Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Die Gottesversteher

Manchmal kann es einem einfach nur noch schlecht werden, wenn man so manche Auslassung von Würdenträgern des konservativsten Flügels der Kirche liest. Zwei Beispiele liefert aktuell katholisches.info mit Bischof Thomas Joseph Tobin von Providence und dem Dominikaner Pater Giovanni Cavalcoli.

Ersterer maßt sich an, das Verhältnis Gottes zu einzelnen Menschen so genau zu kennen und bestimmen zu können, dass er eine Warnung vor dem Besuch einer auf Rhode Island nun erlaubten staatlichen Homo-Eheschließnug ausspricht: Die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung könne nämlich das „Verhältnis zu Gott schädigen“. Ich bin mir nicht sicher, ob es für Katholiken nicht viel schädlicher ist, sich vom Gottesbild dieses Mannes beeinflussen zu lassen?! Jesus jedenfalls hat sich nicht davor gescheut, den Menschen, die als unrein, ausgestoßen und sündhaft galten, zu begegnen und mit ihnen zu essen und zu feiern!

Das obige Beispiel kann der Dominikaner Cavalcoli jedoch noch toppen, wenn er uns sein Bild von Jesus Christus vor Augen führt, um zu verdeutlichen, dass Jesus - anders als die dialogisierenden Gutmenschen nach dem Zweiten Vatikanum - nicht dialogisiert, sondern hart mit seinen Feinden ins Gericht geht:

„Wenn wir aber das Vorbild Christ anschauen, sehen wir seine scharfen Streite mit Pharisäern, Schriftgelehrten und Priestern, mit härtesten Ausdrücken aus seinem Mund, mit denen er sie anklagt, den Teufel zum Vater zu haben, ihnen erklärte, daß sie in ihren Sünden sterben werden, er ihnen mit strengen göttlichen Strafen drohte, sie immer wieder der Heuchelei beschuldigte, des Geizes, der Lüge, der Untreue gegenüber Moses, an rein menschlichen Traditionen zu hängen, der Grausamkeit, der Ungerechtigkeit, der Frevel, des Mordes, der Glaubenslosigkeit und ihnen zwei harte Beschimpfungen entgegenschleuderte, wenn er sagte, sie sind „Natterngezüchte“ und „übertünchte  Gräber“ und noch anderes mehr.“

Ja, Jesus stritt mit den Pharisäern, den Schriftgelehrten, den Priestern. Mit all denen, die Gott für sich vereinnahmten, die genau wussten, wer Gott ist, was er will und wen er verurteilt. Selbst Petrus muss sich diese harten Worte anhören: Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Genau das sollte sich so mancher Würdenträger vielleicht einmal vor Augen führen. Mit den Armen, den Sündern, den Ausgestoßenen hegte Jesus diese harte Sprache nicht. Vielmehr war dieser sein Umgang mit an den Rand gedrängten Menschen der Stein des Anstoßes für die selbstgerechten Gotteskenner, die das mosaische Gesetz zu ihrem eigenen Wohl und Ansehen auslegten, um andere zu entwürdigen.

Jesus selbst stellte sich deshalb gegen manche dieser Gesetze (Sabbatgebot Mk 2,23ff, Ehescheidungspraxis Mk 10,4ff, Fastenpraxis Mk 2,18ff, Reinheitsgebote Mt 15,17f etc.). Ihm warf man „Untreue gegenüber Moses“ und Gotteslästerung vor! Doch genau damit entlarvte er die Gotteskenner als Selbstgerechte und Selbstverliebte, die die Liebe Gottes nicht zu den Menschen am Rande der Gesellschaft brachten.

Cavalcoli versucht uns einen Jesus zu präsentieren, der mit seinen Feinden hart ins Gericht geht, sie verurteilt und in die Hölle verbannt. Hat Jesus aber nicht vielmehr die Feindesliebe gefordert? Und geht er nicht vielmehr mit den selbstgerechten Gotteskennern hart ins Gericht?

17.5.13 10:26

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