Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Auf der Straße und im Elfenbeinturm

Ok, Neukardinal Müller sieht es offfensichtlich als seine Aufgabe an, den pastoralen und Menschen zugewandten Weg des Papstes mit dogmatischen Leitplanken zu begrenzen, damit nicht noch ein Unglück geschieht und eine Frau, die 19 Jahre mit einem geschiedenen Mann, von dem sie zwie Kinder hat, zusammen lebt, zur Kommunion geht (hier). Gut, ist wohl seine Aufgabe als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Im Elfenbeinturm darf man natürlich über Ideale sinnieren.

Dass er dabei jedoch jedes Gespür für das Evangelium vermissen lässt, wundert doch schon ein wenig. Der katholische Glaube sei keine "Wohlfühlreligion", wird er aktuell auf katholisch.de zitiert (hier). Na, wenn das mal keine Botschaft ist?! Hat da nicht ein handwerklich begabter Wanderprediger aus einem Nest bei Sepphoris etwas ganz anderes über sich und sein Handeln verbreiten lassen?

"Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet." (Lk 7,22)

Aber vielleicht ist das auch eine über die Jahrhunderte verfälschte Übersetzung? Vielleicht heißt es im Orginal ja vielmehr: Geht und berichtet dem Johannes, was ihr gesehen habt: Blinde sehen die Schönheit der göttlichen Ordnung, Lahme gehen auf dem Weg der dogmatischen Präzision, und Aussätzige werden sich an der katholischen Lehre innerlich reinigen; Taube hören die Dogmen, Tote verehren sie im Himmelreich, und den Armen wird ein Katechismus gespendet. Nein, das ist wahrlich keine Wohlfühlbotschaft...

2.5.14 09:42

Letzte Einträge: Brückenbau mit Abrissbirne, Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, The Hunger Games, Alternative für Ockenfels, Die wahren Freunde des Papstes

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MC (2.5.14 11:32)
Stimmt. Und Jesus hat ja auch gesagt, wie leicht man ne Ehe scheiden kann und wie toll und einfach das mit dem Verheiratet-Sein ist. Und Sünde ist natürlich nur, was man selber als solche ansieht, deswegen kommen die Pharisäer ja alle in den Himmel.


gebsy / Website (2.5.14 11:36)
Danke für diese Sichtweise!

Persönlich erfahre ich es immer wieder so, dass uns auf dem Weg zum Vaterhaus Angebote für das schnelle einerseits und bleibende Glück andererseits begegnen.
Bei der Weitergabe dieser Erfahrung mache ich immer wieder die ernüchternde Feststellung, dass darüber endlos diskutiert werden kann, wenn sich der liebe Mitmensch nicht auf einen vertrauensvollen Versuch einläßt, der helfenden Liebe Gottes zu begegnen ...

gebsy


Volker Schnitzler (2.5.14 15:33)
@MC

Wer sagt denn, dass die Pharisäer nicht im Himmel sind? Und ja, Jesus setzt sich stark dafür ein, dass die Männer nicht leichtfertig von ihrer Scheidungsmöglichkeit zum existenziellen Nachteil der Frauen Gebrauch machen, die damit gleichsam zu Aussätzigen der Gesellschaft wurden.

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