Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Worauf es wirklich ankommt

Wenn man sich auf so manchem radikal-katholischen Blog, die Eigenbezeichnung ist romtreu, umschaut, dann kann man den Eindruck gewinnen, dass das apostolische Glaubensbekenntnis eigentlich umgeschrieben werden müsste. Es spielt offenbar nur noch eine marginale Rolle. Vater, Sohn, heiliger Geist, da scheinen sich alle Christen einig zu sein, kein Problem, das beten ja sogar die Protestanten mit. Ok, ein Wörtchen verändern sie dann doch, aber immerhin. Nein, um die so gedachte „romtreue Katholizität“ wirklich, wahrhaft und unmissverständlich zu dokumentieren, müssen ganz andere Positionen bekannt werden. Der trinitarische Gott und das Evangelium spielen da so gut wie keine Rolle, im Kern dreht sich alles um Sexualität. Und vor der propagierten Sexualmoral scheiden sich die wahren von den (Tauf-) Scheinkatholiken.

Zuerst einmal muss der Zölibat als göttlich-offenbarte Lebensform für alle Priester quasi dogmatisch bekannt werden. Keine Ahnung, weshalb dem Petrus dieses Offenbarungsgut verborgen geblieben ist, wenn er nach dem Zeugnis des ersten Briefs an die Korinther mit Ehefrau missionierte?! „Haben wir nicht das Recht, eine gläubige Frau mitzunehmen, wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und wie Kephas?“ (1 Kor 9,5)

Im gleichen Atemzug muss bekannt werden, niemals über die Möglichkeit der Frauenordination auch nur theoretisch nachzudenken. Zum Glück für diesen Ansatz hat wenigstens das Johannesevangelium auch tatsächlich einen Mann unter das Kreuz gestellt, bei den Synoptikern sind die Jungs auf der Flucht zurück nach Galiläa und nur die Frauen folgen Jesus bis zuletzt unter das Kreuz nach. Doch selbst dieser Johannes kennt wie alle anderen Evangelisten ausschließlich Frauen am Grab und er macht Maria Magdalena zur apostola appostolorum, zur Apostelin der Apostel, wie Augustinus und Thomas von Aquin sie genannt haben, zur ersten Verkünderin der Auferstehung: „Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17)

Dann muss Gott wohl so gedacht werden, dass er gleichgeschlechtliche Liebe verurteilt, Menschen mit derartigen Empfindungen bürdet er unabhängig davon, ob er sie dafür gemacht hat oder nicht, ein Leben in Enthaltsamkeit auf. Paulus muss da auch etwas falsch verstanden haben, wenn er Liebenden empfiehlt: „Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einverständnis und nur eine Zeitlang, um für das Gebet frei zu sein. Dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führt, wenn ihr euch nicht enthalten könnt.“ (1 Kor 7,5)

Ähnlich gnadenlos verfährt dieser Gott mit vergewaltigten Frauen. Eine zeitnahe Verhinderung eines von ihm auf diese Weise geplanten Lebens verurteilt er in aller Schärfe.

So könnte das Glaubensbekenntnis doch folgendermaßen lauten:

 

Ich glaube an Gott, der den Zölibat erschaffen hat.

Ich glaube an Jesus Christus, seinen Sohn, der nur von Männern verkündet werden darf.

Ich glaube an den heiligen Geist, der Homosexuellen und vergewaltigten Frauen die übermenschliche Kraft gibt, die ihnen von Gott entzogene Freiheit in Demut anzunehmen.

Und Amen.

30.1.13 09:45

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