auf unreflektiertem Gehorsam zu beruhen, da Jesus vor allem mit abschreckenden und unverständlichen Drohbotschaften hausieren ging.

"Nein, Jesus nimmt dich nicht wie du bist. In seiner Predigt forderte er: Kehrt um, ihr seid auf dem falschen Weg! Natürlich, Jesus akzeptiert den Sünder und wenn der verlorene Sohn heimkommt, macht der Vater ein großes Fest. Aber warum richtet er dieses Fest aus? Doch weil er zurückgekommen ist. Der Vater ist nicht hinaus zu den Schweinetrögen gegangen."

Ich finde, die Menschwerdung Gottes in Jesus könnte man durchaus mit einem Gang zu den Schweinetrögen umschreiben. Der Philipperhymnus spricht zwar nicht von Schweinetrögen aber immerhin von Erniedrigung und einem Leben als Sklave. Gerade der Gang zum Schweinetrog ist es doch, der das christliche Gottesbild vom jüdischen und islamischen unterscheidet. Dieser Gott wird wahrhaft Mensch, bis in den Tod... Selbst die Schlachtung passt noch ins Bild.

6 Kommentare 10.4.15 09:37, kommentieren

Traditionalistenspielchen

Es hat schon etwas Wahnhaftes. Papst Franziskus kündigt ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit an und betont in der dazu verlesenen Bulle, dass die Barmherzigkeit über das Gesetz hinaus geht und genau dies der Weg Jesu gewesen sei. kath.net jedoch ist der Meinung, dass der Papst von der Linie Kaspers, dessen Werk zur Barmherzigkeit Franziskus ausdrücklich gelobt hatte, abweicht. Im Stile von katholische.info beruft man sich jetzt auch auf den Traditionalisten Sandro Magister (vgl. hier), der zu den schärfsten Papstkritikern gehört.
 
Den Mut, den Papst direkt zu kritisieren hat man aber natürlich nicht, dafür muss eben Kasper herhalten. Ein erbärmliches Schauspiel, mit dem man vor kurzem schon einmal gescheitert war, als man den mittelmäßigen Versuch eines amerikanischen Priesters, Kaspers Ansatz theologisch zu entkräften, veröffentlichte (vgl. hier).
 
Doch Franziskus ist völlig mit Kasper auf einer Linie, wenn er in der Bulle "Misericordiae vultus" schreibt:

"In der Bibel spricht man vielfach von der Gerechtigkeit Gottes und von Gott als Richter. Dabei wird sie gemeinhin verstanden als die Beachtung des gesamten Gesetzes und das Verhalten eines jeden guten Israeliten gemäß dem göttlichen Gebot. Diese Sichtweise hat aber nicht selten zu einem Legalismus geführt, indem man den ursprünglichen Sinn verfälscht und den tiefen Sinn der Gerechtigkeit verdunkelt hat. Um eine legalistische Sichtweise zu überwinden, ist es notwendig sich daran zu erinnern, dass in der Heiligen Schrift die Gerechtigkeit hauptsächlich als ein sich völliges und vertrauensvolles Überlassen in den Willen Gottes verstanden wird.

Jesus selbst spricht viel häufiger von der Bedeutung des Glaubens als von der Beachtung des Gesetzes. Und in diesem Sinn müssen wir seine Worte verstehen, als Er – während Er mit Matthäus und anderen Zöllnern und Sündern zu Tisch sitzt – den Pharisäern, die ihn kritisierten, antwortete: „Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten“ (Mt 9,13). Angesichts einer Sicht der Gerechtigkeit als der bloßen Einhaltung von Gesetzen, die in der Folge Menschen einteilt in Gerechte und Sünder, versucht Jesus die große Gabe der Barmherzigkeit aufzuzeigen, die Barmherzigkeit, die den Sünder sucht und ihm Vergebung und Heil anbietet. Man versteht, warum Er aufgrund einer solchen befreienden Vision, die Quelle der Erneuerung ist, von den Pharisäern und Schriftgelehrten abgelehnt wird. Diese legten in ihrer Gesetzestreue den Menschen lediglich Lasten auf die Schultern, blendeten aber die Barmherzigkeit des Vaters aus. Der Ruf nach der Einhaltung des Gesetzes darf nicht die Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse behindern, die die Würde der Menschen ausmachen."

13.4.15 19:46, kommentieren

Auch als Paar ist der Mensch Abbild Gottes

Kath.net versucht sich in Reimen ...

God made adam and eve
not adam and steve


Es könnte auch heißen:

Gott schuf Mann und Frau
nicht Mann und Kirchenbau

 

15.4.15 15:50, kommentieren

Der Heilige Geist in der Lebenswirklichkeit der Gläubigen?

Bei der letzten Versammlung der deutschen Bischöfe in Hildesheim stieß Bischof Bode mit einer Aussage zur Verbindung von katholischer Lebenswirklichkeit und Offenbarungsglaube eine heftige innerkatholische Diskussion an, zu der sich letztendlich auch Kardinal Müller als oberster Hüter der Glaubenslehre aüßerte.

"Für Bode sei es laut dem Bericht der "Tagespost" eine Grundfrage, ob nicht nur Schrift und Tradition Quellen der theologischen Erkenntnis seien, „sondern auch die Realität von Menschen und der Welt“. Er beruft sich dabei auf das Zitat aus „Gaudium et spes“: „Es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen (denen der Jünger, A.d.R.) seinen Widerhall findet“. Seine Schlussfolgerung: „Nicht nur die christliche Botschaft müsse Resonanz in den Menschen finden, sondern die Menschen müssen Resonanz bei uns finden.“ (vgl. hier)

"Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat sich gegen Überlegungen gewandt, den katholischen Offenbarungsbegriff theologisch zu erweitern. „Lebenswirklichkeit“ sei etwa ein soziologischer Begriff, der kein Urteilsmaßstab für die Offenbarung sein könne, sagte Müller der Würzburger Zeitung „Tagespost“ (Samstag). Ebenso sei „der Boden  katholischer Theologie verlassen“, wo „rein menschliche Überlegungen oder die Macht des Faktischen gleichwertig neben Schrift und Tradition gestellt werden“. So könne man „die frivole Lebenswirklichkeit eines Ausbeuters, Drogenhändlers oder Kriegsgewinnlers“ nicht als „unabänderliches Faktum ansehen, an das sich die moralischen Grundsätze anzupassen haben“. (vgl. hier)

Ich frage mich seitdem, wie in diesem Zusammenhang der Bericht des ersten Apostelkonzils, den uns sowohl Lukas in seiner Apostelgeschichte als auch Paulus in einer der ältesten Quellen des Neuen Testaments überliefert, zu verstehen ist. Dort wurde die Frage nach der Bedeutung von jüdischem Gesetz und Beschneidung für die christliche Gemeinde diskutiert, die letztendlich als für den christlichen Glauben unerheblich beurteilt wurden. Heiden können Christen werden allein durch die Taufe, das Gesetz und die Beschneidung sind obsolet.

In diesem Zusammnehang ist die Begründung, die Petrus und der Herrenbruder Jakobus geben, die Säulen der jerusalemer Gemeinde, interessant.

"Als ein heftiger Streit entstand, erhob sich Petrus und sagte zu ihnen: Brüder, wie ihr wißt, hat Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen, daß die Heiden durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben gelangen sollen. Und Gott, der die Herzen kennt, bestätigte dies, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab. Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt. Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten? Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene. Da schwieg die ganze Versammlung. Und sie hörten Barnabas und Paulus zu, wie sie erzählten, welch große Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden getan hatte. Als sie geendet hatten, nahm Jakobus das Wort und sagte: Brüder, hört mich an! Simon hat berichtet, daß Gott selbst zuerst eingegriffen hat, um aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen. Damit stimmen die Worte der Propheten überein, die geschrieben haben: Danach werde ich mich umwenden und die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten; ich werde sie aus ihren Trümmern wieder aufrichten und werde sie wiederherstellen, damit die übrigen Menschen den Herrn suchen, auch alle Völker, über denen mein Name ausgerufen ist - spricht der Herr, der das ausführt, was ihm seit Ewigkeit bekannt ist. Darum halte ich es für richtig, den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden; man weise sie nur an, Verunreinigung durch Götzen(opferfleisch) und Unzucht zu meiden und weder Ersticktes noch Blut zu essen." (Apg 15, 7-20)

Spannend ist in diesem Kontext, dass der spätere Text des Lukas nicht mit dem Bericht des Paulus, der im Gegensatz zu Lukas ein Teilnehmer des Konzils war, übereinstimmt. Paulus betont, dass es keinerlei Auflagen für die Heiden gab (Gal 2,6), so dass er in seinen Briefen mehrfach betonen kann, dass das Gesetz nicht rettet, sondern nur der Glaube an Jesus Christus. Lukas hingegen versucht noch ein Stück des Gesetzes zu retten und entfernt sich damit vom Herrenwort, das besagt, dass nichts den Menschen verunreinigt, was in den Mund hinein gelangt, sondern nur das, was aus dem Mund eines Menschen nach außen dringt (Mt 15,11). Paulus ist offensichtlich nicht nur zeitlich, sondern auch theologisch näher an den Worten des Herrn.

Doch zurück zur Ausgangsfrage. Was sagt uns die von Petrus vorgetragene und von Jakobus bestätigte Begründung der gesetzesfreien Heidenmission für die aktuelle Diskussion um den theologischen Erkenntnisgewinn aus der Lebenswirklichkeit der Gläubigen? Offensichtlich haben die ersten Apostel genau das gemacht, was auch das Zweite Vatikanum fordert: Die Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums zu deuten.

Wenn der Heilige Geist bewirkt, dass wiederverheiratet Geschiedene oder homosexuell veranlagte Menschen zum Glauben gelangen, wer sind dann wir, ihnen eine Joch aufzuerlegen, das wir selber nicht tragen können? Wie formulierte Papst Franziskus ganz richtig: „Wenn eine Person homosexuell ist, Gott sucht und einen guten Willen hat – wer bin ich, sie dafür zu verurteilen?“

Die Familiensynode im Herbst sollte sich an der biblischen Vorgehensweise orientieren und die Zeichen der Zeit erkennen, um sie im Lichte des Evangeliums auszudeuten, damit das Evangelium in einer zeitgemäßen Sprache verkündet werden kann.

2 Kommentare 19.4.15 11:14, kommentieren

Burkes Leiden

Kardinal Burke hat mal wieder ein aufschlussreiches Interview gegeben. Homosexualität sei ein Leiden. Eine solche Aussage kann man wohl nur aufrichtig tätigen, wenn man auf Erfahrungswerte zurückgreifen kann, ansonsten müsste man sie wohl deutlich einschränken. Ich bin schon sehr glücklichen und gesunden homosexuellen Paaren begegnet. Die leiden wenn überhaupt an der Kirche, weniger an ihrer Liebe.

Auch der fundamentale Satz „Wir sind alle entweder Mann oder Frau“ ist mit zwei Klicks (z.B. hier oder hier ) ins Land der Märchen zu verbannen und zeigt das wahre Leiden, das Burkes dualistisches Weltbild verursacht.

1 Kommentar 24.4.15 10:06, kommentieren