Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Autoritäre Päpste im Vergleich

Ja, ich wiederhole mich, aber es ist schon erstaunlich, was da im rechtskatholischen Lager gerade abgeht. Der absolutistische Alleinherrscher Franziskus hört einfach nicht auf seine Beratergremien, auch nicht auf die Glaubenskongregation, und trifft eigenmächtige Entscheidungen. Ein Vorwurf, den man vor 2013 vielleicht von "Wir sind Kirche", in Theologenmemoranden oder aus Pfarrerinitiativen hätte vernehmen können, aber doch nicht aus rom- und papsttreuen den Adel und die Monarchie verherrlichenden rechtskatholischen Kreisen?!
 
Man traut seinen Ohren und Augen kaum. Synodalität wird eingefordert, der vor 2013 verteufelte Begriff des "Dialoges" bemüht. Franziskus hat wahre Wunder bewirkt! Jaaaa, ihr habt ja so Recht! Endlich sind die Lager innerhalb des Katholizismus auf einer Linie. Nun muss man rechts der katholischen Mitte nur noch begreifen, dass Franziskus genau das gemacht hat! Er hat eine Synode einberufen und nicht nur die üblichen Hardliner aus dem Vatikan an der Entscheidungsfindung beteiligt, sondern die Weltkirche. Und schwubs, endlich geht mal was. Halleluja!
 
Nun können rechte und linke Katholiken endlich zusammenarbeiten und alle willkürlich-autoritären Entscheidungen von Päpsten, die gegen jede Vernunft und gegen das Zeugnis der Bibel durchgesetzt wurden, kritisieren. Der Ausschluss von Frauen vom Weiheamt fiele mir da natürlich zuallererst ein.
 
Wenn man aktuell rumjammert, Franziskus habe die Einwände der Glaubenskongregation bezüglich Amoris laetitia ignoriert, dann muss man auch Ordinatio sacerdotalis kritisieren. Hier geht es nämlich um eine definitive Lehrentscheidung, die ebenfalls fatale Auswirkungen auf ein Sakrament hat. Alle Frauen werden damit automatisch ausgeschlossen, entgegen dem neutestamentlichen Zeugnis! Das hatte die Päpstliche Bibelkommission schon 1976 beanstandet, Johannes Paul II ging jedoch über diese Erkenntnisse der führenden katholischen Theologen hinweg und definierte diese Lehre endgültig. Während Franziskus synodal für eine Öffnung der Sakramente auch für gescheiterte Menschen kämpft, schloss Johannes Paul II autoritär einen Großteil der Katholiken aus dem Weihesakrament aus.

11.1.17 17:22

Letzte Einträge: Alternative für Christentum, Gefährliche Konstruktionen, Gott im Geringsten finden, Falsche Propheten, Überflüssiges II, Brückenbau mit Abrissbirne

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Martina (1.2.17 23:45)
Wie soll Franziskus darum herum kommen?
Er ist auch nur ein Mann.
Oder es ist ihm recht.
Dann aber, wer hier eintritt, lässt alle Hoffnung fahren.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen