Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

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Manchmal ist weniger mehr

Jetzt muss ich vorsichtg formulieren, weil ich nicht unfair werden möchte. Es führen sicherlich viele Wege nach Rom, also zu Jesus Christus. Einer davon, das möchte ich eben nicht in Abrede stellen, sicher auch über charismatische Bewegungen, wie man sie von nord- und südamerikanischen Predigern aus dem Fernsehen kennt.

Ähnliches gibt es jetzt auch in Deutschland, nennt sich MEHR und meint wohl mehr Jesus für unser Leben. Der katholische Theologe Johannes Hartl hat in Augsburg ein Gebetshaus auf die Beine gestellt, in dem zur Zeit 6000 Menschen beten und Gott lobpreisen. Prima!

kath.net, das traditionell einen engen Draht zu evangelikalen Kreisen pflegt, ist begeistert von der explizit ökumenischen Veranstaltung. Auch Bischof Oster ist überschwänglicher Fan der Großveranstaltung. Grund genug, einmal einen Blick auf die ganze Geschichte zu werfen. Dazu bietet kath.net eine Fülle an Material. Noé scheint ein glühender Anhänger Hartls zu sein.

Mit einem Interview Hartls von Mitte Dezember ging es auf kath.net los. Die Werbetrommel für MEHR wurde angeschoben. Und der Gründer des Gebetshauses legt darin auch gleich ordentlich los. Nicht mehr und nicht weniger als die "spürbare Gegenwart Gottes" wird den Besuchern versprochen. Und das ist kein Gerede, das kann Hartl auch beweisen!

"Also schauen Sie: wenn Gott ein harmloser Opa oder eine zahnlose Moralinstanz ist, werde ich kaum Hunderte von jungen Menschen dazu bringen, so verrückte Dinge zu tun, wie eine Nacht lang durchzubeten oder zu fasten. Oder in die Mission zu gehen. Oder mit Sex bis zur Ehe zu warten."

OK, das sind noch keine Zungenreden oder Wunderheilungen, aber wer weiß, was da noch alles folgt, um Gott zu beweisen... Auf kath.net jedenfalls geht es mit einem Beitrag vom Chef persönlich weiter. Hier wird dann schnell klar, dass das Grundproblem der Menschheit ein Problem der Anbetung Gottes ist. Schon das Beten "für etwas" wird gleich verworfen, das täten im Notfall auch die Atheisten. Da wundert es ein wenig, dass Hartl im kath.net-Interview noch bestätigt, dass er darum bete, dass MEHR ein Erfolg wird und dass "wir zu 100% ganz nah dran bleiben an der Führung des Heiligen Geistes und Jesus während dieser Tage an und durch uns das tun kann, was die Kirche braucht, um in dieser Stunde der Geschichte ausgerüstet zu sein." Aber gut MEHR und Gott, das kann man ja auch synonym verwenden, er ist ja spürbar vor Ort.

Das Problem heute sind laut Hartl vielmehr die vielen Götzen, die Gott aus unseren Herzen verdrängen. Da kann man eigentlich nur zustimmen. Doch Hartl wird konkreter, er nennt die Götzen dann auch beim Namen. Einer ist die "romantische Liebe". Hm, ich dachte eher an Geld, Macht, Ruhm... Der Götze der romantischen Liebe wird dann auch gleich enttarnt, geht es ihm im Kern doch nur um Sex. So sei Gott zwar die Liebe, die Liebe sei aber nicht Gott. Gefährlich Sache, die Liebe... sie führe zu Krieg und Mord und Totschlag. Ist es wirklich die Liebe, die dorthin führt? Oder sind es eher Verletzungen, Stolz und Rachsucht?

"Wenn zwei sich liebhaben, kann Gott nichts dagegen haben. Tja, kommt drauf an. Früher oder später befleckt es Dein Gewissen. Aber ein Herzensgötze wird früher oder später Dein Gewissen beflecken. Ein Herzensgötze ist kein guter Gott. Gott allein ist Gott."

