Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

von schwarzen und weißen Schäfchen

In einem Text über die katholische Kirche in den USA kann man wieder einmal Informationen über das Weltbild der Macher von katholisches.info erhalten. So heißt es dort:

"Derzeit wächst die katholische Kirche in den USA durch die Einwanderung aus katholischen Ländern Lateinamerikas. Gleichzeitig treten damit neue ethnische Bruchlinien auf. Es werden deutliche Unterschiede zwischen weißen Katholiken und lateinamerikanischen Katholiken sichtbar. Letztere stellen sozialpolitische Interessen, die von Obamas Demokratischer Partei stärker bedient werden, vor moral-ethische Fragen.

Auch hier ergeben sich neue Herausforderungen für die Bischöfe, diese Neueinwanderer in das kirchliche Gefüge einzubinden und ihr Verantwortungsbewußtsein zu sensibilisieren."

Da haben Menschen aus ärmeren Ländern doch tatsächlich sozialpolitische Interessen?! Und zu allem Überfluss stellen sie diese auch noch über manche moralisch-ethische Frage. Man glaubet es kaum. Anstatt für eine gerechtere Welt zu streiten, so wird hier wohl indirekt empfohlen, sollten sich diese Menschen besser für die katholische Sexualmoral einsetzen?!

Schlimmer aber ist die vom Autor vorgenommene Unterscheidung zwischen "weißen" Katholiken und "lateinamerikanischen" bei entsprechender Zuordnung von moralisch-ethisch und sozialpolitisch. In manchem Kopf geht es wohl nur schwarz und weiß?!

Dem Ganzen wird aber noch die Krone aufgesetzt, indem von den us-amerikanischen Bischöfen gefordert wird, diese Lateinamerikaner in das "kirchliche Gefüge einzubinden" und das wohl fehlende "Verantwortungsbewusstsein" dieser Menschen zu "sensibilisieren". Gehören die lateinamerikanischen Katholiken nicht sowieso zur Kirche? Müssen sie sich von US-Katholiken bevormunden lassen?

Was haben solche Gedanken mit dem Katholischen zu tun. Unterscheiden wir katholische Christen nach Hautfarbe oder Herkunft? Das wäre mir neu!

3.6.13 15:48

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Stefan Kraft (3.6.13 17:26)
Nun, die erste Hälfte des zitierten Abschnittes finde ich nicht unbedingt schlimm: Die Formulierung "weiße und lateinamerikanische Katholiken" ist verunglückt, aber der Sachverhalt (Unterschiede zwischen "alteingesessenen" und "neu hinzugezogenen" Katholiken) mag durchaus vorhanden sein und ist ein sicher nicht uninteressantes Thema. Und natürlich darf der Autor des Artikels auch Bedenken äußern, auch wenn das nicht Ihre (und meine) sind.

Aber: Ihren Schlussfolgerungen stimme ich durchaus zu. Ich denke auch, dass diese Schwarz-Weiß-Einteilung dem breiten Spektrum der katholischen Kirche in den USA nicht gerecht wird (katholisch und für zivile "Homo-Ehe" ist in den USA kein Widerspruch). Zudem: Inwiefern sind soziale Fragen nicht auch moralisch-ethisch?


Maria Lohe (3.6.13 17:37)
Ich vermute mal, dass ein Großteil der "alteingesessenen" Katholiken der USA auch lateinamerikanischen Ursprungs ist, was soll die unsinnige Unterteilung nach Herkunft? Und gibt es nicht auch weiße Lateinamerikaner? Ich denke da z.B. an den neuen Papst.


Armand Arnold / Website (4.6.13 09:52)
also ob die sozialpolitischen "Interessen" lateinamerikanischer Einwanderer keine moralisch-ethische Fragen aufwerfen würden. Die Aufgabe der Bischöfe ist doch wohl eher, die alteingesessenen Katholiken für die moralisch-ethische Dimension sozialpolitischer Probleme zu sensibilisieren. Was wohl der kürzlich in den Vatikan eingewanderte Lateinamerikaner dazu sagen würde? Vermutlich dürfte er - anders als sein Vor-Vorgänger - die moralischen Brennpunkte auch eher in den Favelas seiner Heimat als in amerikanischen/europäischen Schlafzimmern entdecken.

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