Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Der Weg der Bergpredigt

Bischof Oster wird nicht müde, gegen die Erklärung des ZdK und eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre zur Familien- und Ehepastoral anzuinterviewen und Erwartungen zu dämpfen (z.B. hier). Das ist sein gutes Recht, vielleicht ist es ihm auch wichtig, dem konservativen Flügel der Kirche, der in Deutschland nach dem Wegfall von Kardinal Meisner deutlich Federn gelassen hat, eine Stimme zu geben.

Was mich jedoch stört, ist seine unkonkrete Argumentation, die nie zu fassen ist, sondern sich einfach auf Inneres und Heiliges zurückzieht, so als habe die "Botschaft" Jesu mit der Welt nichts zu tun. Doch genau die ist Zielpunkt des Evangeliums.

"Es gibt meines Erachtens eine Entfremdung zwischen dem, was in der Schrift als Begegnung mit Gott, mit Christus, mit der Erfahrung seines Geistes immer neu geschildert wird. Die Begegnung mit Gott ist Einladung in sein Reich, also eine Herausforderung und Einladung in eine neue Wirklichkeit. Wir alle aber neigen dazu, Gott auf Worte, Ideen und Gedanken zu reduzieren. Und Gedanken stehen uns dann irgendwie zur Verfügung. Das Evangelium ist dann nur mehr eine „Botschaft“. Das ist es zwar auch, aber es ist doch mehr: Es ist Einbruch des Reiches Gottes und des Geistes Gottes in unser Leben, der in der Lage ist, mein ganzes Leben zu verändern, zu verwandeln, zu heiligen."

Es stellt sich die Frage, wie Menschen diese Erfahrung des Reiches Gottes machen sollen, wenn Sie sich von der Kirche ausgeschlossen und diffamiert fühlen? Darauf gibt Oster keine Antwort, das ZdK schon. Oster weiter:

"Mal ehrlich: Für wen ist das heute in immer noch volkskirchlich geprägten Strukturen eine reale Erfahrung? Wenn diese aber ausfällt, dann ist die Versuchung groß, dass nicht mehr ich meinem Gott zur Verfügung stehen möchte, sondern umgekehrt: Dann komme ich aus der Erfahrung eines durchschnittlichen Humanismus und dann müssen sich Gott und Kirche und Glaube irgendwie dieser Erfahrung angleichen. Die berühmte Forderung, die Lebenswirklichkeit der Menschen zu beachten, ist also zutiefst zweideutig. Jesus hat ja wie kein anderer diese Lebenswirklichkeit beachtet, indem er in sie eingetreten ist, aber er wollte Menschen doch nicht einfach da drin lassen, wie sie waren, sondern verwandeln. Die orthodoxe Theologie sagt sogar wörtlich: „vergöttlichen“ und meint damit schlicht: Wir sollen in der Kraft seines Geistes Jesus ähnlich werden!"

Das hört sich auch wieder sehr nett an, aber was bedeutet es? Wenn Gott Mensch wird und durch Leid und Tod geht, um Menschen, den Armen und Bedrängten, nahe zu sein und ihnen Reich Gottes zu schaffen, wie kann dann ein Bischof darüber jammern, dass volkskirchliche Strukturen nicht mehr funktionieren? Wo sind seine Antworten, wie man mit den Menschen unsere Zeit Reich Gottes schafft, zu ihnen gelangt, satt auf sie in einer leeren Kirche zu warten? Wo ist sein Weg zu den Menschen beschrieben? Das ZdK wird da konkreter.

Stattdessen steigert er seine Enttäuschung über die gottlose Welt noch zu der ultimativen Ausrede, dass Jesus ja schon vorausgesagt habe, dass die Welt die Christen hassen wird.  Auf in den geschützten Kirchenbunker, nur nicht raus in die böse Welt. Oster ist auf der richtigen Seite, die anderen wollen mit Gott nichts zu tun haben.

"Es gibt in dem, was das Johannes-Evangelium bisweilen „Welt“ nennt, auch eine tiefe Abwehr gegen Gott, gegen Jesus. Und hier ist eine Unterscheidung der Geister nötig: Wir können uns nicht im schlechten Sinn „verweltlichen“, nur damit uns auch die Gruppen lieb haben, die von sich her mit Gott wenig oder nichts zu tun haben wollen. Das heißt nun aber umgekehrt nicht, dass wir uns nicht dennoch in der Liebe Christi auch um diese bemühen sollten. Einfach weil sie auch seine geliebten Geschöpfe sind. Aber dieses Bemühen ist nicht Anpassung der Lehre, sondern eher Ernstnehmen der Lehre, die mich im Glauben befähigt, auch denen, die am Rand sind, die Füße zu waschen."