Hier wird dann ansatzweise deutlich, woher der Wind weht, oder schwingt hier nur bei mir die homosexuelle Liebe mit, die nicht gottgewollt ist? Wie auch immer, wenn Jesus für die Ablehnung der Ehescheidung durch den Mann die Schöpfungsgeschichte anführt, wo Gott einem Mann eine Frau zuweist und beide ein Fleisch werden, dann hat das in meinen Augen aber doch ganz viel von der romantischen Liebe; zwei, die füreinander geschaffen sind. Aber darum geht es nach Hartl nicht.

"Die erste Frage in der Bibel ist auch nicht: Trennst Du auch Müll oder bist Du auch freundlich. Die erste Frage: Ich bin der Herr, Dein Gott. Das eigentliche Problem der Menschheit ist ein Problem der Anbetung und wer Dein Gott ist."

An der Stelle hatte ich gestern ein
Déjà-vu, als ich die unsäglichen Äußerungen des polnischen Außenministers las, der auch zwischen traditionellen katholischen Werten und erneuerbaren Energien und Vermischung von Kulturen und Rassen unterschied. Rassistischer Katholizismus zum Abgewöhnen.

Ohne ihm jetzt hier Rassismus vorwerfen zu wollen, weiß aber auch Hartl zu berichten, "dass es in der Heiligen Schrift Gott eben nicht primär um die Nächstenliebe gehe. Es gehe zuerst um die "Furcht des Herrn" und dass sein Name geheiligt werde."

Nun stellt aber Jesus in seinem Doppelgebot der Liebe die Gottes- und Nächstenliebe auf eine Stufe (Mt 22, 37-40):

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Die polnische Regierung beweist gerade auf erschreckende Weise, was passiert, wenn man vor angeblicher Gottesliebe die Menschenliebe vergisst. Dann entsteht der Götze, von dem Hartl unentwegt spricht, ein Fassadengott, der dem Egoismus menschlicher Führer frönt. Reich Gottes kann nicht alleine in der Anbetung entstehen, Reich Gottes bedeutet nach Jesus immer noch, die Hungernden zu speisen, die Kranken zu heilen und die Trauenerden zu trösten. Im Nächsten wird das Antlitz Gottes sichtbar. "Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." (Mt 25,40)

Apropos "geheiligt werde dein Name"... Jesus leitet das Gebet folgendermaßen ein (Mt 6,5-8):

Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten...

So warnt auch Bischof Oster auf der MEHR-Konferenz vor der Haltung des  "besitzergreifenden Machers". Ich kann mich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass die beiden Superstars dieser Konferenz besonders Gefährdete sind. Man sollte vorsichtig werden, wenn Erleuchtete meinen, Gott näher zu sein als andere Menschen...

Ich muss es noch einmal sagen, ich möchte die Veranstaltung nicht grundsätzlich infrage stellen. Sicherlich haben ganz viele Menschen ganz tolle Erfahrungen machen können. Der Personenkult und die bunte, sterile Glitzerwelt machen mir jedoch Bauchschmerzen. Mit Franziskus verbeultem Feldlazarett kann ich weitaus mehr anfangen. Wir können nur darum beten und versuchen die Welt besser zu machen, zu heilen, zu trösten und zu speisen. Gott braucht unsere Hände, um dies zu tun, weil er unsere Freiheit achtet. Das bedeutet dann natürlich nicht, dass Christen sich diese Erfolge unabhängig von Gott auf die Fahne schreiben können und überheblich werden dürfen, sind sie sich doch demütig darüber im Klaren, dass es Gott selbst ist, der hier wirkt.

3 Kommentare 5.1.16 11:21, kommentieren

Kölle all aff

So, ich hab mir ein paar Tage Zeit gelassen, nun möchte auch ich mich zu den Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof äußern. Der  Stempel des linken Gutmenschen verpflichtet ja geradezu auf eine Antwort auf das Geschrei der letzten Tage. Und vorab: Mein Mitgefühl gilt den belästigten und bedrängten Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Ich möchte ihr Leid mit diesem Text nicht relativieren oder verharmlosen. Sexualisierte Gewalt ist und bleibt ein großes Problem in unserer Gesellschaft, das hoffentlich Thema bleibt und noch mehr angegangen wird.

