Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Hass macht hirnlos

Für Padre Ockenfels war es wohl mal wieder Zeit für einen deftigen Kommentar auf kath.net (hier). Wie bei allen Hasspredigern geht es im Grunde ziemlich simpel daher, weil ja sauber nach gut und böse sortiert wird. Im Falle des Padre steht hier das Christentum dem Islam gegenüber und die bürgerlich-konservativen Pflichterfüller dem linksrotgrünen (Pseudo-) Pazifisten.

Mit ein paar literarischen Verweisen versucht er dem banalen Geschreibe noch einen intellektuellen Anstrich zu verpassen. Der Padre weiß, wie Demagogie funktioniert. Dafür haben wir im Land der Dichter und Denker ein Händchen und eine lange Tradition. Mit der Kritik an der Verteufelung des armen Vladimir Putin durch eine antirussische Presse mogelt er noch schnell antichristliche Affekte derselben Medien mit in seine Argumentation. Ob er sich den Vladi als lupenreinen Christen vorstellt, dass er beides in einem Atemzug nennt?

Und dann wird plötzlich Theodor Haecker bemüht, um die Verteufelung des Islams noch anzuschließen, der „zweifellos etwas Ähnlichkeit“ mit dem Nationalsozialismus habe. So platziert man geschickt Ressentiments, alle Achtung, Herr Ockenfels.

Dass die ganze Nummer nicht aufgeht, hätte er selbst bemerken können, als er den Fall Dieter Nuhr bemüht, bemerkt er doch, dass eine Fatwa gegen den Komiker ausgeblieben ist und der öffentliche Frieden eben nicht gestört wurde, weil sich kaum ein vernünftiger Moslem über Nuhrs Beleidigungen aufgeregt hat. In Nuhrs Polemik findet der Padre den Islam allerdings gut beschrieben, wenn er dem Comedian bescheinigt, den Koran „islamisch korrekt beim Wort genommen zu haben“.

Doch so sind es dann entgegen Ockenfels Demagogie die Muslime und nicht die bürgerlichen Pflichterfüller vom Schlage eines Ockenfels, „die in Ruhe ihren Pflichten nachgehen und mancherlei Beleidigungen tolerant einstecken“. Denn der Padre ist derjenige, der von „antichristlichen Affekten“ faselt und sich hier als der „Friedensstörer“ outet, weil er sich „beleidigt und diskriminiert“ fühlt, ohne dass er für sein Beleidigtsein einen triftigen Grund anführt.

Und ja, Ockenfels, Hass kann und darf man nicht bestrafen. Aber als Brutstätte der Gewalt sollte man ihm entschieden begegnen. Schade dass man das einem Dominikanerpater noch sagen muss...

Vielleicht noch kurz zu Jesus, dem der Padre ja auch Hass gegenüber dem Verhalten der Schriftgelehrten und Geldwechsler im Tempel bescheinigt. Der Unterschied zwischen ihm und einem Hassprediger ist vielleicht der, dass Jesus sich als jemand ohne weltliche Macht mit korrupten Menschen mit Macht zum Wohle der Armen anlegt. Ein dominikanischer Professorpater, der ein Vielzahl von friedlichen muslimischen Mitbürgern beleidigt, ist damit wohl kaum vergleichbar. Im Gegenteil!

4.12.14 12:23

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