Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Von hinten durch die Brust ins Auge

Wie muss man vor Wut schäumen, wenn man vor lauter Kritik nicht bemerkt, dass man die eigenen Werte und Positionen verkauft. So geschehen heute auf kath.net. Abt Martin Werlen vom Stift Einsiedeln verweigerte kath.net vor kurzem ein Interview und steht wohl seither auf der Abschussliste.

Nun setzt sich Abt Werlen aktuell gegen eine Liberalisierung der Nacht- und Sonntagsarbeit in der Schweiz ein, durch die Tankstellenshops rund um die Uhr, auch sonntags, ihre Produkte verkaufen könnten. «Der Mensch ist nicht für die Wirtschaft da, sondern die Wirtschaft für den Menschen», lässt der Abt in Anlehnung an die Aussage Jesu zum Sabbatgebot verlauten. «Wenn wir nicht mehr zusammen Zeit verbringen können, verarmen wir und es droht ein Burnout der Gesellschaft», insistiert er mit Blick auf die Familie und das Gemeindeleben.

Doch das alles spielt auf kath.net keine Rolle, vielmehr glaubt man eine Gelegenheit gefunden zu haben, dem unkooperativen Geistlichen eins auswischen zu können. Gleich eine ganze Flut von kritischen Äußerungen aus der Arbeitgeber- und Wirtschaftsecke werden aufgefahren, um Werlen zu widersprechen. Ob man da auf der richtigen Seite steht?

Los geht es mit einer etwas seltsamen Formulierung, die vielleicht durch die innere Vorfreude auf die anstehende Kritik ausgelöst wurde?! „Seine "Einmischung der Kirchen in die Tagespolitik" stößt auf Kritik bei Politikern“, heißt es dort. Handelt es sich nun um Werlens Einmischung oder eine der Kirche? Muss man zwischen beiden überhaupt trennen?

Und auch im nächsten Satz wird nicht deutlich, was denn genau gemeint ist, wenn „Dominik Tiedt aus Geroldswil, Unternehmer und Präsident des Komitees der Kirchensteuerinitiative, die 2014 zur Abstimmung kommen soll“ zitiert wird. Die Kirchensteuerinitiative kommt demnach 2014 zur Abstimmung. Wer stimmt denn da wohl über diese Vereinigung ab? Und über was genau wird da wohl abgestimmt? Geht es um die Existenzberechtigung dieser Initiative? Man weiß es nicht so genau. Doch der unbekannte Verfasser des Textes fängt sich langsam, hat er doch einen ersten Schlag ausführen dürfen. Zwar nicht gegen Werlen aber gegen die scheinbar verhasste Kirchensteuer, die in der Schweiz auch Firmen zahlen müssen.

Weitere liberale Wirtschaftsvertreter werden zitiert. Kirche solle sich für Abtreibung und Sterbehilfe einsetzen und sich in der aktuellen Frage neutral verhalten. Gerade wegen solcher Einmischungen liefen der Kirche ja gerade die Leute weg.

Das schwerste Geschütz gegen Werlen fährt der Tankstellenbesitzer und FDP-Nationalrat Markus Hutter auf, wenn er Werlen vorwirft, „dass dieser jedoch Wasser predige und selber Wein trinke, da sonntags immerhin Bischöfe, Pfarrer sowie das Kirchenpersonal arbeiten.“ Auch Hutters Kollege Gerhard Pfister versteht die Welt nicht mehr: "Ich verstehe nicht, wieso Autofahrer anders behandelt werden sollen als Kirchgänger." Auch er greift noch einmal das Thema Abtreibung auf, von dem er sich eine klare Aussage der Kirche wünscht. Ich wusste gar nicht, dass es in dieser Frage Unklarheit in der Kirche gibt?!

Rund wird die Kritik an Werlen durch eine kritische Stimme aus der Kirche selbst. Martin Grichting, der Generalvikar des Bistums Chur, ist folgender Meinung: "Die Kirche, vor allem die Leitung, sollte Gläubige nicht politisch vereinnahmen. Wir haben die Aufgabe, den Glauben zu verkünden, und nicht, Politik zu machen." Ob er hier auch das kirchliche Engagement gegen die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften meint?! Wahrscheinlich eher nicht.

Halten wir abschließend fest, welche Position kath.net hier zumindest indirekt unterstützt, um den engagierten Abt zu kritisieren:

  • gegen Kirchensteuern, vor allem von Firmen
  • gegen einen familien- und gemeindefreundlichen Sonntag, da dieser für Austritte verantwortlich ist
  • für eine Vergleichbarkeit und Gleichstellung der Sonntagsarbeit von Bischöfen und Priestern mit Tankstellenangestellten und anderen Arbeitern
  • gegen eine Einmischung der Kirche in politische Fragen.

Ein erstaunliches Ergebnis!

10.1.13 20:34

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Regina (11.1.13 14:08)
" Abt Werlens antirömischer Dauerzustand " - so titelt das erzkonservative Portal wie folgt:

http://www.katholisches.info/2013/01/10/einsiedler-nachtgesprache-abt-werlens-antiromischer-dauerzustand/

So einen Schrott kann nur veröffentlichen, wer selbst eine Form eines " Hirnschadens" ( = Anspielung auf den Beginn des Artikels aus Werlens Sportunfall mit Hirnblutung als Folge /HIER als MEINE Retourkutsche auf die mehr als deutlich redaktionell "versteckte" Anspielung durch katholisches.info, die Hirnblutung zeigten Spuren bei Werlen mindestens als theologischer Spätfolgen ...) hat... my lord !

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