Wenn ich mir allerdings das Vokabular nicht nur in den rechten Medien anschaue, sondern auch das Vokabular der anderer Medien, von Politikern und Intellektuellen, dann wird mir angst und bange. Ist das überhaupt noch steigerungsfähig? Blanker Horror, Sex-Mob, Chaos-Nacht, Horror-Nacht, Zivilisationsbruch etc. In vorderster Front kämpft wieder die Kelle-Family auf all ihren Propagandakanälen in die Bevölkerung hinein. Frau "Mach doch die Bluse zu"-Kelle weiß keinen Aufschrei zu vernehmen. Dann knöpf dir die Bluse doch nicht bis über die Ohren zu, möchte man ihr antworten! Wer das hysterische auch feministische Geschrei dieser Tage nicht hört, der muss völlig taub oder völlig verblendet sein.

Ich frage mich wirklich, was in Deutschland los wäre, wenn es hier einen vergleichbaren Anschlag wie in Frankreich gegeben hätte. Und dass der kommen könnte, ist ja nicht ausgeschlossen. Ich befürchte, die Gewalt würde völlig eskalieren. Hier hätten Terroristen leichtes Spiel. Das Vokabular jedenfalls ist jetzt schon kaum noch steigerungsfähig.

Kelles Klaus funkt über kath.net eine Botschaft an alle Rassismus- und Rechts-Schreier, die nicht begriffen, "dass es hier gar nicht um mehr Rechts und mehr Reglementieren geht, sondern um die auch von ihnen gewollte bunte und freie Gesellschaft." Die sei in Gefahr! Das ist doch mal ein Ansatz, wir wollen also alle eine bunte, multikulturelle Gesellschaft, warum sagt ihr das denn nicht gleich. Dann könnten die Gutmenschen nämlich antworten, dass auch sie keine Vergewaltiger tolerieren, keine Gewalt akzeptieren und auf Sicherheit und Ordnung drängen.

Die Frage ist nur, ob eine rassistische und von Vorurteilen geprägte Haltung gegenüber allem Fremden und vor allem Muslimischen diesem Ziel gerecht werden kann? So recherchiert Kelle gleich noch eine Vergewaltigung durch einen Syrer in Süddeutschland und verweist auf die Ereignisse vor einer Pariser Polizeistation, wo ein Islamist erschossen wurde. Die Verbrechensrecherche wird sauber unter dem Stichwort Flüchtling und Moslem betrieben.

Niemand erwartet, dass die riesige Menge an Flüchtlingen problemlos zu integrieren wären, niemand erwartet, dass dies zu einer noch friedlicheren Gesellschaft führt. Da kommen oftmals schwer traumatisierte Menschen nach Deutschland, die uns auch weiterhin Probleme machen werden. Und ja, es kommen sicher auch Leute, die sich gar nicht erst integrieren wollen. Die muss man dann eben ausfindig machen und in ihre Heimatländer schicken, wenn das zu verantworten ist.

Es wird solche Zwischenfälle auch weiterhin geben. Die Karikatur des Gutmenschhen mit der rosa Brille ist ein schäbiger Versuch, Menschen, die sich für eine friedliche Welt einsetzen, zu diskreditieren. Diese Menschen wissen um die Schwierigkeiten und die Rückschläge bei dieser gewaltigen Aufgabe, weil sie an der Front kämpfen und helfen.

Ich erwarte auch von keinem Rechtsextremisten Unterstützung für diese Menschen, die erwarte ich auch nicht von Konservativen, Libertären, Atheisten oder wem auch immer. Unterstützung und Zuspruch erwarte ich aber von Christen. Christen, die sich gegen Menschen in Not stellen, die für die eigene Sicherheit Menschen an den Grenzen und im Mittelmeer opfern wollen, die haben aus meiner Sicht den Kern des Evangeliums nicht verstanden. An dieser Stelle wird das ständige rechtskonservative Geschwätz vom christlichen Opferleben, das man gerne vor sich herträgt, demaskiert. Diese Christen sind nicht bereit jeneiseits einer selbstgefälligen religiösen Opferinszenierung ein wirkliches Opfer zu bringen. Christentum als Fassade. Polen und andere katholische Länder zeigen, was dieses Christentum wert ist. Nichts.

