Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Christen können keine Antisemiten sein

"Christen können keine Antisemiten sein." Franziskus bringt eine offensichtliche Wahrheit einfach einmal nüchtern auf den Punkt. Und diese Meldung bringt natürlich auch kath.net. Gleichzeitig blinkt rechts neben dem Text die Werbeanzeige für die Junge Freiheit, die Regina Wamper in ihrer Untersuchung „Das Kreuz mit der Nation. Christlicher Antisemitismus in der Jungen Freiheit“ wie folgt beschreibt:

„Religion und Glaube spielen in der völkisch-nationalistischen Wochenzeitung Junge Freiheit eine zentrale Rolle. Dadurch werden Bilder von Juden und Judentum vermittelt, die längst vergessen schienen.

Diese Bilder, ihre Verknüpfungen und Bezüge tradieren einen christlichen Antisemitismus und ein Verhältnis zum Christentum, das sich durch ein Zusammenspiel von christlich-fundamentalistischen Themen und völkischem Nationalismus auszeichnet. Die in der Jungen Freiheit vermittelten Bilder von Juden und Judentum belegen gleichzeitig, dass Antijudaismus eine immer noch aktuelle Form der Judenfeindschaft ist, und dass dieser christliche Antisemitismus mit Strategien des modernen und sekundären Antisemitismus verschränkt und gekoppelt ist.“

Ein Buch, das ich mit den Worten Wolfgang Ockenfels empfehlen möchte: „Eine lohnenswerte Lektüre!“

Auch katholisches.info bringt die Meldung, allerdings auf dem Ohr des vom Papst zitierten Konzilsdokument Nostra Aetate völlig taub, dafür im Ausdeuten des Ungesagten völlig neben der Spur, hörte man doch den Papst deutlich gegen Gender- und Homo-Ideologie predigen.

Spannender aber sind die Kommentare unter dem Text. Hier nur drei besonders bezeichnende:

"Richtig, kein Christ kann Antisemit sein aber gerade deshalb muß die Judenmission ein Herzensanliegen eines katholischen Papstes sein."

"Eine Lüge,katholiken haben keine gemeinsame Wurzeln mit Juden. Schade, dass Bischof von Rom weiss das nicht !!!"

"Also das mit den „älteren Brüdern“ kapiere wer will. Wer war denn zuerst da? Der Glaube dieser Juden oder der wahre Glaube? Das Judentum ist doch ein Abfall von der wahren Religion Daher müssten die Juden wenn überhaupt als Geschwister, dann als jüngere Geschwister angesprochen werden. Schließlich sind die Katholiken die Nachfolger des Bundsvolkes! Mit dem neuen wurde der alte Bund ja schließlich aufgehoben. Alles andere wäre unsinnig."

In der Kommentarspalte bestätigen sich die Analyseergebnisse von Regina Wamper, wenn sie die Position des rechtskatholischen Antijudaismus beschreibt:

"Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil erkenne die katholische Kirche zwar das Judentum als gleichwertige Religion an, das Judentum aber beharre auf seinem Wahrheitsanspruch. So komme es zu einer ›Rejudaisierung‹ des Christentums, da das Judentum nach wie vor christenfeindlich sei. ProtagonistInnen einer offeneren Kirche würden mit der Forderung nach gleichberechtigtem Dialog diese ›Judaisierung‹ begünstigen. Dies habe antichristliche Effekte. Der Dialog mit Islam und Judentum sei durch den Einzug freimaurerischer Ansichten in die katholische Kirche unter Aufgabe des christlichen Fundaments zustande gekommen. Jede Behauptung der Gleichwertigkeit der abrahamitischen Religionen führe zur Verwässerung, Relativierung, ›Zersetzung‹ und schließlich zur Vernichtung des christlichen Glaubens. Die christliche Religion wird als einzige und absolute Wahrheit gesetzt. Dialog solle demnach nur dann stattfinden, wenn er auf Mission ausgerichtet sei.

