Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Scheiß Zeiten

Spannende Zeiten in der katholischen Kirche. Und in solchen kann man sich manchmal nur schämen, Katholik zu sein. Mit dem Dauerfeuer gegen die "Ehe für alle" war zu rechnen, auch wenn die Argumentation etwas verwundert, erweckt der katholische Tradi doch den Eindruck, dass seine Vorstellung einer sakramentalen Ehe dem des Grundgesetzes oder gar der jesuanischen entsprechen würde.
 
Das ist natürlich absolut nicht der Fall. Wenn Jesus von Ehe sprach, hatte er zunächst einmal die Verbindung eines erwachsenen Mannes mit einem pubertären Mädchen ohne weitere Rechte im Blick, dessen Schicksal und Würde es zu schützen galt. Der Vollzug der Ehe (man meint damit den Geschlechtsverkehr), der der katholischen Kirche so wichtig ist, um sie zu einer unauflöslich-sakramentalen Verbindung zu machen, und das natürlich nur, wenn auch beide Ehepartner katholisch sind, hat wohl mit Jesu Eheverständnis (Katholiken gab es da noch nicht) und auch mit dem des Grundgesetzes nur wenig gemein. Warum lässt man dem Staat nicht einfach seine säkulare Ehe und konzentriert sich innerkirchlich auf die sakramentale? Warum lässt man die Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben, nicht einfach in Ruhe heiraten, ob sie nun homo- oder hetero sind?

Innerkirchlich, Jesus bediente sich gerne der Formulierung "Reich Gottes", sollte es sowieso anders zugehen als draußen in der Welt. Schön wär's. Im Haifischbecken Vatikan hat man gerade einen großen Weißen ersetzt, ganz legal und rechtens. Das passt aber nicht allen kleineren Haifischen, so dass man ordentlich ins Becken macht und für eine trübe Brühe sorgt. Kleine Skandälchen und schmutzige Gülle bewahrt man - wie in der Welt draußen auch - genau für solche Momente auf, um sie dann an geeigneter Stelle ins Becken zu kippen.

Urplötzlich kramt man einen Skandal aus vergangenen Tages aus, um Franziskus und den Nachfolger von Kardinal Müller zu diskreditieren. Weil die Vertuschung eines Missbrauchsfalles allerdings nicht in die Amtszeit Franziskus fällt, muss man das Ganze so drapieren, dass man Franziskus  zwar besudelt, er hat diesen Mann schließlich installiert, den hochverehrten Benedikt aber möglichst außen vor lässt, obwohl der damals am Ruder war.

Und so viel übrigens zum Thema, dass Missbrauch nie systematisch vertuscht wurde, wie Kardinal Müller vor Wochen noch behauptete. Schade, dass im vatikanischen Haifischbecken wie in anderen Haifischbecken auch die Scheiße eben doch nicht immer gleich nach oben schwimmt. Schön ist auch die Begründung für das Unterlassen einer öffentlichen Anzeige des Missbrauchspriesters: Der dumme Laie soll wieder einmal nicht verwirrt und vor solchen Skandalen geschützt werden. Leider oder zum Glück funktioniert der vatikanische Wasserfilter nicht immer, so dass auch die kleinsten Fische irgendwann doch bemerken, dass es einen Unterschied zwischen Gülle und Bergquellwasser gibt.

3.7.17 17:39

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