Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Von windigen Verkündern

Selten ist mir eine abstoßendere Verkehrung des Evangeliums begegnet als in einem Pamphlet von Professor Hubert Windisch, veröffentlicht auf dem papstkritischen Portal kath.net.

"Viele Äußerungen von Bischöfen oder Kirchenfunktionären unterscheiden sich nicht wesentlich von politischen Stellungnahmen. Im Gegenteil, manchmal erscheinen sie wie religiös verbrämte Verlautbarungen von Regierungssprechern, die eine unrealistische Fernstenliebe propagieren und dabei das konkrete Leben ihrer Schäflein vor Ort übersehen. Viele der letzten Weihnachtsansprachen atmen diesen Geist. Immer mehr Menschen wenden sich ungläubig kopfschüttelnd von den Kirchen ab, wenn der politischen Bevormundung draußen im Land im Kirchenraum, bei der Predigt zumal, die klerikal-moralisierende Bevormundung folgt. Die Verkündigung der Kirche ist erschütternd horizontal und flach geworden."

Der Begriff der Fernstenliebe soll wohl der christlichen Nächstenliebe gegenüber gestellt werden. Nächstenliebe richte sich an die "Schäflein vor Ort" nicht an die Wölfe von außerhalb, so kann man den windischen Gedanken wohl zu Ende denken. Was für eine Pervertierung des Evangeliums. Man fragt sich, wer einen solchen Kerl ausgebildet und in hohe Ämter eingesetzt hat?

Gottlob ist die kirchliche Verkündigung seit Franziskus "horizontal und flach" geworden, damit liegt sie nämlich wieder auf der Linie Gottes, der sich selbst klein macht, zum Menschen wird und ihnen auf der horizontalen und flachen Ebene begegnet, zuerst den Fremden und Ausgestoßenen und Kranken. Und da macht er so manche erstaunliche Erfahrungen, die dem Professor in seinem theologischen Elfenbeinturm vielleicht vorenthalten wurden?! Da ist es der Fremde Samariter, der sich als einziger von zehn Geheilten dankbar zeigt, so dass Jesus auch einen Samariter zum Helden eines Gleichnisses macht, in dem der Fremde einem Überfallenen hilft, während die religiöse Elite vorbeizieht.

Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Die beiden Schäfchen oder der Fernste?

Die Nächsten kommen bei Jesus eigentlich gar nicht so gut weg. So kanzelt er seine Familie ab und betont, dass die Menschen, die ihm folgen, seine Familie sind. "Wer ist meine Mutter und wer ist mein Bruder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder."

Jesus fordert nicht nur die Fernstenliebe, er fordert sogar die Feindesliebe, Windischs weichgespültes Wohstandschristentum braucht kein Mensch.

1.1.17 13:04

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