Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Erpresserischer Klerikalismus?

Für den 14. September sind im Vatikan Gespräche mit den führenden Vertretern der Bruderschaft St. Pius X angesetzt, nachdem die vorausgegangenen Lehrgespräche, die sich mit zentralen Fragen zum II Vatikanischen Konzil beschäftigten, für beendet erklärt wurden. Nun bleibt abzuwarten, ob sich der kirchenrechtliche Status der Bruderschaft ändern wird.

Schon die Wiedereinführung des tridentinischen Messritus ist als Zugeständnis und Zugehen auf die traditionellen Kreise, die sich um die Piusbrüder scharen, zu bewerten. Zuletzt machte die päpstliche Kommission Ecclesia Dei, die eigens für die Wiedereingliederung der Piusbrüder ins Leben gerufen war, in der Instruktion über die Anwendung des Motu proprio "Summorum Pontificum" deutlich, wie ernst es dem Vatikan mit dem Angebot der außerordentlichen Form der Messe ist. So wird zwar darauf hingewiesen, dass die Gläubigen „nicht Gruppen unterstützen oder angehören, welche die Gültigkeit oder Erlaubtheit der heiligen Messe oder der Sakramente in der forma ordinaria bestreiten und/oder den Papst als Obersten Hirten der Gesamtkirche ablehnen“, wird dem aber entsprochen, so ist der Bitte um eine Messe in der außerordentlichen Form auch kleinen bzw. pfarrfernen Gruppen nachzukommen.

Nun hört man am anderen Ende des katholischen Spektrums in den letzten Tagen zunehmend Stellungnahmen, dass es vielleicht eine Änderung im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen geben könnte. So äußerten sich jüngst Erzbischof Zöllitsch, der Theologe Paul M. Zulehner und der Wiener Dogmatik-Professor Jan Heiner Tück . Es wird auf die Praxis der Ostkirchen verwiesen, wo eine zweite kirchliche Heirat möglich ist.

Interessant ist in Bezug auf die Aussagen von Zulehner und Tück, dass die Spekulationen rund um die österreichische Pfarrer-Initiative kreisen, die zum Ungehorsam gegenüber dem katholischen Lehramt mitunter in dieser Frage aufgerufen hat.

Alleine schon die realistische Möglichkeit dieses Zusammenhangs wäre kein glückliches Zeichen für alle Laien und es wäre ein fatales Zeichen für den Umgang radikaler klerikaler Gruppierungen mit Rom und umgekehrt. Kein Memorandum von hunderten Theologen und Religionslehrern, keine Kirchenvolksbewegung mit tausenden von Anhängern, nichts hat in dieser Frage in den letzten 50 Jahren etwas bewegen können. Anders möglicherweise der Zusammenschluss von ca. 300-500 Priestern, die mit einem Schisma drohen. So sehr ich diese Reform begrüße, so sehr würde es mich entsetzen, wenn diese Initiative der entscheidende Auslöser wäre! Dies gilt im Übrigen auch für die „alte“ Messe. Die außerordentliche Form der Messe und der Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen sollten nicht das Ergebnis von Erpressungen, sondern von innerkirchlichem Dialog sein. In diesem sollten dann auch die Laien eine Stimme haben und so gemäß den Aussagen des II Vatikanums ernst genommen werden. Und so gilt es Erzbischof Zöllitsch für den Dialogprozess, den er nach den Missbrauchsfällen in Deutschland initiert hat, zu danken!

31.8.11 20:03

Letzte Einträge: Brückenbau mit Abrissbirne, Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, The Hunger Games, Alternative für Ockenfels, Die wahren Freunde des Papstes

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Der Predigtgärtner / Website (12.9.11 18:02)
Herzlich willkommen als Blogger-Nachbar!
Habe gerade in einem Artikel verlinkt und werde morgen die katholische Bloggerliste auch aktualisieren:
www.bloggerliste.blogspot.com

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen