Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Gandalf reitet wieder...

Lange Zeit hielt sich Gandalf, der mächtige weiße Zauberer des virtuellen Reichs der katholischen Nachrichten, im Hintergrund, in seinem erhabenen Zauberer-Turm auf. Man hatte schon den Eindruck, dass er sich im nun schon viele Jahre währenden Kampf gegen den satanischen Zeitgeist mit seiner linksgrünrotfeministischhomophilengendergemainstreamten Multikulti-Ideologie etwas die Kanten seines Zauberstabes geschliffen hätte.

Doch fasch gedacht! Nachdem aktuell ein Angriff gegen sein mächtiges Reich gefahren wird, drängt Gandalf wieder an die Spitze seiner Truppen, um als leuchtendes Vorbild den Sieg in der Schlacht zu erzwingen.

Was war geschehen? Sonja Angelika Strube, ein Mitglied des Forums katholischer Theologinnen, widmet in ihrem Buch „Rechtsextremen Tendenzen begegnen“ ein paar Zeilen dem gandalfschen Imperium. In Gandalfs schützendem Selbstbeweihräucherungszauber heißt das: Gegen "die wichtigste katholische Internetzeitung im deutschen Sprachraum". Man spürt schon hier, wie tief der Stachel der Kritik sitzt, dass es dieses Balsamspruchs mit Verweis auf die FAZ bedarf...

»Kath.net« macht sich durch Werbung und Berichterstattung regelmäßig zu einer Plattform neurechter Medien und Gedanken. Besonders offensiv wirbt diese sich katholisch nennende Seite für die »Junge Freiheit«: Zum einen durch Werbebanner, zum anderen, indem regelmäßig positiv auf die »JF« Bezug genommen und aus ihr zitiert wird. Diesen unverschämten Angriff gilt es nun zaubermeisterlich abzuwehren. Und was wäre da effektiver als der bewährte Umkehrzauber, bei dem die Energie des Angreifers aufgefangen und zurück zum Ausführenden geschleudert wird.

Fakt ist, dass kath.net noch nie für die "Junge Freiheit" geworben hat. Die "Junge Freiheit" wirbt ab und an auf kath.net[...].“ Ob sich Frau Strube von dieser glasklaren Zauber-Logik allerdings in die Schranken gewiesen sieht, das ist zu bezweifeln. Es drängt sich die Frage auf, ob Gandalf mit der gleichen Logik auch Werbebanner für die NPD schalten würde? Bringt schließlich Geld und zu verantworten hätte er diese Partnerschaft ja nach seinem Selbstverständnis nicht. Vielleicht sollten auch die Salafisten Deutschlands einmal überlegen, ihre Werbung auch auf diesem katholischen Nachrichtenportal zu veröffentlichen. Hier wird Toleranz groß geschrieben, Inhalte spielen keine Rolle. Wenigstens aber David Berger sollte sich einmal mit dem Zaubermeister in Verbindung setzen, um Werbung für sein Buch oder sein Lifestylemagazin zu schalten. Das sollte doch bestimmt kein Problem sein.

Nun, dieser Gegenzauber erscheint mir durchaus als etwas zu schwach für den Angriff von Frau Strube. Da wird der Meister wohl noch einmal in eine andere Trickkiste greifen müssen, zumal auch die Formationen seiner Truppen nicht gerade vielversprechend in Stellung gebracht sind. Vielmehr scheinen Sie ihrem vorweg reitenden Zauberer mit ihren Giftpfeilen in den Rücken zu schießen, bestätigen sie doch auf beeindruckende Weise, wie sehr sie mit den Positionen der Jungen Freiheit, von denen sich Gandalf ja irgendwie indirekt zu distanzieren scheint (oder auch nicht?!), konform gehen.

So berichte die JF „wahrheitsgemäß über den Zustand unseres Landes“, meint der Knappe Matthäus.

Kampfhund Waldi schwingt gleich die Keule gegen alles Weibliche und begründet die Ablehnung der Frauenordination mit dem „Gift“, das solche „Furien“ verspritzen.

Waffenexperte Siebenstern sieht in JF und PI „demokratische Medien“, die anders als DGB und verdi nicht zu Straftaten aufriefen. Nazivokabular und frauenfeindliche Ausfälle ergänzen sein Waffenarsenal.

Auch Schächer Dismas grenzt die JF positiv von der unlesbaren FAZ ab. Die Tendenzen, „die der Mainstream vertritt zerstören Familie, schädigen Kinderseelen und führen in den Abgrund.“

Die opferungsbereite Martyria stürmt dem Zauberer mit schrillem antifeministischem Geschrei nach und weist der Angreiferin mit gezielten Schlägen eine mangelhafte Ausbildung nach. So habe sie bei einem Professor promoviert, bei dem jeder seinen Titel bekomme, „v.a. Afrikaner, Inder und, genau: Frauen.“ Wo gibt es denn so etwas?! 

Frontstürmer speedy weiß die Schlacht schon gewonnen, denn von Feinden, die er nicht kennt, und dies scheint bei Frau Strube der Fall zu sein, weiß er, dann „kann sie nur unwichtig sein“.

Eine Vielzahl von Kämpfern hantiert mit den Begriffen Fakt, Mainstream und Verleumdung, ohne jedoch aufzuzeigen, was denn so verleumderisch und klischeehaft und faktenwidrig ist. Man fühlt sich  an den JF-Slogan auf kath.net erinnert: Wo alle einer Meinung sind, wird meistens gelogen. Hier im Kommentarbereich sind jedenfalls alle einer Meinung.

JF-Verteidiger Wolfgang Löhr wirft Redakteuren anderer Zeitungen vor, durch eine „Gehirnwäsche“ gegangen zu sein, ohne zu bemerken, dass gerade das, was er selbst an der JF lobt, die fehlende Kirchenkritik nämlich, genau die Masche ist, um Katholiken über den rechten Rand hinaus zu ziehen und sie zu islamo- und homophoben Freiheitskämpfern umzupolen, eine zutiefst antikatholische Haltung. Und genau deshalb muss man sich dem Kampf gegen diese Tendenzen im Katholizismus anschließen!

19.7.13 08:05

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bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Stefan Kraft (19.7.13 20:34)
Als kleine Korrektur sei noch erwähnt, dass Gandalf nicht im Turm zu Isengard sitzt - das tut Saruman der Weiße. Gandalf ist erst der Graue, der nach seinem Tod in Moria zurückgeschickt wird, und dann der Weiße wird.


Volker Schnitzler (20.7.13 09:00)
Tolkien-Fans unter sich ;-)


Volker Schnitzler (20.7.13 09:07)
Aber passend zu Ihrem Kommentar werden jetzt wohl auch kritische Beiträge im Kommentarbereich freigeschaltet, gut so! So wird der Weiße jetzt doch noch zum Grauen ;-)


Stefan Kraft (26.7.13 14:12)
Als Ergänzung sei noch gesagt, dass Gandalf sich weder als Weißer noch als Grauer vom Charakter her unterscheidet - und damit auch keine Zensur betrieben hätte. ;-)


Angelika S. (24.4.14 16:37)
Danke für den schönen Text "Gandalf reitet wieder". Ich musste herzlich lachen! Das tat richtig gut letzten Sommer...!

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