Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Klartext von Padre Benedetto

In seiner aktuellen Stellungnahme (hier) zu Spekulationen, er habe sich in die Bischofssynode einmischen wollen, wird ein Charakterzug Josef Ratzingers deutlich, der ihn auf der einen Seite sehr sympathisch macht, der vermutlich aber auch ein Stück weit für die Stolpersteine seines Pontifikats verantwortlich ist: seine stille, bescheidene Art die Dinge eher theoretisch auszufechten und dem konkreten Menschen seines Umfeldes möglichst nicht vor den Kopf zu stoßen.
 
[…] es sei „völliger Unsinn“, dass er sich in die Debatte der letzten Bischofssynode um die Zulassung von Geschiedenen zur Kommunion eingemischt habe. Vielmehr sei es so: „Ich versuche, so still zu sein wie nur möglich.“   […] Mittlerweile sei bei den Gläubigen auch völlig klar, „wer der wahre Papst ist“, setzt Benedikt fort und bedauert, dass es ihm nicht gelang, sich auch von der Anrede her deutlicher vom regierenden Papst abzusetzen. Er habe gewollt, dass man ihn seit seinem Rücktritt „Vater Benedikt“ nennt oder „Padre Benedetto“, aber er sei damals zu schwach und müde gewesen, um das durchzusetzen. Ob man das schreiben dürfe? „Ja, machen Sie das; vielleicht hilft’s.“

Ich habe den Theologen Ratzinger immer verehrt, er ist ein ganz großer seiner Zunft. Gleichzeitig habe ich ihn aber auch immer wieder als Papst erlebt, der für meinen Geschmack unerträglich vorsichtig und zögerlich bei der konkreten Umsetzung seiner brillanten Theorien (z.B. die Hermeneutik der Reform) auf die pastorale Praxis war. Und was ich bis heute nicht begreife, wo mir aber dieses Interview vielleicht ein Stück weiter hilft, ist seine Tolerierung eines aggressiven homo- und islamophoben Mobs in seinem Windschatten, die er niemals in die Schranken gewiesen hat. Sei es ein Matussek, sei es kath.net oder eine Kuby. Viele andere mit teilweise neurechten Tendenzen wären noch zu nennen.

War er zu schwach, diesen Krakeelern etwas entgegen zu setzen, oder hat seine vergeistigte Art ihn taub für die schrillen Ressentiments dieser Benedettos gemacht? Ich weiß es nicht, das Interview deutet eher auf ersteres hin...

7.12.14 14:15

Letzte Einträge: Die wahren Freunde des Papstes, Familie, Gott und Vaterland, Es ist schlecht, eine Horrormeldung nicht Horrormeldung zu nennen, Wissen, wie der Osterhase läuft, Mary can do it

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen