Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Ich verstehe einfach vieles nicht

Bei bestimmten Themen können sich manche Katholiken geradezu in Hysterie reden.  Auch Kardinal Müller kriegt sich offensichlich kaum noch über die Entscheidung der irischen Katholiken in Bezug auf die säkulare Homo-Ehe ein. Dabei spart er nicht mit bissiger Polemik. Die sakramentale Ehe werde so diskriminiert, dem Götzen der Selbsterschaffung und Selbsterlösung gehuldigt, die Formulierung "Niederlage für die Menschheit" sei eine  sehr präzise für das irische Debakel.
 
Es gehe bei der «Homo-Ehe» nicht darum, dass Homosexuelle nicht diskriminiert würden, erklärte der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation. Dies sei eine Selbstverständlichkeit. «Nichtdiskriminierung war nur die Schalmei, mit der sich die Naiven in den Schlaf des Gewissens wiegen ließen» (zitiert nach der Zusammenfassung auf kath.net)

Ein großes Wort gelassen ausgespochen. Homosexuelle nicht zu diskriminieren sei eine Selbstverständlichkeit. Ich frage mich, wie diese Aussage mit der "Instruktion über Kriterien zur Berufungsklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen im Hinblick auf ihre Zulassung für das Priesteramt und zu den heiligen Weihen" vereinbar ist?! Dort heißt es:

"Im Licht dieser Lehre hält es dieses Dikasterium im Einverständnis mit der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung für notwendig, mit aller Klarheit festzustellen, daß die Kirche – bei aller Achtung der betroffenen Personen – jene nicht für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen zulassen kann, die Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte homosexuelle Kultur unterstützen.
Die genannten Personen befinden sich nämlich in einer Situation, die in schwerwiegender Weise daran hindert, korrekte Beziehungen zu Männern und Frauen aufzubauen. Die negativen Folgen, die aus der Weihe von Personen mit tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen erwachsen können, sind nicht zu übersehen."

Menschen mit tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen können also keine Priester sein, was vor dem Hintergrund der hohen Anzahl homosexuell veranlagter Priester schon ein erstaunliche Aussage ist. Aber davon einmal abgesehen; wenn das keine Diskriminierung ist, was ist es dann? Für eine Vielzahl von guten katholischen Priestern, die ihr Zölibat leben wie heterosexuell veranlagte Priester auch, muss das ein Schlag ins Gesicht gewesen sein.  

Homosexuell veranlagte Menschen können also keine Priester werden. Heiraten können sie aber auch nicht, das unterstreicht Müller dann auch noch einmal.

"Die Ehe könne nur aus dem Ja-Wort zwischen Mann und Frau entstehen und müsse offen für Kinder sein, betonte der Präfekt. Ehebruch sei eine schwere Sünde, die vom Gottesreich ausschließe, solange der Sünder nicht durch Reue, Bekenntnis, Wiedergutmachung und die Absolution die Wiederversöhnung mit Gott und der Kirche erlangt habe. Dies seien die wesentlichen Grundlagen."

Was mich ein wenig wundert, ist die Selbstverständlickeit, mit der Müller hier am Evangelium vorbei argumentiert. Jesus entgegnet der Ehebrecherin in Johannes Kapitel 8 mit dem einfachen Satz "Auch ich verurteile dich nicht". So schafft Jesus Reich Gottes, er geht auf die Sünder zu, heilt, vergibt und feiert mit ihnen, was ihm ja gerade die Probleme mit der religiösen Elite einbringt. Wie kommt man nur von da aus zu Müllers Aussagen? Ich verstehe es nicht. Aber ich bin natürlich auch kein Dogmatiker.

8.6.15 18:16

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bisher 9 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jan29 (8.6.15 20:13)
Hat dieser Jesus nicht auch gesagt: Richtet nicht, damit auch ihr nicht gerichtet werdet"?


gebsy (8.6.15 20:34)
Die Ehebrecherin hat die Kriterien der Sündenvergebung erfüllt und den Rat Jesu ernst genommen. Sie ging aus dieser Begegnung gerechtfertigt hervor und hat keinen Ehebruch mehr begangen ...


Volker Schnitzler (8.6.15 20:38)
Steht wo?


rembetiko / Website (9.6.15 19:46)
Lieber Volker, es ist doch wirklich egal, was in der Bibel steht. Steht darin auch das Verbot, Eide zu schwören (Mt 5, 33 - 37; Jak 5,12. Eide sind sogar als "vom Bösen" gekennzeichnet. Trotzdem hat Gerhard Ludwig wie jeder Bischof in Bayern brav seinen Eid geleistet, nicht auf die Bibel, sondern auf die bayrische Verfassung.
Weiter heißt es "Und sollt niemand Vater heißen auf Erden, denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist." (Mt 23,9) Und doch lässt sich da jemand "Papa = Papst" nennen, und keinen stört's offenbar.
Geht es aber darum, anderen Leuten zu zeigen, dass man das Recht hat, in ihr Leben zu pfuschen, dann ist auf einmal die gute Bibel wieder recht und kann nicht wörtlich genug genommen werden. So bei Geschiedenen und Homosexuellen...


Volker Schnitzler (9.6.15 20:27)
Kopf hoch, das wird schon :-)


schwarzes Schaf (10.6.15 12:20)
Leute, die geistig behindert sind, können auch keine Priester werden. Das kann man Diskriminierung nennen oder auch kluges Abwägen.


Volker Schnitzler (10.6.15 13:07)
Ach, ich dachte, das hätte mit Berufung zu tun. Und ob das immer so radial umgesetzt wird, weiß ich auch nicht ;-)


Martina (10.6.15 16:35)
Unsereins soll ja den Priester, der vom Bischof eingesetzt wird, akzeptieren. Uns fragen, kommt dem Episkopat nicht in den Sinn. So werden auf die Kirchengemeinden auch wiederholt pädophile Priester los gelassen. Das nur nebenbei.
Ist es zielführend, zu erwarten, dass wir Feld- Wald- und Wiesenchristen erfahren, welche sexuelle Präferenz die Person hat, die jahrelang die Sakramente spendet, tauft, traut, absoviert, predigt, salbt, bestattet und unsereins katechesiert?
Ganz nett, zu erfahren, ob
a) sich Frauen
b) Männer oder
c) Kinder
bevorzugt vor "Hochwürden" in Acht zu nehmen haben.

Mir scheint, ich habe einen Alptraum!


schwarzes Schaf (12.6.15 14:16)
Zur Frage der Berufung:

Berufung nur einseitig auf der subjektiven Seite zu sehen, greift zu kurz.
Die Berufung erfordert immer zwei Dinge: Die persönliche (subjektive) Neigung bzw. Überzeugung und die Annahme durch die Kirche.

Es gibt auch Leute, die einen Spleen haben und meinen berufen zu sein, obwohl die Kirche ihnen klar sagt, daß sie es aus verschiedenen Gründen nicht sind.
Oftmals suchen die sich dann irgendwelche Vagantenbischöfe, um sich "weihen" zu lassen. Beispiele dafür gibt es genug.

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