Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Eros und Caritas

Auf so manchem katholischen Blog gibt es zurzeit hauptsächlich zwei Themen: Homoehe und Islamkritik. Letztere wurde durch das bestialische Abschlachten des britischen Soldaten Lee Rigby wieder befeuert. Eine Tat, die durch nichts zu rechtfertigen ist. Was mich an der ganzen Diskussion allerdings stört, ist die Tatsache, dass niemand auf die Motivation der Täter eingeht. Diese begründen ihre Tat mit den Militäreinsätzen westlicher Nationen in muslimischen Ländern. Und wenn man nur einmal auf die zivilen Opfer des Irakkrieges, des Afghanistaneinsatzes und der Drohneneinsätze vor allem in Pakistan blickt, dann halten sich die Opfer des Terrorismus in unseren westlichen Ländern doch sehr in Grenzen. Diese Tötungen sind ebenfalls, wenigstens aus meiner christlichen Sicht, durch nichts zu rechtfertigen und sollten scharf verurteilt werden. Auch von der Kirche! Denn es wird zunehmend deutlich, dass diese „Friedens“- und Kriegseinsätze Hass und Terror schüren und eben nicht den versprochenen Frieden bringen.

Weshalb Katholiken die antimuslimische Stimmung aber noch zusätzlich anheizen, bleibt mir vollkommen unverständlich. Gerade in unserem Land hat sich eine Masse an muslimischen Mitbürgern friedlich in unsere Gemeinschaft integriert. Der einseitigen Berichterstattung so mancher Hassseite sollte dringend Einhalt geboten werden.

Das gleiche gilt auch für den unguten Schulterschluss einzelner katholischer Gruppen mit Rechtsextremen bei Demonstrationen gegen die Homoehe. Hass kann niemals ein christliches Prinzip sein. Eine staatlich anerkannte Homoehe mit Steuervergünstigungen und anderen Rechten und Pflichten für zwei sich liebende Menschen, die Verantwortung füreinander übernehmen wollen, kann gar nicht so verurteilenswert sein, als dass ich mich dafür mit rechtsextremem Gesindel solidarisiere. Niemand fordert, dass Homosexuelle auch eine kirchliche Trauung erhalten müssten. Die Kirche mischt sich hier in das Leben von Menschen ein, die oft gar keine Christen sind, und befeuert mit so manch einer öffentlichen Äußerung das Ausschreitungspotential auf den Demonstrationen. Wo bleibt die Liebe gegenüber Menschen anderer Religion und anderer sexuellen Orientierung? Oder reicht es aus, wenn man sich mit der Liebe nur intellektuell in der einen oder anderen päpstlichen Enzyklika beschäftigt?

27.5.13 17:54

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bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


MC (27.5.13 18:03)
"Hassseite"? Ist das nicht ein bisschen hart, nur weil mancher Blogger einseitig ist?

"Die Kirche mischt sich hier in das Leben von Menschen ein, die oft gar keine Christen sind, und befeuert mit so manch einer öffentlichen Äußerung das Ausschreitungspotential auf den Demonstrationen."
Die Kirche hat, als gesellschaftliche Gruppe in einer Demokratie, die Pflicht, sich am gesellschaftlichen Diskurs zu beteiligen und das Recht, ihre Meinungen in diesen einzuspeisen. Dabei muss sie sich von gewalttätigen Krawallmachern und Verbrechern distanzieren. Was ja m.K. nach passiert. Wie manche Böswillige mit ihren Äußerungen umgeht, dafür kann man sie nicht in Haftung nehmen.


Regina G.-M. (28.5.13 12:50)
Die Kirche hat vor allem die allererste Pflicht sich am Beispiel d e s Menschen, Jesus aus Nazareth, und seinem lebendigen, Menschen niemals verurteilenden , sondern sich zuwendenen Beispieles zu orientieren, und nicht an Lehrsätzen, die dem Original entgegenstehen ! Die Kirche ist somit immer erst die Liebe schuldig, und nicht die moralisch fragwürdige Verurteilung, die sie oft sehr schnell auf der Zunge trägt. Dann, e r s t (!) dann ist sie auch nach außen, auch für Nichtgläubige positiv wahrnehmbar und es gäbe viel weniger Krawallnotwendigkeit.


MC (28.5.13 13:58)
@Regina:
Vllt. kann man es mit einem Satz des Hl. Pfarrers von Ars sagen: Ich liebe den Sünder, darum hasse ich die Sünde. Darin scheint mir das Beispiel Jesu am besten eingefangen. Jesus liebte die Sünder, aber er hasste die Sünde. Er hat sich den Sündern zugewendet, aber nicht der Sünde.

Nebenbei hat Jesus Menschen sehr wohl verurteilt. Aber nicht die Zöllner und Prostituierten, sondern die Pharisäer. Warum? Weil ihre Sünde schwerer war? Vllt. auch das. Wohl aber vor allem, weil die nicht umgekehrt sind, weil sie nicht einsahen, dass sie Sünder waren.


Volker Schnitzler (28.5.13 17:08)
Dass Jesus die Sünde vom Sünder unterschied und die Sünde hasste, das halte ich für ein gefährliches Bild. Es gibt keinen Menschen ohne Sünde. So kann Jesus selbst zu Petrus sagen: Weiche von mir Satan! Und wo hat Jesus Menschen verurteilt? Heißt es nicht vielmehr "Verurteilt nicht, damit nicht auch ihr verurteilt werdet"? Er eröffnet den Menschen das Reich Gottes, und der Glaube an Jesus, die Annahme dieses Angebots führt zur Umkehr. Das hat die Kirche zu leisten Räume zu eröffnen, die zur Umkehr führen, Reich Gottes in "menschenbegrenzten" Ansätzen zu ermöglichen. Und ich denke, dass dies nur möglich ist, wenn man gerade nicht verurteilt, sondern Vergebung und Liebe anbietet, die zur Umkehr führen können. Wenn ich den Menschen nur sage wie schlecht und sündhaft ihr Verhalten doch ist, werde ich sie niemals erreichen, zumal wir alle eben Sünder sind. Das wäre eine Sackgasse. Es kann nur über die liebende Zuwendung zu den Sündern Reich Gottes und Umkehr geschehen.


Stefan Kraft (30.5.13 10:57)
Das hier könnte zu einer sehr langen Diskussion werden...
Ich möchte dazu nur so viel beitragen: Generell hat mir das Lehramt bis heute nicht recht erklären können, inwiefern das Zulassen von Homosexuellen zur zivilen Ehe den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Familie (und ich bin ein großer Unterstützer der Familie!) gefährdet. Im Gegenteil werden Ehe und Familie als anscheinend so attraktiv angesehen, dass viele Homosexuelle sich genau dieses Modell auch für sich wünschen.
Die einzigen Argumente, die ich nachvollziehen kann, waren, dass einerseits dann auch bald Ehen zwischen Geschwistern erlaubt werden können und die Kirchen irgendwann doch gezwungen werden können, kirchliche "Homo-Ehen" durchzuführen. Ich habe mir noch keine echte Meinung zu beidem gebildet, bin aber nicht sicher, ob letzteres in Deutschland (wo es keine Staatskirche gibt) als Argument zählt.

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