Der neutestamentliche Antijudaismus stehe in keiner Kontinuität zum modernen oder sekundären Antisemitismus. Antijudaismus sei gerechtfertigt als Selbstverteidigung gegen jüdischen ›Antichristianismus‹, der sich auch im Talmud zeige. Kritik am Antijudaismus gilt hier als Kritik an den Grundlagen des Christentums und wird somit als existenziell bedrohlich konstruiert. Der Antijudaismus entspringe der Ablehnung und Tötung Jesu durch JüdInnen und finde darin seine Legitimation. [...]

Relativierungsstrategien, ein Bestreiten der Singularität der Shoa, lassen sich häufig z.B. in der Debatte um Abtreibung auffinden. So sei der Vergleich zwischen Abtreibung und Shoa richtig und konsequent. Kritik an dieser Aussage, besonders von jüdischer Seite wird als Instrumentalisierung der Geschichte begriffen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland schränke durch ›Vergleichsverbote‹ die Meinungsfreiheit in Deutschland ein und begünstige damit antisemitische Haltungen. Hier wird schuldumkehrend die Ansicht vertreten, vermeintlich ›jüdisches Handeln‹ habe einen fördernden Einfluss auf Antisemitismus.“

25.6.13 18:43

Letzte Einträge: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, The Hunger Games, Alternative für Ockenfels, Die wahren Freunde des Papstes, Familie, Gott und Vaterland

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(26.6.13 11:37)
Also ich les die JF auch und bin weder Antisemit noch habe ich da antisemitische Tendenzen drin gelesen. War aber vllt. auch vor meiner Zeit.

Wobei man den Antijudaismus wirklich vom Antisemitismus unterscheiden muss. Das der zweite auf den ersten rekurrierte darf dabei als bekannt vorausgesetzt werden.

Zum Thema Judenmission: Seh ich kein Problem mit. Die ersten Christen waren Juden und haben zuerst bei Juden Jesus verkündet. Warum soll man das nicht weiter machen dürfen? Das die Juden natürlich eine besondere Stellung haben, darf gleichfalls als bekannt vorausgesetzt werden.


Volker Schnitzler (26.6.13 12:07)
Ich behaupte auch nicht, dass alle JF-Leser Antisemiten sind! Ich frage kritisch an, ob man auf einem katholischen Portal für ein solches Blatt werben sollte! Bischof Zdarsa hat im letzten Jahr einem seiner Priester ein Schreibverbot für die Junge Freiheit gegeben (vgl. hier: http://schnitzler.myblog.de/schnitzler/art/6639648/Wo-Schwarz-und-Wei-Braun-ergeben-und-Schwarz-nicht-mehr-darf). Vor dem Hintergrund der Worte des Papstes und auch der Analysen von Frau Wamper eine nachvollziehbare Entscheidung! Leider scheint es immer noch christlichen Antijudaismus zu geben, die Sache mit den Judenwitzen im Priesterseminar deuten auch in diese Richtung! Von einem Herrn Williamson und seinen Anhängern mal ganz abgesehen!


(26.6.13 16:39)
Also ich habe bei der JF bisher keine antisemitischen Tendenzen festgestellt. Natürlich ist es eine rechte Zeitung, doch das ist ja sowenig ein Fehler wie eine linke Zeitung zu sein. Das Buch von Frau Wamper müsste ich lesen, um es beurteilen zu können.

Der Fall von Bischof Zsardsa hängt m.M. auch damit zusammen, dass sich das Bistum nicht der öffentlichen Kritik aussetzen will. Kann ich verstehen, muss ich nicht gut finden.

Antijudaismus wird es immer in der Kirche geben, ist aber heute eine Randerscheinung. Ob ein Judenwitz schon einen ausgeprägten Antijudaismus nachweist, bezweifle ich. Da muss schon härterer Tobak kommen a la Wiliamson.

Nebenbei ist der Satz des Hl. Vaters ja nun nicht neu. Schon die Vorkonzilspäpste, spätestens ab Pius XI., haben sich in diese Richtung geäußert.

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