Tja, aber was heißen diese hehren Worte konkret? So wie ich die Evangelien verstehe, sind es vor allem die Mächtigen, die sich von der "Botschaft" Jesu, die eine Veränderung im Hier und Jetzt will und nicht auf ein jenseitiges Reich Gottes vertröstet, angegriffen fühlen. Sie bekämpfen ihn und erzwingen seinen Tod. Macht und Gewalt sind die Feinde Jesu, nicht die Sünder, denen er sich zuwendet. So schreibt auch der Theologe Walter Wink:

Wenn jemand sich anschickt, die Gewaltspirale zu durchbrechen, fordert er die Mächte heraus. Jesus haben sie daher ans Kreuz gebracht. Die Gewalt in der Bibel, auch die Gottesgewalt, ist „notwendige Voraussetzung für das schrittweise Verstehen ihrer Bedeutung“, bis der Gewaltmechanismus durch Jesu Verhalten definitiv entlarvt wurde. Die Klarheit dieser Offenbarung hat die frühe Kirche aber nicht durchgehalten. Jesu Lehre von der Gewaltfreiheit wird bis heute oft missverstanden: als Aufforderung zum passiven, widerstandslosen Erdulden. Sie ist aber vielmehr das aktive und kreative Ergreifen der Initiative durch die Unterdrückten, wie die drei von Jesus in Mt 5,39-41  genannten Beispiele zeigen.

Vielleicht zeigt die Bergpredigt den Weg, den z.B. Homosexuelle in der Kirche gehen müssten. Immer wieder gemeinsam, Hand in Hand, vor den Altar treten und sich abweisen lassen. Haltet auch die andere Wange hin, lasst euch das Kirchenrecht vorlesen und abweisen, immer wieder, fordert die Macht heraus. Und fangt im Bistum Passau damit an ;-)

25.5.15 21:41

Letzte Einträge: Die wahren Freunde des Papstes, Familie, Gott und Vaterland, Es ist schlecht, eine Horrormeldung nicht Horrormeldung zu nennen, Wissen, wie der Osterhase läuft, Mary can do it

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Armand Arnold / Website (26.5.15 09:12)
Ich habe mir gestern im Bayrischen Fernsehen die Bergwanderung von Werner Schmidbauer mit Bischof Stefan Oster angesehen. Der Mann weiss die Medien zu nutzen und kommt dabei durchaus sympathisch rüber. Schliesslich war er vor seiner "Erweckung" (meine Interpretation) ja selber Radiomann und im übrigen in einer längeren festen Beziehung mit einer Frau. Sobald er aber anfängt, als Theologe zu argumentieren, läuft alles auf den Gegensatz "Welt-Evangelium" hinaus. Das wird sehr freundlich vorgebracht, aber es bleibt im Grunde ein theologisches Selbstgespräch des Stefan Oster mit sich selbst. Ich hatte den Eindruck, seine Positionen in Sachen Ehe, Zölibat, Wiederverheiratete usw. haben sehr viel mit seiner persönlichen Biografie und dem, was er als seine tiefgreifende Erfahrung andeutete, die zu seiner Hinwendung zum Ordensleben und zur Theologie führte. Als die persönliche Überzeugung des Stefan Oster kann ich seine Position respektieren, als verbindliche Auslegung des Evangeliums durch einen Bischof finde ich sie angreifbar.


gebsy / Website (26.5.15 09:59)
Hallo! Mir persönlich sind die bischöflichen Ausführungen zu langatmig; doch verstehe ich sie aus dem Leben für das Leben verfasst. Könnte es sein, dass vom Leser eine persönliche Gottesbeziehung vorausgesetzt wird, um den Gedanken folgen zu können? gebsy


Volker Schnitzler (26.5.15 10:36)
@gebsy
Genau das ist der Punkt! Seine Aufgabe wäre es doch, denen ohne Gottesbeziehung zu einer zu verhelfen, oder? Wir sind als Christen doch keine elitären Gnostiker, die ihre eigene Erleuchtung feiern.

@Armand Arnold
Mir steht es nicht zu über die persönliche Biographie des Bischofs zu urteilen. Aber ich hatte tatsächlich auch schon den Gedanken, dass die Erfahrung des Scheiterns einer langjährigen Beziehung - die Dame wird ja auch nicht so viele Jahre ohne Erwartungen investiert haben - nicht zu einer tieferen Erkenntnis über das Scheitern und Verzeihen geführt hat. Osters Argumentation ist immer dogmatisch, septisch, kalt. Das beißt sich für meinen Geschmack doch irgendwie.


Martina (29.5.15 21:46)
Die "Unterscheidung der Geister" bedeutet ausschließlich, den Geist Gottes, der uns Gott näher bringt, von anderen Geistern, die das Gegenteil anstreben, zu unterscheiden. Das Ziel ist, Gott im Lieben und Dienen näher zu kommen, alles andere sind Mittel dazu.
Das diese Unterscheidung vor allem dazu dienen soll, sich als ChristIn von der Welt abzugrenzen, wo steht dieser Passus im Exerzitienbuch des Heiligen Ignatius von Loyola?
Da fehlt mir der Quellenbeleg von Bischof Oster.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen