Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Starke Worte vor der Sommerpause

Auf seine unnachahmlich einfache und demütige Art stellt Franziskus heute nüchtern fest, dass es in der Kirche alte, hinfällige Strukturen gibt.

„Im christlichen Leben, auch im Leben der Kirche, gibt es alte Strukturen, hinfällige Strukturen: es ist notwendig, sie zu erneuern! Und die Kirche war demgegenüber immer aufmerksam, im Dialog mit den Kulturen... Immer lässt sie sich den Orten, den Zeiten und den Menschen entsprechend erneuern. Diese Arbeit hat die Kirche immer getan! Vom ersten Moment an. Erinnern wir uns an die erste theologische Auseinandersetzung: ist es notwendig, der gesamten jüdischen Praxis zu folgen, um Christ zu werden, oder nicht? Nein! Sie haben ‚Nein’ gesagt! Die Heiden können eintreten, wie sie sind: Heiden... In die Kirche eintreten und die Taufe empfangen. Eine erste Erneuerung der Struktur... Und so ist Kirche immer vorangegangen, indem sie es dem Heiligen Geist überließ, diese Strukturen, Strukturen von Kirchen zu erneuern. Habt keine Angst davor! Habt keine Angst vor der Neuheit des Evangeliums! Habt keine Angst vor der Neuheit, die der Heilige Geist in uns schafft! Habt keine Angst vor der Erneuerung der Strukturen!"

Das, wofür 300 Theologie-Professoren 2011 mit ihrem Memorandum  noch heftig kritisiert wurden, nämlich die Forderung nach Strukturreformen, spricht der Papst hier gelassen aus. Die Zeit des ängstlichen Bewahrens scheint in Rom endgültig vorbei zu sein. Gott sein Dank!

Und diesmal wird wohl auch keine Gegenreaktion von führenden Kardinälen zu erwarten sein, die mit der Diagnose einer Gotteskrise von den überkommenen Strukturen ablenken wollen, so als ob man beides unabhängig voneinander behandeln könnte.

Christus ist das Neue, so überschrieb die Zeit 2011 einen Auszug aus dem Jesusbuch Benedikt XVI, den ich damals in meinem ersten Blogeintrag  kommentierte und mit dem Memorandum zusammen dachte. Offenbart sich Benedikt hier wieder als theologischer Vordenker  dessen, was Franziskus nun in die Hand nimmt und umsetzt (ähnlich wie in der gestern veröffentlichten Enzyklika Lumen fidei)?! Es wäre dringend notwendig!

6.7.13 16:12

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jens Steffen (7.7.13 19:34)
Der Text des Memorandums erinnert tatsächlich in einigen Punkten an Predigten des Papstes:

Die Kirche ist kein Selbstzweck... Unbedingter Respekt vor jeder menschlichen Person, Achtung vor der Freiheit des Gewissens, Einsatz für Recht und Gerechtigkeit, Solidarität mit den Armen und Bedrängten: Das sind theologisch grundlegende Maßstäbe, die sich aus der Verpflichtung der Kirche auf das Evangelium ergeben... lähmenden Selbstbeschäftigung... „Warum habt ihr solche Angst? Ist euer Glaube so klein?“

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