Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Geschichtsvergessenheit

Kardinal Müller lässt in einem Beitrag der Tagespost kein gutes Haar an der katholischen Kirche in Deutschland.

Oft werde er gefragt, woher das Establishment der sogenannten „deutschen Kirche“ den Anspruch ableite, bei allen Symptomen eines dramatischen Niedergangs ausgerechnet in den Fragen der Sexualmoral und der katholischen Ehelehre Schrittmacher für die Weltkirche zu sein. Müller warnte davor, von der Lage in Europa Rückschlüsse auf die Zukunft anderer Kontinente zu ziehen. „Wir sollen nicht anderen verheißen, dass es bei ihnen auch so kommt, wie es bei uns ist – als ob die Entchristlichung ein nicht aufzuhaltender Naturprozess wäre. Nein. Mit dem Glauben kann man Berge versetzen.“ Nur eine „nachhaltige Neuevangelisierung mit allem apostolischen Freimut und Eifer“ könne dem Schalwerden des Christentums in Deutschland entgegenwirken, erklärte der Präfekt.

Hätte Müller recht, stellte sich doch die Frage, weshalb dann jemand, der genau für diese Entwicklung in den vergangenene Jahren und Jahrzehnten in Deutschland in der Hauptverantwortung stand, zum Präfekten der Glaubenskongregation befördert werden kann? Und sollte er dann nicht auch etwas vorsichtiger in seiner Kritik sein?

Doch wenn ich in den Medien die Bereitschaft der Menschen in Deutschland sehe, sich für Flüchtlinge, Kriegsopfer und Vertriebene einzusetzen, dann möchte ich dem Kardinal antworten, dass er das vielleicht einmal würdigen sollte, bevor er so über seine Heimat herzieht. Das Christentum in Deutschland ist vielleicht weniger schal als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sonntags alle noch stramm in der Kirchenbank standen und einmal im Monat zur Beichte liefen.

1 Kommentar 3.9.15 17:52, kommentieren

Standpunkt gegen Standpunkt

Joachim Valentin wundert sich in einem Standpunkt-Kommentar auf katholisch.de über KNA-Chef Ludwig Ring-Eifel.

Da irritiert es umso mehr, dass ein führender katholischer Publizist sich nicht schämt, auf dieser Plattform zum Thema "Flüchtlinge" die folgenden Sätze zu schreiben - wenn auch mit diversen Konjunktiven und Relativierungen bewehrt: "Die Zahl der Diebstähle, Raubüberfälle Drogendelikte und Gewaltverbrechen wird spürbar ansteigen. Gewaltausbrüche zwischen Sunniten und Schiiten, Kurden und Türken, Syrern und Libanesen werden zunehmen. Tausende Kämpfer des 'Islamischen Staats' werden ein Terror-Netzwerk aufbauen und eines Tages zuschlagen."

Vielleicht wäre es hilfreich, wenn Ring-Eifel sich weniger mit fragwürdigen Dunkelkatholiken in römischen Palazzi und mehr mit hilfsbedürftigen Flüchtlingen in Deutschland auseinandersetzen würde? Das erweitert den Horizont! Und nicht nur Herr Valentin könnte dann wieder besser schlafen!

10.9.15 12:16, kommentieren

Weggelobt

Der Papst empfiehlt Geistlichen, die nicht barmherzig sein können, einen Job in der Verwaltung. Ist nicht auch die Kurie eine solche? Das erklärte natürlich so manche "Beförderung".
 
Am Tag nach der Verkündigung des beschleunigten Eheannullierungsverfahrens könnte er mit dieser Aussagen vielleicht auch die Kritiker dieser päpstlichen Entscheidung meinen?!

11.9.15 10:27, kommentieren

Franziskus wirkt

Es ist mal wieder ein geheimes Dossier im Vatikan aufgetaucht. Das hatten wir doch schon einmal (hier und hier )... Damals ging es um die "Deutsche Nationalkirche", die den Bruch mit Rom plant. Im aktuellen Fall sitzt der Feind ultrakonservativer Kräfte näher am Zentrum der katholischen Macht, vielmehr sitzt er genau in dessen Zentrum, auf dem Stuhl Petri.
 
