Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Krieg um Mittelerde

Über den kreuz.net-Skandal um den Sprecher des ultrakonservativen Netzwerks katholischer Priester Hendrick Jolie berichtet kath.net auffällig zögerlich und verhalten. Offenbar hat der weiße Zauberer einen starken Moderationszauber über die entsprechenden Artikel gelegt.

Doch heute Morgen platzte dem Herrscher über das virtuelle Reich der katholischen Nachrichten der Kragen, Gandalf selbst ließ einen Kommentar unter den jüngsten Bericht über Jolie donnern. Was war da geschehen?

Kommentator Diak hatte zuvor das Alexa-Ranking thematisiert und damit darauf verwiesen, dass kreuz.net aufgrund der gemessenen Zugriffszahlen wohl die erfolgreichste katholische Internetpräsenz überhaupt darstellt und so nicht zu unterschätzen sei.

Nur nebenbei: Unterschätzt wird das Portal wohl weniger von kritischen Bürgern als vielmehr von der gesamten Kirchenführung bis hinauf in den Vatikan. Es ist schon ein äußerst beschämendes Zeichen, dass sich vorwiegend Menschen, die außerhalb der Kirche stehen, auf den Weg gemacht haben, dieser rechtsradikalen Seite den Garaus zu machen. Nun hat offenbar die Schweizer Bischofskonferenz sich dazu entschlossen, mit dem Bruno-Gmünder-Verlag zusammen zu arbeiten. Es bleibt fraglich, warum sich nicht auch die Deutsche Bischofkonferenz dazu entschließen konnte, wenn man schon nicht in der Lage ist, eigene Ergebnisse zu präsentieren?! Lediglich billige Distanzierungen wirken gemessen an dem Schaden, den kreuz.net der katholischen Kirche zufügt, völlig hilflos.

Zurück zu Gandalf. Der kann natürlich die Information, dass es im virtuellen Universum erzkonservativer Schreihalsportale eine erfolgreichere Macht als die eigene geben könnte, nicht auf sich sitzen lassen. Unmissverständlich stellt er fest, dass das Alexa-Ranking nicht auf den tatsächlichen Zugriffszahlen beruhen kann: „Die wirklichen Besucherzahlen können nur vom eigenen Server erfasst werden, aber nicht von außen. Und da hat Alexa keinen Zugriff.“

Das mag so sein oder auch nicht, viel interessanter ist Gandalfs Relativierung der Bedeutung von Zugriffszahlen: „Unabhängig davon ist die Besucherzahl das eine, die Wirkungs- und Gestaltungsmöglichkeit aber eine andere.“ Und man möchte ihm Recht geben, wenn auch die Masse der Besucher sicherlich nicht ganz unabhängig von der Wirkung einer Seite betrachtet werden kann.

Völlig d’accord gehe ich aber mit seiner abschließenden Vermutung: „Auch Pornowebsites haben vermutlich hohe Besucherzahlen. Was zeigt uns das?“ Auch wenn  der weiße Zauberer dieses Reich dunkler Mächte natürlich nicht aus eigener Anschauung kennt, so ist ihm hier wohl zuzustimmen. Und auch seine Frage ist berechtigt! Was zeigt uns das? Sex sells, das hat sich auch bis Mittelerde herumgesprochen. Nicht von ungefähr hat man beim so genannten „Weltbildskandal“, der im Vergleich zum kreuz.net-Skandal (5 Artikel, davon einer, der sich kritisch mit Stoppt kreuz.net auseinandersetzt) auf kath.net journalistisch intensivst beackert wurde (mehr als 80 Artikel), alle schmuddeligen Buchcover genüsslich abgebildet. Je billiger und reißerischer eine Internetpräsenz daher kommt, desto höher sind die Zugriffszahlen. Und da steht das schmuddeligste und reißerischste Portal dann zu Recht an erster Stelle, kreuz.net, dicht gefolgt von kath.net…

30.11.12 10:50

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Regina (30.11.12 14:51)
Bravo und Danke, Herr Schnitzler, für diesen Blogeintrag!

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