Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Eine perfide Fälschung

Auf katholisches.info informiert Giuseppe Nardi auf den ersten Blick relativ sachlich und objektiv über die neuesten Erkenntnisse über einen Papyrusfund (hier), der im Jahre 2012 kurz für Aufsehen sorgte, weil er von der Ehe zwischen Maria Magdalena und Jesus spricht (vgl. hier). Nun scheint sich das herauszustellen, was damals schon viele Bibelwissenschaftler ahnten, es handelt sich um eine Fälschung. Im Gegensatz zum Papyrus scheint die Tinte noch im letzten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts aufgetragen worden zu sein. So weit, so erwartbar, so unspektakulär.

Problematisch wird der Beitrag in einer Nebenbemerkung, in der auf subtile Weise ein latenter Antijudaismus durchscheint, der unter den Sympathisanten der traditionalistischen Piusbruderschaft offensichtlich trotz der Ausscheidung des Herrn Williamson immer noch virulent ist.

„Daß Jesus verheiratet war, wegen sexueller Ausschweifungen als Thora-Schüler entlassen worden sei und überhaupt ein liederliches Leben geführt habe, ja mit Maria Magdalena, einer Prostituierten zusammenlebte und Kinder zeugte, ist Verleumdungspropaganda, die so alt ist, wie Jesu Verfolgung und Hinrichtung. Infame Lügen, die von denselben jüdischen Kreisen ausgingen, die ihn ans Kreuz brachten.“

Wie perfide eine solche Aussage ist, kann man an der Tatsache ablesen, dass die katholische Kirche selbst dafür verantwortlich ist, dass Maria Magdalena entgegen allen biblischen Aussagen zu einer Sünderin und nachfolgend zu einer ehemaligen Prostituierten gemacht wurde. Ausgangspunkt für diese kirchliche Tradition war wohl eine Predigt Papst Gregors I im Jahre 591, in der er verschiedene Frauenfiguren in biblischen Erzählungen mit Maria Magdalena gleichsetzte.

Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen Nardis wenigstens in Bezug auf diesen Aspekt eine Ungeheuerlichkeit!

7.5.14 11:22

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