Die päpstlichen Änderungen in der Praxis der Annullierungsverfahren haben das Fass scheinbar zum Überlaufen gebracht. Bisher feuerten die Kritiker auf Kardinal Kasper, sozusagen als Stellvertreter des Stellvertreters Christi auf Erden, weil man es mit dem katholischen Selbstverständnis wohl nicht vereinbaren konnte, den Papst selbst offen anzugreifen. Sind diese Zeiten nun vorbei?

Die Produktion geheimer Dossiers, die dann medienwirksam lanciert werden, scheint jedenfalls ein etabliertes Mittel dieser Kurialen zu sein. Den Mut des offenen Wortes hat man nicht, obwohl der Papst doch genau das einfordert.

Erstaunlichlicherweise sind es die ultrakatholischen Kräfte, die bisher gerade das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfrage wie eine Monstranz vor sich her trugen, die sich nun über fehlende Kollegialität und zu wenig Dialog - ehemals ein Reizwort in diesen Kreisen - beschweren. Man kann es kaum fassen.

Umso erstaunlicher ist die ganze Hysterie, als dass der Papst lediglich Änderungen im Verfahren beschlossen hat, die übrigens auch von jenen Kreise eingefordert wurden. An der Lehre, dem Dogma von der Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe, wird nicht gerüttelt.

Ganz anders sah die katholische Welt zur Zeit Johannes Paul II aus, als dieser, entgegen der Empfehlung der Päpstlichen Bibelkommission, eine Lehre als unfehlbar definierte, die nicht in der Offenbarung der Bibel gründet, die Unmöglichkeit der Frauenordination. Gegen Bibel und jedes vernünftige Argument wurde eine Lehre nahezu dogmatisiert und ein Verbot jedes weiteren Dialogs eingefordert (!!).

Der Jubel unter den heutigen Dossierkatholiken wird riesengroß gewesen sein. Wie sich die Zeiten doch änder!? Dialog und Kollegialität wird endlich als etwas Grundlegendes bei der Entwicklung der katholischen Lehre empfunden. Das ist die eigentlich gute Nachricht hinter den aktuellen Ereignissen. Darin scheinen nun alle Lager übereinzustimmen. Franziskus ist ein wirklich cleverer Taktiker, dem ich noch viel zutraue.

13.9.15 12:32, kommentieren

Vom Versagen der Apostel

Der Regensburger Bischof Voderholzer sieht sich zunehmend genötigt, aus der wenigstens nach außen scheinenden Einmütigkeit der deutschen Bischöfe auszuschwenken. Das von der DBK überarbeitete kirchliche Arbeitsrecht mag er nicht umsetzen, die Ergebnisse des Gesprächsprozesses sind ihm zu pessimistisch und zu lau, und dann fürchtet er auch noch, dass die Kritik an der zersetzenden Genderideologie auf der anstehenden Bischofssynode zu kurz kommen könnte. Die Themen, die die anderen Bischöfe und eine Mehrheit der deutschen Katholiken beschäftigt, wischt er hingegen kurzerhand vom Tisch, z.B. das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen.

"Alle hätten den ehrlichen Wunsch nach lebenslanger Bindung. Wer damit in Schwierigkeiten komme, könne sich kostenlos in Beratungsstellen der Kirche helfen lassen.

Im Übrigen glaube er, dass die meisten wiederverheirateten Geschiedenen längst in den Pfarrgemeinden voll integriert seien, auch wenn sie nicht zur Kommunion gehen dürften, unterstrich Voderholzer. Der Bischof legte den Betroffenen in Anlehnung an einen Vorschlag des emeritierten Papstes Benedikt XVI. nahe, ihren öffentlichen Verzicht auf den Empfang der Kommunion als 'einen wertvollen Dienst am rechten Ehe- und Eucharistieverständnis' zu betrachten. Seelsorger sollten sie bestmöglich unterstützen, 'damit sie auch die Kraft finden, mit diesem Verzicht ein Leben als gläubiger Christ zu leben'."