Und an dieser Stelle muss man auch Papst Franziskus deutlich widersprechen, wenn er von der individualistischen westlichen Mentatlität spricht, die zu einer Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid des Nächsten führe. Diese Gleichgültigkeit sollte er erst einmal bei seinen Katholiken in so vielen Ländern diagnostizieren, die ihren Katholizismus feierlichst zur Schau stellen, gleichzeitig aber gegenüber menschlichem Leid immun sind. Da gehört eine Kritik des Papstes in diesen Tagen hin!

Denken wir doch die rechtsnationalen Forderungen einmal zu Ende. Was wäre das für ein Europa, das dann entstünde? Grenzen dicht, Straftäter raus und schon haben wir unsere heile Welt zurück?! Doch dieses menschengemachte Paradies wäre kaum zu halten und nur auf Kosten von vielen Opfern zu erreichen.

Die westliche Welt hat lange genug mit Kriegen und Waffengeschäften als Brandbeschleuniger in die Welt gewirkt, jetzt ernten wir das, was wir selbst gesät haben und das gefällt uns nicht. Wie mag unsere Hysterie in den Kriegsgebieten und bei den geschundenen, vergewaltigten und verstümmelten Menschen dieser Welt ankommen? Eine Frage, die mich gerade sehr beschäftigt. Rechtfertigen die Opfer von Paris, die abertausenden Opfer in Syrien und im Irak? Dieser Wahrnehmung müssen wir entgegegentreten. Sie ist ein großer Teil des Problems.

2 Kommentare 12.1.16 09:05, kommentieren

Kopfschmerz

Endlich traut sich mal einer aus der "verblendeten Clique" Tacheles zu reden. Bauch sagt zu Kopf ja, doch Kopf sagt zu Bauch nein...

Benedikt und Franziskus scheinen für diese Leute wie Feuer und Wasser zu sein. Prälat Wachter listet alle seine Helden und deren Antagonisten auf (hier): Franz und Bene, Müller und Kasper/Marx, Tebartz/Gänswein und Domkapitel, ein fröhliches Gegeneinander.

Das Konstrukt wird natürlich auch noch mit Inhalt gefüllt. Franzikus ein entscheidungsschwacher Populist, Kasper ein Häretiker, Müller als Wächter über dem Papst, Aufklärung von Missbrauch in der Kirche: abgeschlossen. Hätte er doch geschwiegen...

16.1.16 06:38, kommentieren

Nur die Liebe zählt

"Jesus he knows me"-Johannes Hartl outet sich auf kath.net als Dogmatiker. Vielleicht deshalb auch die Begeisterung Bischof Osters für den Charismatiker?! Das Papstvideo zum Dialog zwischen den Religionen veranlasste ihn zu einem Brief an Papstkontrolleur Kardinal Müller, weil sich der Eindruck, "hier würden alle Religionen als gleichwertig dargestellt", nicht ausräumen ließe. Dies sei jedoch mit der katholischen Lehre nicht vereinbar. Nur Jesus führe zum Heil, dabei komme es nicht darauf an aus Liebe das Gute zu tun.

"Ob man an diesen Jesus glaubt, ist die entscheidende Frage! Ob man meint, aus Liebe zu handeln, ist nicht immer das beste Kriterium. Menschen tun alle möglichen schrecklichen Dinge aus Liebe..."

Befragt man allerdings nicht nur den charismatischen Jesuskenner, sondern Jesus selbst, indem man etwa die Bibel aufschlägt, stellt sich die Sache doch etwas anders dar:

Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. (Lk 10,25ff)

Dieses Doppelgebot der Liebe, das Jesus auch an anderer Stelle als die Zusammenfassung des Gesetzes bezeichnet, rettet uns, wenn wir Jesu Worten Glauben schenken. Der Nächste kann da nicht einfach ausgeklammert werden. In ihm blicken wir in Gottes Antlitz. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. (Mt 25,40)

Doch irgendwie fand  auch der Gesetzeslehrer diesen Ansatz unbefriedigend. Man muss doch schon etwas Besonderes sein, so als großer Gesetzeslehrer... Deshalb hakt er nach und fragt Jesus, wer denn sein Nächster sei?

Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter.  Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

Samariter waren den Juden nun wirklich verhasst, erkannten sie doch den Tempel in Jerusalem nicht an und bezogen sie sich auf eine eigene Version der fünf Bücher Mose: Abtrünnige, Unreine, im Rheinland würde man sagen: Falsche Religion! Doch Jesus stellt ihn über die jüdischen Schriftgelehrten und Priester, weil er barmherzig handelt. Der Samariter wird leben, trotz der falschen Religion.

Hartl ist so stolz auf den ökumenischen Ansatz seines Gebetshauses. Ist das nur Fassade für einen in Wirklichkeit knallharten Dogmatismus?

2 Kommentare 17.1.16 13:51, kommentieren

Lebensschutz auch für Geborene

Dem rechtskatholischen Lager spielen die Ereignisse in Köln in die Karten. Endlich ist der angebliche Beweis für die seit Jahr und Tag vorgetragenen Vorurteile erbracht: Muslime gehören nicht zu Deutschland. Der Islam ist eine problematische Religion. Schon glaubt man von allen Vorwürfen befreit zu sein. Man ist nicht rechts oder gar rechtsextrem, man ist nur vernünftig und realistisch.

In dieses Horn bläst auch der oberste Lebensschützer Deutschlands, Martin Lohmann. Voller Pathetik stellt er sich als Nachfahre stolzer Widerstandskämpfer im Dritten Reich vor, rechtes Gedankengut muss ihm also fremd sein.

"Als Historiker mache ich mir da grundsätzlich schon Sorgen, weil etwas sehr Gefährliches beobachtet werden kann. Und das ist der perfide Versuch vor allem linker Kräfte, jede noch so berechtigte Kritik, jedes noch so berechtigte kritische Hinterfragen und jede noch so menschenfreundliche Sorge als „rechts“ zu diskreditieren. Ich nenne das Diskriminierung im Namen angeblicher Toleranz, die aber letztlich nichts anderes als eine ebenso geschickte wie perfide Intoleranz ist. Und zwar mit einem bestimmten Ziel: der Schaffung von Rechtsradikalismus, um dann endlich sagen zu können: Seht her, am rechten Rand wächst es!"

Doch da hat Lohmann etwas falsch verstanden. Die Kritik an Seinesgleichen behauptet gar nicht, dass er ein Nazi oder Rechtsextremer ist. Die Kritik an diesen Vorzeigechristen samt ihren "Parteien und Gruppierungen", die Lohmann so schrecklich diffamiert sieht und die er benennen würde, wäre er so heldenhaft, wie er sich hier inszeniert, zielt auf die NÄHE zu Rechtsextremen und Neonazis. Denn die Partei, die er wohl meint, kann vor dem Hintergrund seiner Merkellritik ja nur die AfD sein. Eine Partei, in der sich auch adlige katholische Lebensschützer engagieren, in der der Lebensschutz noch ganz groß geschrieben wird. Naja, zumindest der Lebensschutz von ungeborenem Leben. Dass man sich auf den großen Demos für den Lebensschutz von zum Tode Verurteilten einsetzte oder den radikalen Lebensschutz der Millionen Flüchtlinge einforderte, das konnte man bisher nicht beobachten.Oder?

Die Nazis bekamen ihre Macht von den massenhaften Mitläufern in der Bevölkerung. Das ist der Grund, weshalb man den christlichen Bruder kritisieren muss, der mit gefährlichen Leuten sympathisiert. Die 5% Neonazis in unserer Bevölkerung werden wir wohl nicht so einfach los. Denen laufe ich als Christ allerdings auch nicht hinterher, sondern versuche sie argumentativ zu demaskieren. Die AfD ist ein Sammelbecken für NPDler geworden, die letzten vernünftigen Politiker haben die Partei lange verlassen. Und Lohmann kommt hier mit einem solchen Unsinn...

"Geht es Ihnen auch so? Machen auch Sie sich Sorgen zu Beginn dieses Jahres 2016, das in Köln mit einem Horrorszenario begann? Ich treffe immer wieder Menschen, die besorgt sind angesichts einer Entwicklung, von der Angela Merkel einmal fahrlässig oder zuversichtlich meinte: Wir schaffen das."

Jo, Lohmann, wir machen uns alle Sorgen. Die Welt ist beschissen, wem sagst du das? Doch was ist die Alternative? Grenzen, Augen und Ohren dicht? Wir demonstrieren ein bisschen gegen Abtreibung und suhlen uns in unserer Rechtgläubigkeit, die Menschen auf der Flucht interessieren uns aber nicht?
 
