Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Päpste im Dialog mit dem Atheismus

Benedikt XVI macht es Franziskus nach und antwortet in Briefform auf eine Anfrage eines atheistischen Prominenten. Fast zeitgleich schreibt Franziskus dem Gründer der italienischen Tageszeitung Eugenio Scalfari (hier) und Benedikt dem italienischen Mathematiker  Piergiorgio Odifreddi (hier). Beim Vergleich der beiden Briefe kann man durchaus wieder die unterschiedlichen Stile der beiden Päpste studieren. Benedikt antwortet als Dogmatiker und Philosoph, Franziskus wieder eher als Seelsorger und Missionar.

Während Benedikt bei seinem Liebelingsthema Glaube und Vernunft ist, bringt Franziskus den Kern des Glaubens in einfachen Worten auf den Punkt. Dabei fällt auf, dass er von der Enzyklika Lumen fidei seines Vorgängers, die in seinem Namen erschienen ist, und der darin enthaltenen Argumentation, die auf den Paulusbriefen und dem Johannesevangelium fußt, geschickt eine Brücke zu Markus schlägt, mit dem er nun weiter argumentiert. Auch etwas, was den Stil der beiden voneinander zu unterscheiden scheint.

Franziskus bevorzugt  "in der spröden Konkretheit seiner [Jesu] Geschichte" zu argumentieren als in der präexistenzchristologischen Perspektive des Johannes. Denn in den Wundertaten und Bekenntnissen gebe sich Jesus als einer zu erkennen, der göttliche Vollmacht hat. Doch diese Vollmacht setze Jesus nicht herrschaftlich ein, sondern als Dienst für die Menschen, für die er das Reich Gottes schafft. Dies scheint mir auch der Ansatz Franziskus als Papst zu sein, die Insignien der Macht hat er ganz schnell abgelegt, er geht wie Jesus auf die Menschen zu und spendet Trost und verkündet ihnen das Evangelium.

"Tatsächlich beeindruckt, verwirrt und erneuert Jesus – wie er selber sagt – von seiner Beziehung zu Gott her, den er vertrauensvoll Abba [Vater] nennt und der ihm diese „Vollmacht“ verleiht, damit er sie zum Wohl der Menschen verwende." Das scheint mir Franziskus Programm in Reinform zu sein, wollte er nicht auch für Verwirrung und Unruhe sorgen, um die Herzen der Menschen wieder zu erwärmen!?!

Benedikts Brief ist jedoch nicht weniger interessant. Er stellt sich der Kritik eines Mathematikers, Theologie sei „Science Fiction“ und keine Wissenschaft. Benedikt kontert mit der Disqualifizierung Odifreddis "mathematischer Religion", weil sie weder Liebe, noch Freiheit oder das Böse kenne. "Eine Religion, die diese fundamentalen Fragen auslasse, bleibt letztlich leer.“

Nun geht Theologie, wenigstens wenn sie von einem gläubigen Menschen betrieben wird, tatsächlich davon aus, dass es Gott gibt, was mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht zu beweisen ist. Allerdings meine ich mich grau daran erinnern zu können, dass auch die Mathematik auf Axiomen gründet, die ohne Beweise angenommen werden... Naja, ich bin kein Mathematiker... Vielleicht ist das etwas anderes ;-)

27.9.13 19:00

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