Es tut mir ja Leid, das so hart sagen zu müssen, aber ich kann mir in diesem Kontext kaum eine Formulierung  vorstellen, die weniger mit dem Evangelium zu tun haben könnte, fragt man sich doch unwillkürlich, weshalb es dann überhaupt der Eucharistie bedarf? Besonders wichtig scheint sie gerade für Menschen in schwierigen Situationen jedenfalls nicht zu sein. Die Begegnung des Menschen mit Christus im Sakrament der Eucharistie ist etwas, auf das man als gläubiger Christ wohl locker verzichten kann?!

Denn Christus hat ja schon zu Lebzeiten darauf geachtet , dass er nur mit den reinen und vollkommenen Menschen in Berührung kam, so sollte es auch heute sein. Die Sünder bedurften seiner nicht, von ihnen wendete er sich ab und verurteilte sie, z.B. wegen Ehebruchs!

So war Jesus sowieso jemand, dem das rechte Verständnis des Gesetzes am Herzen lag. Er rief die Menschen dazu auf, sich strikte an die Sabbatgebote zu halten. Und auch die Reinheitsgebote waren ihm natürlich sehr wichtig, wollte er doch nicht mit dem Schmutz, der Sünde und der Unreinheit in Berührung kommen. Der Kontakt mit ihnen war ihm ein Greuel.

Und die Aufforderung an seine Jünger, das Brot immer wieder zu seinem Gedächtnis zu brechen, bis alle zusammen im Reich Gottes zu Mahl sitzen werden, galt natürlich auch nur für die wenigen Reinen. Die waren ja auch alle Apostel... Judas...?! Ok, auch diesen Schmutzpuckel hat man schließlich entsorgt. Ich finde, Jesus hätte ihn auch beim Abendmahl schon vor die Türe setzen können, wusste er doch, was das für einer war... Hätte man ihm eigentlich nicht nahe bringen können, den öffentlichen Verzicht auf den Empfang der Kommunion als "einen wertvollen Dienst am rechten Eucharistieverständnis" zu betrachten? Schon damals versagten die Apostel...

17.9.15 19:41, kommentieren

Das Kreuz mit dem Kreuz

"Das Kreuz dürfe nicht zum Banner weltlicher Kämpfe werden."

Ein mutiger Satz des Papstes in den USA, einem Land, in dem Kriege auch schon als Kreuzzüge bezeichnet wurden. Doch müssen wir Deustche nicht auf andere zeigen, auch wir verstehen es, das Kreuz politisch zu instrumentalisieren !

24.9.15 14:17, kommentieren

Keine Terroristen in Nazideutschland

Felizitas Küble vom Christlichen Forum ist der Meinung, dass man die deutschen Flüchtlinge und Vertreibenen, die nach dem 2. Weltkrieg in den Westen Deutschlands kamen, nicht mit den Migrantenströmen aus muslimischen Ländern vergleichen könne.

"Die Heimatvertriebenen sprachen deutsch, waren Deutsche (sowohl ethnisch wie kulturell und staatsrechtlich); sie waren anpassungsbereit, integrationsfähig, anspruchslos und zudem friedlich. Unter 15 Millionen deutschen Ostvertriebenen und Flüchtlingen gab es keinen einzigen Terroristen."

Ich frage mich, woher Frau Küble weiß, dass von den 840.000 SS-Soldaten, die 1945 noch ihr Unwesen trieben, kein einziger aus dem Osten flüchtete? Oder mag sie diese nicht als Terroristen definieren, weil sie sich im Nachkriegsdeutschland als anpassungsbereit, integrationsfähig, anspruchslos und friedlich erwiesen? Dann sollte sie auch den IS-Kämpfern eine Chance geben, die haben schließlich auch nur Männer, Frauen, Kinder und Alte ermordet, die nicht in ihre krude Ideologie passten.

Dass sich allerdings tatsächlich IS-Kämpfer unter den Flüchtlingen befinden, halten Experten für unwahrscheinlich, so dass sich Frau Küble ihre Belege auf den gängigen rechtsextremen Plattformen besorgen muss. Und da wird Integration und Friedfertigkeit schließlich noch groß geschrieben. Halleluja!

1 Kommentar 30.9.15 12:42, kommentieren