Dass man Straftäter verfolgt und Menschen aus sicheren Herkunftsländern kein Asyl gewährt, darüber streitet doch niemand in diesem Land. Da wird ein riesiger Luftballon aufgeblasen und als tödlicher Komet auf Europakurs verkauft. Die entscheidende Frage ist: Lassen wir die Menschen vor den europäischen Außengrenzen verrecken oder nicht. Haben diese Menschen Lebensschutz? Um mehr geht es nicht. Alle Lösungsvorschläge zur Verhinderung einer Tragödie sind willkommen. Angela Merkel jedenfalls hat zuerst einmal Verantwortung übernommen, was man von rechten katholischen Regierungen in unseren Nachbarländern nicht sagen kann. Und jetzt gilt es natürlich weiter zu arbeiten, die Dinge in den Griff zu bekommen. Und das passiert ja auch gerade. Uns Christen bleibt nur, daran mitzuwirken und zu beten, sonst nichts.

Laufen wir stattdessen rechtspopulistischen Rattenfängern hinterher, verraten wir alles, wofür das Christentum steht. Niemand verlangt von Christen, dass sie sich verstecken sollen. Steh auf, Lohmann, geh in die Flüchtlingsunterkünfte und pack an! Dann kann ich dich wieder ernst nehmen. Nimm dir nen K-TV-Kameramann mit und zeig uns, was christliches Engagement bedeutet. Zeig uns, was du unter Mission verstehst! Denn:

"Unsere Gesellschaft braucht dringend aufgeweckte und glaubenstreue wie glaubensstarke Christen, die sich einmischen."

24.1.16 12:27, kommentieren

Bewunderung für Deutschland

Menschen, die in der Hölle gelebt und diese überlebt haben, wissen Helden von Mitläufern zu unterscheiden. Ruth Klüger, die heute eine Ansprache vor dem Bundestag hielt, sinnierte bereits in ihrer Autobiographie über das Gute und das Böse:

"Der Simone Weil war fast die ganze Belletristik verdächtig, weil darin fast immer das Gute langweilig und das Böse interessant ist, eine genaue Umkehrung der Wirklichkeit, meinte sie. Vielleicht wissen Frauen mehr über das Gute als Männer, die es so gern trivialisieren. Simone Weil hatte recht, ich weiß es von damals, das Gute ist unvergleichlich und auch unerklärlich, weil es keine rechte Ursache hat als sich selbst und auch nichts will als sich selbst.
Mir verschwimmen alle SS-Männer zu einer uniformierten Drahtpuppe mit Stiefeln, und als Eichmann gefangengenommen und hingerichtet wurde, war es mir geradezu peinlich egal. Diese Leute waren mir ein einziges Phänomen, und die persönlichen Unterschiede unter ihnen nicht das Nachgrübeln wert. Hannah Arendt hat das Gegenstück zu Simone Weils Behauptungen über das Gute geliefert, als sie auf die schlichte Tatsache hinwies, daß das Böse im Geiste engstirniger Borniertheit begangen wird. Damit hat sie allerdings ein Wutgeheul unter den Männern ausgelöst, die ganz richtig, wenn auch nicht unbedingt bewußt, begriffen, daß eine solche Entlarvung willkürlicher Gewalt das Patriarchat in Frage stellt. Vielleicht wissen Frauen mehr über das Böse als Männer, die es so gerne dämonisieren."

Heute dann schonte sie die Deutschen zwar nicht mit der Konfrontation ihrer historischen Verbrechen, brachte abschließend aber ihre Bewunderung für das gegenwärtige Deutschland zum Ausdruck:

"Hier, wo ein gegensätzliches Vorbild entstanden ist und trotz Hindernissen, Ärgernissen und Rückschlägen und Zweifeln noch weiter entsteht. Mit dem schlichten und dabei heroischen Slogan: Wir schaffen das!"

Das Gute ist nicht trivial, es fordert den steinigen Weg. Gerade die Christdemokraten sollten zu ihrer Kanzlerin stehen und nicht zu Mitläufern von Rattenfängern werden.


27.1.16 20:11, kommentieren