Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Von faulen Früchten in kirchlichen Gärten

Es rumort zurzeit ganz gewaltig im rechten Kirchenschiff. Nachdem das führende deutschsprachige Schreihalsportal nach dem Tod von Dirk Bach mit einer der üblichen vulgärsprachlichen Hasstiraden provozierte, lobte der Bruno Gmünder Verlag 15000 Euro Belohnung für diejenigen aus, die zur Identifikation der Betreiber beitragen können. David Berger, dem Kardinal Meisner nach seinem Outing als Homosexueller die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen hatte, war in der Folgezeit einer der Opfer dieser Seite, was ihn zu einem der engagiertesten Gegner des Portals machte. Auch an der aktuellen Aktion des Bruno Gmünder Verlags ist er wesentlich beteiligt.

Seit Berger einen ersten Erfolg der Aktion verkündete und auch Namen von Priestern und Kirchenmitarbeitern genannt wurden, ist eine zunehmende Unruhe zu beobachten. Selbst kath.net, das sich trotz der Fokussierung auf katholische Nachrichten in den vergangenen Wochen weigerte, auch nur ansatzweise vom Fall Bach zu berichten, publiziert plötzlich einen Artikel. Dabei fällt die ungewohnte Sachlichkeit dieses Beitrags ins Auge. Alleine die Tatsache, dass Berger neutral als "ehemaliger Religionslehrer" bezeichnet wird, statt wie zuletzt als scheinheiliger Homo-Religionslehrer neben dem Bild eines „crazy frogs“, zeigt an, dass man in der kath.net-Redaktion plötzlich Kreide gefressen hat.

Und auch in der vorzensierten Kommentarspalte (politisch korrekt auch moderierte Kommentarspalte genannt) hält man sich beachtlich zurück. Dass dies nur eingeschränkt funktioniert – im Grunde gehe es ja nicht um das Schmuddelportal, sondern um ein Vorgehen Bergers gegen die katholische Kirche - mag man aufgrund der unterdrückten Emotionen großzügig überlesen.

Eigenartig nur, dass es vielen Kommentatoren so schwer fällt, sich einfach einmal deutlich, ohne Relativierungen und ohne kindische „die anderen sind aber genauso blöd“-Reaktion von dem Nachrichtenportal zu distanzieren. Eindeutig haben sich selbst die bei den konservativsten Katholiken beliebten Bischöfe von der Internetseite distanziert und sie als unkatholisch und inakzeptabel bezeichnet. Aktuell ist eine solche Einschätzung auch von Kardinal Schönborn zu vernehmen.

Warum fällt aber vielen eine solche eindeutige Distanzierung so schwer?? Sollte Berger etwa Recht haben mit seiner Einschätzung, dass auf dem Nachrichtenportal nur das in radikaler Weise formuliert wird, was viele Katholiken sowieso denken? Wenn man sich einmal ein wenig in der katholischen Blogger-Szene umschaut, dann kann man vereinzelt diesen Eindruck gewinnen.

Mein Predigtgarten etwa. Da wird bemüht sachlich versucht, über die aktuellen Ereignisse rund um das Portal zu berichten, doch gelingt es dem Blogger kaum, seine Sympathie für das Portal, das in der Vergangenheit mehrfach positiv über den Garten berichtete, und seine Antipathie für den Theologen Berger zu verbergen.

So wird nicht etwa eine der legendär-verkreuzten Hasstiraden zum Einstieg in den Artikel gewählt, nein, ein vulgäres Zitat eines kritischen watchblogs ziert die ersten Zeilen des Blogeintrags. Die anderen sind auch nicht besser als wir Katholiken, das muss wohl die Intention dieser Vorgehensweise sein. Der Respekt vor dem Erfolg des Portals wird kurzerhand dem Spiegel „in den Mund“ gelegt. Und die Qualität eines Blogs scheint sowieso von den Klicks abhängig zu sein, scheinbar ein gut katholisches Prinzip?! Die Masse macht’s, Bild lässt grüßen.

Immerhin wird eingestanden, dass mit dem Artikel über Dirk Bach die Schmerzgrenze überschritten wurde. Wenn alles andere, der offene Antisemitismus, der Hass auf Homosexuelle und die Verachtung von Protestanten, scheinbar noch im Toleranzbereich ist, dann frage ich mich, weshalb die Bischöfe das Portal auch schon vor dem Fall Bach verurteilten?!

Doch so erklärt sich dann auch das verdutzte Fragen nach der Zielsetzung der Aktion des Verlages um Berger. Weshalb man nun nach den Hintermännern forscht, ist dem Blogger völlig schleierhaft. „Ziel der Aktion unter organisatorischer Leitung von David Berger ist es, den Behörden möglichst eindeutiges Material liefern zu können, um – ja, um was eigentlich…?“

Die Antwort wäre mit einem Klick auf die Homepage der Aktion ganz leicht zu erfahren gewesen. Dort heißt es: „Der Bruno Gmünder Verlag hat heute wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung Strafanzeige gegen den Autoren des Textes, aber auch kreuz.net selbst erstattet.“

Schließlich wird noch versucht, David Berger als unzuverlässig und verwirrt darzustellen, indem verschiedene Aussagen, die er zur Anzahl von Redakteuren und potentiellen Autoren gemacht hat, gegeneinander gestellt werden.

Zu guter Letzt wird noch auf die öffentliche Distanzierung eines verdächtigten Priesters von dem pseudokatholischen Nachrichtenportal verwiesen, scheinbar um anzudeuten, dass die Gegner im Grunde nichts in der Hand haben. Spätestens hier hätte dem Blogger aber aufgehen können, was die einzig vernünftige Reaktion im Zusammenhang mit dieser abscheulichen Seite ist, die eindeutige Distanzierung! Besonders dann, wenn man selbst auf dieser Seite hofiert wird.

Aber das ist wohl zu viel verlangt von einem Blogger, der zum Geburtstag des Reformators Martin Luther ausschließlich über dessen Judenhass berichtet und im Bericht über ein "islamisches Fahrrad" ein Zitat einflechtet, in dem vermutet wird, dass dieses dem Fahrer wohl den Kopf abschlägt. Vielleicht wird gerade an diesen Stellen deutlich, weshalb es so wichtig ist, dass sich die boshafte Saat des führenden Schreihalsportals nicht weiter ausbreiten darf und welche Früchte diese Saat hervorbringt.

9.11.12 22:33

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Christian / Website (11.11.12 16:08)
David Berger ist eine Vertrauensvolle und liebenswerte Person.

Nur weil manche die Wahrheit nicht sehen "wollen" oder "können", dürfen wir unsere Augen hier niemals schließen.

Ein besonderen D A N K an David Berger.


HUlrich / Website (11.11.12 18:25)
Es wird immer gern auf den intoleranten Islam und seine salafistischen Haßprediger vom Schlage eines Pierre Vogel oder Abu Nagie eingeprügelt, die zu Recht auch vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Kaum einer nimmt zur Kenntnis, daß wir genauso fanatische Haßprediger auch auf christlicher Seite finden.
Auch unsere "Katholiban" nehmen sich das Recht heraus, anderen vorschreiben zu wollen, wie sie zu leben und zu lieben haben und drohen mit der Hölle. Sie erzeugen eine Kultur der Angst und untergraben damit das Recht eines jeden, sein Leben so zu führen wie er will und wie er/sie glaubt, glücklich zu werden.
So etwas hat in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz und ich finde, daß der Staat da genauso aufmerksam hinschauen und reagieren muß, wie er das jetzt wohl hoffentlich bei der NSU macht.

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