Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

The Hunger Games

Bischof Oster hat die Magie zurück in die katholische Kirche geholt, sein Obermagier ist Showprediger Johannes Hartl. Magie ist die geheime Kunst sich übersinnliche Kräfte dienstbar zu machen, sie für die eigenen Zwecke einzusetzen.

"Die Welt besteht mehr als aus dem Sichtbaren. Es gibt Kräfte zwischen Himmel und Erde, von denen die Naturwissenschaft nichts weiß. Gott erhört Gebet, und Gebet hat real Kraft. In besonderen Zeiten jedoch wird in der Bibel zusätzlich dazu gefastet. Zum Beispiel hier, wo eine nationale Katastrophe droht und ein Plan des Bösen verwandelt werden soll."

Und die nationale Katastrophe scheint auch uns zu drohen, hat man sich im Gebetshaus doch für die vorösterliche Fastenzeit vorgenommen, die Rettung Europas herbeizuhungern. Europa scheint besonders bedroht zu sein, doch "alle Tendenzen und Pläne der Zerstörung über unseren Ländern sind für Gott kein Hindernis". Man fragt sich, weshalb die Flüchtling der Welt zu großen Teilen nach Europa drängen, wo doch hier die große Zerstörung droht?!?

Wie auch immer, Hartl weist uns den Weg, das Böse zu besiegen und Europa zu retten: "Lasst uns in diesen 40 Tagen fasten und beten für Leben statt Tod und Heil statt Zerstörung - eine veränderte Geschichte in Europa." Und so wundert es auch nicht, dass er für seine theologische Begründung nicht auf das Neue Testament verweist, sondern eine Geschichte aus dem Buch Ester bemüht, wo die Heldin das Volk um Beistand durch Fasten bittet und so die Vernichtung der Juden verhindert. Mit Jesu Reden und Handeln wäre es nämlich relativ schwierig, ein solch Gott besänftigendes und lenkendes Ritual zu begründen.

"Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet." (Mt 6,5-8)

Scheinbar weiß Gott, was wir uns wünschen und was wir brauchen, leider wissen wir nicht immer, was Gott will, das musste schon Hiob lernen, der sich an alle religiösen Vorschriften und Rituale hielt und dennoch leiden musste. Und auch Jesus bitte Gott den Kelch des Kreuzestodes noch einmal an ihm vorbei ziehen zu lassen. Doch Gottes Pläne waren andere.

Zu oft hatte Jesus sich mit den religiösen Eliten seiner Zeit angelegt, hatte mit seiner Tempel- und Gesetzeskritik die Mächtigen gegen sich aufgebracht. Die Reinheitsgebote und das Sabbatgebot hatte er relativiert und den Männern den Scheidebrief gegen das mosaische Gesetz untersagt. Wer so mit den Machtinstrumenten der Mächtigen der Welt umgeht, lebt gefährlich.

Seine Reich-Gottes-Botschaft, die Reich Gottes schuf, indem die Leidenden geheilt, die Armen gespeist und die Ausgestoßenen integriert wurden, war denjenigen, die Vorteile aus den Unterschieden zogen, ein Dorn im Auge. Seine Tischgemeinschaften, seine Feiern mit diesen Menschen wurden ihm zum Vorurf gemacht: "Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!" (Mat 11,19)

Und so kehrten die Eliten dieses Verhalten Jesu ins Gegenteil um, indem sie ihre Autorität als Verwalter der Gesetze Gottes und der religiösen Rituale gegen ihn verwendeten:

"Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten." (Mat 9,14f)

Aber anders als die Johannesjünger, die sich vor dem apokalyptischen Endgericht wähnten und diesem mit Fasten entgegenfürchteten, verkündet Jesus eine Freudenzeit, denn der Herr ist unter den seinen, und dies gilt es zu feiern. Und in dieser Freudenzeit sollten doch alle Geistgetauften leben.

Vielleicht sollte Hartl seine Anhängerschaft also eher dazu animieren, hinaus an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und dort mit den Einsamen, den Obdachlosen, den Armen und Kranken zu feiern, anstatt für die Rettung Europas eine Medienshow zu veranstalten, dann würde Reich Gottes tatsächlich wachsen, auch in Europa und vielleicht nicht nur da.

12.3.17 13:25

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Armand Arnold / Website (16.3.17 09:26)
So falsch liegt der Hartl ja nicht: Übergewicht und Junk Food werden Europa am Ende noch in den Untergang treiben. Also fasten wir an gegen Gummibärchen und Tiefkühlpizza.

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